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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-09-18 · Heft 38 (18.9.1891) · p. Seite 456

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 38 (18.9.1891)
Date
1891-09-18
Page
Seite 456 (sequence 12)
Language
German
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WWWWWW 456 Sprechsaal. > Geehrter Herr! In Ihrer Nummer vom 4. September fiude ich eine Notiz über die' Macht Israel und einen Toast, den Graf Wimpffen in Algier ausgebrachthaben soll. Als Besitzer der betagten Jacht theile ich Ihnen mit, daßhier ein Jrrthum obwalten muß, ich stehe mit dem Baron Hirsch nicht in Verbindung und brauche die Macht für meine eignen Zwecke. Berlin, 14. September. Hochachtungsvoll Paul Friedmann. U Miscellen. * Das Grab Meherbeers, dessen hundertjähriger Geburtstag am 5. September begangen wurde, befindet sich auf dem alten israelitischen Friedhof in der Schönhauser Allee. Die mit Epheu bepflanzte Ruhestätte des Komponisten ragt ans dem Erbbegräbniß der Familie Meyerbeer hervor, welches das neunzehnte auf dem westlichen Seitenflügel dieses Friedhofes ist. Die eillfache Inschrift auf einer Marmortafel, die auf einem Stein von grauem Granit ruht, lautet: „Hier ruht Giacomo Meyerbeer, geb. am 5. September 1791, gest. am 2. Mai 1864." Ein ganz gleicher Denkstein erhebt sich auf dem gegenüberliegenden Grabe der Gattin Meherbeers. Hier ist noch der Spruch beigefügt: „Die Liebe höret nimmer auf." Neben dem Grabe Meherbeers befindet sich das Grab seines Bruders Wilhelm Beer. Wilhelm Beer, der 1813 zum Lieutenant in einem Dragoner - Regiment avancirt war, beobachtete mit Mädler in einer Privat-Sternwarte vor dem Brandenburger Thor den Mars. Als Resultat erschienen „Physikalische Beobachtungen des Mars in seiner Erdnahe". Ein dritter, gleichfalls berühmter Bruder Meherbeers, Michael Beer, der Dichter des „Paria", hat seine letzte Ruhestätte in München gefunden. In diesem Familienbegräbniß gedenkt seiner die Inschrift iit der Mittelwand: „Ihm reicht die Dichtkunst ihre Götterrechte, Schwingt sich mit ihm den ewigen Sternen zu." Im Ganzen sind es acht Mitglieder der Beer'schen Familie, welche an dieser Stelle ihre letzte Ruhestätte gefunden haben; sämmtliche Grabhügel sind wohlgepflegt und mit Epheu bewachsen. Auch der im zarten Kindesalter gestorbene einzige Sohn des Komponisten, Alfred Meyerbeer, ruht in der Nähe dieser würdigen Erbbegräbnißstätte. Der Vater Meherbeers, Jakob Herz Beer, wurde, wie hierbei bemerkt sei, auf dem alten israelitischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße beigeseht. Diese bereits im Verfall begriffene Ruhestätte bezeichnet eine Granitplatte mit der Inschrift: „Betrauert von seinen Mitbürgern, beweint von ben ©einigen, ruht hier Jakob Herz Beer, geb. 10. Juni 1769, gest. 27. Oktober 1825. Er liebte seinen Nächsten wie sich selbst." $ * Dem Leiter des Dresdner Körnermuseums, Hofrath Dr. Peschel, wurde durch die Vermittelung des bekannten Buchhändlers Rudolf Brockhaus in Leipzig die Brieftasche Theodor Körners übersendet, die derselbe in dem Befreiungsfeldzuge bis zu seinem Tode getragen hat, und die sich bisher im Besitz des Grafen August Fries befand. Das in grüne Seide eingebundene und mit den ebenfalls in Seide gestickten Emblemen „Leyer und Schwert" geschmückte Taschenbuch, welches sich zum Schutze in einer Brieftasche von feinem rothen Leder befindet, war seinerzeit ein Geschenk der Großmutter des Grasen Fries, der Baronin Henriette von Pereir a-Arnstein, einer Schwiegertochter von Daniel Jhig in Berlin, an Körner, als er von Wien ins Feld zog. Die ersten fünfzehn Notizblätter umfassen die Zeit vom 15. März bis zum 22. August 1813, ein Beweis, daß der Dichter die kostbare Brieftasche bis zu seinem am Frühmorgen des 26. August erfolgten Tode bei sich getragen hat. Die Freundschaft, welche diese edle Dame dem aufstrebenden Dichtergenius des jugendlichen Körner entgegenbrachte, ist von der Familie Körner bis zum Tode des letzten Gliedes derselben, der Mutter Körners, weiter gepflegt worden. Das beweist auch das mit dem Taschenbuche Körners nun ebenfalls in den Besitz des Körnermuseums übergegangene Original des Brieses der Mutter Körners an die Baronin Pereira, mit welchem dieselbe unter dem 15. Juni 1835 die Schenkung der Brieftasche an Letztere begleitet. Der Brief lautet folgendermaßen: „Berlin, 15. Juni 1835. Hochverehrte Freundin! Sehr erwünscht war mir ein kurzer Besuch von