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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-09-11 · Heft 37 (11.9.1891) · p. Seite 442

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 37 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
Seite 442 (sequence 10)
Language
German
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Barkochba. Ihr Lauschtet eben Worte. Elasar. Weiß nichts davon. Barkochb a. Scheinheiliger Betrüger! betest du. Um heuschlerisch das ganze Volk zu täuschen? Elasar. O Gnade! sprich, o Herr! nicht räthselhaft. Barkochba. Abscheulicher Verräther! Lügenbrilt! (Stößt ihn mit dem Fuße, daß Elasar umsinkt und stirbt. Anastasius macht sich mit Elasar zu schaffen). Darf man Verwandten nicht, nicht Freunden trau'n, Trügt selbst der Seele Spiegel rein und klar, Trügt uns das Wort, das nicht blos Lippen sprachen, Bei dem das Herz erbebte durch den Ton, Der ganz das Innere zu eigen gab — Trügt alles das, dann ist das Ende nahe! O Freundschaft, welchen Sporn fand ich in dir! Du warst mir Rath und Richterin zugleich! Du gabst den Adel mir und Zuversicht, Entschiedenheit und weise Mäßigung! Blüht Freundschaft nur im stillen Thal des Volkes? Raubt rücksichtslos die scharfe Standesluft, Die sondernd um des Thrones Höhen weht, Raubt sie der Freundschaft Schwingen Schmelz und Flugkraft? £), nicht alle Blüthen zeitigen uns Früchte! Was uns derLenzfrischknospend auch verspricht — Der heiße Tag bringt uns um freud'ge Hoffnung. Und doch willst bu verzagen, weil nicht Jeder, Nicht Jeder dir der Wahrheit Stempel beut? Aufwärts! Empor! War dir nicht Naamah Das Abbild ew'ger Treu? Genügt dir's nicht? Genügt dir nicht ein Stern tu dunk'ler Nacht, Der dir die rechte Führte weist? Wohlan! (Giebt ein Zeichen, das Roß vorzuführen.) So ruhe denn auf mir allein die Last! Ich will sie tragen, bis die Kraft versiegt. (Besteigt das Roß.) In Rom setz' einer Welt ich mich entgegen: Ob Sieg, ob Tod -- das Höchste hat gethan, Wer seine Pflicht erfüllt! (Ab.) Fünfte Szene. Anastasius, darauf Naamah. Anastasius. Barkochba! Nun ist dein Siegeslauf beendet! Beendet, nachdem auch Elasar fiel. Israels treuen Arm hast du gelähmt, Des Frommen Aug' hast sinnlos du geblendet, So wird dein Arm gelähmt, dein Aug' geblendet! Jetzt, Rufus! jetzt hast du das Spiel gewonnen! Na amah (verschleiert, tritt in Eile auf, doch etwas hinkend.) Sahst du den König nicht? antworte schnell! Anastasius. Wer bist du, fremdes Weib? warum die Hast? Naamah. Dositheos, mein Vater, sandte mich. Dem König droht der schändlichste Verrath, Durch eine Schlucht will man den Feind einlassen. Anastasius. Um dies dem König zu melden, bist du hier? Naamah. Am frühen Morgen schon war' ich an dieser Stelle, Ein Unfall hemmte meinen flücht'gen Lauf. Ja, mit unsäglicher Müh' schleppt ich mich fort. O führ' mich schnell zu ihm, es drängt die Zeit! Anastasius. So stirb Verräth'rin unsres Stammes! (Ersticht sie.) Na am ah. Barkochba! (Voll fern römische Trompeten.) Sechste Szene. Anastasius (steigt auf die Zinne). Die Römer sind in Sicht, die Schilde blinken. Zwei Heeressäulen ziehen sich hierher, Die Richtung nehmend zu der Schlucht. Was ist das? Es zweigt ein Theil sich ab, dem Ostthor zu. Ich trau' nicht meinem Blick. Was weht vom Thor? Ein Friedenszeichen! Bei Gott, ein röm'scher Adler! Durch's Thor zieht Rufus nun in Betar ein. Nicht find' ich die Erklärung. Volk