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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-09-04 · Heft 36 (4.9.1891) · p. Seite 425

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 36 (4.9.1891)
Date
1891-09-04
Page
Seite 425 (sequence 5)
Language
German
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425 die Thätigkeit der meisten Zeitgenossen und Genossinnen „das der Saisons" nennen. Weitaus der größte Theil eines jeden Jahres, somit in tote, auch des ganzen Lebens, füllt der zweite Theil — die Badesaison — aus. Da wir uns nun in der allerdings etwas kühlen Blüthezeit derselben — der haute saison — befinden, mag es angezeigt sein, einen Blick ans die Badereisen unserer Altvordern zu werfen. Bald gewinnen wir dann die Ucberzeugung, daß sie in der Zahl der Badeorte selbst modernen Ansprüchen Genüge leisten konnten. Zunächst sind es Thermen, mit denen uns schon die Bibel bekannt macht. Zwei Brüder Aja und Ana gehen aus, letzterer um die Esel seines Baters Sibeon zu suchen, und er findet sie nach' der annehmbarsten Bibelerklärung an den Ufern einer Quelle, ohne daß sie davon trinken; darüber erstaunt, gewahrt er, daß das Wasser warm sei, ist also dadurch zum Entdecker einer heißen Quelle geworden (2. B. M. XXXVI, 24). Danach war Jnmim (o. Jemina) die erste Therme — Alt-Karlsbad! Eine andere Heilquelle ist die von Marah, die Moses selbst auf der Halbinsel Sinai (2. B. XV. 22—26) aufsindct. Dieser Quelle sollen die Israeliten göttliche Wundcrwirkung zugeschrieben haben. Es soll das die heute „Hawarah" genannte Quelle sein. Dieselbe ist von grauem Sedimentgestein (Gneiß?) umgeben, hat 6 bis 8 Fuß im Durchmesser und 2 Fuß Tiefe. Der Geschmack ihres Wassers ist unangenehm, salzig, mit etwas bitterem Nachgeschmack. An ihrem Rande stehen zwei Palmen der von den Arabern „Ghurkud" genannten Art, die vornehmlich an Salzquellen gedeiht. Moses soll durch die Früchte des Baumes das Wasser der Quelle trinkbar gemacht haben. In der Nähe Jerusalems lag die Quelle Siloah, sie soll mit G i h on identisch sein (1. B. d. Kön. 33, 38. 2. B. Chron. XXXII 30). Das Wasser derselben hat einen süßlich-salzigen Geschmack, ohne unangenehm zu sein. Diese Quelle wurde zur Beförderung der Verdauung und namentlich aber zur Heilung von Augenkrankheiten gebraucht. Wenn die Priester sich an Ochsenfleisch gütlich gethau hatten, tranken sie es zu ihrer Verdauung (Avoth v. R. Nathan c. 35). Jesus soll (nach Johannes IX, 6, 7) damit einem Blinden das Augenlicht wieder verliehen haben, darum wird es in diesem Sinne noch heute von armen Pilgern gebraucht. Bon Bartholomäus von Salignano, wird ihm noch eine dritte Eigenschaft zugeschriebcn, die in unserer Zeit an dieser Stelle gewiß ein fashionables Damenbad entstehen ließ; es soll nach ihm auch kosmetisch wirken, daher nennt Wilhelm V. Thrus diese Quelle „ Ions forniosissimus". Thalsüchlich wurde es bald zu einem Luxusbade. Hieronymus (Comm. zu Jerem. 32) sagt von ihm „populum provocavit ad luxuriam". Die Weihwasser zu den Festen der Tabernakel wurden unter Musik und Tanz dieser Quelle entnommen. Mohammed nennt sie „eine von den beiden Quellen des Paradieses". Milton läßt an ihr das Orakel Gottes verkünden: „Oi° if Sion hill Delight üiee inore, and Syloa’s brook thal flow'd East by' the onicle of God.