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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-28 · Heft 35 (28.8.1891) · p. Seite 420

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 35 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
Seite 420 (sequence 12)
Language
German
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420 Bedenkt ihr aber auch den letzten Grund, Warum Dositheos euch an sich zog? Jutta. Nun? Was denn war's, Sabäus? Sabäus. Unser Gut, Samarias Heiligthümer auszuliefern, Air Juda auszuliefern war sein Ziel. Ich sträubte mich, ihr werdet's mir bezeugen, Mit den Judäern gegen Rom zu ziehen. Ob auch Barkochba euch die Freiheit giebt — Nicht auf die Dau'r kann Nom man widerstehn. In diesem Punkt, denk' ich gleich Josua. Ich lieh die Dinge geh'n mit schwerem Herzen, Selbst euer Sieg, er hat mich nicht bekehrt. Wie das Roß, geschirrt vor übermäßige Last, Die Kräfte überspannt, gelockt vom Heubund, Das man herzlos vor ihm herträgt — habt ihr euch, Gelockt vom Ruf der Freiheit, übernommen! Anastasius. Ich bin betroffen und mein Herz empört sich. Justa. Glaubst du, daß es noch eine Rettung giebt? Sabäus. Samarias Rettung kanll nur eines bringen, Spät hört ihr ineinen Rath, doch nicht zu spät. Wetln wir uns Rom null nähern, ihm bedeuten, Daß unser Tempel nicht die Stämme eine — So wird als. Lohll uns unser Tempel bleiben, Und endlich siegt Garisim über Moriah! Theodosius. Sabäus! Hör ich recht? Du sinnst Verrath? Justa. Judäa sollten wir an Rom verratheu? S a b ä u s. Tu wirst Verrath nicht nennen wollen, Jllsta, Was Salnaria rettet. Nenn's ein Mittel, Ein letztes Mittel, ein verzweifelt Mittel, Um unser eignes Dasein zu verbürgen. Theilt ihr den Vorschlag? Alle (nach einigem Zögern). Ja, wir theilen ihn! Sabäus. So ist der einzige Ausweg denn gefunden, Es giebt mehr keinen auberu. Anastasius. Wann beginnst du? Sabäus. Noch einmal sprech ich mit Dositheos, Dann such ich Nufus auf. Justa. Du wirst's vollbringen! Und läßt Dositheos im Stich die Seinen, Dann birgt für das Gelingen uils Sabäus! Anastasius. Dann wird Sabäus unser Oberhaupt! Alle. Dann wird Sabäus unser Oberhaupt! Sabäus. Fortan sei unsere Losung: Sauraria! Alle (erheben die Hände). Wir leben und wir sterben für Samaria! mm Literarische Mattheit ungen. — Gesammelte Schriften von Ludwig Philippson. Herausgegeben von Dr.M. Philippfou. Lieferung5—8(Breslau, Schlesische Bnchdruckerei, Kunst- und Verlagsanstalt, vorm. S. Schvttlaender). Die vorliegenden Lieferungen enthalten die Fortsetzung des historischen Romans „Jakob Tirado", welcher das belletristische Meisterwerk Lttdwig Philippsons ist und überhaupt unter den historischen erzählenden Werken unserer Litteratnr eine hervorragende Stelle einnimmt, sowie den Anfang des Romans „Sepphoris und Rom", der im vierten Jahrhundert spielt. In einer Einleitung 311 demselben spricht sich der Verfasser in beachtenswerther Weise über die Aufgabe und die Bedeutung des historischen Romans ans. Wir empfehlen diese treffliche Ausgabe der Philippson'schen Schriften, die eine in jeder Beziehung vorzügliche Volkslektüre bilden, der Beachtung des Publikums angelegentlichst.? Der Rechenschaftsbericht für das sechste Jahr des hebräischen Litteratur-Vereins „Mekize Nirdamim" wird dieses Mal erst im September, bei meiner Rückkehr nach Berlin, zur Versendung gelangen, worauf ich dann die prompte Einzahlung des Jahresbeitrages mit 10 Mk. erwarten werde. Schon jetzt aber kann ich auf das reichhaltige Programm aufmerksam machen, welches das Komitee für die im siebenten Jahrgang zu erscheinenden Schriften aufgestellt hat. Es sollen veröffentlicht werden, resp. befinden sich bereits im Druck: 1. Schluß-Lieferung des Mischna-Kolninentars zur 6. Ordnung. 2. Einleitung und Register zu den Hilchoth Gedoloth, als Schluß. 3. Machsor Vitrh, 2. Theil. 