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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-21 · Heft 34 (21.8.1891) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 34 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
Seite 407 (sequence 11)
Language
German
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mppp 407 Dositheos. Es weht diesmal ein andrer Geist als sonst. Jnlianus. Woher ihr Kinder des Herrn? Elisa. Laß dich nicht täuschen, Freund! Samaritaner Und Judäer werden nie sich einen, nie! Dvsitheos. Ob Samaria dem Ursprung nach ein Mischvolk, So hat sich doch ein großer Theil geläutert Und der Judäer Brauch auf sich genommen. Elisa. Hilst nichts, man weist doch immer auf den Ursprung. Dofitheos. Die Wohlgesinnten freuen sich der Frucht, War auch das Neis auf frenlden Stamm gepfropft. Elisa. Hilft nichts, mau weist auf eure Haltung. Dositheos. Wahr ist's: Als man beim zweiten Tempelban uns abwies, Bot uns ein eigner Tempel kein Genüge. Uns rächend schwärzten wir Judäa an, Daß es von Persien sich (öfeu wollte. Als dies nichts wirkte, hemmten wir den Bau, So daß die Träger in der einen Hand Die Lasten, in der andern Waffen trugen. Elisa. Wer war im Recht? Dositheos. Unstreitig doch Judäa. Die reine Lehre war bei uns nicht heimisch. Gar oft verriethen wir die Religion. Sidonier waren wir vor Alexander ttub stellten Truppen gen Jerusalem- Bor Antiochos, da opferten wir Götzen - In beu Tempel warfen höhnisch wir Gebeine - Den müden Pilgern nach Jerusalem Versagten Obdach wir und selbst das Wasser. Der Kränkung viel bereiteten wir Juda, Vorzeitig gaben wir die Feuerzeichen, Nach welchen man die Feste feierte. Elisa. An Racheakten hat es nicht gefehlt. Hat Hyrkan nicht, der Hasmonäerkönig, Euren Tempel und Samaria zerstört, Die erst Herodes wieder neu erbaute? D o s i t h e o s. Für immer sei vergessen alter Hader- Beim dritten Bau wird die Verbrüderung nah'«. Jetzt lehrt im Volk ein Josna, Akiba - Ein feuriger Judäer ist mein Freund. Elisa. Mag sein! Und wenn du auchdeinZiel erreichst— Was kann das Judenthurn dir ferner bieten? Homer sei dein Panier, Apollos Kreis! Des Daseins Bann löst mir der Griechen Welt. (Gesang von ferne.) Zweite Szene. Vorige. Wallfahrer ziehen singend ein: Aus aHeit Landen kommen wir, Dahin uns Gott zerstreut; Es ist uns wie ein sel'ger Traum, Der Mund füllt sich mit Freud'. Wie Bäche in das dürre Land Führt uns der Herr zurück — Die weinend ihre Saat bestellt, Sie ernten dann im Glück. (Pilger treten an Julianus' Tisch.) Ein Pilger. Wirkommen ausNom, Wo wir bis jetzt dem Tenipel Jupiters Die Steuer brachten, nunmehr bringen wir sie Dem Tempel Gottes. Julianus. Der Herr sei mit euch, Brüder! (Die Pilger tauschen die Münzen aus unb treten dann zurück). Zweiter Pilger (an Pappus Tisch). Die große Stadt, wo Philo einst uns blühte, Alexandrien sendet Brudergruß! Pappu s. Willkommen uns, Genossen aus dem Lande, Wo Joseph auch gewirkt, Mose, Aron Und Mirjam. (Die Pilger tauschen die Münzen aus.) Dritter Pilger (au Julianus Tisch). Aus Antiochien kommen wir, Gleich nach Nom und nach Alexandrien genannt; Ob man uns auch Epikuräer schilt — Des Ew'gen Haus zu bann, ergriff auch uns. Juli an us. Es sei euch Friede! (Die Pilger tauschen die Münzen aus. Fortdauernde Bewegung.) Dritte Szene. Vorige. Josua, Akiba, Äkylas. Akiba. Es ist ein Traum, wir fiiib gleich