Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1891)
- Date
- 1891-10-16
- Page
- Seite 498 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227877-3227920--48311-3270825- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
m f UJ.lj«MW!iU Ul 4^M^aUWW«WWWWWW 498 - Schon bei den Embryo erscheint das Auge als Pünktchen, ähnlich dem Jliegenauge. Das Vorzüglichste am Auge, daher des meisten Schutzes bedürftig'), ist der Augapfel'), häufig als Bild der besondern Liebe und unausgesetzten Beobachtung gebraucht (Deutr. 32,10; Ps. 17,8; Spr. 17,18). Der Augapfel des Menschen ist rund, während der des Thieres länglich ifta>; er besteht aus einer weißen') und schwarzen Masse''); beide sind durch einen feinen Rand von einander getrennt"). Im menschlichen Auge wird das Schwarze von dem Weißen überwogen, während bei dem Thiere das Umgekehrte der Fall ist'). Das Weiße ist eine Fettmasse, die nicht leicht zu Schaden kommt"). Auf die Bildung des Weißen im Auge hat der Vater, auf die Bildung des Schwarzen die Mutter des Kindes Einfluß"). Nicht das Weiße, sondern das Schwarze in dem Auge bewirkt das Sehens. Die Sehkraft selbst stammt von Gott"). Der Augapfel ruht geschützt in den Augenhöhlen"). Andere Schutzmittel sind: Die Augenlieder'"), die aus den Falten über und unter den Allgen bestehn, die Augenbrauen") und die Augenwimpern'"). Man unterscheidet große und kleine Augen'"). Augen gleich denen des Kalbes werden als groß, gleich denen der Gans als klein angesehen"). Auch das Augenlicht des Menschen ist verschieden, bald stärker, bald schwächer'"). Die Zeit, in der sich das Auge öffnet und schließt, der Augenblick (Hiob 21, 5, 13; Ps. 30, 0; Jes. 26, 20), macht den Theil einer Stunde aus"). 2. Das Auge ist der Quell der Thrünen'-") (Jer. 8, 23; 9, 17; 13, 17; 14. 17; Klaget. 2, 18; 3, 48; Ps. 119, 136). Die Thränen I) Nidda 25 a; Jalk. Hiob 905. -) jWK/ auch;-Q WK (Deutr. 32, 10 und 11.), vgl. pupa, pupulla, pujjilla, pupus, pupulus, Bübchen, weil sich in ihm das Bild des Beschauers spiegelt. Plin li. n. X. 37, im Talm. W’IH das Rad int 2luge Jer. Nidda 50 c u. ö. auch die Falte, vgl. 'pyvn'NTB, bas Bild in der Falte. Der 6. Lutta 9. Zu pj j-q, vglmadirian, i ie Iris bei den Arabern, wahrscheinlich mit dem neupersischen inadar-i-ain, Mutter des Auges, verwandt, vgl. Hhrtl, das Acab. und Hebr. in der Anatomie, S. 59 und 280. 3) Jer. Nidda 50 c. 4) auch pl^, oder das Fett des Auges. :>) * *nirm 6) KTD/ Bech. 38 h. Sifra Emor 2, 3. 7) Jer. Nidda 50 c. *) Bech. 38 c, vgl. Nascht das. Nidda 31a; Koh. 3, 5, 18. "'j Lev. r. 31; Tauch. A. Tezaweh 6. ") Nidda 31 a; Koh. r. 5, 10. lieber das Wunder des Sehvermögens s. Tauch. Tezaweh 3 und id. Behaalotecha 5. ,2) "iin Sech. 14, 12, wohl aber auch Sech. 2, 12, im Talm. XJT32 auch Wl’31 Bech. 38 b. Git. 69 a. ^33 bedeutet die Pforte, entspricht daher mehr oen Augenhöhlen, als dem Augapfel, in welcher Bedeutung das Wort zumeist genommen wird, vergl. Hitzig zu Sech 2, 12; vgl. übrigens Bech. 38 h. wo Raschi pj als Lid nimmt — das Schwanken betreff der Bedeutung einzelner Bezeichnungen entspricht der unklaren wissenschastlicheu Anschauung jener Zeiten: ebenso wird im (Griechischen köre und opsis bald in der Bedeutung von Pupille, bald als Auge schlechthin genommen, vgl. Magnus, die Anatomie des Auges bei den Griechen und Römern. S. 3. ,3) DTHÖIP/ die Bewahrer des Auges, Ps. 77, 5. u) 2), eigentlich der Rücken, die Erhöhung, Lev. 14, 9; Talm. D'J'OJ' Nidva 23b, auch jrp, Bech. 44 a. 1:>) bie Flatternden Jer. 9, 17; Ps. II, 4, Sabb. 109a. 2^, vgl. Bech. 38 h. "0 B. Kama 83h. II) B.'ch. 44 a. ") xnnj Ober D“IX bv rrt’ -NKlü. Jer. Tan. 684; Kid. 24h '»j Ber. 7h. f. das. die Glosse; Ab. s. 4a. *) auch 155, Nun,, r. 18, 18. habeir einen salzigen Geschmack. Wäre dem nicht so, der