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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-10-23 · Heft 43 (23.10.1891) · p. Seite 512

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 43 (23.10.1891)
Date
1891-10-23
Page
Seite 512 (sequence 8)
Language
German
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r-’ry^xy-x - 512 - flWül weit ins Gesicht fallen'), zuweilen fehlen sie aber auch gänzlich'). Auch die Wimper sind bald stärker, bald schwächer"), hier und da fehlen sie ganz'). Zuweilen liegen die Augen tief in den Höhlen. Solche Augen sind als Leibcsfchler cinzuschen'). Am heilsamsten für die Pflege des Auges ist »ach talmndischer Anschauung das Wasser, namentlich das Wasser Galiläa's — ein Tropfen kalten Wassers des Morgens und das Waschen der Hände und Füße des Abends ist mehr wcrth, als alle Angensalben der Welt"). Knoblauch, Kohl und ein Trank, der aus Spargel, Gewürz und Wein bereitet wurde, Gargir, eine Kohlart'), alle Arten von Süßigkeiten") und Früchte") haben wohllhütige Einwirkung auf die Sehkraft; auch der Genuß von Lungen, namentlich der Gänselungen'"), wird als heilkräftig erwähnt; feines Brod und alter Wein beleben den Blick; hingegen übt großes Gerstcnbrod, frisches-, nicht genügend gegvhrencs Bier, rohes Gemüse rmd der babylonische Brei, der aus Molke, Salz und altem, verschimmeltem Brod bereitet wurde, nngilnstigc Wirkung ans das Auge.") 7. Augenschnicrze»'') sind nach kalmudischer Anschauung gefährlich, denn die Sehkraft steht in engster Verbindung mit dem Herzen)") Allzu rasches Gehen wirkt schädlich auf das Augenlicht — der starke Schritt vermindert die Sehkraft um den fünfhundertsten Theil; weswegen Josef keine Brüder mit den Worten entließ: „Machet nicht allzu große Schritte"! "j Auch vieles Sprechen ist dem schwachen und kranken Auge schädlich; darum ward als Regel hmgestellt: man besuche Keinen, der an einer Unterleibskrankheit, an den Augen oder am Kopf leidet)") Wer Ilnflath ans seinem Kopfe duldet)") sein Haupthaar trocken kämmt, den ans dem Faß hernieder tröpfelnden Wein trinkt, nasse Füße mit Schuhen bekleidet, vermindert sein Augenlicht.^) — Die meisten Augeukrankheiteu entstehen durch das Betasten der Augen mit den Fingern, zumal wenn dieses detz Morgens, che die Hände gewaschen wurden, geschieht, — eine Hand, die solches thut, sollte abgehauen werden)") denn ein böser Geist ruht des Morgens auf den Fingern, der erst durch das Waschen entfernt wird)") — Wer sein Auge vor Gefahr schützen will, der trinke nicht Nachts aus einem Flusse oder See)") hüte sich vor Souuenstrahlcn, die durch eine enge Spalte in einen dunklen Raum fallen-'), sehe nicht auf den Regenbogen, auf ein gekröntes Haupt oder ans die Priester, wenn sie im Heiligthum den Segen über die Gemeinde sprechen)-) — Der verächtliche Lebenswandel der Eltern zieht die Erblindung der Kinder nach sich)") Auch j Bestechlichkeit-") und Simuliren von Blindheit machen am Ende blind.-") Sandige Gegenden üben schlechten Einfluß auf die Augen — in solcher Gegend wohnten die Palmyrener, darum hatten sie kon- ') B. famn 117a; Bech 44a, pS1 * 3*?- -> Bech. 43b lt. 44a, VS’* IttrUT jÖlD- :i) Bech. 44a. 4) Jalk. Echa 1007. 5 *) Bech. 08b, '0 Sabb 1081»; 78a 7 8) Joma 18b; Bcr. 50a; Bla; B. kaum 87a; zu f- Plin. 14, 11); 20, 42. s) Joma 83b. "> Sanh. >78. "0 Eh»!. 1)4 a. Die Bemerkung ist agadischcr Natur, vgl ritf'H mit n) Pes. 42a u. b; Ser. da; Hör. 12a. *-) Vgl. de» Ausdruck Jer. Succa 50a, Babb. 11b u. ö. 1:i) Ab. s. -28b. 1") sw. lila, vgl. Tau. 10b; Sabb. 113b l") Ned. 41a. 1(;) Ned. 81a. 17) Pes. 111b. >*) Sabb. 108b. >") Joma 77 b, vgl. Raschi zu Sabb. 108 b, s v. J.’Skpn, s biugegcu Ilruch s. v. Pes. 112a. -1) Joma 2Db. --) Ehag. 10a — alle drei tragen etwas vom Glanz der götllicheu Majestät au sich. 9!ed. 20a. -J) Eine agad. Teutuug von Ex. 23. 8; Deutr. 