Träumenden. Josua. Erinnerst du dich noch der Reise nach Nom? Mit uns war Gamaliel, der Patriarch. Als wir dem Capitol uns näherten, Beschlich uns tiefes Weh, wir Alle klagten: Welch' buntes Treiben auf dem Capitol, Und die Verödung unseres Tempelberges! Du warst der Einzige, der Fassung zeigte: „Gottlosen selbst erweist der Herr viel Gutes — Was wird er erst für seine Treuen thun!" So sprachst dudein Vertran'n ist nun belohnt. Akiba. Es ist ein Traum, v Josua, ein Traum! Ich fürchte das Erwachen. (Elisa und Dositheos nähern sich). Elisa. Gruß euch, Meister! Akiba. Der Friede sei mit euch! Elisa. Begonnen hat Die Zeit der Jubellieder; ist's nicht so, Da Großes Gott an euch gethan? Akiba. Nicht auch an dir? An uns blos? Elisa. Du weißt, Akiba, längst, Mein Glaub' ist hin und mehr als dieses noch: Feind jeder Glaubensgemeinde bin ich worden. Ihr baut den Tempel wieder? und weshalb? Damit die Priester Opferstücke heischen. Ihr baut so viele Synagogen, weshalb? Spitzfindigkeiten auszuhecken — nicht? Wär's besser nicht, sie würden Schneider, Jäger, Bauleut' und Zimmermeister? Ist's nicht so? Akiba. Du sprichst, mein Freund, ähnlich wie Pharao: Stets laste schwere Arbeit auf dem Volke, Damit es weiter nicht an Gott sich kehre. Akylas. Wie weh ist mir um dich, Elisa! Elisa. Acher Willst du sagen. Nenn' mich'ruhig Acher, Wie das Volk mich nenntein Andrer bin ich wirklich. Akiba. Doch geb' ich dich, Elisa, noch nicht auf; Gleicht mancher Weise doch der rauheu Nuß, Die innen einen guten Kern bewahrt. Elisa. So ähnlich half mein Schüler Meir sich: Ihr lieben Leut', erwiedert' er dem Volke, Die Schale wirft man fort und freuet sich des « Kerns. Bedaure nur, daß er die Schale nennt, Was mir bereits die Form der Weisheit gilt. Do sitheos. Es sei, o Männer, das Wort auch mir gewährt. Elisa ist fein Anstoß euch gewesen — Denkt ihr so liebevoll auch gegen uns? Sind wir genehm euch bei dem Tempelbau? Akiba. Ihr seid, wie ich es immer wiederholte, Der Wahrheit Proselyten, nicht des Zwanges. Gleich uns vollzieht ihr Lehre und Gesetz — Ihr seid uns völlig gleich in jedem Punkt! Dositheos (zu Elisa). Hörst du das Urtheil aus Akiba's Muud? Elisa. Doch anders lautet es im Volk. Judäa Und Samaria, sie bleiben stets geschieden! (Ein römisches Signal.) Akiba (erschrickt). Wie doch ein römisches Signal mich schreckt! So fährt der Freie nicht zusammen! Vierte Szene. Vorige. Ein kaiserlicher Herold, von römiKben Kriegern begleitet, tritt auf. Herold. Vernehmet all' ihr Männer von Judäa, Was euch der Kaiser hier verkünden läßt! (liest.) „Nachdem ich reiflich in Erwägung zog, Ob aller Länder Kulte rathsam seien? Bin ich zur klaren Einsicht nun gelangt, Daß eine Religion das sicherste Band, Um alle Völker zu vereinigen, Die Nomas mildem Zepter nntersteh'u. Ueberdies ist alles, was der Rabbi lehrt, Der Samaritaner und der Christen Priester- Nichts andres als der Serapis. So vernehmt! Nach meinem Wort erbau' ich euren Tempel, Doch weih' ich ihn dem höchsten Jupiter, Von eurer Weisheit hoff' ich witl'ge Folge Und den Verzicht aus starre Denkungsart." (Volk in Bewegung.) So weit der Kaiser. Nun lebt wohl, ihr Männer. (Ab. Lautlose Stille.) Josua. Ihr seid verstört, verwirrt, enttäuscht, zerschlagen- O Fassung! Männer, Fassung! Hört von nur, Als eurem Freunde, eine kleine Fabel!

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