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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-09-04 · Heft 36 (4.9.1891) · p. Seite 426

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 36 (4.9.1891)
Date
1891-09-04
Page
Seite 426 (sequence 6)
Language
German
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426 natürlich nicht als heilbringend angesehen, jedoch ist das «Salz Sodoms", das Salz, das nie zur Ruhe kommen kann, als Medizin (als Verdauungsinittel) gebraucht worden. An der Ostküste des todten Meeres liegt die warme Schwefelquelle Kallirhos, das Einige mit dem zuerst erwähnten Jamim, andere mit Ana identifiziren, dessen Entdeckungsgeschichte schon oben (2. B. M. XXXVI, 24) citirt wurde. Gelegentlich der Krankheit des Herodes wird dieser Heilquelle zuerst Erwähnung gethan (Joseph XXXVIII, c. 5.). Es ist 2 Meilen vom todten Meere entfernt, sein Wasser ist so heiß, daß man die Hand nicht ejne halbe Minute darin halten kann. Die Schwefelausscheidung ist so bedeutend, daß die senkrecht abfallenden Felsen, welche sie umgeben, fast ganz gelblich sind von dem daselbst präzipitirten Schwefel. Erst nach dem Exil allgemein bekannt und ein wahres Luxusbad war Tiberias. In der Mischna (Sabbath III, 4; XXII, 5) und im Talmud (Tract. Megilla t'. 3. b.—6. a.—Ab. Sara f. 10. a) u. a. a. O. ist davon die Rede. Die Stadt Liberias ist 30 Meilen von Hippo entfernt. Es ist nicht sichergestellt, ob das im Pentateuch (I. X, 18 und II. XIII, 21), ferner Könige (2. B. XVII. 24 rc.) erwähnte C ha matt damit identisch ist. Der Badeort Liberias hat eine wechselvolle Geschichte. Er ist erbaut von Landleuten, vergrößert und verschönert von den Israeliten, in noch größerem Maßstabe erweitert von den Christen und verbrannt und nachher wieder anfgebaut von den Mohammedanern. Kein Jahrhundert traf die Bewohner des früheren an, an wenig Orten machte sich in solchem Maße das wechselvolle Würfelspiel der Geschichte geltend. In den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung hatte es seine Glanzperiode und war in seiner Blüthezeit ausschließlich von Juden bewohnt. Herodes, der auch dieses Bad aufsuchte, erweiterte und vergrößerte:e§ mtb ließ daselbst im Jahre 25 nach Christi Geburt einen großartigen Palast erbauen, in welchem er auch zu verschiedenen Zeiten wohnte. Bon da an datirt eben seine Blüthezeit, bis es die Hauptstadt von Galiläa wurde. Diese Rolle spielte es auch noch unter Nero rmd Agrippa II. Nach der Zerstörung Jerusalems suchten viele der Vertriebenen hier ihre Zuflucht. Die herrliche Umgebung des Ortes und die Freiheiten, welche die Römer ihnen hier gewährten, trösteten sie über ihren unersetzlichen Verlust. Später kam hierher der Sitz des Sanhedriums. Bis zum Ende des 4. Jahrhunderts war es der Sitz der Patriarchen und der angesehensten Rabbinen. Unter diesen wird besonders Jehuda Hakadosch, der Heilige, wegen seiner hervorragenden Eigenschaften genannt; er genoß in so hohem Grade das Ansehen des damaligen römischen Kaisers, Antoninus pius, daß dieser Liberias zu einer freien Stadt machen wollte. Bis zum Beginn des 4. Jahrhunderts war es ausschließlich von Juden bewohnt; da wurde von einem Neophyten (Josef), mit Erlaubniß des Kaisers Constantin, eine christliche Kirche daselbst erbaut. Unter Gallus wurde Liberias im Jahre 353 eingeäschert. Es erhob sich jedoch bald wieder aus einen Trümmern, und zwar von Juden und Christen zugleich erbaut. Uni 450 wird der erste Bischof — Johann — von Liberias genannt. Auch aus Babylonien und Palästina strömten Juden herbei. Im 0. Jahrhundert wurde es von Justinian befestigt, im 7. Jahrhundert von den Saracenen unter dem Chalifen Omar eingenommen. Im Jahre 1176 war daselbst der berühmte jüdische Reisende Benjamin von Tudela. Im Jahre 1187, unter dem Sultan Saladin, wurde es abermals gänzlich zerstört. Als es nachher wieder erbaut wurde, gelangte es nicht mehr zu solcher Bedeutung und wurde von verschiedenen Nationen