Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1891)
- Date
- 1891-09-11
- Page
- Seite 441 (sequence 9)
- Language
- German
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441 Vogelnest." Im Stillen aber gestand er sich, daß die lotterige Dirnenatmosphäre im „Fall Clemenceau" für diese reine, unschuldige Frauenseele durchaus kein Aufenthalt wäre. „Was Theater!" sagte Daniel mit Humor. „Meine Frau arrangirt selbst die schönsten Festvorstellungen. Wirst Du alle Wochen diese Komödie aufführen?" fragte er neckend. „Ja," antwortete sie und blickte ihn ernsthaft an; „wenn anders es eine Komödie ist, dann spiele ich alle Wochen Theater." „Unwiderruflich seiner Majestät dem König Sabbath zu Ehren!" „Da sind Sie im Jrrlhum, mein Bester," bestritt ihm der Kompagnon. „Es giebt keinen König Sabbath, wohl aber eine Prinzeffi» gleicher Dynastie." (Schluß folgt.) Barkochba. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Dr. M. Levi n. Fünfter Aufzug. Platz vor dem Thore. Zu beiden Seiten des Thores läuft die Zinne, von der man auf Stufen herniedersteigt. Erste Szene. Zwei I u d ä e r. Erster. Elieser sprach vom Ende. Nun, es naht! Es zeige sich, ob Barkochba der Messias? Zweiter. „Eh' der Messias kommt, wird Gras aufsprießen Aus Akibas Kinn!" So sagte Jochanan. Erster. Nicht können wir den Messias uns erwählen. Den Messias schickt uns Gott. Zweiter. Wie heißt es doch? Der Messias athmet Gottesfurcht und Demuth, Er richtet nicht nach bloßem Augenschein. Barkochba athmet Hochmuth, Kriegerstolz, Vertrauend seiner übermäß'gen Kraft, Vertrauend auch dem tück'schen Samaria. Erster. Den Ungetreu'n gab er die heil'ge Stadt, Als ob sie Zions Hüter. Keine Pietät! Gleichgiltig ist ihm unsre Religion, Wie könnt' er sonst Garisims Tempel bauen? Nicht ist der Glaube seiner Thaten Leitstern, Die Krone machte ihn zum Gleichheitsschwärmer. Zweiter. Noch mehr, die Liebe leitet seine Schritte, Die Lieb' zu einer Tochter Samarias. Das Hab' ich heut erfahren. Erster. Was sagst du? Zweiter. Es ist die Tochter des Dositheos. Erster. Wär's möglich! Wie? Zweiter. Er zog mich ins Vertrau'n, Und sprach von einem Briefe mir, den ich An Naamah zu überbringen hätte. Erster. Der Messias nimmt ein Weib aus fremdem Stamm?! Drum steht kein andres Mittel zu Gebote: Wir geben selber uns in Roms Gewalt, Um wenigstens den Glauben uns zu sichern. So hat Josephus, Jochanan ben Sakai, So hat es Josua für Recht befunden. Zweiter. Wenn wir an Rom Barkochba überliefern, Wird uns als Lohn der einz'ge Wunsch erfüllt. Erster. Ans Werk also! wir Beide führen's aus. Zur Mittagszeit, da er die Thore mustert, Dem Wächter für den Tag Befehle gebend. Da nahen wir, als ob wir Wicht'ges brächten, Und während er mir arglos Rede steht, Drückst du den Dolch in seine Weichen. Zweiter. Fort nun! Der Thaten Ende naht! (Beide ab.) Zweite Szene. Elasar, darauf Anastasius. Elasar. Wie schön und lieblich sind Judäas Städte! Auch du Betar erstrahlst im Gottesglanz! Nach Gebühr und Recht spricht dein Synedrion. Aus hundert Kinderschulen dringt das Lob, Das des Allmächt'gen Siege froh verkündet. Wir kämpfen nicht um Macht, Besitz und Herrschaft — Wir kämpfen einzig nur um unsre Freiheit, Um unfern Glauben! . . . (Kniet betend