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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-28 · Heft 35 (28.8.1891) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 35 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
Seite 412 (sequence 4)
Language
German
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der Stiftshütte (4. B. M. VII, 13). Silberne Trompeten dienten dazu, das Volk zusammen zu rufen (4. B. M. X, 2). Auch in den anderen biblischen Schriften wird es sehr häufig erwähnt. Als Geld kommt es weit früher zur Anwendung als das Gold, so zahlt Abimelech, der König von Gerar, dem Abraham 1000 Schekel Silber (1. B. M, XX. 10). Der Kaufschilling, den Abraham für das Grundstück Machpela zahlt (1. B. M. XXIII, 16), wird in Silberstücken zugewogen. Auch die Schekel waren, wie die letzteren, nichts anderes als Silberstücke und keine Münze, deshalb wurden sie eben gewogen und nicht gezählt, dies war auch vorder Eroberung Jerirsalems durch Nebukadnezar der Fall, wo der Prophet Jeremias (XXXII, 16) den Kaufpreis für einen Acker in Silber wiegt. Das Werthverhältniß zwischen Gold und Silber schwankt zwischen 15:1 lind 16:1. Es giebt kein Metall, dessen Werth so bedeutenden und plötzlichen Aenderungen unterlegen ist, wie das Silber. So hat es während des letzten Decenniums schon zweimal ein Minimum und ein Maxiiiium des Werthes erreicht. Von merkwürdigen Eigenschaften desselben will ich nur hervorhcben, das; einige seiner Verbindungen (Jod- und Bronisilber) durch das Sonnenlicht geschwärzt werden, worauf ja bekanntlich die in unserer Zeit einen so bedeutenden Aufschwung nehmende Photographie beruht. Die weitaus größere Zahl der Mineralien gehört zu den Nichtelemcnteu oder Verbindungen, es sind dies die verschiedenen Erze, Salze re. Ich wende mich zunächst den Oxyden, d. s. die Verbindungen mit Sauerstoff, zu. Unter diesen spielt der Quarz eine Hauptrolle. Er liefert bekanntlich im krystallisirten, wie im nicht krystallisirtem Zustande, in seinen Abarten die meisten Edelsteine. Von ersteren kommen der Bergkrystall und Amethyst vor. Der Bergkrystall (Ekdach) wird in der poetischen Schilderung des neuen Jerusalem von Jesajas (LIV, 12) erwähnt, wo es heißt, die Thore der Stadt werden von Ekdach-Steinen sein. Die Deutung des Wortes als „Karfunkel" scheint mir nicht gerechtfertigt zu sein. Er ist die wasserhelle, durchsichtige, oft in großen Krystallen vorkommende Varietät des Quarzes. Die Alten glaubten, daß er sich aus Eis gebildet habe; Plinius nennt ihn geradezu ,,ciystallns“ und giebt die erste, allerdings sehr abenteuerliche Krystallbildungsgeschichte. Durch Verdichtung des Eises entstehe der Krystall, den man nur da finde, wo vorzüglich der Winterschnee erstarrt; denn sicher, fügt er hinzu, besteht er aus Eis. Obwohl der Bergkrystall so hart ist, daß er sich mit Stahl nicht mehr ritzen läßt, hielt sich diese Meinung bis in unsere Zeit hinein, so daß noch im 18. Jahrhundert der Züricher Arzt Joh. Heinr. Hottinger in sehr scharfer Weise gegen diese Ansicht kämpfen mußte. Der Amethyst (Aclilamah) ist der neunte Stein, der im Brustschilde des Hohenpriesters prangt. Er bildet violette bis veilchenblaue Krystalle. In Mythen spielt er eine große Rolle. Man hielt ihn fiir ein Mittel gegen die Trunksucht, daher stammt auch der Name Amethyst von /aUi'o) (ebrius sum). Die Mittel gegen Trunksucht hießen noch im Mittelalter Amethysta. Der hebräische Name Ochlaniali kommt von clialam, träumen, weil man ihm die Kraft zuschricb, Träume zu vermitteln. Der Aberglauben hat sich seiner besonders bemächtigt; so nahm man an, daß er vor Zanberkünsten, gegen Hagel, gegen Heuschrecken und dergl. schütze, wenn man auf denselben den Namen des Mondes und der Sonne schreibe und ihn mit Haaren vom Hundskopf und Schwalbcnfedern am Halse trage. Von den nichtkrystallisirten Abarten des Quarzes zieren vier die tbim und Thumim und zwar: Carneol, Onyx, Achat und Jaspis. Der Carneol (Odem ---- roth sein) heißt