Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1891)
- Date
- 1891-09-18
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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rnmmm 55. Lahrgang. Ar. 38. Q'j'ff» Berlin. 18. September 1891. Weitctge zur „Attgemeinen AeiLung öes IuöenLhums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 14. September. Neun Jahre sind es her, seit der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes mit der Allgemeinen Versicherungs-Aktien-Gesellschaft „Viktoria" jenen Vertrag abgeschlossen hat, von welchem wir unseren Lesern zu wiederholten Malen Kenntnis gegeben haben. Die glückliche Mischung von Idealismus und Materialismus, von Humanität und praktischem Geschäftssinn, die sich aus der Verbindung zweier so verschieden gearteter Institute ergab, hat für beide Theile gleich segensreich gewirkt. Dem Gemeindebund sind die Mittel in reichem Maße zugeflossen, um eine seiner hervorragendsten Aufgaben, die Altersversorgung der Kultusbeamteu, in ein günstiges Fahrwasser zu leiten; andererseits hat die „Viktoria" in jüdischen Kreisen eine Beliebtheit erlangt, deren keine andere Versicherungsgesellschaft sich rühmen kann. Bei den engen Beziehungen, die sich auf' diese Weise zwischen dem jüdischen Publikum Deutschlands und der genannte:! Gesellschafter ausgebildet haben, ist es um so erfreulicher, konstatiren zu können, daß auch vom rein geschäftlichen Standpunkt aus die „Viktoria" diese Sympathie verdient. Die jüngst bekannt gewordenen auch in unserem Blatt veröffentlichten Ziffern des vorjährigen Rechnungsabschlusses dieser Gesellschaft bieten in allen von ihr betriebenen Branchen ein außerordentlich erfreuliches Bild rühriger Bewegung und fortschreitenden Aufschwungs. Als besonders charakteristisch verdient in erster Linie die Thatsache hervorgehoben zu werden, daß die Viktoria im Jahre 1890 von allen deutschen Lebensverficherungs-Gesettschaften den höchsten Neinzuwachs an Versicherungssumme (24,140,044 Mk.) erzielte und damit die älteste und bedeutendste deutsche Lebensversicherungs-Anstalt — die Gothaer Bank — in diesem für die Beurtheilung der Entwickelung eines Versicherungs-Instituts unstreitig wichtigsten Punkte ganz wesentlich überholte (um 6,090,044 Mk.). Aber nicht allein in der die Hauptbranche der Gesellschaft bildenden.Lebensversicherung, sondern auch in der Einzel-Unfall-Versicherung hat es die „Viktoria" verstanden, sich binnen wenigen Jahren an die Spitze aller diesen Geschäftszweig ausschließlich oder mit bearbeitenden Anstalten zu stellen; beziffert sich doch ihre blos aus der Einzel-Unfall-Versicherung resultirende Prämieneinnahme pro 1890 auf die erhebliche Summe von 3,260,781 Mk., was dem Jahre 1889 gegenüber einen Prämienzuwachs von 902,832 Mk. bedeutet. Aus diesen beiden Zuwachsziffern ergiebt sich deutlich genug, wie energisch. umsichtig und erfolgreich die Verwaltung der Gesellschaft ihren segensreichen Aufgaben sich unterzieht. Daß sie aber ihre fast beispiellosen Erfolge nicht etwa auf Kosten der nöthigen geschäftlichen Umsicht und Solidität, sondern im Gegentheil: gerade unter strengster Wahrung dieser beiden Fundamentalbedingungen einer rationellen und gedeihlichen Geschäftsleitung zu Stande briügt, das beweisen nicht allein die aus dem Rechenschaftsbericht ersichtlichen überaus reichlicheu Reserven; es erhellt auch ganz besonders aus dem Umstand, daß die Gesellschaft allein an Untersterblichkeit einen Gewinn voll 555,033 Mk. erzielte. Um zllr allgemeinen Orielltierung über die in der That empfehlenswerthe Gesellschaft einige weitere der wesentlichsten Abschlußziffern anzuführen, sei hier noch Folgendes bemerkt: pro 1890 gingen an Anträge:: bei ihr ein: 8332 über zusammen 43,784,771 Mk., von welchen ausgefertigt wurden: 6648 Polizen über 33,338,773 Mk. Der Gesammtversicherungs- Bestand belief sich danach ult. 1890 auf 41,130 Polizen über 178,490,396 Mk. Versicherungskapital. Die Gesammteinnahme an Prämien und Zinsen aus allen Branchen betrug 12,505,219 Mk. ru:d ist gegen 1889 gewachsen um 1,975,121 Mk. Die Gesammtreserven erreichten ultimo 1890 die Höhe von 39,161,324 Mk., während die Gesammtaktiven sich auf 49,833,118 Mk. beziffern. Wenn wir uns nach der Ursache der steigenden Fortschritte umsehen, die wir feit langen Jahren im Entwickelungsgang der „Viktoria" beobachten, so fällt dabei neben den