Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1891)
- Date
- 1891-09-04
- Page
- Seite 432 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Achte Szene. Vorige. Ein Bote in Eile. B.ote. Ich bringe wichtige Botschaft aus Aegypten. Barchochba. Bon wem? Bote. Wer bist du, Herr? Ein Judäer. Es ist der König! Bote (verneigt sich). So hat mich Josua zu euch gesandt. BarkochLa. Was meldest Du? Bote. Ihr sehet ihn nicht wieder, Sein Herz ist ihm gebrochen. Allein ward nicht auch Simson ausgeliefert, Von seinen Brüdern an den Feind geliefert, Um diesen zu besänft'gen? Dositheos. Freiwillig Bot sich Simson seinen Brüdern dar, doch ihr!! Ihr wollt Barkochba hinterrücks verderben. > Sabäus. i Verloren ist Barkochbas Sache! glaub's, j Und keine Gnade würd' uns Rom erweisen/ Da wir am Krieg uns mitbetheiligt hatten. Dositheos. Tyrannus Rufus wollet ihr befreien? Sabäus. Wir hatten Kunde von Severus Zug,' Und gaben heimlich den Bericht an Rufus. Elieser. Josua Mit dir ging weiser Rath dahin. . . Bote. Hadrian berief Severus ans Britannien, Sein Heer betrat bereits jndä'schen Boden. (Bewegung.) Barch ochba. Es ist der letzte Einsatz, den er wagt. Auch diesen bläst der Volkssturm in die Weite! Das dritte Jahr ist's, da das Reich begründet, Doch unser Blick war nie von Rom gewandt. Nicht unfern Sieg blos machten wir uns nutzbar, Des Feindes Schläge boten mehr zur Stärkung! Wir trafen Vorkehr. Mag der Feind nur kommen! Betar, Tursimon und Kefar Charuba, Sie sprechen voll den Zinnen mit dem Feinde. Nach Betar geh' ich selbst. Dort muß Severus seine Laufbahn enden! Dositheos! Du bleibst, uns zu verbinden. Samaritaner! Haltet treu zu uns,; Da ihr Alle mir so nahe steht, so nah', Wie irgend einer aus Judäas Mitte! (Geht, kehrt jedoch bald um, um nochmals dem Dositheos die Hand gu reichen.) Dositheos! Dositheos. Still stehen mir die Sinne, Gott, mein Gott! Anastasius. Hier gilt kein Zaudern. Du bist unser Führer! Hast dich verpfändet uns mit Leib und Seele. Und weigerst du dein Wort zu lösen, nun! Dann gehen wir auch über dich hinweg! Dositheos. An Verrath Hab' niemals ich gedacht. Sabäus. Sei stark! Es handelt sich um unser fern'res Dasein. Dositheos. Betar ist uneinnehmbar, keine Macht Kann diese Veste je bewältigen. Mit welchen Blickeil ständ' ich daml vor ihm, Vor ihm, der mir so unbegrenzt vertraute! Sabäus. Dein ängstliches Bedenken will ich heben. Barkochba muß unterliegen! Horch denn auf! Ein Pfad führt unterirdisch in das Jnn're Auf diesem ziehn wir mit beu Römern ein. Dositheos (erschrickt, doch saßt sich bald). Und dieser Pfad, er wär nur euch bekannt? (Alle ab, bis auf die Samaritaner.) Neunte Szene. Die S am a rit an er. Sabäus. Hat dir der Lehrer Eifer gegen uns Noch nicht die Augen geöffnet? Dositheos. O Sabäus! Der Widerspruch ist jedem Volke eigen. Theodosius. Wir sind nun müd' der ew'gen Reibereien, Jngleichen ist die Duldung uns verhaßt. Der beiden Stämme Streit, wer könnt' ihn heben? So denke klüglich Jeder an sich selbst, Wer zum Fall bestimmt, der falle! Dositheos. Was sinnt ihr? Sabäu s. Uns zu retten, wollen Rufus wir befrei'n! D ositheos. Verrath, Verrath! o Gott, mein Gott! Verrath! Weil euch Barkochba liebt, so innig