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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-28 · Heft 35 (28.8.1891) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 35 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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55. Jahrgang. Ar. 35. ®cr^n' 28. August 1891, Werkage zur „Akkgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. GD Berlin, 25. August. Mr. Arnold White, der Vertreter des Baron Hirsch, weilt seit gestern auf der Rückreise aus Rußland in Berlin. Er hat hier mit den Leitern des deutschen Centralkomitees über das Hilfswerk unterhandelt. Ans feilten Mittheilungen geht hervor, daß die russische Negierung der Auswanderung keine Schwierigkeiten in den Weg zu setzen geneigt ist. — Auch Herr Rabbiner Dr. Bnmberger aus Königsberg i. Pr. befindet sich in derselben Angelegenheit seit einigen Tagen in Berlin. 8! Berlin, 26. Anglist. Die Einweihung der neuen Synagoge in der Lindenstratze dürfte am 28. d. M. oder an einem der darauffolgenden Tage ftattfuiben. Ueber die Feier, mit der das neue Gotteshaus eröffnet werden wird, fiub noch keine endgiltigen Beschlüsse gefaßt wordell. Im Uebrigen giebt sich schon eine so lebhafte Nachfrage nach Plätzen auch für diese neue Synagoge kund, daß zweifellos selbst dieser Raum llicht mehr für die große Zahl derer ausreichen dürfte, die an den hohen Festtagen ein Gotteshaus besllchen wollen.; O Berlin, 24. August. Alls dem Druckschriftenbestande des Berliner Büreaus der allgemeinen israelitischen Allianz (Berlin C., Neue Friedrichstraße 9 bei Herrn Croner) stehen von den Allianzberichten vollständige Jahresreihen (zum Theil von zehn Jahren und lioch mehr), sowie Einzeljahre Jedem zllr Disposition, der von der Alliallz Kenntniß nehmen oder solche verbreiten möchte; ebenso den Lokalkomitees oder Gemeindebibliotheken und ähillichen Jnstitllten zur etwaigell Ergänzung ihrer Sammlungen. Aus dem Bureau erfolgt die Zusendung - im Jllteresse der Allianz — gratis und portofrei. In dem Bestände sind auch der 25jährige Jubelbericht der Allianz (und zwar die Berliner Ausgabe, — die vollständige Wiedergabe des Originalberichts mit einer Karte der Allianzschnlen), sowie sonstige die Allianz betreffende Schriften (Dr. S. Neumann, „Die neueste Lüge über die israelitische Allianz"; Dr. Silberstein, „Unsere Alliallz"; Oppenheim, „Die Judenverfolgungen in Rumänien"; die Londoner Rathhausversammlung für die russischen Juden 1891; Bericht des Berliner Lokalkomitees über die Jahre 1869—1872; sechs Aktenstücke zum Prozeß von Tisza-Eszlar) vorhanden und werden in gleicher Weise wie die Allianzberichte verabfolgt. * Berlin, 24. August. Der deutsche Antisemiteilbulld versendet als Flugblatt das Programm der antisemitischerl Partei und fordert zum Beitritt auf. Neues ellthäll das Programm llicht, es ist eine wunderliche Mischung aus den Programmen aller anderen Parteien. Nur ein Punkt des Aufruhrs ist originell und recht geeignet, den Mannesmuth der „unabhängigen" Alltisemiten zu beleuchten. Es heißt da nach der Aufforderung zum Beitritt: „Die Mitgliederliste wird geheim gehalten." S'ist doch was Prächtiges um eine ehrliche Sache! — Der durch seine beiden Schmähschriften so schnell zu trauriger Bekanntheit gelangte Karl Paasch ist am 17. d. M. aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die Strafkammer hat dem Antrag auf Haftentlassung, gegen welchen die Staatsallwallschaft Widerspruch erhob, stattgegeben mtb verfügt, daß Herr Paasch gegen eine Bürgschaftssumme von 10,000 Mk. auf freien Fuß zu setzen fei. Diese Summe ist alsbald beschafft und bei der Regierungskasse niedergelegt worden. Das Verfahren gegen Paasch nimmt selbstverständlich seinen Fortgang. * Berlin, 26. August. Die Affaire Paasch zieht immer weitere Kreise; sie ist das neueste Sensationsthema der antisemitischen Versammlungen. In einer solchen zu Leipzig wurde kürzlich eine Resolution gefaßt, in welcher der Reichskanzler aufgefordert wird, Sr. Majestät dem Kaiser über die Affaire Paasch Vortrag zu halten, nachdem eine Petition an den preußischen Justizminister keine Beachtung gefunden habe. Sogar der Blutzeuge Rohling hat sich bei diesem Anlässe auch wieder eingestellt. Und zwar mit folgendem Schreiben an Herrn Paasch: Sehr geehrter Herr Paasch! Nachdem ich das Buch, mit welchem Sie mich