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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-09-11 · Heft 37 (11.9.1891) · p. Seite 443

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 37 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
Seite 443 (sequence 11)
Language
German
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Das können wir euch niemals danken, hört ihr? Uns fehlt der schönste Glanz in dem Triumphzug! Neunte Szene. Vorige. AkiLa auf Akylas gestützt und andere Gesetzeslehrer. Viel Volk begleiten sie. Rufus. So sehen wir uns wieder, Meister Akiba! AkiLa. Es hat jetzt unser Stamm der Welt bewiesen, Daß er als Volk sich völlig ausgelebt. Wenn kein Barkochba mehr es halten konnte, Dann bleibt ihm blos die eine Krone noch, Die Krone des Martyriums! Um ein Phantom setzt ihr der Pein euch aus. Wie glücklich tonnt ihr sein, des Daseins froh, So ihr ben Göttern Roms Verehrung zollt! Akiba. Vernimm ein Gleichniß! Stand ein Fuchs am Bache, Vergnüglich blickend auf die flinken Fische, Tie vor den Netzen hin und her sich drängten. Was? rief er ihnen zu, warum verzagt ihr? Kommt her auf's feste Land in meine Nähe, Und vor den Netzen seid ihr all geborgen! Doch die Aengstlichen erwiederten dem Falschen: Sind wir in unsrem Element nicht sicher, Sind wir's noch weniger im fremden Element! Sieh', Rufus! geben wir die Lehre auf, So verlassen wir unser Lebenselement! Rufus (zu den anderen Lehrern). Denkt ihr gleich diesem Meister? Jochauan. Ganz wie er! Wir sträubten uns gegen jegliche Empörung In der Zuversicht, daß uns der Glaube bleibe. Nur euer Staatsgesetz, das legt uns auf, Allein bie Religion ist unsre Sache. Rufus. Das war's, was ich erkannt: Nicht uns gehört ihr, So lang' iu eurer Mitte Lehrer schalten. Sei denn dem Tode Jedermann verfallen, Der die Lehre pflegt, ob Meister oder Jünger! (Zu Akiba) An dir geb' ich dem Volk ein warnend Beispiel: Akiba, du mußt sterben! 443 - Akiba. O Rufus! Als erster Satz galt stets mir das Gebot: Den Ew'geu lieb' mit deinem ganzen Herzen, Aus voller Seele und mit allem Gut! Der Augenblick ist da, ich bin bereit. Rufus. Für deine Amtsgenossen, die sich sträuben, Soll mir der Tod in leicht'rer Form genügen: Unter Armen glühende Kohlen, unter die Nägel Rohrspitzen, brennende Wolle auf das Herz! Für dich, Akiba, muß ich And'res wählen. Warst ja des Aufstands Seele, bist der Erste! Hast auch all meinem Schwerte dich vergriffen — So ziehen Striegel dir die Haut vom Leibe! Akylas. Halt ein! Zu viel des Jammers und der Härte! Es ist der größte Meister, den wir haben! Und nicht blos llnser Meister ist er — nein! Nennt mall des Geistes und des Herzens Helden — In erster Reihe wird Akiba steh'n! Ru fus. Mit solchem Wort besiegt man keinen Rächer! Akylas. So red' ich zu dem Menschen, Rufus! Blick her! Laß dich des edlen Greises Antlitz rühren! Schall! wie die zitternde Hand Erbarmen ruft! Das matte Allg' fleht dich um Schonung, Mitleid! Was schließt nicht ein die lange Erdenwallfahrt! Wie viel der Sorge und des tiefen Kummers, Der Hoffnung mib Enttäuschung, der Begeiferung Und der Verdienste, der Arbeit und der Thränen! Dem Alter bleibt oft nichts als die Verehrung, Die dankend ihrn die Mitwelt noch erweist. Erscheint uns selbst ein alter Bau ehrwürdig, So habe Mitleid mit dem grauen Haupte! Rufus. Giebt es etix rührender Bild als Kindesalltlitz? Lächelnd verheißt es uns ein reiches Leben — Ich sah, wie rauhe Krieger unter Fluchen Die Kindlein rissen aus den Mutterarmen. Die armen Mütter wirnmerten und heulten — Die Krieger hoben ihre Beut empor, Zerschellten sie an zack'gen Felsen ... Das grause Spiel, es bitrfte mich nicht rühren — Da sollt' ich