bereits oben gekennzeichneten Verwaltungs-Eigenschaften ihrer Leitung sofort das eine Moment in die Augen: die mustergiltigeu Einrichtungen, die jedem mit der „Viktoria" in Beziehung tretenden Versicherungs-Kandidaten von vornherein das untrügliche Bewußtsein und Vertrauen einflößen, daß er bei dieser Gesellsckaft für alle berechtigten Wünsche in vortheilhafter Weise Befriedigung finden würde. Vor Allem ist das sog. Dividenden- System ein für die Versicherten sehr günst ges, was schon daraus hervorgeht, daß die im Leben Versicherten einen Gewinuantheil von 3 Prozent aller gezahlten Jahvesprämieu, beispielsweise also' auch die seit 1878 Versicherten einen solchen von 39 Prozent der letzten Jahresprämie; die Unfallversicherten aber von 41'.2 Prozent der letzteren erhalten. Als bedeutsame Vorzüge der „Viktoria" erwähnen wir hier noch ihre Invaliditäts-Versicherung, die höchst zweckmäßige und humane Art und Weise, wie fie die wichtigen Fragen der Kriegsversicherung, der Unanfechtbarkeit und der Unverfallbarkeit, zu lösen wußte. Alles in Allen: genommen, haben wir es hier unt einer Gesellschaft zu thun, die unbeschränktes Vertrauen verdient, und die der höchsten Entwickelung, nach der sie strebt, schon jetzt völlig sicher sein kann. Berlin, 15. September. Die neue Synagoge in der Linden st raße wird am Sonntag den 27. d. M. eingewerht werden, wie uns von zuständiger Seite nritgetherlt wird. Alle anderen Meldungen sind falsch. Die Feier wird mit Rücksicht auf die Zeit- Verhältnisse ausschließlich eine interne der Gemeinde sein. — Die Zahl der großen Synagogen in Berlin ist jetzt auf acht gestiegen. Die älteste ist die 1714 erbaute Synagoge in der Heiderentergasse. Erst in neuerer Zeit kamen hierzu die Synagogen in der Kaiserstrabe, am Schöneberger Ufer, in der Gipsstraße, daun vor Allein der in den Jahren 1859 bis 1866 von Knoblauch ausgeführte Prachtbau in der Orauienburgerstraße, das Gotteshaus der jüdischen Reformgemeinde in der Johannisstraße und die Synagoge für die Louisenstadt in der Prinzenstraße. 8 Berlin, 12. September. Am 6. d. M. waren 25 Jahre seit der Errichtung der neuen Synagoge in der Oranienbnrgerstr. verflossen. Vermuthlich mit Rücksicht auf die in nächster Zeit bevorstehende Einweihung der in der Lindenstraße erbauten Synagoge hat die Gemeindeverwaltung von der Feier des 6. Septembers abgesehen. Gleichwohl ist dieses Tages am Sonnabend durch Herrn Rabbiner Dr. Maybanm in einer lichtvollen Predigt gedacht worden. An das Dichterwort „das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind" anknüpfend, legte Herr Dr. Maybanm dar, wie die jüdische Religion sich niemals auf Wundec stützte, vielmehr durch geistige Vertiefung den religiösen Gedanken wach erhielt und in dem Streben nach dem Wahren, Guten und Schönen das höchste Ziel suchte. In schwungvoller' Rede zeigte er, wie außerordentlich wirksam sich' zu allen Zeiten die Predigt für die Läuterung des religiösen Gedankens erwiesen und wie gerade von diesem seil 25 Jahren bestehenden Gotteshause aus das Band der religiösen Gemeinschaft gefestigt worden und auch anderen Gemeinden eine mächtige Anregung auf religiösem Gebiete gegeben worden sei. (D Berlin, 14. September. Von Herrn Rabbiner Dr. Braun aus Pleß erhalten wir in Betreff der Wahl in Cincinnati das folgende Schreiben: Hochgeehrter Herr Redakteur! Zur Ergänzung der in den Nummern 36 und 37 der Allg. Ztg. des Judenthums über Herrn Dr. Deutsch in Brüx und über mich gemachten Angaben habe ich folgende Thatsachen zu berichten. Am 8. August hat der nach Europa gesandte Delegirte des Hebr. Union College in Cincinnati, Herr A. Moses, von Karlsbad aus Verhandlungen mit mir angekuüpst und mir am 25. August mrtgetheilt. daß ich vom Kuratorium für das zu besetzende Amt, um das ich mich nicht beworben habe, gewählt sei. Allerdings denke ich vorläufig keineswegs daran, Europa,, zu verlassen. Diese Erklärung ersuche ich Sie höflichst, in Ihr sehr geschätztes Blatt aufnehmen zn wollen, und zeichne hochachtungsvoll ergebenst Dr. M. Braun, Rabbiner. X Berlin, 14. September. Als Kuriosum sei folgende Notiz antisemitischer Zeitungen hier wiedergegeberk: Gegen den Baron Gersou v. Bleichröder ist, wie die „Deutsch-sozialen BNtter" vernehmen, auf Grund der Ahlwardt'schen Broschüre „Der Eid eines Juden" von einigen Leipziger Bürgern bei der hiesigen Staatsanwaltschaft Straf-