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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-21 · Heft 34 (21.8.1891) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 34 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Hü 'S* g"“'^ 55. Jahrgang. Nr. 34. »j^i|yy ^erl*n* 2l* ^ugull 1891. Weilcrge zur „Allgemeinen Zeitung des IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. zfz Berlin, 18. August. Einer der angesehensten und verdienstvollsten jüdischen Gelehrten der Gegenwart, Herr Professor I. Derenbourg in Paris, feiert am 21. August seinen achtzigsten Geburtstag in vollster Rüstigkeit des Geistes und Körpers. Wir haben dem ausgezeichneten Mann durch den Mund eines berufenen Vertreters an anderer Stelle den Tribut der Verehrung dargebracht. Hier bleibt uns nichts Anderes übrig, als in kurzen Zügen sein Leben und Schaffen zu schildern. Josef Derenbourg wurde in Mainz am 21. August 1811 geboren und erhielt von seinem Vater den ersten Unterricht in der hebräischen Sprache. Da er sich zum Rabbiner ausbilden wollte, besuchte er neben dem Gymnasium auch die Talmudschule des damaligen Mainzer Rabbiners. Dann ftudirte er in Gießen und Bonn, wo Geiger, Hirsch und Frensdorf seine Kollegen waren, und promovirte an ersterer Universität. Hierauf nahm er eine Erzieherstelle in einem reichen Hause in Amsterdam an, wo er etwa fünf Jahre blieb, bis er 1839 zu dauerndem Aufenthalt nach Paris ging. Dort lag er mit großem Fleiß dem Studium der orientalischen Sprachen ob und leitete daneben eine höhere jüdische Unterrichtsanstalt, die er selbst begründet und bis 1864 geleitet hat. 1867 wurde D. Mitglied des Instituts, wo er als Nachfolger Coussin de Percevals in die Akademie der Inschriften ausgenommen wurde. Jnr Jahre 1876 erhielt er den Lehrstuhl der orientalischen Sprachen an der Ecole pratique des hautes etudes. Seit vielen Jahren ist er Mitglied des Vorstandes der Alliance und des französischen Central-Konsistoriums. Derenbourg, der ein Onkel des berühmten Rechtslehrers Heinrich Dernburg und des früheren Chefredakteurs der „National-Zeitung" Friedrich Dernburg ist, hat seit fünfzig Jahren unermüdlich auf verschiedenen Gebieten Hervorragendes geschaffen. Er hat die Fabeln des Lokman, die Makamen des Hariri, die verschiedenen hebräischen Versionen der Kalila we-dimna, bte grammatischen Werke des Abulwalid, die arabischen Schriften von Maimonides u. v. A. herausgegeben. Sein Hauptwerk ist der „Essai de l’histoire et de geographie de la Palestine“ nach dem Talmud und anderen rabbinischen Quellen. Unsere besten Segenswünsche senden wir dem greisen Jubilar zu seinem heutig^ Jubeltage. Möge er uns noch lange erhalten bleiben! 8 Berlin, 17. August. Eine neue antisemitische Hetzschrift des Herrn Pickenbach ist in Sicht, die sich gegen den Getreidewucher richtet, welcher durch besoldete Agenten hiesiger Getreidefirmen auf dem Lande vielfach ausgeübt wird. Herr P. will sein Material „auch von Juden" haben, und wir wollen ihm das sogar glauben. Die Vorschläge aber, die er in einer feierlichen Erklärung für seine Broschüre aukündigt, sind von nicht antisemitischer, ja sogar auch von jüdischer Seite schon oft und lange vorher gemacht worden. An und für sich ist ja die Tendenz dieser Agitation gegen den Getreidewucher eine sehr löbliche, wenn sie nur nicht gerade von Herrn Pickenbach ausginge. Wir brauchen es wohl nicht erst hervorzuheben, daß wir jede Art des Wuchers, ob mit Geld oder Getreide, und jedes unehrliche Börsenspiel als unsittlich und vom religiös-jüdischen Standpunkte streng verboten anfehen. Aber daß Herr P. sich zum Herold einer sonst so guten Sache macht, das will uns nicht gefallen. Das häßliche Treiben jener besoldeten Agenten hiesiger Getreidefirmen hat das „Berliner Tageblatt" schon vor längerer Zeit in einer Reihe scharfer und sachgemäßer Artikel gegeißelt; eine Intervention von maßgebender Seite, ja sogar ein Verbot dieses Getreidewuchers würde sicher allen rechtlich Denkenden erwünscht sein — nur Herr Pickenbach als Herold des sittlichen Bewußtseins der deutschen Nation will uns dabei ganz und gar nicht gefallen! # Berlin, 16. August. Einem dringenden Bedürfnisse der ärmeren jüdischen Bevölkerung ist abgeholsen worden, indem der Talmud- Thora-Verein der Lippmann-Tanß- Synagoge unter derLeitung des Herrn Rabbiners Dr. Oscar Lipschütz seit gestern einen unentgeltlichen Religionsunterricht eröffnet hat. Es nehmen am Unterricht bereits 260 Kinder in sieben Klassen (vier Knaben- und drei Müdchenklassen) Theil, und immer noch erfolgen neue Anmeldungen, welche Herr Buchdruckereibesitzer A. Garbatti, Rosenstr. 