Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1891)
- Date
- 1891-08-14
- Page
- Seite 394 (sequence 10)
- Language
- German
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394 Barkochba. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Dr. M. L e v i n. Personen: Aelius Hadrianus. römischer Kaiser. Quietus \ römische Statthalter Tyran nus Nufus I in Judäa. Bar kosiba, genannt Barkochba. Julianus / jüdäische Feldherren. Pappus Josua Akiba Jochanan Meister des Gesetzes Elieser Jose Akylas, der Proselyt. Elasar, vom Volk als Heiliger verehrt. Dofitheos S a b ä u s Anastasius Samaritaner. Theodosius Justa Elisa ben Abuja, der Hellenist. Eine Sibylle. Hulda, Akylas Gattin. Naamah, Tochter des Dositheos. Wallfahrer, Herolde, Turmwächter, Boten. Römer, Judäer, Samaritaner, Judenchristen und Heidenchristen. Volk beiderlei Geschlechts. Ort der Handlung: Im ersten und zweiten Aufzug: Cäsarea; im dritten und vierten: Jerusalem; im fünften: Betar. — Zeit: 132—35 n. Erster Aufzug. Ein großer freier Platz. Erste Szene. Josua und Akylas. Josua. So darf's nicht bleiben, theurer Akylas: Des Volkes Bildung hemme kein Beschluß. Es ist ein Wahn, wenn das Synedrion Im Griechenthum den Feind erblicken will. Akylas. Vom Feind gereicht, frommt selbst das Gute nicht. Josua. Verschmähe nur die Perle, wie du magst, Sie bleibt sich doch in ihrem Werthe gleich, Und ohne Absicht strahlt ihr Licht auch dir. Jedweden Geistes unbefang'nes Schaffen Hebt unsre Kraft, statt sie zu lähmen. Es mögen Japhets Kreise sich erweitern, Er wohne friedlich in den Zelten Sems. Wir wandeln uns den stolzen Feind zum Freund, Wenn seine Schätze wir geziemend achten. Du selber schufst an solchem Friedenswerk: Das heil'ge Wort in Hellas' edler Sprache Hast rühmlich du in alle Welt getragen. Akylas. Ich lebte sorglos meine Jugendzeit, Das Vaterhaus bot mir des Lebens Güter; Was sollst das Volk ergötzt, das narmt' ich mein — Und doch! bei allem Glück, mein Herz blieb leer. Der Griechen Weisheit sprach nur zu den Sinnen — Das holde Ebenmaß, die Harmonie Verklärt gemeinhin wohl des Daseins Pfade — Allein mein Herz blieb leer— auch unter Freunden! Da mußte jener Tag doch endlich kommen Ai: dem der Heimath ich den Rücken kehrte. Josua. Er brachte Frieden dir, er sei gesegnet. Akylas. Der Wandlung Mahngebot stand jetzt vor mir, Ich hab's erfüllt, wenn auch nach vielen Kämpfen: Das Gold, das ich ererbt, warf ich ins Meer, Weil selbst Erlös aus Götzen ungebührlich! Ich war erst frei, zum ersten Male glücklich, Als in den Kreis ich trat, deß Reich die Liebe! Josua. Ein hehres Reich! heil dem, der es gewinnt! Akylas. Ich fand den Frieden in dem Liebesreiche, Das Alles hingiebt, was voll dieser Welt, Doch als ich weit'rer Forschung nicht entsagte, In dem Lauf der Sterne nach Gesetzen suchte, Da warfen sie mir Abfall vor, Unglauben, Teufelei und mehr der argen List und Bosheit, Bis ich müd des Haders und der harten Schmähullg, Zu euch hinüberging, zu euch, ihr Lieben! Die auf Erkenntniß ihr ben Glaubell gründet. Josu a. Du wurdest unser Stolz. Aus freier Wahl Zogst du in Judas still bescheid'ne Grenzen. Wenn auch der Feind im Uebermuth uns höhnte— Eill Malln wie du wog alle Unbill auf. Akylas. Dank sei dem Herrn, der mir die Heimath gab, Wo mein Geist den Aufschwung nahm zu lichter