Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1891)
- Date
- 1891-08-28
- Page
- Seite 418 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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418 äußereil und der unleugbaren Intelligenz seines inneren Menschen doch schon ein wenig übertrabt aus ... Man lebt nicht schlecht in Berlin, dafür um so schneller ... überdies ist die Börse ein Ort, an dem auch der stärkste Simson Haare läßt.... So oder so; vielleicht hatte auch die Sorge um die noch immer fehlende Frau ein so grausames Manko in seinen Locken verursacht. ... Letztere Befürchtung war eigentlich grundlos. ... Herr Hermann Daniel konnte getrost bei den besten Berliner Familien als noch ganz reputirlicher und gerngesehener Freier anklopfen, aber er wollte keine Großstädten«, verwöhnt, verbildet, man kennt das. Außerdem machte es ihm ungeheuren Spaß, den ckeus ex machina eines ganzen Familienkreises zu spielen.... Ob Papa Beer die Werbung des angesehenen, reichen Mannes annahm? Mit tausend Freudenthränen. Und was Rosas Mutter anbetraf, so schien es ihr im Stillen wenig glaublich, daß dieses Ideal eines Schwiegersohns aus Berlin stamme ... für sie war er direkt vom Himmel gefallen. Rur die hübsche Rosa hatte nicht den himmelanstürmenden Jubel gezeigt, der solch unerhörtes Glück wohl begleiten durfte.... (Fortsetzung folgt.) Barkochba. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Dr. M. Lev» n. Dritter Aufzug. Platz vor dem Thore. Erste Szene. Rufus, Feldherren, römische Krieger, Thurmwächter. Rufus. O SchimpfundSchmach! Soll RomJudäaweichen? Feldherr. Aus ollen Enden schrecken sie uns auf. Ein Satansvolk! An zweimalbunderttausend, Die selbst sich einen Finger abgehau'n! Und andre zweimalhunderttausend Tolle Entwurzelten im Reiten eine Ceder. Rufus. Noch einmal bäumt das trotzige Volk sich auf, Eh' es zu Boden sinkt. Feldherr. Ich fürchte, Rufus! Der wüth'ge Aufstand bringt un:> um Judäa. Bereits sind über fünfzig feste Plätze, Neunhundertachtzig Städte uns entrissen. Thurm Wächter (von oben). Staubwolken wirbeln auf im Westen . . . Im Sonnenlicht erglänzenRüstung undSchwerter l Mit Windesflügeln eilen sie heran. Feldherr. Das ist Barkochba, der wie der Sturm einhersaust! Thurmrv ächter. Kaum eine Stund' sind sie von uns entfernt. - Rufus. Ihr Krieger auf! dem Jordan zu! . . . Feldherr. Es ist nicht anders, Romas Adler flieht. Er flieht vor Judas Fahnen! (Alle bis auf den Thurmwächter ab.) Zweite Szene. Thurmwächter. Wie sein bloßer Name sie zu Haufen treibt! Welch' Ungestüm in diesem kleinen Stamm! Mit solcher Glnth sah ich kein Volk noch kämpfen. Es schlagen fünf von ihnen hundert, Und tausend schlagen Myriaden. . . . Ein Bote naht. Ich geb ihm rasch ein Zeichen. Entfloh'n ist Rufus, ich öffne dir das Thor. (Geschieht.) Bote. Wohin ist Rufus? sprich. Thurmwächter. Steig' auf die Warte, So wirst du seine Fährte noch entdecken. (Geschieht.) Bote. So fliehen Romas Kämpfer vor Barkochba! Daran erkenn' ich den Messias! (Posaunenstöße von fern; der Bote giebt ein Zeichen.) Dritte Szene. Vorige. Barkochba und Kriegsgefolge. Barkochba. Auch Jerusalem ist unser! Akiba. Dank dem Himmel! Thurm Wächter. Kaum eine Stund', da Rufus ist entfloh'n. Bote (auf der Warte). Gen Osten »lahm er seinen Weg .... Barkochba. Ihn» nach, Dositheos! Dositheos. Bor Tageswe»»de Sind die Gefangenen hier zu deinen Füßen. (Ab mit den Samaritanern.) Vierte Szene. Barkochba. O Stadt, der Erde Wonne einst genannt! Es nah'»» die Freunde, deine Thrünen zu trocknen' Zu trösten dich, o Zion, Davids Burg! Nicht sollen mehr die Fremden deiner spotten, Und Eäsarea auch, als röm'sche Stadt, Erhebe nicht das Haupt mehr über dick. Die Wege Zions sollen nicht mehr traueri» — Es strömen Pilger mit Gesang zun» Feste — Weit öffnen sich die Thore wie vormals, Da hier die Throne stände»» für das Recht! Jerusalem sei »nieder der Verbrüd'ru»»g Stadt, Dahii» die Stämme ziehen, Gottes Stämme, Um seine Huld zu preisen! Akiba. Freue dich sehr, Jerusale»»»! o jauchze, Tochter Zions! Teil» Kö»»ig komrnt zu dir, gerecht und siegreich, Er tilgt den Krieg und kündet Allen Frieden. Alle. Heil dem Messias! Heil dem König Barkochba! Barkochba. Ihr habt zu eurem König mich er»»an»»t. Judäas Kro»»e strahlet wieder auf — Doch wähl' ich diesmal eine andre Krone, Als nur von Gold und selt'uem Edelstein: Akiba, unser geistig Oberhaupt! Du Vater uilsres Bolls! Du dientest mir Im heil'gen Krieg als schlichter Waffenträger — Die Waffe, die dein theurer Arm getragen, Zur Krone Judas »verde sie gebildet! (Gesang von fern. Frauen a»ls Jerusalem, von vielem Volk, komme»» mit Oelnnb Palmzweigen.) Chor der Frauen. Tausende schlug Saul, Myriaden schlug David, Juda schlug die Syrer, Barkochba aber schlug die Rörner! Eine Judäerin. Wir huld'gen dir, o König!, Friedensbringer! Es sei deit» Zepter wie das Zepter Davids! In ullsre»»» Reiche werde stets genannt: Rathpfleger Gottes, Fürst des Friedens! Barkochba. Judäa frei! Ich euer König nun! So darf, vol» euch erwählt, ich stolz es sagen: Ich bin der König eines freien Volks! Fünfte Szene. Vorige. Dositheos mit den Gefangenen. Dositheos. Rllfus verneigt sich vor Judäas Führer! Rufus. Nein! nimmerlnehr! besiegt hast du nicht Ro»u — Des Augenblickes G»»nst soll euch verblenden. Barkochba. Der Weisheit ziernt's, das Kleinste zu beachten, Des Weltalls treibende Kraft im Hälmche»» seh'n. Dositheos. Hier ist das Schwert, da^ ich dem Rufus nahm. Barkochba. Aus meiner Hand empfang' es wieder, Rufus, Ich bekämpfe n»»r den Feind, den Feldherrn nicht. Rufus. Aus deinerHanddas röm'scheSchwert! JhrGötter! Fast kindlich scheint der Hohn, ich kann kaum spotten. Entschließ' dich, auf bei» Boden es zu werfe»», Ich hebe bann es von dem Bode»» auf, Der uns gehört. Barkochba. Dir ziemt kein Uebermuth! Wohlwolle»» scheint euch Alle z»» verletzen, Als hättet ihr allein das Recht auf Gnade. (Zu Akiba:) So nimm denn du das Schwert als Siegstrophä'! Ja, dir gebührt es! Wer zur Freiheit ruft, Steht größer da, als wer de»n Ruf nur folgt.