nieder.) Anastasius tritt auf. (Für sich.) Gewiß! Elasar ist der Festung Schuhgeist. Der Glaube herrscht: Betar sei uneinnehmbar, Solang' dies Hühnchen in der Asche gackert. Sein Gebet vermocht' auch unfern Plan vereiteln. Drum hatte Recht Sabäus, daß ich eilte, Um den Beschützer listig zu entfernen. Barkochba naht. (Anastasius zieht sich zurück.) Elasar. Brich der Heiden Kraft! Das Heiligthum entweihen ist ihr Ziel, Das Zelt, darin dein heil'ger Name thront. Nicht in der Menge ruhet je die Stärke, Die Herrschaft nicht bei den Gewaltigen, Dein ist die Stärke, dein der Herrschaft Macht! Dritte Szene. Elasar. Barkochba (zu Pferde, von zwei Knappen begleitet; steigt vom Pferd und mustert die Gegend von der Zinne aus). Barkochba. Auf allen Straßen jauchzt das Volk mir zu; „Es lebe unser König, der Messias!" Selbst aus den Schulen drangen muth'ge Stimmen: „Und verblieben wir allein noch übrig . . . Als Waffen dienten uns die Schreibröhrlein, Mit denen wir die Feinde niedermachten!" So riefen herzhaft unsre lieben Kleinen! Und da wollten wir verzagen, wir, die Männer? Mit der Weltbeherrsch'rin messe Betar sich, Es zeige ihr die Grenze ihrer Macht! (Steigt herunter.) Und doch! da batt' im Traum ich ein Gesicht, Ein schreckhaft Bild, nach dem ich schnell erwachte. Ich sah in Hellen Flammen Betars Kuppeln, Rauchwolken wallten hin in wetten Wogen, Den ganzen Kreis in rothe Farben tauchend — „So geht Judäas Sonne unter!" rief es, Und die Klage riß mich aus dem schweren Traum. (Setzt sich auf einen Felsen.) Wie der fromme Mann da betet! .... Des Menschen Schicksal—geht's dem Himmel nahe? Wie dem auch sei, die Erde giebt uns eines: Hier giebt es Geistesarbeit, Tugend, Liebe! Und gäb es keinen Zweck, giebt's ein Bewußtsein Von Pflicht und Recht, vonWahrheit und von Ehre. Und wenn keilt Lohn, liegt nicht im Kampf der Lohn, Im Kampfe jnit der Finsteruiß und Selbstsucht? Die alles Unheil attf der Erde stiften! Wie schön wär sie, befreit von solcheit Mächten! Wie schön, ob Ungewißheit nufer Theil! Unsterblichkeit darf der Erdensohn nicht fordertt — Es ist ihm schon ein hohes Loos beschiedett: Unter Sterblichen unsterblich seilt! . . . (Erhebt sich.) Die Todesfreudigkeit giebt nicht der Schmerz, Das Uebermaß des Seelenglücks allein Vermag dem Tode selbst die Hand zu bieten! O Naamah! dem Herzen leihst du Flügel, Es schwebt empor littb läßt zurück die Bangniß. Aus heitern Höhen tönt ihm süßer Wohllaut, Der alle Erdenqual verstummen läßt. Vierte Szene. Vorige. Anastasius (schleicht sich 31t Elasar, dem er unbemerkt ins Ohr flüstert). Barkochba. Wer ist der Mann, der zu Elasar schleicht? (Giebt einem Knappen ein Zeichen, ihn vorzuführen). Wer bist du, Fremdling? Anastasius. Mich schickt Dositheos. Barkochba. Dositheos? Und schickt dich zu Elasar? Was hattest du an ihn? sprich unverhohlen! An astasius. Vermeld' icks dir, so tödtet mich mein Herr, Und schweig' ich dir, so tödtest du mich dann; Ich zieh es vor, durch beiite Hand zu sterben, Als meinen Herrn verrathen. Barkochba. Wie? mein Freund, Er wandelte geheime Wege? Neilt! Das thut nicht ein Dositheos! (zu Elasar) Elasar! Was vertraute dir der Fremde? Elasar. Nichts erfuhr ich. Barkochba. Du kennst nicht diesen Mann? Elasar. Ich sah ihn nie.