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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-10-09 · Heft 41 (9.10.1891) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 41 (9.10.1891)
Date
1891-10-09
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 gewesen sei, daß jene ihrem Führer gefolgt sei. — Am Samstag-Morgen wurde dem Jubilar von der städtischen Kapelle ein Ständchen gebracht. Während des feierlichen Gottesdienstes bestieg der Jubilar die Kanzel, entwarf ein Bild über seine fünfzigjährige Amtsführung, sprach von den Grundsätzen, die ihn geleitet, und von den Umständen, die ihm sein schweres Amt erleichtert hätten. Nach ihm sprach wieder Herr Rabbiner Dr. Frank, der die verschiedenen Zweige segensreicher Thätigkeit des Jubilars betonte. Zwischen 11 und 1 Uhr erschienen zahlreiche Deputationen, als erste die Lehrer-Kollegien der ftcib11fct)elt Töchters ch nle und des G y m n a s i u m s sodann der Vorsteher deris rael i1isch e u Gemeinde, welcher nach einer schönen Ansprache dem Jubilar eine Adresse überreichte. Demnächst überbrachte der Herr Rabbiner Dr. Frank Namens des Deutsch'Israe liti sehen G enternd ebund es dem Jubilar als bem Telegirten einen silbernen Pokal, Herr Hellendahl Namens des Festausschnsses einen kostbaren, silbernen Tafelaufsatz. Es folgten die Deputationen des Gewerbevereins, der Bürgern n d F o r t b i ld n n gs s ch u l e. Nun erschien in feiner Amtskette der Herr Oberbürgermeister Zweigert lind dankte in beredten Worten dem Jubilar, der zu den strebsamsten Männern gehöre, die an der Entwickelung der Stadt und deren gemeinnützigen Instituten stets regen Autheil bekundet. Sodann kamen Vertreter des „Vereins israelitischer Lehrer", des Frauenvereins und der Marks-Haindorf'schen Stiftung. Bonden Gaben, welche dem Jubilar zngeweudet wurden, ist besonders hervorzuheben der Ertrag von Zeichnungen als „B l um enseld- Stiftung" in Höhe von 5000 Mark, deren Zinsen dem Empfänger zufließen und über bereu spätere Verwendung zu einem wohlthntigen Zwecke ihm zu verfügen überlassen ist. Um 3 Uhr begann die Festtafel, woran gegen 200 Personen theilnahmeu. Dieselbe wurde durch eine Ansprache des Herrn Oberbürgermeisters mit einem Toast auf Se. Majestät den Kaiser eröffnet. Dann folgten Reden imb Toaste, von denen besonders hervorznheben sind die des Herrn Dr. Cremer im Siameit des Gewerbevereins und des evangelischen Lehrers Herrn Heinecke, welcher die Grüße der evangelischen Lehrer überbrachte und in sehr wohlthuenden Worten von dem schönen kollegialischen Verhältnisse der jüdischen und evangelischen Lehrer sprach. Znm Schlüsse ergriff der Herr Oberbürgermeister das Wort; seine Ansprache rief Rührung, Dank und Begeisterung hervor; sie galt der Toleranz, der Achtung uub Anerkennung aller Bürger, der Würdigung des Jubilars, der Ehrenhaftigkeit der Gemeinde Essen und der Versicherung, daß, so weit es an ihm liege, durch ihn der konfessionelle Friede kräftige Pflege finden werde. Am dritten Tage, Sonntag den 27., war eine Schulfeier arrangirt, welche unter der Leitung des Herrn Lehrer Graf den würdigeil Abschluß machte. li, Bürkehrrrg, 20. September. Der gestrige Sabbath war für unsere kleine Gemeinde ein doppel ter Freudentag. Fünfundzwanzig Jahre lvaren verflossen, seit unsere Synagoge voll dem seligen Landrabbiner Dr. Meyer eingeweiht worden war; um die Wiederkehr dieses Tages festlich zu begehen, lvaren scholl seit Wochen Vorkehrungen getroffen. Durch freiwillige Beiträge der Gemeilidemitglieder war die Syllagoge vollställdig renovirt und mit einem prachtvollen Kronleuchter ausgestattet worden. Alle Gemeindemitglieder fanden sich zum Festgvttesdienst ein, so daß der mit Blumen geschmückte Raum bis auf den letzten Platz gefüllt war. Die Feier begamr mit ben Gesängen, die vor 25 Jahren bei der Einweihung gesungen mateii, und fand ihren Glanzpnnkt in einer wohldnrchdachten Rede des Lehrers Herrn I. Bonwitt. Für diesen Herrn selbst aber brachte dieser Tag eine andere Ueberraschung: denn ohne daß er es ahnte, sollte auch sein 25jähriges Jubiläum als Lehrer der Gemeinde begangen werden. Nach Beeildigwlg des Gottesdieilstes begaben sich Vorsteher und Repräsentanten zu Herrn Bonwitt, ltitb in einer Ansprache hob der erste Vorsteher, Herr H. Heizberg. die Verdienste bes Jubilars um Schule und Gemeinde hervor und eröffnete ihm, daß in Anerkennung derselben sein Gehalt erhöht sei. Sodann übergaben vier weißgekleidete Schülerinnen linier warmen Dankesworten ein Album mit den Photographien seiner ehemaligen und jetzigen Schüler und Schülerinlleu. Auch von anderer Seite wurden Herrn Bonwill viele Zeicheil der Theilnahme dargebracht als Ausdruck der Auerkeilnnlig, beiten er sich nicht allein in jüdischen, sondern auch in christlichen Kreisen erfreut. Den Abschluß der schönen Feier, die Allen unvergeßlich bleiben, wird, bildete ein Festessen mit-nachfolgendem Valle, zu dem