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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-14 · Heft 33 (14.8.1891) · p. Seite 395

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 33 (14.8.1891)
Date
1891-08-14
Page
Seite 395 (sequence 11)
Language
German
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395 Sibylle. So ist denn meine Sendung treu vollbracht. Verkündet auch, was ihr von mir vernommen, Dem ganzen Volk. Lebt wohl, ihr würdigen Männer! (Sibylle ab.) Josua. Gott sei mit dir! (Für sich.) Seltsame Zeichen nah'n — Es rauscht aus heidnischem Born die Friedensbotschaft. War' schon die gnadenreiche Zeit erfüllt, Da Gottes Geist sich ergießt auf alles Fleisch! (Zu Akylas) Auf wen beziehst du der Sibylle Worte? Akylas. Wer könnt' es anders sein als der Messias, Den täglich wir aus uns'rem Stamm erhoffen! Josua. Wie einst aus Cyrus die Propheten wiesen, So seh' ich diesmal nur auf Hadrian — Die schöne Zeit, sie bringt uns Hadrian! Dritte Szene. (Vorige. Hulda tritt eilends auf.) Hulda. Um Himmelswillen, Akylas, helft! rettet! Akylas. Was ist geschehen, liebes Weib? (Wirre Volksstimmen.) Hulda. Hörst du nicht, Wie das Volk da stöhnt und jammert? Josua. Führt Quietus Erseh'ne Opfer wieder auf den Richtplatz? (Quietus mit Gefolge. Julianus und Pappus in Ketten geführt. Römer, Judäer.) Akylas. Julianus ist's und Pappus! Josua. , Hilf uns, Himmel! (Zu Quietus) Erbarmen, Herr! Gebt uns die Männer frei, Ich bürge dir, daß jeder Widerstand In Zukunft unterbleibt. Quietus. Wer euch vertraut, Stützt sich auf schwankes Rohr zu eignem Schaden. Wie oft habt ihr dem Kaiser Treu geschworen? Das Gelöbniß schien nur Hohn und Spott zu sein. Ein Ende denn hat unsere Geduld, Und Ströme Blutes sollen nun verkünden, Daß ein Quietus herrscht im Lande. Hört ihr's? Ein Judäer. Noch herrscht in Rom ein Kaiser, der denkt anders. Quietus. Doch hier bin ich der Kaiser und der Richter! Wer ist's, der meinem Grimm gebieten wollte? Der Kaiser selbst kann mir nicht widersteh'n. Wie dehnbar Wachs ist er in meiner Hand, Nach meinem Wunsch vollziehet sich feilt Wille. Zweiter Judäer. Dann giebt es einen noch, den Gott der Rache! Quietus (zu Julianus und Pappus) Wenn euer Gott so mächtig ist, wie ihr rühmt — Wohlan! so mag er doch euch retten jetzt Aus meiner Hand. Julianus. Du bist nicht werth, Bluthund, Daß deinetwegen Gott uns Wunder thue! Pappus. Du Schändlicher, du Sklave eines Dieners! Juli anus. Versuch' es nur und löse mir die Fesseln — Mit deinem eignen Schwert durchbohrt' ich dich, Und deinen Troß versprengt ich rechts und links! Josua (für sich) Welch edler Heldenmuth NÄH Vor dem Tode! Daran erkenn' ich, Zion deine Söhne. Quietus. Laßt eurem Groll nur weitern Lauf. Nur hurtig! Bald rollen in beit Staub die trotz'gen Häupter. Judäer. Quietus nieder! Nieder mit dem Bluthund! Quietus. Auf denn! und baldigst sollt auch ihr erfahren, Wie Hunde in den Eingeweiden wühlen. (Von fern Trompetenstöße). Erster. Ein römisches Signal! Zweiter. Der Kaiser naht. Quietus. Auf denn! bevor der Kaiser naht. (Ein Herold tritt auf.) Herold. Der Kaiser wünscht, sein