achten, dessen Bahn zu Eilde? Ich sollte gar den Welten Zweig verschoneis, Der vom saft'gen Stamm bedächtig wird gesägt, Damit er nicht die frischen Triebe hindre? Gar oft sind Greise nur des Volks Verderber — O treibe nicht zu weit dein Mitgefühl! Laßt ulls den keuchenden Gang dem Greise kürzen, Er selber wird sein Ende Ähnlichst wünschen. Akylas. So laß mich sterben, Rufus, laß mich sterben Für den geliebten Lehrer, dem ich baute Die geist'ge Freiheit uub den Seelenfrieden! Akiba. Besänft'ge dich, mein theurer Akylas. Willkommen ist der Tod, da wir unterlegen. Ich sterbe in der freud'gen Zuversicht. Daß über Rom auch einst der Geist sich senke, Der Geist der ew'gen Wahrheit und der Liebe! Rufus (zu Akylas). Besondrer Gunst verdankest du dein Leben! Der Kaiser wünscht dich, Akylas, an den Hof. Dem Blutsverwandten hofft er nah' zu treten. Akylas. Für mich bedeutet diese Gnade Schmach! O laß Akibas Schicksal, laß mich's theilen! Akiba. In meiner Todesstunde welche Gnade! Mich läßt der Himmel Trost der Zukunft schau'n! Durch dich ist unsre Lehre wohl geborgen — O Akylas, um der Lehre willen lebe! (Umarmt ihn.) Gebt hin das Vaterland, um in der Welt Das Gottesreich zu finden! ... Rufus. Genug der Worte! Führt nun Akiba ab! (Wird von Kriegern fortgeführt. Rufus zu den übrigen Gesetzeslehrern:) Und euch, ihr Lehrer! droht das gleiche Schicksal, Wenn ihr noch ferner pfleget das Gesetz! Stimme (hinter der Szene.) Adonai echad! Rufus. Was bedeutet dieser Ruf? Es war Akibas! Akylas. Sein letzter: Gott ist einzig! (Die Gesetzeslehrer, wie die Judäer und Samaritaner fallen nieder und wiederholen:) Echad! Eeliad! Rufus. Vollendet ist das Werk auf diesem Boden! Gebt das Signal, das Romas Sieg verkündet! (Trompetenstöße) Fitterarische Mitth er langen. --- Grundzüge des jüdischen Kalenders und leichtfaßliche Anleitung au seiner Berechnung, bearbeitet von Dr. Max Simon, Seminarlehrer zu Berlin. Verlag des Bibliographischen Bureaus. Die jüdische Kalenderberechnuug galt bisher nicht nur dem Laien, sondern auch manchem Gelehrten und Fachmann als ein Mysterium, in das einzudringen nur Wenigen vergönnt sei. Dem als pädagogischen Schriftsteller rühmlichst bekannten Verfasser ist es gelungen, in knapper, präziser und dennoch leicht verständlicher Weise vollkommenen Aufschluß über das Wesen dieser Berechnung zu geben. Er zeigt in vorliegendem Büchlein, daß der Gegenstand einer Darstellung fähig ist, die, ohne spezifisch jüdische Gelehrsamkeit, noch auch tiefe mathematische Kenutnissezu erfordern, jeden Gebildeten in den Stand setzt, einen Kalender selbständig zu berechnen oder ein jüdisches Datum in das entsprechende > bürgerliche zu verwandeln. Verfasser hat es verstanden, in wenigen kurzen Regeln das ganze Gebiet der jüdischen Kalenderberechnuug zufammensufciffett und zugleich diesem scheinbar so trockenen Gegenstand einen eigenthümlichen Reiz zu verleihen. Jedem, der über jüdische Feste und Daten Auskunft zu geben hat, wird das Büchlein bald unentbehrlich werden; besonders aber sei es den jüdischen Lehrern angelegentlichst empfohlen. Wir zweifeln nicht, daß mancher von ihnen durch dasselbe in den Stand gesetzt sein wird, den jüdischen Kalender erwachsenen Schülern darlegen und erklären zu können. Die Ausstattung des Merkchens ist eine vorzügliche. Auf eine kleine Inkorrektheit, die einzige, die wir in dem Buch entdecken konnten, wollen wir jedoch aufmerksam machen. Seite 39 wird das Ende von Chanukah als ein feststehendes (2. Tebeth) angegeben, dasselbe ist aber beweglich (2. oder 3. Tebeth), je nachdem, ob der Monat Kislev maleh oder chasser ist, (Vgl. S. 14 § 10.) A. L.

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