freundlichst beschenkten, durchgesehen, drängt es mich, Ihnen herzlich zu danken, weil Sie ein Werk erstell Ranges geschaffen haben, wofür Himmel und Erde Sie segnen müssen. Sollte es gelingen, den deutschen Kaiser zur Lesung zu bewegen, so wäre von seiner Energie zu hoffen, daß er sich all die Spitze des so nothwendigen Kreuzzuges wider Israel stellen, daß er die vielleicht auch für ihn vorhandenen Hindernisse überwinden, gleich Ludwig IX. die großen Raubvernlögell konfisziren und das Gesindel bann austreiben werde. Ein Minister, dem ich gelegentlich dies ausführte, um ihm seine auf Fillanznoth basirte Judenfurcht zu benehmen, alltwortete zwar, die Juden würdeil sich danll durch Anzettelung von Kriegell rächen. Aber auch dieser Fall ist ohile Bedeutung, wenn man die Kommandos in verläßliche Hände legt... . Schließlich die Mittheilung, daß ich von einem Berliner Abgeordneten eben brieflich erfahre, daß Sie das Werk an alle Mitglieder des Hauses sandten; das ist eilt prachtvoller Gedanke. . Gott sei Dank, daß Sie Mittel haben, so etwas leifleu zu können. Der Brief enthält zugleich die Mittheilung, daß das Werk geradezll Seilsation erregt. Der Schreiber, eill edler Mensch, aber ohile Kenntniß Judas', fragt mich, ob das wirklich die Religion Israels sei; ich habe ihm gleich geantwortet, ja, Ihr Buch sei Gold. Nochmals meine Gratulation mtb herzlichen Dank. Ihr Ergebenster Prof. Dr. A. Rohling. Prag, Kleinseite, 30. Mai 1891." — Ein Kommentar zu diesem Briefe erscheint uns ganz überflüssig. Das Schriftstück spricht für sich selbst mtb ist eines der werthvottsten Doknmellte zur Krallkheitsgeschichte des Antisemitismus. Wie sich in dem Kopfe llur die Welt malt! lind wie mag wohl der Minister heißen, der Herrn Rohling so Rede und Antwort gestanden? Sollte es etwa ein Ministrant fein? Bei dem Autor des „Talmudjuden" ist Alles möglich. Auch in Berlin hat am letzten Freitag eine große Antisemiten Versammlung stattgefunden, in der ein „Volksgericht" abgehalteu wlrrde und 1500 „tapfere deutsche Männer" eine scharfe Resolution gegen die unglücklichen, wehrlosell russischen Inden faßten. Ein Herr Lenß aus Hannover machte bei dieser Gelegenheit die interessante statistische Mittheilung, daß Fürst Bismarck s. Z. 1000 russische Juden aus Deutschland „abgeschoben" habe, aus Hannover allein mehr als 200. Das gleiche Verfahren wird dann auct) Herrn von Caprivi empfohlen — hoffentlich ohne den gleichen Erfolg! * Metzen, 20. August. Der ehrwürdige Oberrabbiner der israelitischen Gemeinde zu Kopenhagen, Herr Professor Tr. Wolfs, ein geborener Hesse, feierte am 6. d. den Tag, an welchem er vor 70 Jahren an der hiesigen Universität die akademische Doktorwürde sich erwarb. Der Dekan der hiesigen philosophischen Fakultät, Professor Dr. Behaghel, hat aus Anlaß dieses gewiß seltenen Jubiläums ein überaus warmes Glückwunschschreiben an Herrn Professor Dr. Wolfs gerichtet. Herr Professor Dr. Wolff erfreut sich, trotzdem er bereits das 90. Lebensjahr zurückgelegt hat, einer wunderbaren geistigen und und körperlichen Frische, welche es ihm ermöglicht, heute noch seinem Amte als Oberrabbiner der israelitischen Gemeinde der dänischen Hauptstadt vorzustehen. Dem verdienstvollen Gelehrten sind schon viele hohe Auszeichnungen zu Theil geworden, und er ist bereits seit Jahren Ritter des Danebrogordens, sowie des hessischen Philippsordens erster Klasse. Manche Leser werden sich vielleicht noch erinnern, daß er vor einigen Monaten durch einen langen Besuch des Kronprinzen von Dänemark beehrt wurde, welcher Besuch, wie die Blätter damals meldeten, von dem Kaiser von Rußland sehr übel vermerkt niorden sein soll. 3E tfci, 16. August. In sinniger Weise hatte der Vorstand auf heute die Enthüllungsfeier des von der Gemeinde Darmstadt ihrem langjährigen Seelsorger, dem am 3. März 1890 verstorbenen großherzoglich hessischen Landesrabbiner Dr. Julius Landsberger, errichteten Grabdenkmals anberaumt, da der Entschlafene am lfcHJ fDtT seinen 73. Geburtstag begangen haben würde. Bei herrlichstem Wetter vereinigten sich die zahlreichen Freunde und Verehrer des Dahingeschiedenen, unter ihnen eine Deputation des Vereins für Kunst und Wissenschaft, dessen eifriges Mitglied derselbe gewesen, sowie die Angehörigen an der mit Blumen reich geschmückten Ruhestätte, zu

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