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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-09-04 · Heft 36 (4.9.1891) · p. Seite 431

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 36 (4.9.1891)
Date
1891-09-04
Page
Seite 431 (sequence 11)
Language
German
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-- 431 Barkochba. Ich bin der König! Dositheos. Eben b'utnt. Solch Beispiel Dem Volk zu geben, werden sie nicht dulden. Ich bahnte meinem Stamme wohl den Weg. Daß sich Judäa mit uns einen könnte — Nun traf mich bitter die Enttäuschung. Ach, Es war mein stiller Wunsch, daß Naamah Ten edlen Jüngling küre; wohlgefällig Blickt' ich ans euch, wie eure Herzen sich fanden. Ich wollte dich durch Naamah beglückeil — Nun spricht der Freund in mir mit lauterStimme, Daß ich das Glück dir weig're, nur aus Liebe, Ans Lieb' zu dir, 0 König! Barkochba. Hör', mein Freund! Ich gab die Freiheit Jedermann im Volke, Im Glauben, Denken, Neben! Das ist nicht Alles! Das war ein Recht des Bürgers nur, nichts weiter. Darüber geht mir noch das Recht des Menscheil: Persöiilich Recht und Glück im eignen Kreis, Wie Gott den Menschen es ins Herz gelegt, Eracht' ich als des Herzens Heiligthum. Wer es verletzt, verletzet Gott im Menschen. Ich Hab' euch euren Tempel zugestanden, So sollet ihr zu unfern Häusern auch Den Zutritt finben! Wie mit starker Hand Des Volkes Freiheit ich zu wahren denke, So werd' ich wacheil über jeden Einzelnen, Daß nicht sein Herzensglück verkümmert werde! Das Vaterland ist mir nur Vaterlaiid, Wenn Wahnwitz mir mein Glück nicht stören darf, Und welche Sitten auch beständen, gleichviel — Ich räum' sie aus dem Weg. Ich bin der Erste, Der im Vaterland sein Glück zu ftnbeu wagt. Ich hab's mit Nom gewagt, ich wag' es denn Mit meiiiern Volk! Dositheos. Da kommt Akiba her. Barkochb a. Wie er ängstlich sinnend schreitet! Dos itheos. Fast will es scheinen, Daß er trailrig ward, seitdem wir frei. Fünfte Szene. Vorige. Akiba, Akylas. B arkochba. Willkommen, würd'ger Vater! und auch du, Freund Akylas! Akiba. Der Friede sei mit euch. (Setzt sich, darauf auch die Anderen.) Barkochba. Du bist bekümmert, theurer Meister, sprich! Akiba. Die Gegensätze glaubt' ich abgeschwächt. Zll meinem Schmerz muß ich aufs Neu' erfahreil: Die Form bleibt ewig eine Scheidewand. Ein Tempel, der nur die Partei vereinigt, Kann nie den allgemeinen Frieden bringen. Dositheos. Wo gäb's ein weit'res Haus? Akiba. Die ganze Welt, Darüber sich der klare Himmel wölbt! Dositheos. So wär' nicht Religion ans Haus gebunden? Akiba. Du hast's gesagt. An Gott allein, an Gott. Der überall dir nah, wo du ihn anrufst. Umschließt das Gottesreich den Erdenball, Daun lacht dem Menschen überall die Heimath. Jerusalem bedeutet Friedensstätte — Jerusalem soll sich zur Welt erweitern. Ten Einheitstempel bauet nicht ein Volk — Den müssen alle, alle Völker bauen! Verbunden werden sie durch Gott allein, Gleichviel, in welcher Sprache sie ihn loben. Akylas. Und des Messias könnten wir entrathen? Akiba. Im Gottesreich ist Jedermann Messias — Ein Jeder wirkt erlösend» für beu Andern. Die Menschenliebe athmet die Erkenntniß, Daß Alle gleich im Reich als Kinder Gottes. Erscheint das Reich erst als die Zionshöh, Dann ist des Stärkeren Guvalt gerichtet, Ob sie bei Rassen oder Stünden wohnt. Der Sieg gehört dem allgemeinen Volke — Die Religion der Zukunft ist das Recht! Nicht mehr im größeren Besitz, von Macht