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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-14 · Heft 33 (14.8.1891) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 33 (14.8.1891)
Date
1891-08-14
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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WWWWWWWW WNWWWWWWMMWWWM wiederholentlich persönlich nach Paris gekommen sind. Der Verein „Jischub erez jisroel“, der erst vor wenigen Monaten hier begründet worden ist, veranstaltete nun zu Ehren des Bialystoker Rabbiners Samuel Mohilewer, sowie der Herren Rabbino.witsch und Syr kin im Saal der Uantai8i68-Rari8ienne3 eine Sitzung, an welcher über 400 Personen Teilnahmen. Außer zahlreichen Mitgliedern der russischen Kolonie bemerkten wir noch Herrn Oberrabbiner Drehfuß, die Professoren Halevy und Prague, und noch mehrere Mitglieder des Konsistoriums. Her Zadoc-Kahn hatte sein Ausbleiben entschuldigt und der Versammlung den Ausdruck seiner Sympathieen in einem Schreiben zugesandt. Die Leitung der Verhandlungen lag in der geschickten Hand des Herrn Weiskopf, welcher mit warmen Worten der Thätigkeit zu Gunsten der russischen Juden gedachte und auf Palästina, das Land glorreichsten Andenkens, als Ziel für die Auswanderung der unglücklichen Brüder hinwies. Nach ihm sprachen noch Oberrabbiner Dreyfuß, die russischen Gäste, das Konsistorialmitglied Dr. Klein, Professor Halevy und mehrere Andere in gleichem Sinne. Den weitaus praktischsten Erfolg erzielte mit seiner Rede Herr Prague (Chefredakteur der Archives israelites), welcher die Sympathieen der Versammlung für den Verein Jischub erez jisroel in so glänzender Weise zu entflammen wußte, daß eine stattliche Zahl von Personen die Mitgliedschaft erwarb. Zum Schluß ernannte der Verein Herrn Dreifuß zu seinem Ehrenpräsidenten. — Es verdient noch bemerkt zu werden, daß die in voriger Woche in derselben Angelegenheit hier anwesenden Herren Dr. H. Hildesheimer und Simmel aus Berlin an der Versammlung nicht Theil genommen haben, sondern bereits Sonntag früh in ihre Heimath zurückgereist sind. Großbritannien. * London, 5. August. Das hiesige „Echo" schreibt: „Es ist hohe Zeit, daß man einmal dem schändlichen Unsinn, welcher jetzt so häufig über die „ausländische Armenauswanderung" vernommen wird, entschieden entgegentritt. Geht man auf den Grund der Thatsachen, so stellt sich heraus, daß eine „ausländische Armeneinwanderung" gar nicht existirt, da selbst die ärmsten Auswanderer, welche hier Zuflucht suchen, mit dem festen Vorsatz nach England kommen, ihr eigenes Brod zu verdienen und ihren Vorsatz in den meisten Fällen auch ausführen. Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß arme Ausländer wesentlich zur Gründung neuer Industriezweige beigetragen und durch billige Produktion englischen Erzeugnissen im Auslande neue Absatzgebiete erschlossen haben. Wie ein zeitgenössisches Journal sehr richtig ausführt, hat der ausländische Jude im Ostend in fertigen Kleidungsstücken einen eigenen Handel geschaffen, dessen jährliche Ausfuhr im Betrage von beinahe 5 Mill. Lstr. für sich selbst redet. Diejenigen, welche die Einwanderung beschränken wollen, sollten bedenken, daß andere Nationen das Gleiche thun könnten, und daß, wenn diese Politik überall verfolgt würde, wir weit mehr verlieren als gewinnen würden. Wir sollten uns schämen, den verfolgten russischen Juden unsere Thür zu verschließen, so lange Engländer durch Theepflanzungen in Ceylon, durch Ausbeutung der Guanofelder in Chile, durch Baumwollpflanzungen in Aegypten, durch Seehundfang in Alaska und durch den Handel mit Central-Afrika ihr Geld gewinnen." Bulgarien. R. B. Sofia, 10. August. Bor mehreren Tagen fand ein Ministerrath unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Herrn Stambulow statt, welcher über die Frage der Aufnahme der flüchtigen russischen Juden in Bulgarien berieth, und wurde beschlossen, 5000 Familien aufznnehmen. Doch geschah das Merkwürdige, richtiger das Merkunwürdige, daß dieser Beschluß Tags darauf rückgängig gemacht wurde. Ueber den so jäh eingetreteneu Gesinnungswechsel cirkuliren zwei Versionen; nach der einen wäre ein Veto von jüdischer, nach der anderen von diplomatischer Seite schuld an dieser inhumanen und für Bulgarien ungünstigen Wendung. Interessant bleibt immerhin, daß man sich mit dem Schicksale der Unglücklichen beschäftigte und es in menschenfreundlichem Sinne erledigte, wer aber seine verhängnißvolle Hand im Spiele hat, ein hochmögender Antisemit oder aber, was viel verdammenswerther, eine jüdische Stimme: Beide werden vor dem Richterstuhle der Geschichte und des eigenen Gewissens eine schwere Verantwortung zu tragen haben. Objektiv betrachtet, scheint die hiesige Diplomatie keinen Grund zu einer derartigen inhumanen Invasion