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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-09-11 · Heft 37 (11.9.1891) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 37 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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55. Jahrgang. Nr. 37. Weiiage DkV Berlin. 11. September >891 zur „Atlgemeinen Zeitung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. * Berlin, 6. September. Ein so lebhaftes Treiben, einen so starken Besuch, soviel Kränze und Blumen sah der alte Friedhof der jüdischen Gemeinde in der Schönhauser Allee schon lange nicht, wie am gestrigeil hundertsten Geburtstage Meyerbeers. Das Grab des berühmten Komponisten war in den frühen Morgenstunden schon von Blumen und Kränzen ganz verdeckt. Prachtvolle Kränze hatten die Angehörigen Meyerbeers bei dermaler Leitung des Ober-Inspektors Freund stehendell Friedhofs-Gärtnerei bestellt und ans den Grabhügel niederlegen lassen. Das schwarze Eisellgitter, welches die Grabstätte umgiebt, war mit einer Rosengnirlande geschmückt. Als die ersten Besucher erschienen die Herren Nothmühl und Bulb von der königlichen Oper, um einen Lorbeerkranz ans den Hügel zu legen. Der Kranz ist von ungewöhnlicher Größe und mit prächtigen Rosen durchflochten. Eine große schwarz-weiße seidene Moiroe-Schleife trägt die Inschrift: „Dem unsterblichen Meister G. Meyerbeer. Gewidmet vonl Solopersonal der Königlichen Hofoper." Später erschienen die Herren Qberregissenr Tehlaff, Prof. Tanbert und die Kapellmeister Sucher und Weingartner. Sie überbrachten im Aufträge der Intendantur der königlichen Schauspiele ebenfalls einen Lorbeerkranz. Der Kranz zeigt auf dem einem Bande der weißseidenen Schleife in Goldschrift die Worte „Zum 100. Geburtstage" und eine Lyra, auf dem anderen Bande ist zu lesen: „Den Manen des kgl. General- Musikdirektors Giacomo Meyerbeer die Generalintendantur der königlichen Schauspiele in Berlin." Direktor Joseph Engel hatte schon am Freitag Abend einen prachtvollen Kranz nach dem Friedhof gesandt; gestern Vormittag kamen zwei Mitglieder der Krollschen Oper und überbrachten ein Blumen-Arrangement. Bon den Angehörigen besuchten das Grab die beiden Töchter des Verstorbenen, Frau Baronin Adrian aus Paris mit ihren beiden Kindern, einem Sohn und eiuer Tochter, und Frau Professor Gustav Richter mit ihren beiden Söhnen. Außerdem kamen bis zum späten Abend zahlreiche Kunstfreunde und Verehrer des Komponisten, insbesondere Damen, die fämmtlich Blumen auf's Grab legten. X Berlin, 7. September. Eine schmerzliche Kunde geht uns aus Düsseldorf zu. Herr Rabbiner Dr. Abraham Wedelt ist am 2. d. M. einem längeren quä(enben Leiden zum Opfer gefallen. Wedell war erst 48 Jahre alt. 1843 in Posen geboren, woselbst sein Vater, der Privatlehrer Manasse Wedell, später die Stelle eines Direktors der israelitischen Knaben-Waisenanstalt bekleidete, besuchte er in seiner Vaterstadt die israelitische Bürgerschule inib das Gymnasium, bezog darauf die Universität und erwarb 1869 durch eine Schrift: „De emendationibus in libris sacris veteris Testamenti a Sopherim proposifis“ in Breslau, wo er Hörer des jüdisch-theologischen Seminars war, den Doktorgrad. Schon 1870 wurde er nach Posen berufen, um die durch den Tod seines Vaters erledigte Direktorstelle zu übernehmen. Zugleich wurde ihm die Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichts an der Realschule übertragen. 1874 folgte er dem Rufe als Rabbiner der Synagogen gemeinde Düsseldorf und hat diese Stellung bis zu seinem plötzlichen Tode zum Heile und zur Zufriedenheit seiner Gemeinde ausgefüllt. Wedell ist litterarisch wenig thätig gewesen, der Schwerpunkt seines Wirkens lag in seelsorgerischer und humanitärer Thätigkeit. Als Prediger und geistlicher Leiter seiner Gemeinde war er bei Groß und Klein beliebt, und Vielen nuferer Leser wird noch das öffentliche Zeugniß in Erinnerung sein, welches der Vorstand der Gemeinde Düsseldorf ihm ausstellte, als er bei Gelegenheit seiner Bewerbung um das Amt seines Heimgegangenen Schwiegervaters, des Landrabbiners Dr. Meyer in Hannover, der Schmähsucht eines seiner Gegner anheimfiel. Seine Beliebtheit beschränkte sich indessen nicht auf die Allgehörigen seiner Gemeinde, auu/ die christlichen Mitbürger seiner Stadt sowie die Behördell zollten