4. Bisher unedirte Responsen des Rabbi Meier Rothenburg, bearbeitet vom Seminar-Professor Rabbiner M. Bloch in Budapest. 5. Das große Buch der Frommen, nach der Handschrift in Parma. 6. Bisher unedirte Schriften Saadia Gaons, aus Petersburger Handschriften, bearbeitet von Dr. Harkavy. Allerdings hängt es von der Einnahme ab, wie viel Bogen von diesen Schriften in dem neuen Jahrgang hergestellt werden föuneit. Reu eintretende Mitglieder sollen den ersten Theil des Machsor Bitry, so weit der Borrath reicht, für 3 Mk. nachgeliefert erhalten. Bad Nauheim. Dr. A. Berliner. O — Jüdischer Volks- und Haus-Kaleuber (früher Liebermann) für das Jahr 1892. Mit einem Jahrbuch. Herausgegeben von Dr. Brann, Rabbiner in Pleß. Breslau, Th. Schatzky. — Ein Bekannter, den wir seit nun 39 Jahren schätzen, ist soeben wiederum bei uns erschienen: der jüdische Volks- und Hauskalender. Wie freuen wir uns wieder des sorgfältig angefertigten Kalendariums, zu dem Herr Dr. Zuckermann in Breslau noch den jedesmaligen Auf- und Untergang der Sonne für alle Ortschaften des Deutschen Reichs gefügt hat; welche Fülle der Anregung und Belehrung schöpfen wir aus dem diesmal besonders reichhaltigen „Jahrbuch", das sich an das Kalendarium schließt! Die gegenwärtig alle Gemüther bewegende Ausweisung der russischen Juden aus ihrem Vaterlande bildet naturgemäß den hauptsächlichen Inhalt desselben; so eröffnet denn ein stimmungsvolles Gedicht von Stahl „Ausgewiesen" das Jahrbuch, und beschlossen wird dasselbe burcb einen trefflichen Artikel des Herausgebers „Heut in Rußland", der die Ursachen der Ausweisung klarlegt, ihren Umfang uachweist und die Beschuldigungen gegen die russischen Juden ruhig und sachlich widerlegt. Als Parallele und zugleich als Nena-tekel wird vom Herausgeber in einem zweiten Aufsatz die Vertreibung der Juden aus Spanien vor 400 Jahren auf Grund quellenmäßiger Untersuchungen dem Leser vorgeführt. Von der Fülle der übrigen Aufsätze möchten wir noch die Abhandlung des Herrn Dr. Treitel in Karlsruhe „über Ghetto und Ghettodichter" besonders hervorheben, die in Kürze und doch in umfassender Weise die Einrichtung der Judenquartiere und das gesammte wirthschaftliche und geistige Leben in denselben schildert und eine Charakteristik der sogen. Ghettodichter Bernstein, Kompert, Franzos, Sacher-Masoch und der Dichterin Orzeszko liefert. — Möge das rührige Bestreben des Herausgebers und des Verlegers durch recht Zahlreiche Verbreitung des trefflichen Hausbuches den würdigen Lohn finden! Berlin. Dr. S. Adler. ---- Das Augustheft der von Paul Lindau herausgegebenen, in: Verlage der Schlesischen Buchdruckerei, Kunst- und Verlagsanstalt, vormals S. Schvttlaender, Breslau, erscheinenden Monatsschrift „Nord und Süd" wird durch eine feinpsychologische Novelle von Eugen von Jagow in Paris, welche das Problem der Ehe behandelt, eröffnet. Rudolf von Gottschall bringt den zweiten Theil seiner Erinnerungell an den frühverstorbenen hochbegabten Dichter Max Waldau. Es folgt eine Charakteristik des Berliner Oberbürgermeisters Max von Forckenbeck, der in wenigen Monaten sein 70. Lebensjahr vollendet und dessen wohlgetroffenes Portrait dem Hefte beigegeben ist. — Der berühmte dänische Dichter Karl Gjellerup ist durch eine prächtige, ergreifende Ode auf den Tod Moltkes vertreten. Diese Dichtung erscheint uns die bedeutendste zu sein, welche der Tod des großen Heldeil hervorgerufen hat. — Der Amtsrichter Schwartz in Pellworm fährt in seiner interessanten Biographie des großen Juristen Carl Gottlieb Svarez fort. — L. Siegfried in Kiel, auf dessen reizende, humoristische Federzeichnung aus Holstein „Die Wassermaus" wir früher aufmerksam machten, bringt wieder eine allerliebste Wandergeschichte aus Holstein „Die Inseln der Seligen." Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. — Verantwortlich für die Redaktion Max Bauchwitz in Berlin.

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