Höh'. Josua. Doch nun, mein Akylas, mein lieber Sohn, Laß ab von jenem Schmerz, der dich beschleicht, Weil Romas Zepter herrscht. Akylas. Es wühlt in mir, Seh' ich die Heiden Zions Berg umkreisen. Josua. O hüten wir uns vor dem Uebermaß! Der Uebertreibung ruhelos Bemüh'n Raubt selbst dem guten Vorsatz jede Weihe. Blick' auf der Pharisäer unklug Treiben, Verbieten den Genuß von Fleisch und Wein, Solalige der Altar in Trümmern liegt. Akylas. Es glaubt der Schmerz Erleichterung zu finden, Wird der Genuß durch Schranken eingedämmt — Entbehrung soll dann sühnen manche Schuld. Josua. Bedenklich ist's, dem Volke Lasten schaffen, Die von der Mehrzahl nicht ertragen werdeil. Uebertreibung ist's. was das Synedrion, Engherzigkeit, was Pharisä'r beschlossen. Akylas. Wie dem auch sei, das Volk wird erst beschwichtigt, Sieht es die Horden ans dem Lande zieh'n. Und ist's auch Rom, wir beugen Niemand uns. Wir sind die Letzten, die den Stab noch küssen, Der uns schlägt. Josua. O Akylas! so meint' ich's nicht. Durch Treu besiegen wir auch den Tyrannen. Akylas. Schon ist's ein halb Jahrhundert, seit Titus Die Fackel in den Tempel schleuderte; Dann kam ein Domitian, ein Trajan gar — Das Maß war voll! Josua. Akiba spricht aus dir, Der für den weitern Kampf das Volk entzündet, Und doch regieret Hadrian gerecht. So weit sein Zepter reicht, reicht seine Milde, Bei seinem Einzug wirst du's wieder seh'n. Akylas. Allein er bleibt ein fremder Herr! Josua. Genug, Wenn er in Freundschaft mit uns leben will. Vergeblich ist's, es ist ein Unterfangen, Die Brust zu richten gegen Roms Koloß. Es fielen zwar an viermalhunberttausend Der Griechen und der Römer. In Aegypten Und in Kyrene hat schließlich Martins Turbo Das Feld behauptet; anders nicht war's in Babel. Mesopotamien, wo ein Quietus Als Rasender gewüthet. Jetzt ist er Statthalter, während Pappus und Julianus, Die beiden tapsern Führer, Ketten tragen. Akylas. Ein Vorspiel war, was da bislang gescheh'n. Der große Führer harrt im Hintergrund — Wie lang verhalt'ner Zorn nur wilder tobt,1 Wird jetzt der Aufstand Alles überfluthen. Zweite Szene. Vorige. (Eine verschleierte Sibylle tritt auf.) Sibylle. Gruß euch, ihr werthen Männer! Josua. Friede dir! Sibylle. Auch euch verkünd' ich Heil und Friedensworte. Josua. Bringst du Elias Rolle, des Propheten? Sibylle. Der Isis Schwester bin ich. Als Sibylle Werd' ich gefeiert im ganzen Land des Nils. Ein hoher Drang trieb mich in eure Grenzen. Ich frug das Volk nach seinem Oberhaupt, Und alle riefen: Josua, Josua! Und wiesen her auf euch. Josua. Was willst du künden? Sibylle. Zweimal ward euer Tempel grausam euch zerstört, Der bittre Kelch des Hohnes ward euch oft gereicht. Zu End' ist Trauer und die trübe Zeit geht hin. Der Zukunft Morgen bricht euch an in ros'ger Pracht, Und herrlich naht euch wieder sieggekrönt ein Held, Die Stadt desEw'gen, sie erhebt sich aus demStaub, Des Krieges rauhe Stimmen schweigen allesammt. O heil'ger Boden, von Gesängen sonst erfüllt, Wach auf! Erwache! Dir erklingt Ehr' und Triumph. Nicht trügte eure Hoffnung, daß ein Gott regiert. Des Ew'gen Tempel — hellen Glanzes steht er da! Des Ew'gen Zepter — ruht in des Gerechten Hand! Vernehmt ihr's, Freunde? Josua. Wer vernähme nicht, Wenn Fremde das in süßen Worten singen, Was man im stillen Busen heiß ersehnt!