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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-28 · Heft 35 (28.8.1891) · p. Seite 411

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 35 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
Seite 411 (sequence 3)
Language
German
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werthe Geschäftskenntniß diejenigen Länder, in welchen sie leben, reich gemacht und deren National-Wohlstand gehoben haben. Ihnen sind besonders der Bau vieler Eisenbahnen, die Gründung großer Industrien und andere Unternehmen, welche die betreffenden Staaten zu größerem Reichthum gebracht haben, zu danken. Der Reichthum bringt ebenso, wie er Vortheile bietet, auch Verpflichtungen mit sich, und keine Bevölkerungsklasse hat dies mehr anerkannt und hat ihre Verpflichtungen besser erfüllt, als es die Juden gethan haben, welche in all den Ländern, in welchen sie Reichthümer erworben haben, bei allen Werken der Menschenliebe — ohne Unterschied des Glaubens oder der Rasse — in erster Reihe standen. Wenn der Unternehmungsgeist, die Energie und Fähigkeiten, welche sie in hohem Grade besitzen, ein Grund zum Vorurtheil gegen sie ist, dann liegt der Fehler mehr an unserer Civilisation, als an dem jüdischen Volke. Wer unsere Civilisation aufmerksam studirt hat, wird wissen, daß der materielle Aufschwung, welcher das 19. Jahrhundert kennzeichnet, zum größten Theil den unteren Klassen zu Gute komnit, und diesen in allen kultivirten Ländern viele Lebensvortheile verschafft hat, welche in früheren Zeiten das Monopol einiger weniger Begüterten gewesen ist. Diese Aeußerungen sind um so bemerkenswerther, als sie tief erkannte Wahrheiten sind, welche Baron Hirsch hier in trefflicher Weise zum Ausdruck gebracht hat, und die uns beweisen, daß Baron Hirsch mit seinem guten Herzen auch einen tiefen Geist verbindet. d Mas biblische Mineralreich. Von Dr. Ludwig Karpeles. (Schluß.) Die edlen Metalle waren durch ihre Hauptvertreter, Gold und Silber, bekannt. Das Gold (Sahab) spielt unter den Metallen die Rolle, welche der Diamant unter den Edelsteinen einnimmt, es wird uns darum sein häufiges Erwähntwerden in der Bibel nicht wundern. Schon Abrahams Schatzmeister Elieser brachte der lieblichen Rebekka einen goldenen Nasenring und goldene Armbänder zum Angebinde (1. B. M. XXIV, 22). Der König Pharao schenkte Josef eine goldene Halskette (1. B. M. XLI, 42). Die Räuchergefäße, der Tisch, der Leuchter und andere Geräthschaften der Stiftshütte waren zum Theil aus Gold, oder wenigstens mit Goldplatten überzogen. Daß es goldene Götzenbilder gab, beweist uns das goldene Kalb. Ich übergehe die vielfache Anführung des Goldes bei den Propheten, Psalmisten rc. Auch bei den andern Völkern der grauen Vorzeit wurde mit dem König der Metalle ein großer Luxus getrieben. Im indischen Epos werden bei der Leichenbestaltung eines Fürsten ganze Karren von Gold und Juwelen unter die Armen geschüttet. Als der assyrische König Sardanapal in Ninive belagert wurde, ließ -er alle seine Schätze auf einen errichteten Scheiterhaufen werfen, darunter .P>00 goldene Bettstellen, 100 goldene Tische und eine Million Centner Goldes, nachdem er schon vorher 3000 Centner dieses edlen Metalles an seine Söhne vertheilt hatte. Im Belustempel zu Babylou betrug die Masse Goldes, woraus die Statue des Bel, Thron, Tisch, Altar rc. bestand, mehr als 7170 Talente. Alexander der Große fand nach seinem Einzug in Ekbatana 120,000 Centner Gold, in der Schatzkammer in Persepolis 120,000 Talente, in Pasargada 6000, in Susa 5000Talente; Cyrus erbeutete 34,000 Pfund Gold und 500,000Centner Silber. Im Angesichte solcher Zahlen müssen unsere eifrigen Verfechter des Bimetallismus, abgesehen von irgend einer schwärmerischen .Neigung, jene längst entschwundenen Tage als das „goldene Zeitalter" preisen. Zum Vergleiche mit dieser Masse seien hier diejenigen Zahlen angeführt, welche uns ein Bild des Gold- und Silberreichthums der meist betheiligten Staaten bieten, was mit Rücksicht auf die ja auch noch zu den brennenden Fragen gehörende Währungsfrage wohl von allgemeinem Interesse ist. Es beträgt der jährliche Umsatz, in Dollars ausgedriickt, in: bei Gold bei Lilber zusammen Deutschland. 