Volk hier zu begrüßen. Judäer (singen). „Nicht schläft, nicht schlummert unser Hüter! Der Hüter Israels." Vierte Szene: Vorige. Hadrian mit Gefolge. Volk. Heil dem Kaiser! Herl! Hadrian. Ich will euch wohl, nun fällt mein Blick auf Ketten? Wer sind die beiden Männer? sprich Quietus. Quietus. Es sind Empörer, die dem Tod verfallen. Hadrian. Ich will hinfort den Ländern Vater sein, Und ihren Brauch und ihre Sitten wahren. Ich begnad'ge diese Männer! Judäer. Heil dem Kaiser! (Einige wollen Julianus und Pappus die Ketten abnehmen.) Hadrian (zu Quietus). Du selber löse sie! (Geschieht; Julianus uub Pappus verbeugen sich vor dem Kaiser.) Jnlianus. Dem Herrn sei Preis, Der dir, o Kaiser, ein menschlich Herz gegeben! Hadrian. Habt ihr noch einen Wunsch, ihr Männer Judas? Ich will ihn euch gewähren. Judäer. Fort mit Quietus! Hadrian. Ihr hasset ihn, weil er zu hart verfuhr. Doch ihr vergeßt, daß ihr seit Titus stets Auf Abfall sännet. Josua. Ach, es war ein Wahn, Ein unheilvoller Wahn, von Wen'gen genährt. Hadrian. Wir müssen allzeit mit den Thaten rechnen. Doch drängt's mich nun, durch Gunst euch zu gewinnen — Quietus sei entlassen seines Dienstes! Quietus. Wird so gelohnt Trajans erprobtem Feldherrn? Had rian. Jeder Herrscher ist der Herrscher seiner Zeit. Quietus. Glaubst du mit deiner Milde, deinem Hochsinn, Mit deinem Hang zu Kunst und Wissenschaft, Des Ostens Völker im Zaum zu hallen? Hadrian. Welche Sprache! Quietus. Ich rede wie's dem Feldherrn ziemt. Hadrian. Vor dem Kaiser! Doch du redest Quietus. Vor dem Kaiser für den Kaiser! Wahrlich! noch fern von uns ist jene Zeit, Da man das Schwert dem Roste überliefert. Nicht sichern Freudenfeste den Gehorsam. Wenn du zumeist auf Reisen dich befindest — Bald in Germanien, in Gallien, Bald in Britannien und Spanien, In Aegypten mit) Mauritanien, Hellas Und Syrien, Antiochien, Judäa, Arabien und wie die Länder heißen — Bedarf's des Mannes, der für den Kaiser wacht. Hadrian. Recht, Recht, Quietus! Bist ein wackrer Mahner, Und auf der Stelle will ich dir beweisen, Wie willig ich der Ueberredung folge. Mit Schwert und Feuer dämpfst du jede Keckheit — Ihr Henker auf! die ihr die beiden Männer In Ketten habt gelegt, ergreift Quietus, Ergreift den widerspenstigen Rebellen! Den Tod, den er den Beiden zugedacht, Den soll er selbst erleiden! (Die Henker wollen ihn ergreifen, da wendet sich Quietus an die Krieger.) Quietus. Ergraute Krieger, Die unter Trajans Fahnen ich geführt, Von Sieg zu Sieg — könnt ihr das dulden? (Lautlose Stille.) Wie? Ihr bedenkt euch noch? Ein Krieger. Nein! Hadrian ist Kaiser! Und wir gehorchen dem Kaiser! Alle Krieger. Wir gehorchen dem Kaiser! Hadrian. Doch nicht gehorchen blos sollt ihr dem Kaiser Vertrau'n und Liebe ford'r ich auch von euch, Denn Hadrian will nicht blos Kaiser sein, Er ist auch Freund des Volks! (Giebt ein Zeichen, Quietus abzuführen) Nun Männer Judas, ist euch genug geschehet? Josua. In allem, was geschieht, erkennen wir Gott — Doch fällt der Feind — wir jubeln nicht. Hadrian. Der also spricht? Wer bist du,

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