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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-21 · Heft 34 (21.8.1891) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 34 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
Seite 408 (sequence 12)
Language
German
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408 Volk. Latz hören, Meister Josua! Josua. Einem Löwen blieb einmal ein Knochen stecken. Auf das Versprechen eines großen Lohns Erklärte sich der Kranich schnell bereit. Ihm leicht den Knochen aus dem Hals zu ziehn. Das Werk gelingt, der Kranich wünscht den Lohn. Aber die Enttäuschung! Grimmig rief der Löwe: „Du forderst einen Lohn? Bedenk, Verwegener, Dein Kopf war in dem Nachen eines Löwen! Sei froh, daß ich dich gnädig Hab verschont!" So sprach der Löwe. Und die Lehre für uns: An Versprechen dürfen wir nicht weiter mahnen, Es muß dem armeil Volke schon genügen, Wenn Romas Rachen es so heil entkommen. Akiba. Freund Josua! Wir sollten ruhig schaun'. Wie sie des Ew'gen Stadt vor uns entweihn? Josu a. Welch Gedanke! Nimmermehr wird das gescheh'n. Ich will zu Hadrian mich gleich begeben, Er weilt zur Zeit im Pyramidenland; Die Reise ist beschwerlich, doch nicht weit. Ich hoffe, wieder gnädig ihn zil stimmen — Da er ja stets verständ'gem Rath geneigt. Als harrt' er nux des Rufs, des Rufs zum Kampfe, Der einmal doch an ihn ergehen mußte. 4 (Boten ab) Zweiter Judäer. Wer ist der Mann? Akiba. Es ist der Barkosiba! Dositheos (auffahrend). Barkosiba? Akiba. Das sein Name! Was zauderst du? Vermagst du gegen ihn was vorzubringen? Dositheos. Nein, nein! Bei Gott! doch bin ich so betroffen, Daß mein bester Freund mir könnt'entgangen sein, Als die Frage nach dem Führer lautbar wurde. Akiba. Sprich mehr von ihm! Dositheos. Wenn Horden, wilde Schwärme, Vor Blutdurst heulend sich auf die Opfer stürzen — Und nun ein Einzelner den Weg ihnen sperrt, Mit seinen Armen in die Flucht sie treibend — Sagt an, was zeichnet diesen Mann wohl aus? Erster Judäer. Muth. Tapferkeit! Akiba. Allein, für dieses mal, so denken wir, Bleibt Hadrian unbeugsam, unbeugsam, Denn eines Reformators Regung zeigt er, Wenn ilicht gar des Stifters einer Religion. Josua. Mir sagt das Herz, wir werden ihn umstimmen, Von hier geht gradeaus mein Weg zu ihm. Gott hat für euch zu jeder Zeit gestritten — Ihr aber sollt in Ruh' auf ihn vertrau'n! Akiba. Gott sei mit dir! (Reichen sich die Hände. Josua ab.) Elisa. Wenn ich euch einen Rath noch geben dürfte: Das Beste wär's, ihr folgtet Hadrian. (ab) Fünfte Szene. Akiba. Ihr Kinder Gottes, tretet alle näher! Ihr wißt, daß ick viel Reisen uliternahm. Ihr eillz'ger Zweck war gegen Rom gerichtet. In all den Ländern stimmt' ich unsre Brüder Zu einem letzten Kampfe gegen Rom. Unsre Schmiede, welche für die Römer schafften, Sie haben alle Speere stumpf gefertigt, Die ihrer Feinde Hand bewaffnen sollten. In all den höhlenreichen Kalkgebirgen Bahnten wir geheime Sammelplätze. In Parthien und Kleinasien, in Cilicien, Kappadocien, Phrygien und Galatien, üb'rall Sind unsre Brüder kampfbereit. Erster Judäer. Und wer Soll Führer sein? Akiba. Auch den ließ Gott mich finden. (Zu zwei Judäern.) Geh't in mein Haus. Im stillen Gärtchen dort, Das mein Haus umsäumt, da findet ihr den Führer. Auf eine Bank gelehnt, so blickt er in die Ferne, Zweiter Judäer. Wenn nicht Verwegenheit! Dositheos. Und wenn er mit dem Fußtritt Bäume fällte Mit den