Mensch könnte leicht erblinden, denn in Zeiten der NotH und Tradier strömte die Thräne ohne Hemmniß rmunterbrochen fort — durch das Salz wird ihr Fluß gehemmt'). Thränen, die durch Rauch und Weinen entstanden sind, gelten als gefährlich; hingegen werden solche, die durch Lachen oder starke Wohlgerüche entstanden sind, als heilsam angesehen"). Bis zum 40. Lebensjahre sind die Thränen unversiegbar, voii da an nehmen sie allmälig ab"). Thränt das Auge immerfort, dann ist das Waffer in demselben im Schwinden begriffen; hört es auf zu thränen, dann hat sich das Waffer festgesetzt'). 3. Lebhafte, feurig glänzende Augen sind das Schönheitsideal des Morgenländers, namentlich bei Frauen"). Solche Augen besaß David (1 Sam. 16, 12), hingegen waren matt die Augen Leah's (Gen. 29, 17). „Schön bist du, meine Holde — so besingt ein Sänger im Hohenlicde seine Sulamith — schön bist du, deine Augen Tauben (Hhl. 1, 15), dem Teiche zu Hesbon sind sie gleich" (ib. 7.5), in dessen sanft schimmernden Wellen der Sonnenglanz sich herrlich spiegelt — „das Herz hast du mir geraubt, meine Schwester, 0 Braut, das Herz hast du mir geraubt mit einem deiner Augen" (ib. 4, 9)! Bei wohlgenährten Menschen blicken die Augen wie aus einem Fettpolster (Ps. 73, 7); hingegen werden sie durch Unruhe des Herzens (Ps. 38, 11), durch Verdruß (Ps. 6, 8; 31. 10; Hiob 17, 7). namentlich durch Frevel getrübt (Hiob. 11, 20); Armuth und Elend zehren am Auge (Ps. 88, 10), Thränen bereiten ihm Schmerzen (Klgl. 3, 51), verzehren es allmählig (ib. 2, 11); Krankheit reibt es auf (Lev. 26. 16, Deutr. 28, 32. 65, 67); Wein macht es roth (Een. 49. 12; Spr. 23. 29); der Schlaf schließt es (Gen. 31, 40; Ps. 132, 4), Rauch ist dem Auge schädlich (Spr. 10. 26), das Alter macht er schwer, trübe, zuletzt ganz dunkel — die Augen Jakobs waren im Alter schwer (Gen. 48, 10), die Augen Jsaks wurden trübe (Gen. 27, 1), die Augen Eli's wurden dunkel, daß er nicht mehr sehen konnte (1 Sam. 3, 2 vgl. 4, l5), die Augen Ahias starrten vor Alter (1 K. 14, 4); hingegen blieben die Augen Mosis hell und klar bis z» seinem Tode (34, 7)"). Allgemein heimisch ist im Morgenlande das Schminken der Augen'), um ihren dunklen Glanz zu erhöhen, ihnen ein tiefer glühendes Feuer und im vorgerückten Alter ein jugendliches Aussehen zu verschaffen. So sehr aber das Schminken im Alterthum 0 Rum. r. 18, 18. 2) Vgl. Sabb. 151b und 152b mit Echa r. 2, 19, s. 0. 1^3; an letzterer St bedeutet rHin&Tl nicht: schwarzhaarig, auch nicht: Herrschaft, s. Levy, Wb. s v., sondern: Jugend: in der Jugend rinnen die Thränen stark, darum sind sie leicht schädlich. :l) Sabb. 150b. 4) Tos. Bech 4,4; Magnus, a. a. O. zitirt pj?np D’SD Im 4. Cap. der Tosafot" — es kann nur unsere Tosiftastelle gemeint sein *) Vgl. Hartmann, lieber die Ideale weiblicher Schönheit bei Morgenländer», S. 77. ') Vgl- Koh. 12, 2, woselbst bei der Darstellung von dem Erlöschen der Sinne das Auge in erster Reihe genannt wird, vgl. Sabb. 152», Koh. r. >2, 3; s. auch Allst Generat. anim. Lib. V, 1. P. 780. — Die verschiedenen Ausdrücke zur Bezeichnung für die Abnahme des Augenlichtes im Alter sind: fHS, Gen. 27, 1 u. 0; *133, Gen. 48, 10; Jes. 50, 1, 31p, 1 K. 14, 2; pni5 Ps- 6,8; vgl. Löw. die Lebensalter S. 417, A. 81. 7) bf"D< eigentlich: das Auge dunkel machen, schwärzen, Sabb. 8, 3 11. ö vgl. Jer. Sabb. 11b; “|po, Lev. r. 16; pID, Sanh. 14a n. TflÜttt. eigentlich: die Augen hell machen. Ab. s. 2b b. Unter kuchlun, collyrium — so nach der runden, länglichen Form der Brodkuchen, oollyra genannt — im Mittelalter durch Umbildung: Alkohol, Alekool, Aloool, Alkol — verstanden die Griechen, Römer und Araber jene Mittel, die örtlich auf dem gesunden und kranken Auge angewendet wurden (vgl. Plin. 33, 84, Git. 69a), denen kühlende Wirkung, ja Stärkung