umringt ihn. Nun winkt er mit der Hand. Es weicht zurück. Sein bäumend Roß lenkt er zu dieser Stätte. Wie mir die Pulse schlagen! Siebente Szene. (Volkslärm von fern.) Rufus (zu Fuß) mit Gefolge. Judäer, Christen. Rufus. Ein weichliches Empfinden ist mir fern! Und doch erfaßten Schauer meine Glieder, Als ich Barkochbas Haupt im Staube sah. Das Blümchen, das geknickt, entsetzt uns nicht, Es ist der mächt'ge Baum, vom Sturm zerzaust! Nicht Menschenkrast vermocht' ihn zu bewält'gen, Wenn nicht die Götter seinen Fall beschlossen. Er war ein ganzer Held, er schien ein Römer! Feldherr. Kleinlaut kehrt nun zurück Severus .. . Triumphirend zwar, doch nicht als Held und. Sieger. Wie er den weitern Aufenthalt hier scheut. Und dir das Land beließ, allein zu schalten! Rufus. Wer ist hier dieses Mädchen? Anastasius. Naamah! Dositheos, ihr Vater, sandte sie, Barkochba unfern Anschlag zu verrathen. Sie starb durch meine Hand. Rufus. Und jener Mann? Anastasin s. Fiel auch durch mich. Er drohte Unheil uns, Er galt dem Volk als Schutzgeist dieser Festung. Rufus (giebt ein Zeichen, die Beiden fortzuschaffen - darauf zu Anastasius). Eil' nach der Schlucht, die Arbeit eiuzustellen. (Römisches Signal. Was bedeutet dies? Anastasius. Es wird das Zeichen sein. Daß sie die Schlucht durchschritten! * (Eilt auf die Zinne.) Ja, sie kommen! Nur hier herauf! Achte Szene. V 0 r i ge. S a m a r i t a n e r mit römischen Kriegern. Ein Krieger. Es war ein schweres Werk! Dofitheos, er hemmte unfern Vormarsch, Gar viele Römer fielen, bis er erlag Sabäus' Stoß. Sabäus. Wie schmählich täuscht' er uns! Wie willig schien er als Führer uns zu dienen! Doch in der Schlucht, da plötzlich wandt' er sich, In zügelloser Wuth sich widersetzend. Rufus. Ich möchte nun Akiba seh'n. Wo weilt er? Ein Judäer. Im Lehrhaus. Rufus. Bringt ihn, wie die Lehrer alle! (Krieger ab.) Samaritaner! Eure Treu' erkenn' ich, Eure wackern Dienste fordern Anerkennung. Der Römer Rechte feien euch gewährt. Eröffnet sei euch Allen jeglich Amt, Je nach Verdienst und Leistung. Eins nur fordr' ich: Ein Tempel Jupiters steh' auf Garisim! (Samaritaner in Unruhe.) Sabäus. Wir dienten dir um unsres Tempels willen! Rufus. Doch öffneten Judäer uns das Thor. Erster Samaritaner. So rächt sich der Verrath! Zweiter Samaritaner. Dositheos, Du hast es uns verkündet! Rufus. Christensekte! Ob Judenchristen oder Heidenchristen, Für mich ist das kein Unterschied, genug! Ihr wahret manchen Brauch noch der Judäer. Auch Golgatha gehöret unfern Göttern! Aphroditens heitrer Tempel kröne die Höh', Und verdränge düsteru Kultus allzumal. Ein Judeuchrist. Den letzten Rest der überkomm'nen Bräuche Entfernen wir, dem Kaiser 31t beweisen, Daß geschwunden die Beziehung zu Judäa. Die alten Namen werfen wir dahin, Wir wollen fortan nur noch Christen sein! Rufus. Wir dulden keine andre Religion! Wer Jupiter nicht opfert, ist unser Feind! Und nun 311 euch, Judäervolk! Hört an! Jerusalems Gedächtniß soll vergeh'n! An den Jupiter und Kaiser mahne sie: Aelia capitolina sei sie genannt! Nachdem der Pflug den Tempelberg durchzog, Ersteh' ein Bau dem Gott des Kapitols! Ein Judäer. Wir haben dir Barkochba ausgeliefert! Nur in der Hoffnung nahmen wir dich auf, Du würdest unsre Religion un§ lassen! Rufus. Samaritaner dienten gleichfalls uns. Daß ihr getödtet den Messias, Freunde!

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