16, 11), vgl. Spr. 17, 14; Pea Ende; Geu. r. 27; Jalk. .Hiob 008. lieber den Grund für die Blindheit Jsaks ) Meg. 28. -->) Sabb. 31a. Zu mET)D das vgl. Bech 44a, Tosaf. ib. s. v. Raschi zu Sabb. 31a giebt das Wort mit wieder. .Hoffentlich wird der auuonyme Rezensent meiner Schrift: Jerusalem uud Eaesarea, Berlin, Mayer und Müller 18!>0 in Rahmers Littcratnrblatt 1890 Nr. 18 m^inn nicht wieder wie dort mit „Hochburg des Sanges und der hcitercu Gelage" wiedcegcben wollen. . 1 vulsivisch zuckende Augen. Unterleibsleiden schwächen das Augenlicht)) Armuth macht blind.") — Besonders gefährlich ist das sodomitische Salz, das die Asphaltdecke des todten Meeres liefert; es bewirkt vollständige Erblindung. Um dieses Salz, das den Speisen beigegeben wurde, von den Fingern zu entfernen, ward von den Rabbinen das Waschen nach der Mahlzeit als religiöse Pflicht hingestellt.") 8. Im Allgemeinen herrscht die Ansicht, Augenkrankheiten, namentlich Blindheit, seien bei den Inden stark heimisch gewesen)) Diese Annahme wird aber mindestens für jene Zeit, in welche die Abfassung des biblische» Schriftthums füllt, durch nichts erwiesen, da in diesem der Blindheit nur selten gedacht wird, und wo dieses geschieht, sie zumeist als plötzlich eingetretene und häufig ebenso rasch vorübergegangcne Strafe erscheint (vgl. Gen. 19, 11; 2. K. 0, 18; Sech. 12, 4; Weish. 19, 6). Hingegen werden Augenkrankheiten im n. T. öfters erwähnt (vgl. Math. 9, 29; 20, 34; Mark. 8, 23; Joh. 9, 0; Apg. 9, 17); Tob. 3, 17 ist von einem schuppenartigcn Gebilde im Auge und Apg. 9, 8 von einem dunklen Fleck auf der Hornhaut die Rede. Der Talmud kennt an Augenkrankheiten: ein Häutchen, welches das Auge überzieht,") ein Geschwür auf dem Jrishüutchen,“) das Heraustreten des Auges in Folge "einer Geschwulst oder der Erschlaffung und Lähmung des Augapfels)) die Augenentziindung)) den Augenfluß,") das Stechen im Auge)") die Augenröthe, die als besonders gefährlich galt)') die Thränenfistel)") die Augenbcere, die i) Ned. 22 a, Sol). 989. -) Jalk. Rut 701 s. v. ijajjj nKH 3) fVÜ'HD nbiÄ/ s;il sodomiticum, Erub 17b; vgl. Ber. 40a, ib. 53 b, Tos. i. b. onfll- Zu Obigem und Folgendem vgl das Berschen über die Pflege des Auges iu Bartschs Augendienst, Snlzbach 1686, p. 424: Das Bad, der Wein und auch der Wind Zusamult dem Pfeffer mache» blind; Jngleichen Knoblauch, Rauch uud Zwiebel Berd erben unser Auge übel. Mit Linsen, Thränen, Senf und Bohnen Soll man das gute Auge schonen: Wo Sonne, -'euer und viel Staub zu finden, Kann man gar bald und schnell erblinden, Zumal kann Stehen, Schlagen, Wachen Dem Auge viel zu schaffen machen. 4) Vgl. auch Fried mann, Der Blinde u. s. w., Wien 1873, S. 21 f. Zn meinem Bedauern ist mir diese Arbeit erst spät, als ich mit vorliegender beinahe vollständig fertig war, zu Gefickt gekommen. — Gewiß ist es, daß Egypten noch heute die bevorzugte Brut- und Beobachtnngsstätte für Augenkrankheiten ist. Dort entwickelte sich zuerst das Spezialistenwesen unter den Okulisten, weswegen diese das höchste Ansehen unter den Völkern des Alterthums genossen, vgl. Ebers a. a. O. S. 136. Beachteuswerth ist es, daß Papyr. Ebers ein Augenmittel im Namen eines Semitell mittheilt (ib. S *21)5). 5) TTT, Sabb. 87a, wahrscheinlich gleichbedeutend mit das wieder mit VN) idenlifizirt wird, vgl. Bech. 83 a, b; ist das griechische clialazion, Diminut. von clialaza, Hagelkorn, vielleicht auch Gerstenkorn, das sich irn Augenliede bildet (vgl. Hirschberg, Wörterbuch der Augenheilkunde S.!7, Ebers, a. a. O. S. 297), wonach Levy, Wb. s. v. zu korrigiren ist. v) Sabb. 87b, Bech. 38b, Git. 69a. 7) |T/ Jer. Sabb. 14 d, Augenmuskellähmung, Ophlalmoplegia, Paresis oder Paralysis, vgl. Ebers a. a. O. 295. 8) Ab. s. 28b 0) A. s. 28b, Beza 22 a, lippitudo, bei den Griechen oflalmia. t0) ib* n) A. s. 28 b, vgl. Jer. Sabb. 14 d; Ab. s. 28 b; Röthe, oder der böse Nebel iu den Augen, Haemophtalrnus, galt als Farbe des Typhon auch bei den Aegyptern als besonders gefährlich, vgl. Ebers, a. a. O. S. 272, 28». KDJfän/ ^lb. s. 28b; vgl. Ket. 601», Bech. 44a.

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