Frl. M. Saaling, die mir sagte, daß sie nach Wien reiste, und mir anbot, was ich wünschte, an Sie, edle Frau, zu bestellen. So nehmen Sie aus meiner Hand das Gedenkbuch zurück, das Sie mit freundlichen Wohlwollen einst unserm Theodor gaben. Es beglückt mich, es in Ihren Händen zn wissen! Es kann ja bald auch mir die Stunde schlagen, die mich zu meinen Lieben trägt. Ich gedenke Ihrer oft mit herzlicher Liebe und Achtung und erfreue mich an allen dem Schönen und Herrlichen und Guten, das Ihnen in Ihren geliebten Kindern geworden ist. Sie können meiner nicht so innig gedenken, wie ich Ihrer, weil Sie zu wenig von mir wissen. Der vergangene Winter hielt mich in Krankheit befangen und ich glaubte, den Ruf bald zu hören, der nach der Heimath führt — so war es aber nicht — ich fange an, mich wieder zu erholen. Der Brand in Wöbbelin hat uns einen Verlust durch die Bücher gegeben, die ein Prof. Passow dahin schenkte, um daß sich die Fremden da einschrieben. Viel schöne Worte in vielen Sprachen waren darin, besonders von Engeländern; so thnn mir die Gedichte von Felicia Hemans leid, die voll Gemnth sich aussprachen, herrlich und schön. Ich bitte Sie, unsrer Freundin Frau v. Pichler das Herrlichste zil sagen. Gedenken Sie meiner, wie ich Ihrer gedenke. Maria Körner." $ * Der Nasenring der Rebekka. Die „Post" erhält folgende Zuschrift : Als Luther das Alte Testament übersetzte, war das Studium des Hebräischen erst in seinen Allfängen; es ist daher nicht zll verwundern, daß er manchen Ausdruck gar nicht, und manchen nur falsch verstanden hat; giebt es doch heute noch im alten,Testament Stellen, welche den gelehrtesten Forschern neuerer Zeit räthselhaft sind. Auf eine solche wurde ich vor Kurzem bei einem Besuche der reichhaltigen Sammlung chprischer Alterthümer unseres Berliner Museums aufmerksam. Bekannt ist die schöne Erzählllllg im 23. Kapitel der Genesis, wie Abraham seinen Knecht Elieser in die alte Heimath an den Euphrat schickt, um aus der eigenen Verwandtschaft eine Frau für seinen Sohil Isaak zu holen. Mit der Karawane von zehn Kameeleu und vielen Schmuckgegenständen langt Elieser vor der Stadt Nachors an und wartet, bis die Frauen und Jungfrauen zum Wasserholen heraus an den Brunnen kommen würden. Die schöne schlanke Rebekka, mit dem Krug auf der Schulter, kommt aufrechten Ganges eillher, Elieser bittet sie um einen Trunk, sie giebt ihll gern und fügt die freundlichen Worte hinzu, welche sich der Alte als Zeichen vom Stammgotte Abrahams Jahve erbeten hatte: „Auch für die Kameele will ich Wasser holen, bis sie sich satt getrunken haben." Nun heißt es weiter (Uebersetzung von Kautzsch und Socin): „Als nun die Kameele sich satt getrunken hatten, da brachte der Mann einen goldenen Nasenring herbei, einen halben Schlegel schwer, und zwei goldene Armbänder von 10 Schlegel Gewicht für ihre Arme und fragte sie: Sag an, wessen Tochter bist Du? Ist im Hause Deines Vaters Raum zum Uebernachten?" Als nun Elieser im Hause Betuels sitzt und unter Erzählung des Hergangs seine Werbung anbriugt, erwähnt er auch: „Da legte ich ihr den Nasenring und die Armspangen an." So fremd uns das zunächst berührt, so muß doch aller Zweifel schwinden, wenn wir jetzt im Berliner Museum Thonbilder der paphischcn Aphrodite und ihrer Priesterinnnen sehen, welche den Nafenring tragen. Philister und Hebräer aber bezogen ihr Metallgeräth theils direkt, theils durch Vermittelung der Phönizier von den Eypriern. Von Cypern ließ nach Ohnefalsch Richters Ausführungen König Hiram das eherne Meer für Salomos Tempel kommen. Im Louvre-Museum zu Paris steht heute ein riesiges Steingefäß aus Cypern mit vier Ochsen unter den vier Henkeln, welches uns das eherne Meer, jenes Wunderwerk im Tempel von Jerusalem ans dem zehnten vorchristlichen Jahrhundert, veranschaulicht. Auch nach unserem nunmehr als wirklich vorhanden konstatirten Nasenringe erscheint nächst Aegypten das ehrwürdige Alte Testament namentlich in Schilderung des Gegenständlichen immer mehr als die reichste und treueste Geschichtsquelle für die ältesten Zeiten des Menschengeschlechts. Briefkasten der Nedaktion. A. M. in Königsberg. Sie haben ganz Recht. Es war nur ein Versehen in der Druckerei, das gewiß nicht wieder Vorkommen soll. Sp. 40, Wir sind auf lange Zeit versorgt. Vielleicht später. Druck und Verlag von Rudolf Moffe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max. Bauch Witz in Berlin.

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