zu haben, zumal es sich ja nicht darum handelt, die Kolonisation in einen der vertretenen Staaten zu lenken. Dasselbe ist daher eine rein interne Angelegenheit, in welche sich kein fremder Staat mischen darf. Die einzige Großmacht, welche zuvorderst ihr Veto einlegen könnte, ist die Türkei; allein wem non uns bleibt ihr Wohlwollen gegen die Juden seit Jahrhunderten unbekannt, und wer schätzt nicht hoch ihr Entgegenkommen in der Kolonisations - Angelegenheit des heiligen Landes. Bei der strengen Diskretion, mit welcher die Beschlüsse des Ministerrathes gefaßt werden, müssen wir die Hoffnung fahren lassen, jenen unheimlichen Geist zu entdecken, welcher so vielen traurigen Muth besitzt, ein so humanes und entschieden staatskluges Vorgehen der bulgarischen Regierung unmöglich zu machen. Auf wessen Initiative der Antrag der Einwanderung in den Ministerrath gelangte, können wir mit Sicherheit nicht angeben. Nur so viel sei mitgetheilt, daß Ihr Berichterstatter noch vor sechs Monaten ein Memorandum an Minister Stambulow richtete, in welchem derselbe um Aufnahme einer größeren jüdisch-russischen Immigration bat und die Ersprießlichkeit für Bulgarien nachwies. Wohl hörte man nichts von einer Disposition, irgend wie den niedergelegten Wünschen Rechnung zu tragen, allein man merkte, daß ab und zu das Regierungsblatt Swoboda (Freiheit) warm gehaltene Artikel für die bedauernswerthen russischen Stammesbrüder und gegen die russische Barbarei brachte, was ich wohl als eine Art Vorbereitung 31t den geheimen Plänen Stambulows betrachtete. Wie man sieht, blitzte wohl ein Hoffnuilgsstrahl, doch zur Höhe eines Licht- und Wärmestrahles der Humanität durfte er sich nicht kondensiren. Es wäre zu schön gewesen, doch sollte es nicht sein. — Bei der völligen Demolirung der so wechselvollen Stadt Sofia wurden auch alle jüdischen Synagogen und Midraschen niedergerissen. Unter den Synagogen befand sich auch die älteste asehkan ansche, die nach der Tradition von den ersten Ankömmlingen oder Flüchtlingen aus Deutschland und Ungarn erbaut wurde. Die Fahrlässigkeit der hiesigen spangolischen Gemeindevorsteher hat es verschuldet, daß jene vor Jahrhunderten geweihten jüdischen Orte expropriirt wurden. Ebenso verfielen zwei jüdische Friedhöfe der Vernichtung, welche von den Türken während der langen Reihe ihrer Herrschaft pietätvoll geschont blieben. Indessen ist man bereits daran gegangen, au deren Stelle neumodische Gottes- und Schulhäuser zu erbauen. Verwichene Woche wurde nun im Beisein des Stadtpräsidenten und des Vertreters der Negierung der Grundstein zu einem großen Gotteshause, wie auch 31t einer Talmudthora gelegt; ein anderes wurde eben beendet in dem neuen Stadttheile Sofias, in Utschbrunar, unter stetem Wohlwollen der Stadt- und Landesbehörde. Rußland. * Petersburg, 6. August. Es bestätigt sich, die Negierung wolle unter dem Vorwände, daß der Versuch mit der Anlage jüdischer Ackerbaukolonien im Süden des Reiches so wenig Früchte getragen habe, diese Kolonien ankaufen, und zwar unter folgenden Bedingungen. Die Familien, die sich als Landwirthe gut bewährt haben, sollen zu einer Kolonie verschmolzen und mit gutem Lande versehen werden, wobei sie all' ihr Inventar an Vieh und Ackergeräthschaften behalten würden. Die schlechten Wirthe aber sollen wieder im Rayon der jüdischen Wohusitzberechtigung angesiedelt werden. Das freie Land und ihr Inventar soll dann russischen Ackerbauern überwiesen werden, die dafür dem Fiskus später die Auskaufssummen zu restitniren hätten. Das Urtheil darüber, wer ein guter und wer ein schlechter Landwirth ist, bleibt natürlich der — russischen Regierung Vorbehalten. Amerika. * New-Avek, 10. August. Durch den Telegraphen wurde jüngst die Nachricht verbreitet, daß der nordamerikanische Sekretär des Schatzes. Mr. Fo ster in Washington, eine Eingabe der amerikanischen jüdischen Gesellschaften betreffend die Einwanderung russischer Juden dahin beantwortet habe, daß die Bestrebungen, eine Auswanderung mittelloser Personen nach den Vereinigten Staaten hervorzurufen, offenkundig mit dem Geist des Gesetzes in Widerspruch stünden, welches die Regierung zu beobachten entschlossen sei. — Diese Meldung ist aber apokryph; es sind Worte, wie die angegebenen, nicht gefallen. Der Thatbestand ist vielmehr, wie heute die „Times" berichtet, folgender: Die „United American Hebrew Congregations“ in New-Uork hatten sich in Sachen der Einwanderung der ruyfifdöeu Juden an Mr. Charles Foster gewandt und denselben gebeten, daß die aus Rußland kommenden Einwanderer nicht als „mittellos" betrachtet werden sollten. „Wo hilfsbereite und opferwillige Hände entgegengehalten werden, um den neuen Ankömmlingen zu der geachteten Stellung amerikanischer Bürger zu

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