Befehden sich in Eifersucht Nationen. Ihr höchstes Ziel ist Wohlfahrt und Kultur, Im Austausch friedlicher'Errungenschaften — Ein gottgeeinter froher Völkerbund! Dositheos. Ein langer Weg dahin! Akiba. Dazu, mein Freund, Ein Leidensweg des Schweißes und der Thränen. Der Knecht desHerrn, der Menschen Segen bringt, Wird Zielpunkt werden für den Spott der Völker. Ausschließung, blutige Verfolgung trifft ihn, Bis alle Welt das Gottesreich vereinigt. Akyla s. Doch wird der Knecht nicht vor der Zeit erliegen? Akiba. Schützt das Gesetz nicht mehr, ist es das Haus, Das Haus, wo Anker wirft sein Lebensschiff. Die Familie sichert ihm den Fortbestand, Und bietet Zuflucht- Trost und Kraft in Leiden. Mein theures Weib! gedenk' ich dein, o Rahel — Wie felsenfest erscheint mir unsre Zukunft! Es wird kein Volk, dem solche Weiber fehlen. Die Spuren Judas überdauern. Barkochba (auffahrend). Nun fühl' ich wieder meine Spannkraft, Meister! Mir schien dein Wort den Kriegermuth zu nehmen. Akiba. Das dürste nie, niemals gescheh'n, o König! Ich dachte ferner Zeit, nicht unsres Ziels. Uns lag es ob, die Würdigkeit zu wahren, Daß für die Freiheit wir zu kämpfen wissen, Wie stark und mächtig auch der Feind. Barkochba. Akiba! Akiba. Doch sag' mir nun, o König, was denn war's, Das dir so plötzlich wieder Fassung gab? Barkochba. Es war ein Weib, ganz nach dem Sinn Akibas! Es ist die Tochter meines lieben Freunds! (Weist auf Dositheos.) Wie? Naamah? Akiba. Dositheos. Ihr erschreckt mich! Barkochba. Naamah Erwählte ich zur Gattin, Königin! Ich will sie gleich zur Stelle rufen. (Ab.) Dositheos. Dem König droht Gefahr durch diesen Bund! Akiba. O fürchte nichts! War Ruth nicht Moabitrin? Und Ruth ward doch die Stammesmutter Davids! Sechste Szene. Vorige. Barkochba, Naamah. Barkochba. Folg' mir, o Naamah! Akiba. So jung und zart, Und hast den größten Helden uns bezwungen! Naamah. Es war mein Herz, das ihm entgegenschlug, Und er, er war so gnädig, sein zu achten. Barkochba. Von eines Höhern Gnad' weiß nichts die Liebe. Sie giebt, so viel sie empfängt. Ein Seelentausch! Ja, Herz um Herz, und Leben um ein Leben! Akiba. Das ist die Stimme aus der Gottesflamme! (Legt seine Hände segnend auf Beider Haupt. Beide küssen ihm daraus die Hand.) Akylas. Sieh', welche Massen wälzen sich daher! Barkochba. Und der Lärm, den sie erheben! Akylas. Sicher ist's: Ein Streit treibt sie hieher zum Meister . . . (Naamah entfernt sich.) Siebente Szene. Barkochba, Dositheos, Akiba, Akylas. Gesetzeslehrer, von vielem Volk begleitet. Samaritaner. Jochanan. Das Volk verweigert den Garisimtempel! Barkochba. Wie oft, ihr Männer! soll ich euch erinnern, Daß Esra selbst ihn schließlich dulden mußte! Die Brüder auch in Heliopolis Erbauten gar noch den Oniastempel, Und brachten Opfer gegen das Gesetz! „Geh hin, befrage Richter deiner Zeit, Was sie bestimmen, das erfülle treulich!" So steht's geschrieben. Wer ist unser Richter? Einige Judäer. Akiba ist's! Barkochba. So folget seinen Worten! Jochanan. Bist du Messias, dann gieb du die Wahrheit! Duldung ist Zeichen nur der Unentschied'nen! Barkochba. So bestimmen wir mit allem Nachdruck denn, Kraft unsres Amts, das uns das Volk verliehet: Samarias Tempel bau' das ganze Volk! (Bewegung.) Elieser. Das Ende naht, das Ende naht, Akiba! Du wirst gewaltsam sterben. Laß' ab, laß' ab! Jose. Der Römer Herrschaft ist von Gott gewollt!

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