3, entgegennimmt. Der Magistrat hat die Erlaubniß ertheilt, den Unterricht in der Gemeindeschule Georgenkirchstraße abzuhalten. Wir wünschen dem Unternehmen den befielt Erfolg. Mögen die wohlthätigen Glaubensgenossen zur Unterstützung desselben ihr Ohr nicht verschließen. (D Berlin, 17. August. Die seit dem Jahre 1813 segensreich wirkende „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im Preußischen Staate" hat in ihrer Thätigkeit eine neue Phase zu verzeichnen, insofern sie sich entschlossen hat, zur Beherbergung und Beköstigung einer Anzahl von Lehrlingen ein eigenes Grundstück zu erwerben. Es ist hierzu das Haus Mühlenstr. 1 in Pankow gewählt und die Leitung dem Lehrer Herrn Max Wilinski übertragen worden. Die Eröffnung erfolgt am 1. Oktober dieses Jahres. Lp. Samter, 18. August. Jüngst hat der hiesige Synagogenvorstand eine Versammlung der Gerneindemitglieder abgehalteu, um über die Regelung der Wanderbettelei innerhalb der Gemeiude zu verhandeln. Nach längerer Berathung und heftiger Debatte zwischen dem Rabbinate und Gemeindevorstande ist beschlossen worden, jedem eintreffenden Armen, je nach Bedürftigkeit und Würdigkeit eine Unterstützung von einer Mark bis zu drei Mark aus der Korporationsklasse zu zahlen. Den am Sonnabend hier weilenden Armen soll nicht mehr, wie bisher, die Kost durch Privatpersonen in ihrem Hause, sondern in einem eigens dazu bestimmten Restaurant auf Gemeindekosten verabreicht werden. Die oben erwähnte Debatte entstand dadurch, daß der Vorstand verlangte, die Mitglieder möchten aus ihren Privatmittelu dieselben Armen nicht auch unterstützen und somit die Absicht der Gemeindevertretung, der Wanderbettelei Einhalt zu thun, fördern; während Herr Rabbiner Dr. Wreschner dieses Verlangen mißbilligte mit der Motiviruug, der Geist der Liebe und der Brüderlichkeit gegen die armen Mitmenschen könnte dadurch leiden, wohingegen Selbstlosigkeit im Wohlthun und öftere Uebung der Mildthätigkeit denselben stärkt und die Heranwachsende Jugend veredelnd beeinflußt. Cassel, 16. August. Die 23. Jahresversammlung der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens wurde am 6. Juli d. I. in Eschwege abgehalten. Nicht so stark besucht, wie die früheren Versammlungen, was mit der Lage des Konferenzortes zusammenhängt, nahm dieselbe doch einen gedeihlichen ltnb schönen Verlauf. Die Präsenzliste weist ca. 60 Theilnehmer auf, darunter etwa 15 Gäste. Von hervorragenden Gästen, welche die Versammlung zum Theil seit Jahren regelmäßig mit ihrem Besuch beehren, sind zu nennen: die Herren Laudrabbiner Dr. Prager-Cassel, Provinzialrabbiner Dr. Munk-Marburg, Kreisrabbiner Gol'dmaun-Eschwege, Herr Ad. Gotthelft-Cassel als Vertreter des D. I. G. B., Herr Justizrath Hirsch, Sekretär des Vorsteheramtes zu Cassel, Herr Kreisvorsteher Levy-Eschwege und mehrere Herren aus Eschwege. — Ein größerer Theil der Konferenztheilnehmer war schon Abends vorher am Konferenzort angekommen und verlebte nun einige frohe Stunden des Wiedersehens. — Die Verhandlungeil wurden morgens um 9 Uhr in dem Ernst Holzapfelschen Saale durch Absingung des von Herrn Gutkind-Cassel intonirten Chorals „Segne, treuer Gott, und stärke" eingeleitet unb durch die in gewohnter Meisterschaft vorgetragene Eröffnungsrede von dem Vorsitzenden, Herrn Seminardirektor Dr. Stein-Cassel, eröffnet. Nachdem die erschienenen Ehrengäste vorgestellt worden waren, verlas Herr Dr. Stein den Jahresbericht. Hervorzuheben ist, daß die Vorlage des Entwurfs eines Unterrichtsgesetzes im vergangenen Winter den Ausschuß hervorragend beschäftigte, weil derselbe durch den qit. Entwurf das israelitische Schulwesen gefährdet glaubte. Der Ausschuß wandte sich mit seinem Bedenken an die Vorsteherämter, die daraufhin unter sich in Verbindung traten. Die von ihnen nach Berlin entsendeten Herren Dr. Prager und Dr. Munk erzielten jedoch erfreulicherweise beruhigende Erklärungen des Kultusministeriums. — Außerdem erwähnte der Jahresbericht des Jubiläums

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