auch bei den Alten Sarder, weil er ihnen von Sardis in Lydien zuerst bekannt wurde. Sein Name Carneol kourmt von caro, carnis, das Fleisch, und bezieht sich auf seine Farbe, was auch bei dem hebräischen Namen der Fall ist. Außer seiner Verwendung als Edelstein schrieb man ihm noch heilbringende Wirkung zu, er soll das Blut stillen, wenn er auf eine frische Wunde gelegt tvird. Er ist der erste von den zwölf Steinen. Der sechste von ihnen ist der Onyx (Jahalom). Von vielen Bibelforschern wird Jahalom ungerechtfertigt mit „Diamant" übersetzt, während ihn der Alexandriner und Josephus durch Onhxion wiedergiebt. Dieser Edelstein zeigt schwarze und graue Streifen, die mit einander abwechseln. Außer zu Ringsteinen und ähnlichen Schmuckgegenständen wurden aus den geradstreifigen Stücken von den alten Griechen und Römern die Cameen geschnitten, wobei der Künstler darauf achtete, daß die dunkeln Streifen den Grund abgaben und sich die eigentliche Figur aus den Hellen Streifen abhob. Aus größeren, konzentrisch gestreiften Steinen wurden Gefäße mit halberhabener Arbeit verfertigt, so z. B. die berühmte Mantuanische Vase, die sich jetzt in Braunschweig befindet. Im grünen Gewölbe zu Dresden befindet sich eine Onyxplatte (von mehr als 64 ein* Inhalt), die ans 130,000 Mark geschätzt wird. Der Achat (Scliebo) ist der achte in jener Reihe. Sein Name stammt vom Flusse Achates in Sizilien, an dessen Ufern er zuerst gefunden sein soll. Auch dieser Stein machte im Alterthum in seinem Werthe eine Wandlung durch. Zu Moses' Zeiten war er viel geschätzter als später, denn Plinius sagt von ihm: „Achates in magna fnit auctoritate, nunc in nulla.“ Er erzählt ferner von ihm, daß er ein Mittel gegen den Spinnen- und Skorpionstich (Spinnen können nur beißen und nicht stechen), überhaupt wunderwirkend sei. In den Mund genoinmcu, lösche er den Durst, ja er macht sogar Athleten unbesiegbar, er mag bei den Ringkämpfen der Römer eine Rolle gespielt haben! Der Achat hat viel mehr verschiedenfarbige Streifen als der Onyx, nach Anordnung derselben unterscheidet man von ihm mehrere Abarten, deren Charakteristik schon im Namen liegt, als Wolken-, Bänder-, Trümmer-, Festungsachat u. a. Er wurde schon von den Alten geschliffen, ja sie verstanden sogar schon, ihn zu färben. Verschiedene seiner Streifen sind nämlich so porös, daß sie manche Farbstoffe in sich aufnehmen. Heute wird er mit Honigwasser und nachheriger Behandlung mit konzentrirter Schwefelsäure gefärbt. Seine Schleifung hat in einem kleinen Kreise Deutschlands in den letzten Jahren eine ganz eigenartige Industrie geschaffen. Die beiden Städtchen Oberstein und Idar im Fürstenthum Birkenfeld versorgen die halbe Welt mit Achatwaaren (außer als Schmuckstem auch zu physikalischen und chemikalischen Zwecken verwendbar). Es bestehen da über 200 Schleismühlen und werden jährlich für ungefähr 1 Million Mark rohe Achate und Bergkrystalle an die Schleifer verkauft. ' Der Jaspis (.laschpch) wird als der letzte von diesen Steinen angeführt. Die Uebereinstimmung des Namens hat hier die Deutung leicht gemacht. Auch von ihm giebt es verschiedene Abarten. Vorherrschend ist er röthlich gefärbt, diese Färbung rührt von kleinen Beimengungen von Eisenoxyd her. Im Alterthum wurde er vielfach als Schmnckstein ang:wendet, heute wird er mehr zu Tischplatten, Dosen, Vasen u. dergl. verarbeitet. Die andern acht Edelsteine des Brustschildes gehören nicht mehr zum Quarz, sondern sind verschiedene andere Silikate, d. h. Verbindungen der Kieselsäure mit Metalloxyden; so ist der zweite an der betreffenden Stelle (2. B. M. XXVIII. 17—20) angeführte Stein der Topas (Pitda.Ii). Es war dies ein Edelstein, der bei den alten Hebräern in besonders hohem Ansehen stand; so sagt Hiob (XXVIII. 19), die Weisheit sei höher zu schätzen als der Topas aus Ensch. Inmitten des Landes Kusch, d. i. des südlichen Arabien, lag nämlich die Topasen-Insel (die nebelvolle

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