“ Bon den Umwohnenden wird sie heute „Am Um-ed-deias“, von den Fremden „die Quelle der heiligen Jungfrau" genannt. Die Quelle von En-Gadi, auch Charezon-Tamar (2. B. M. XIV, 7, 2. B. Chron. XX, 2 u. A.) liegt in einer vegctatiousreichen Gegend der Wüste, am rothen Meere. Sie entspringt einem Kalkfelsen, ihr Wasser ist. warm (21VG' R.), soll aber über Nacht in einem Gefäße stehen gelassen nicht nur trinkbar sein, sondern auch erfrischend wirken. An ihren Ufern pflanzen die Araber Wein. (Robinson et Smith. Palästina p. 440). Bon Flußbädern sind der Nil und der Jordan hervorzuheben. Wir wissen, daß Moses seine göttliche Sendung dem Könige Pharao vortrug, als er im Bade war. Er vollführt auch seine Wunder mit Nilwaffer, denn dafür hatten die Aegypter eine heilige Verehrung. Das Baden im Nil war bei ihnen zumeist eine religiöse Ceremonie; so berichtet Eyl Irwin (Voyage ä la Mer Morte im 17. Jahrh.), daß er in Dschimeh um Mitternacht einen Zug von Jungfrauen sah, die tanzend und singend zum Ml gingen, um daselbst zu baden. Die Gesänge waren Hymnen an den Fluß, wegen seiner wohlthuenden Wirkung ans die Umgebung. Aber auch heilwirkend z. B. gegen Unfruchtbarkeit — das Franzeusbad der Alten — war das Mlwassec (Plinius VII, 3. Seneca III, 25 u. A.); dies war der Grund, warum die ägyptische Königstochter, die verheirathet und kinderlos war, täglich zum Nil ging, bei welcher Gelegenheit sie doch jenes Knüblein fand, welches sie unbewußt zum Retter Israels und zum Berderber ihrer eigene» Nation heranzog (2. B. M. 7, 15). Auch zur Beförderung des Emboupoiuts soll es nach Plutarch gut sein. Die von allen Reisenden anerkannten Wirkungen des Nilwassers sprechen sich in dem Satze Maillets (Ruffel, das alte und neue Aegypten, Leipzig, 1836 p. 25) aus: „Der Nil ist unter den Gewäfferu das, was der Champagner unter den Weinen ist." Wegen seiner vorhin augedeutetcn Wirkung, wurde es früher zum Gebrauch im Serail und im Harem nach Konstantinopel versendet. Für die Hebräer war natürlich der Jordan noch wichtiger. Bekanntlich hielt man sein Wasser für heilbringend gegen den Aussatz, Lepra; so verordnet Elisa dem Anführer der syrischen Truppen, Naaman, sieben mal iin Jordan zu baden, was ihn auch vom Aussatze heilt. Bis in die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung hat sich der Glaube an seine Wunderkraft erhalten; die Alten glaubten, es bestehe zwischen ihm und dem Nil eine unterirdische Verbindung/ Man führte zur Stütze dieser Ansicht an, das; in ihm ähnliche Fische Vorkommen wie im Nil (Silurnus, Sparus rc.). Non der Taufe Jesus mit Jordanwasser schreibt sich die Gewohnheit der griechischen und, römischen Pilger her, in diesem Flusse zu baden. Seinem Laufe gehört, wie bekannt, die Salzsee, das tobte Meer, Jam Hainelech (arab. Berket Luth) an. Wo des Paradieses Fülle einst goldene Fluren geschaffen, da starrt jetzt gähnende Leere dem Wanderer entgegen. Ich grüß dich, o Salem, du Perle der Welt, Ich grüß dich, o Tempel, du göttliches Zelt! Da die Könige knieten, Hohepriester gefleht, Da der Heide erleuchtet den Jrrthuni gesteht. Dich preis' ich, o fürstliche Burg von Zion, Da stehst du noch heute Barbaren zum Hohn; Weil ein David hier sang und seine Psalmen geweiht lind die Btüthen der heil'gen Dichtung gestreut; O war' ich dein Ephen, der rankt ums Spalier! Wo ich bin, Ivo ich geh', mein Herz ist bei dir. Doch wehe! Wohin auch mein Auge jetzt schaut, Erblickt es nur Trümmer, zerstückt und ergraut. Wie die Nackteule heult, wie die Unkeubrut gellt, Wie der Araber den Wanderer frech überfällt! Streue Asche, du Ceder auf Libanon du, Laß fließen die Thränen dem Salzmeere zu! So beklagt der Dichter die verlorene Schönheit des Thals Siddim, wo heute das Salzmeer liegt. Es giebt keine Naturerscheinung, die bekannter und in solchem Maße noch heute nachweisbar ist, wie die Zerstörung, die hier im ehemaligen Garten Gottes gehaust und öde Felsen an die Stelle üppig grünender Auen gesetzt hat. Die Phänomene, welche die Salzfluth zeigt, sind oft genug schon beschrieben, die Salzlösung ist eine so gesättigte, daß sich Kochsalz darin nicht mehr auflöst, und daß Menschen, die des Schwimmens unkundig sind, wegen des hohen spezifischen Gewichtes nicht untersinken können. Das Wasser, auf dem der Fluch Gottes geruht, war

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