bewohnt. Jetzt heißt die von den Orientreisenden viel aufgesuchte Stadt „Tabaria". Im Jahre 1837 wurde sie von einem Erdbeben heimgesucht. Sie ist heute mit Moscheen, Synagogen und Kirchen ausgestattet. Die einst so berühmten warmen Quellen befinden sich 35 Minuten von der Stadt entfernt, im Süden derselben, das Wasser zeigt manche Aehnlichkeit mit den Thermen von Karlsbad, es hat im Maximum 490 R. und führt gleichfalls Kohlensäure. Es hat Schwefelgeruch und einen bittern, salzigen Geschmack. Es sind daselbst fünf Quellen, von denen die mittlere die heißeste ist. Die Schwefelquellen von Gadara (= Dagadar, auch Dagarar) werden im Talmud öfter erwähnt (so im Trakt. Megilla I. 6. a., Trakt. Synhedr. f. 10 Sa it. a. a. O). Der hebräische Name Dagadar bedeutet „enthaaren". Die Thierc, die dieses Wafler trinken, sollen nämlich ihre Haare verlieren. Im Lande Kanaan gab es mehrere Städte dieses Namens. Wahrscheinlich ist es das Dorf „Omkeis" im Süden von Scheriath el Mandhur, wo noch heute Schwefelthermen sind. Von einer Seite von wilden Felsen eingeschlossen, von der andern Seite zum offenen Meere hinführend, gewährt es mit seinen Gräbern und den spärlichen Wohnstätten einen erhabenen und romantischen Eindruck. Der einst blühende Badeort war nach der Eroberung Jerusalems und der Theilung des Landes in fünf Gouvernements der Hauptort eines der letzteren. Die Heilwirkung seiner Gewässer war für viele Hebel anerkannt, und darum war er sowohl von Männern, als auch von Frauen aufgesucht, namentlich waren es Hautkrankheiten, von denen man dort Linderung erhoffte. Fast nicht minder heilbringend als Liberias und Gadara war Bethesd a; nach Johannes (V. 2) ist es das hebräische Beth Chasida, „das Haus des Erbarmens". Es lag bei Jerusalem am Thore der Schafe, Schaar hazaau, dessen Nehemias (III, 1) Erwähnung thut. Im Midrasch Rabba (zu III. B. c. 24) ist eine Legende über diese Heilquelle enthalten. An den Ufern derselben hauste viele Jahre ein Engel, als Schutzgeist derselben. Seine Stelle sollte von einem bösen Geist eingenommen werden, deffen unheilvollen Einfluß der Engel von dem Orte abwenden wollte. „Wisse, daß ein böser Geist, der Unglück über Euch bringen wird, von jetzt an hier hausen wird!" Also redete der Engel einen Einwohner an. „Was sollen wir dagegen thun?" frug dieser. „Geh in die Stadt," erwiederte der Engel, „und rufe die Bewohner mit Beilen und Lanzen herbei." Dies wurde an: folgenden Morgen ausgeführt, und als sich die Gewässer bewegten, fingen die Bewaffneten an, mit ihren Werkzeugen darauf los zu schlagen. Als sich die Gewässer rötheten, schrieen sie: „Der Sieg ist unser." Und damit ward der böse Geist vertrieben und ließ sich nie inehr wiederblicken. Das Wasser Bethesdas ist heute noch roth, aber nicht mehr vom Blute des bösen Geistes, sondern von der demselben beigemengten rothen Ockererde der Ufer. Man kennt heute den Ort nicht mehr, wo Bethesda gelegen. Die meisten der alten Schriftsteller schreiben die Heilkraft des Wasiers übernatürlichen Mächten zu. Namentlich waren es Blinde, Gichtleidende und Krüppel, die hier Linderung suchten. Aus dem Talmud (Sabbath f. 147. b) geht hervor, daß zur Zeit des Wochenfestes die haute saison für diesen Kurort war. Außer den schon besprochenen Badeorten führt der Talmud noch andere an, deren Oertlichkeit ebenso wenig wie jene von Bethesda zu eruiren ist, so die Quelle von Biram (Synhedr. k. 108. a) und die wahrscheinlich blos bildlich zu nehmende Quelle Mirjams. Die beiden Heilwässer Di nsmeth und Kordimia (Sabb. 147. b) sind nach Raschi zwei Flüsse, von denen der erste salzhaltig war und von den Kranken innerlich angewendet wurde, der zweite jedoch eine Art Schlamm- oder Moorbad darstellte. Auch über künstliche Bäder verfügten die Alten; so wird erzählt, daß der Stammvater Jakob in Sichem Bäder einrichten ließ. Haben sich doch die Reste dieser Bäder in Form von „Mikwoth" bis

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