Freunde und Schüler von nah und fern sich eingesunden hatten. Hannover, 27. September. Der Firma I. Berliner wurde für ihre hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Elektrotechnik aus der Internationalen elektrischen Ausstellung in Frankfurt eine ganz besondere Auszeichnung zu Theil. Man schreibt darüber in dem hiesigen Tageblatt: „Am Donnerstag Abend besuchte der Handel smi u i st er Freiherr v. Berlepsch in Begleitung des Regierungspräsidenten v. Tepper-Laski, des Polizeipräsidenten v. Muffling, Oberbürgermeisters Adickes, Ministerialdirektors Loh manu, Pofessors Stably und verschiedener Herren des Festausschusses die durch die Firma I. Berliner in Hannover eingerichtete telephonische Uebertragnng der Münchener Hofoper. Zur Aufführung gelangte „Der Barbier von Sevilla", und verblieben die Herren während der Ouvertüre und dem ersten Theil der Oper in den für die Uebertragnng eingerichteten Telephon-Zellen, mit großem Interesse der Musik folgend und in das nach der Ouvertüre von München herüberschallende Beifallsklatschen mit einstimmend. Der Minister äußerte beim Fortgehen dem gerade anwesenden Herrn Berliner seine Anerkennung über die höchst gelungene Wiedergabe sowohl des instrumentalen als des gesanglicheil Theils der Oper. Oesterreich-Llngnrn. N. Prag, 6. Oktober. Der an den beiden Neujahrsfeiertagen in den dreißig Synagogen Prags abgehaltene Festgottesdienst war wieder ein erfreulicher Beleg dafür, daß der jüdische Glaube und jüdische Gottesfurcht noch immer nicht nusgestorben sind, wie man so gern glauben möchte. Alle Gotteshäuser waren überfüllt, und die Menge verrichtete in inniger Andacht ihre Gebete. Besonders imposant gestaltete sich der Festgottesdienst irn neuen israelitischen Tempel in der Geistgasse. Oberkantor Moor ließ seine prächtige Stimme in den schönsten Tönen erschallen, und der vom Regenschori Herrn David Rubin trefflich geleitete Chor trug durch seine weihevollen Gesänge nicht wenig zur Hebung der Andacht bei. Den Glanzpunkt des Gottesdienstes aber bildete die Festpredigt des Predigers und Rabbiners Dr. Gelbhaus: sie war ein glänzender Beleg feiner Gelehrsamkeit und Redekunst. Als Dr. Gelbhaus auch aus die Anwesenheit des Kaisers in Prag zu sprechen kam, erhob sich wie mit einem Zauberschlag die ganze Genieinde von den Sitzen und kein Auge blieb trocfeii, als er der göttlichen Vorsehung den innigsten Dank abstattete, daß sie die gefahrvollen Folgen des bei Reichenberg verübten Bubenstückes vom geheiligten Haupte des Monarchen abwendete. Dieses Dankgebet, das die Menge in tiefer Andacht und gerührt anhörte, gab dem ganzen Festgottesdienste eine besondere Weihe, und dadurch, daß Jeder zu erkennen gab, Dr. Gelbhaus habe ihm ganz aus dem Herzen gesprochen, gestaltete er sich zu einer hervorragenden Loyalitütsbezengnng für unseren allgeliebten Monarchen. Frankreich. ) Paris, 30. September. Im israelitischen Tempel der Nue de la Victorie fand gestern Nachmittags die feierliche Jnstallirnng des nenernannten Groß-Rabbiners von Paris, des Herrn I. H. Dreyfuß, statt. Lange vor Beginn der festgesetzten Stunde war der Tempel bereits von einem sehr distinguirten Publikum besetzt. Um 4 Uhr betrat der Groß-Rabbiner von Frankreich, Herr Zadoc-Kahn, unter Vorantritt des Ceremonien-Meisters und gefolgt von den sechs Verwaltern des Konsistoriums, das Gotteshaus. Kurz vorher hc.tten die Mitglteder der Kultusgemeiude, darunter Baron Gustav von Rothschild und Baron Erlanger, die Ehrenplätze eingenommen. Während Herr Zadoc-Kahn den Tempel durchschritt, spielte die Orgel, unter Begleitung von Chören, ein Festlied. Hierauf erschien der neue Groß-Rnbbiner in der Thür des Tempels, gefolgt von den vierzehn Rabbinern von Paris. Vor dem Altar angelangt, blieben die Letzteren stehen, und nur Herr Dreyfuß und Herr Zadoc-Kahn stiegen die Stufen zum Altar empor. Nachdem Baron Gustav von Rothschild das Dekret verlesen hatte, wodurch der Präsident der Republik die Ernennung des Herrn Dreyfuß bestätigte, spielte die Orgel nochmals einen Choral, worauf der Rabbiner Herr Beer das Min'ha-Gebet sagte. Nunmehr bestieg der Groß-Nabbiner von Frankreich die Kanzel (Theba) um, wie er sagte, die Bekanntschaft zwischen Herrn Dreyfuß und der israelitischen Gemeinde von Paris zu vermitteln. Von der kürzlich stattgefundenen Centennarseier der Emanzipation der Juden in Frankreich sprechend, sagte Herr Zadoc-Kahn, die Israeliten seien hierdurch eine große Schuld an Dankbarteit gegenüber Frankreich eingegangen, weshalb sie auch trachten mögen, jederzeit würdige Bürger des Staates zu sein. Nach Absingung des Aschre bestieg hierauf Herr Dreyfuß die Kanzel. Nachdem er zuerst dem Staalschef sowie der Kultusgemeiude für die ehrenvolle Ernennung gedankt und die Verdieilste seines Vorgängers hervorgehoben hatte, hielt er eine Rede, in welcher er auseinandersetzte,

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