Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1891)
- Date
- 1891-08-28
- Page
- Seite 419 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Akiba (nimmt das Schwert). Dank, Dank, o König! Rufus. Nun, du König Judäas! Welch' Schicksal harret unsrer jetzt? Barkochba. Gemach! Israels Kön'ge waren gnädig stets, Selbst gegen blut'ge Feinde! Rufus. Keine Gnade! Was wir an jedem Bluttyrannen thäten — Das thu', Empörer, an Tyrannus Rufus! Barkochba. So sollst du widerwillig Gnad' erfahren! Bis Rom sich meinem Friedeuspakt gebeugt, Bleibst bu in Hast und deinem Stand gemäß. (Zu seinen Kriegern:) Führt Rufus und die Krieger auf die Burg! Rufus (im Fortgehen): Am Tag der Rache werd' ich's blutig ahnden! (Rufus und seine Krieger ab.) Sechste Szene. Barko chba. Dank dir, Dositheos, für deine Dienste! Und ihr, Judäer und Samaritaner — Gemeinsam habt ihr gegen Rom gekämpft! Nun soll das schönste Werk den Bund besiegeln, Der llns für alle Zeiten freundlich eint: Latzt uns hinaufzieh'n zu der Gvtteshöh', Deil Grulldsteiu zu des Ew'gen Haus zu legen! (Volk in Bewegung.) Vom zweiten Hause sprach einst der Prophet: Es überstrahlt an Herrlichkeit das erste — Nun gar das dritte Haus, das wir erbau'n! An Hoheit übertrifft es allesammt: Ein eillz'ger Kreis umspallnt jetzt ganz Judäa, Ulld mit uns geh'n fortan in Brudertreu' Die lang verbitterten Samaritaner! Dositheos. O heiß ersehnter Tag, der uns verbindet! Erster Samaritaner. Und Samarias sollten wir vergessen? Zweiter Samaritaner. Garifim sei nicht mehr der „Berg des Segens"? Eiil Judäer. Gewiß! Weil Rahel wohl die Götzenbilder, Die Laban sie genommen, dort begraben? Dritter Samaritaner. Wir bleiben niemals euch die Antwort schuldig: Ist nicht Jerusalem das „Haus des Verderbens"? Vierter Samaritaner. Wir wollen unfern Tempel auf Garisim! Barkochba. O haltet ein! Kaum hat uns Rom genähert, Erneuert ihr unsel'gell alten Zwist? Erster Samaritaner. Wir wehrten nur die fremde Herrschaft ab. Zweiter Samaritaner. Judäas Zepter wollell wir uns beugen, Im Uebrigen den eignen Tempel wahren! Barkochba. So denkt ihr alle, Samaritaner? Die Samaritaller. Wir Alle! Barkochba. Wohlan! Des Volkes Wille sei uns heilig, Gleichwie der Glaube jedes Einzelnen. Zieht hin und bauet euren eig'nen Tempel! Doch Eins: nicht als Rivalen seht ihn an -- Es schwinden alle Eifersüchteleien, Es walte jedes Haus in Gottes Sinne, Und edle That geb' Zeuguiß von der Liebe! Der freien Meinung Recht sei Jedermann, Den Judenchristen und den Heidenchristen, Judäern wie Samaritanern! Dositheos. MitSchmerz schau'ich, daßmeineSchaarsoklein — Nimm denn die Wen'gen auf! Barkochba. Dositheos! Den größern Dienst erweisest du Judäa, Wenn du dich hältst zu deinen Angestammten; Du giebst uns Bürgschaft für den Friedensbund, So lange bn in ihrer Mitte weilst. Dositheos. Ein zweites Haus verewigt nur die Feindschaft. Barkochba. Es wird uns liebevolle Duldung lehren. Verschmelzung ist nicht stets Beweis der Einheit. Vereinbarung und freundlich Nebelleinander, Das mildert selbst die störr'gen Gegensätze; Man lernt sich schätzen und ergänzt sich bald, Zum kräftigen Gedeihen der Gesammtheit. Erster Samaritaner. Dositheos, verlaß uns nicht! Zweiter Samaritaner. Geh mit uns! Barkochba. O folg dem Ruf, wir bleiben