205,361 6,938,073 7,143,434 Oesterreich. 1,062,031 2,002,727 3,064,758 Rußland. 26,584,000 415,676 26,999,676 Italien. 72,000 17,000 90,324 Vereinigte Staaten . . . 33,379,000 41,110,957 74,490,620 in Summa . 100,756,306 81,336,045“ 182,092,351 Die vorstehenden Zahlen sind dem vollständigsten, neuesten Werke über diesen Gegenstand „Production of the precious metals“ (Sec. an. rep. of the unit. states geological) Washington 1882 von Clarence King (pag. 400) entnommen. Auch im Vorkommen reicht das Gold dem Diamanten die Hand. Beide finden sich dort, wo das einschließende Gestein einer natürlichen Unterwaschung oder Schlemmung oder Zertrümmerung ausgesetzt war, also im angeschwemmten Lande oder Alluvium. Daher kommt es, daß plötzlich reiche Goldsandlager auftauchen, die schon in wenigen Jahren ihre Ergiebigkeit einstellen. So stammten die Goldmassen der alten Hebräer aus dem Landstriche Ophir in Arabien. Viele Stellen in Hiob und den Propheten beziehen sich auf diesen Ursprung, ebenso erzählen Herodot und Strabo davon. Diodor von Sizilien (B. H, Kap. 93) sagt, man finde in Arabien rein gediegenes Gold von der Größe der Kastanien und von strahlendem Glanze. Von diesen reichen Goldlagern ist schon längst keine Spur mehr vorhanden. Wie rasch sich die reichsten Goldfelder erschöpfen, zeigt uns Kalifornien. Zur Blüthezeit derselben (1852) betrug die monatliche Ausfuhr an Gold beiläufig ebenso viel Unzen als im Jahre 1878 die jährliche Ausfuhr (beiläufig 270,000 Unzen). Glücklicherweise komnit das Gold — und hier ist wieder der Diamant sein Bundesgenosse — auch eingesprengt im Quarzgestein vor, welches Vorkommen allerdings keinen „Welkom noget“ („Willkommen-Klumpen", der Name der größten bisher gefundenen Masse) liefert. Von denjenigen Eigenschaften, welche dasselbe zum König der Metalle machen, sei die ungeheure Ausdehnbarkeit hervorgehoben. Die Thatsache, daß man mit einem Dukaten einen ganzen Reiter mit dem Pferde vergolden kann, ist bereits in alle elementare Lehrbücher der Mineralogie übergegangen. Es läßt sich in Blättchen schlagen, welche die Dicke von dem neuntausendsten Theile eines Millimeters besitzen, in dieser denkbar dünnsten Form ist es beinahe durchsichtig und läßt, obwohl es an sich gelb ist» das Licht merkwürdigerweise mit grünlichblauer Farbe durchscheinen. Auch beim Schmelzen, bei 1240 0 C., liefert es eine grüne Flüssigkeit. Sonst ist es, mit Ausnahme des sehr seltenen Cadmium, das einzige Metall von gelber Farbe. Aufsehen erregte vor kaum zwei Jahren die Entdeckung eines österreichischen Chemikers, daß die Fabrikation von Goldcyan die Entwickelung der Tuberkulose bei den betreffenden Arbeitern in merkbarem Grade hemme, eine auffallende Thatsache, die vielleicht noch zu großer Bedeutung in der Heilkunde gelangen kann. Ich folgte nicht dem allgemeinen „Zuge nach dem Golde", indem ich mich bei demselben so lange aufhielt, sondern trug dadurch vielmehr der großen Rolle Rechnung, die es unter den Mineralien in der Bibel spielt. Als Geld komint es bei David vor, als er die Tenne Aravna kaufte (1. Chron. XXI, 25). Aus Silber (Lesepb) bestand der zum Prüfstein brüderlicher Liebe gewordene Becher Josephs (1. B. M. XLIV, 2. S.), ferner die Geräthe der Aegypter (2. B. M. XII, 35). Silberne Schüsseln von großer Schwere spendeten die Stammesfürsten zur Errichtung

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