ihm Anerkennung und Ehre, wie Wenige seines Staildes in Deutschland sie sich zu erringen wissen. Weit über diese engeil Grenzen hinaus aber hat Wedell sich einen^Namen gemacht durch die Begründung und Leitung des „Vereins zur Pflege des Handwerks unter den Juden", einer Institution, welche durch die organisatorischen Fähigkeiten Wedells sich von kleinen Anfängen bis zu den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland emporgeschwungen hat. Möge dem Dahingeschiedenen die Erde leicht sein! * Berlin, 6. September. Die feierliche Bestattung des verstorbenen Geh. Sanitätsraths Dr. Karl Lehfeldt hat am Freitag stattgefunden. Eine große Zahl Leidtragender war erschienen, um dem verehrten Manne die letzte Ehre zu erweisen. Die Berliner Medizinische Gesellschaft hatte den Prof. B. Fränkel, der Verein für innere Medizin den Geh. Sanitätsrath Dr. Marcuse als Vertreter gesandt. Außerdem bemerkte mnu u. A. die Herren Dr. I. Israel, Prof. Fürbringer und andere hervorragende Aerzte und Beamte. Das Personal der Schlesischen Bahn, dessen Arzt der Verblichene 47 Jahre, von der Begründung der Bahn an, gewesen war, gab seiner Dankbarkeit durch eine Abordnung mit einer Kranzspende Ausdruck. Nachdem ein naher Verwandter im Trauerhause am Sarge ergreifende Worte gesprochen hatte, setzte sich der Zug nach dem Friedhof auf der Schönhauser Allee in Bewegung, wo die irdischen Reste des Dahingeschiedenen an der Seite der ihm vor einigen Jahren in den Tod voraufgegangenen Gattin in die Erde gesenkt wurden. Wir bemerken noch, daß der Verewigte ein Schwager des seligen Rabbiner Dr. Sachs gewesen ist. 3$ Berlin, 8. September. Die Miltheilung über die Bestattung des ermordeten Kaufmanns Siegfried Hirschseld in Spandau (Nr. 36 d. Bl.) ist dahin 311 berichtigen, daß der Geistliche, welcher sowohl im Trauerhause, als ans dem Friedhofe die Gedächtnißrede hielt, der Prediger Herr Dr. Julius Landsberger aus Berlin gewesen ist. GD Berlin, 8. September. Es geht uns das nachfolgende Schreiben zu: „Die Ablösung der Neujahrskarten durch Zahlung eines beliebigen Betrages au die städtische Armeu-Kommission oder den Verein gegen Verarmung hat sich meines Eracytens so bewährt, daß ich eine gleiche Einrichtung auch für unser Neujahr allgebracht halte. Ich gebe mit dieser Allreguug anheim, in Ihrem Blatt einen Aufruf zu erlassen; der eingehende Betrag fönnte einem Komitee zur Vertheilung an Bedürftige zilm Neujahrsfest oder bei der herrschenden Theueruug zur Beschaffung von Holz re. überwiesen oder auch an nufere Armenkommissionen abgeführt werden. Hochachtend Hermann Landsberger." Wir sind sicher, daß dieser Vorschlag sich des Beifalls unserer Leser erfreuen wird. Mögell dieselben bereits an den bevorstehenden fyefteu beginnen, in der angeregten Weise die Glückwünsche durch Liebesthat zu ersetzell. Wir stellen die Spalten unseres Blattes gern für die Veröffentlichung der Namen zur Verfügung. S£2 Berlin, 7. September. Von Herrn Rabbiner Dr. G. Deutsch in Brüx erhalten wir folgendes Schreiben: „Geehrter Herr Redakteur! Ohne zu wissen, wie die Nachricht über die Berufllng des Herrn Dr. Braun entstanden ist, kann ich meinerseits nur mittheileu, daß ich am 9. August einen Brief von Herrn Rabbiner Dr. Wise in Cincinllati erhielt, der mir für den Fall, daß ich mich bis 1. September zur Annahme der Professur bereit erklären würde, meine Wahl in Allssicht stellte, und daß ich nach Abgabe meiner Erklärung am 22. August eilt Telegramm erhielt: „Elected, prepare Io come soon have writien.“ Der avisirte Brief ist bis heute noch llicht eingetroffen. Ergebenst Dr. G. Deutsch." X Berlin, 6. September. Die Nachricht, daß Baron Hirsch in Anatolien Säubereteu zum Zweck der Kolonisirnng der russischen Juden erwerben will, bestätigt sich nach genauen Informationen durchaus nicht. Wie uns voll kompetenter Seite mitgetheilt wird, sind alle diese Gerüchte vollständig aus der Luft gegriffen. Es wird hinzllgefügt, daß dieses Dementi beit Zweck hat, diejenigen russischen Judeil, welche jene Gerüchte für wahr halteli sollten, eilldringlichst vor einer überstürzten Auswanderung in die Türkei zu warnen, wo keinerlei Vorbereitungen zu ihrer Aufnahme getroffen sind, ja. wo sie Seitens der Konsulate die ernstesten Hindernisse zu gewärtigen haben.

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