Frellnde doch! (Reicht ihm die Hand.) Dositheos. Ich kann nicht von dir weichen. Weiß ich's doch, Dein junges Reich verlangt nach Wachsamkeit. Barkochba. Gut denn, verweile hier in meiner Nähe. Den Teinen bleibst du Rath und Oberhaupt, Beförd're ihren Bau, und was sie drängt — Ich will's durch dich vernehmen. (Zu Dositheos beiseite:) Deine Tochter Bringst du jetzt her. Sie wird dich heiter stimmen. (Zu den Judäern.) Und nun, Judäer, auf! Chor der Judäer. Wie Bäche in das dürre Land Führt uns der Herr zurück — Die weinend ihre Saat gestreut, Sie ernten jetzt im Glück. (Alle ab bis auf die Samaritaner.) Siebente Szene. Dositheos (versunken). Ich fürchte schweres Unheil ob der Trennung. Die Eifersucht wird abermals entbrennen, Um mit beider Hauser Ulltergang zu enden. Erster Samaritaner. Der Berg des Segens kann nur Segen bringen. Dositheos. Bedenkt ihr Alle, was den Sieg erfocht? Es war die Liebe zn Jerusalem! Bedenkt ihr, wer uns gegen Rom geführt? Es waren Männer aus Judäa blos! Zweiter Samaritaner. Wir aber wollen uns zu Niemand drängen — Wir wollen nicht blos zugelassen sein! Dositheos. Ich versteh' euch, Brüder! Doch erbitt' ich eins: Noch bürfen wir den König nicht verlassen — Was Rom begann, giebt rs so schnell nicht auf. Drum fei es ein Tribut der Dankbarkeit, Daß wir des Königs treue Hüter bleiben, Bis des Reiches Grenzen fest gegründet sind. Seid ihr's zufrieden, meine Kampfgenossen? Erster Samaritaner. Wir sind zu diesem Dienste gern bereit, Wenn urisern Tempel du mit uns erbauest. Dosithe os. So schlaget Alle euer Zelt hier auf — Ich will desgleichen thun, und was dann folgt, Wir wollen fortan treu zusammenstehn! (Ab.) Achte Szene. Die Samaritaner. Erster Samaritaner. Er muß uns bleiben, nichts vermögen wir sonst. Durch ihn allein erlangen wir Bedeutung, Er ist in unserm Stamm der Tüchtigste! Sab äus. Ich schwieg bis jetzt, weil ich das Wort zu nehmen Noch nicht den Zeitpunkt fand. Nun muß ich reden. Hört, Freunde! was mich bewegt. Ihr glaubt, ihn zu kennen, Den Dositheos? Jhrkenntihnnicht, durchaus nicht. Er ist ein Schwärmer, den ein Wort gewinnt. Ein tönend Schlagwort regt das Blut ihm auf. Es mag ja lieblich und verlockend klingen: „Ein Tempel und ein Volk!" Doch sprechet, Leute! Sind wir seid gestern? Sind wir seid gestern? Theodosius. Ganz ähnliche Gedanken schliefen in mir, Du weckest sie, Säbaus, wieder auf. Säba us. Stolz blicken wir in die Vergangenheit! Verrauscht sind über acht Jahrhunderte, Und noch bestehet unsere Gemeinschaft — Da sollten wir sie eines Schwärmers wegen, Durch schönes Wort geblendet, von uns weisen? Zweiter Samaritaner. Nein! Das geschehe niemals! Alle. Nein! niemals! Saba us. Mißbräuche zu beseitigen, begann er. Durch Neuerung bewies er unfern Jrrthum. O, ich durchschaute ihn. Denn wißt ihr, Leute! Was er an Neuerungen unternahm, Das sollte Brücke sein zum Zionstempel! Anastasius. Schmachvoll, daß so gedankenlos wir folgten! Sab äus. Entfernt ihr das Samaritauerthum, So zeihet ihr des Jrrthums eure Lehrer, Und die Vergangenheit verleugnet ihr. Justa. Wie aber kommst du jetzt zu der Befürchtung, Nachdem Barkochba Allen Freiheit gab? Sabäus. Ihr täuscht euch, liebe Freunde! allesammt. Ihr glaubet eure Freiheit als den Lohn, Weil ihr mit Juda gegen Rom gekämpft?