liebt, Wie ein Vater seine Kinder liebt! . . . Justa. Wir sind nicht fühllos. er rührte unsre Herzen, Wir empfandeil Mitleid mit dem armen Helden. Sabäus. Sonst Niemalld mehr. Vernimm das Nähere: Mit Anastasius ging ich einst nach Betar. Ein Sturm erhob sich plötzlich, staubauswirbellld, Und wir flüchteten in eine Höhle. Als wir in dieser spähend um uns blickten, Gewahrten wir, wie ein Gang ins Jllll're lief. Wir drangen weiter, immer weiter, bis uns Der Himmel Velars sichtbar ward. . . . Wir Beide faßten damals den Entschluß, Von unserer Entdeckung nichts zu melden, Die, wie in Kriegeszeit die Dinge geh'n, Uns von größtem Nutzen werden könilte. Wir wälzten Steine vor den Ausgang hin, Begaben uns zurück dann an den Eingang, Um and) ihn zu sperren. Jahre sind vorüber — Noch Niemand hat hier einen Gang geahnt. Dositheos. Wie breit ist wohl der Pfad der Schlucht, Sabäus? Sabäus. Zwei Krieger schreiten mühsam nebeneinander. In krauser Biegung windet sich die Schlucht, Die Wände hindern schnell den Ausblick wieder, So daß der dunkle Pfad geschlossen scheint. Dositheos. Wo treffet Ihr Severus? Sabäus. Nach der Weisung Drei Stunden vor Betar. Mit uns zieht Rufus. Dositheos. Was ihr geplant, verspricht Erfolg. Es sei! Nur einem sichern Werk leih' ich den Arm. Geschehe denn, was ich nicht ändern kann! In einer Stund' bin ich in eurer Mitte! Just'a. Dacht' ich's doch, daß wir endlich ihn gewinnen! (Alle Samaritaner ab.) Zehnte Szene. Dositheos, dann Naamah. Dositheos. Bis zum Verrath also wär' es gekommen! Den großen Anfang schwärzt ein tückisch Ende. Wie wunderbar erhob sich unser Volk! Der Aufstand ließ in Heldenglanz es strahlen, Und dieser Glanz soll nun verdunkelt werden, Verdunkelt durch den Schatten Samarias? Soll denn für innner mit Judäas Ruhm Samarias Schmach durch die Geschichte schreiten? Zur Mitternacht erreicht der König Betar. Gott, öffne mir die Augen! zeig' den Ausweg! Wie der Kranke, schlaflos ringend auf dem Lager. Deil Morgen unter bittern Thronen ruft, So ruf' ich dich, o Herr, zeig' mir die Rettung! Zeig' mir die Rettung! laß mich nicht verzagen! Naamah (naht leise). Mein Vater! Dositheos. Du bist's, Naamah? Naamah. O Vater! Dositheos. Ein schwarz Verhänguiß . . . N a a m a h. Hab's vernommen, Vater! Dositheos. Du weißt? N a a m a h. Ich eil' sogleich zum König hin. Dos itheos. O Naamah, du willst? Naamah. Gingst du nicht selber, Wenn dich die falschen Gesellen nicht bewachten? Dositheos. O Gott, wie wunderbar sind deine Wege — Du seildest deine Engel vor dir her, Die treu vollziehen deinen Willen. Kind! Der Himmel hat zu Großem dich ersehen, Ao folge seinem deutlichen Befehl: Lllstwandelnd geh zum Wasserthor hinaus! Und wenll die schützende Nacht sich niedersenkt. Beschleun'ge deine Schritte. Kennst den Weg, Der überdies die frischen Spuren zeigt, Die Barkochbas Heer zurückgelassen. Naamah. Vater! Mein Herz ist wach, dien' ich dem Vaterlande Und dem König! Dositheos. Ja, du wehrst das Unheil ab, Wie Esther einst und Judith, liebe Tochter! Naamah (dem Vater in die Arme fallend). O mein Vater! theurer Vater! Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. — Verantwortlich für die Redaktion Max Bauchwitz in Berlin.