Händen brüllende Löwen würgt, sagt an, Was zeichnetdannihnaus? Erster. Doch Kraft und Stärke! Dositheos. Was Muth und Kraft und Tapferkeit ihr nennt, Das findet ihr verkörpert in Kosiba. Wie er Ballistensteine, die gewalt'gen, Die aus Maschinen gegen uns geschleudert, Mit seinen Knie'n zurückgeworfen — das, Ihr Männer, habt ihr Alle selbst geseh'n. Zweiter. Ein Wunder schien es uns! Akiba. So höret denn: Das messian'sche Reich ist nahgerückt. Nur kurze Zeit noch, und, so spricht der Herr, Erschüttr' ich Erd' und Himmel! Alles wankt: Der Reiche Thron und jede Heidenmacht! Es erglänzt ein Stern in Jakob — Sternensohn Sei er genannt! Nicht Barkosiba mehr — Barkochba heiße unser Führer! Er naht. Sechste Szene. Vorige. Barkochba (tritt hastig auf und nnlstert das Volk. Seine beiden Begleiter tragen Posaunen). Akiba. Die Zeit ist da, die deines Arms bedarf, Nur ist's am Volk, den Willen zu bekunden. Erster. Als neuen Stern Judäas nennen wir Barkochba dich, und wählen dich zum Führer! Barkochba. Kennt ihr den Feind? Zweiter. Es ist Nom! Barkochba. Und kennt ihr Rom? Julianus. Rom ist die Selbstsucht. Nicht blos sein Gebiet, Nein! alle Welt will es allein beherrschen. Die Meere, Länder, welche Schätze bergen. Die Länder, welche durch Erfindungen sich ehren, Sie sollen Romas leichtem Wink gehorchen. Die fremde Macht erscheint als Abbruch ihm. Barkochba. Das ist Rom. Doch weiter, Männer, weiter! Pappus. Rom ist der Treubruch auch und ist die Lüge. Es naht als Freund, sich hundertfach verstellend, Um irgend Schwächen Listig zu erspäh'n, Damit es dann mit stolzer Sicherheit Die Krallen in die Weichen schlage. Barkochba. Genug! Ihr kennt den Feind. Und kennt ihr euch Judäer? Nur ebenbürt'ge Wehr und wogende Kraft Vermag ihn dauernd aus dem Feld zu schlagen. Juliauus. Vorbilder hatten wir zu jeder Zeit. Da war der herrliche Juda Maccabäus, Der Antiochos nach Syrien zurücktrieb. Es gab Zeloten, die dem Titus sich , Mit Heldenkühnheit widersetzten! Da war Eleasar ben Simon, der Simon ben Giora, der Johannes von Giskala — Barkochba. Doch ich verlange mehr, verlange mehr: Leoparden, Wölfe, Tiger! Rom ist jetzt Ein fletschend Ungethüm, ein Ungeheu'r, Dem man nickt beikommt mit Begeist'rung blos. Tollkühnheit, Todesjubel im Blutgetümmel! Wahnsinn, ja kochender Wahnsinn muß es sein, Wie er die Mutter jählings überfällt, Der man die Kindlein aus den Armen reißt! Alle. Führ' uns zum Kampf! zum Kampf! auf, gegen Rom! Barkochba. Elementen der Natur, dem zückenden Blitz. Vulkan'schem Ausbruch gleichen eure Thaten! Unter euren Schritten soll die Erd' erdröhnen! Die Luft erzitt're vor eurem Wuthgeschrei! Es ist der letzte Kampf, den ihr jetzt kämpft! Alle. Führ' uns zum Kampf! zum Kampf! Barkochba. Doch eine Prüfung: Als Zeichen seiner Unerschrockenheit Fordr' ich, daß Jeder, der mir naht sich selber Einen Finger abhieb! (Volk in Bewegung.) Wie? Ihr zögert, Männer? Alle. Nein! Uns schrecket nichts! Zum Kampf, zum Kampf! Barkochba. Und nun, o Herr der Rache, Herr des Krieges! Im Gebet erheben wir zu dir das Herz. Verleih' uns Sieg! Doch willst du uns nicht helfen, So steh dem Feind nicht bei, und wir allein, Wir werden siegen! Unser Losungswort: Freiheit oder Tod! Alle. Freiheit oder Tod! (Posaunenstöße- Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. — Verantwortlich für die Redaktion Max Bauchwitz in Berlin.

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