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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-14 · Heft 33 (14.8.1891) · p. Seite 390

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 33 (14.8.1891)
Date
1891-08-14
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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390 Eisen und Blei, im Ofen sind sie Silberschlacken geworden. Darum spricht Gott der Herr also: Weil ihr denn Alle Schlacken geworden seid, darum siehe! will ich euch Alle zusammenbringen nach Jerusalem; wie man Silber, Kupfer, Eisen, Blei und Zinn zusammen in den Ofen thut und Feuer anbläst, es zu schmelzen, so will auch ich in meinem Zorne und Grimme euch sammeln und zusammenwerfen und euch schmelzen" (Rosenmüller, biblische Alterthumskunde, 4 Bd. 1. Abth. S. 66). Die Gewichte wurden aus Blei gegossen, ein solches Bleigewicht wird unter dem Namen Anoch von Amos (VII, 7 und 8) angeführt. Bei der vorhin erwähnten Ausschmelzung des Silbers durch Blei mußte viel von dem edlen Metall verloren gehen; so verschwenderisch geht man heute nicht mehr vor, wo der Bleiglanz selbst bei einem Gehalt von Silber unter einem Prozent noch auf Silber verarbeitet wird. Das Zinn (Bedil) wird im 4. B. M. (XXXI, 22) unter den von den Midjanitern erbeuteten Metallen genannt, die durch Feuer gereinigt werden sollten. Es ist dies ein Vorgang, der noch heute in den Zinnschlichen angewendet wird, um das Zinnerz von seinen schädlichen Beimengungen, als Arsen, Antimon und Schwefel, die sich dabei verflüchtigen, zu befreien. Weil das Zinn der Einwirkung vieler verdünnter Säuren widersteht, verzinnt man heute noch viele kupferne und bleierne Gefäße. Die Leichtigkeit, mit der sich das Zinn verarbeiten läßt, sei es im geschmolzenen oder im gehämmerten Zustande, bedingt seine große Anwendbarkeit; so wird z. B. in Sacharjah (VI, 16) von einer zinnernen Richtwage berichtet, welcher sich die Bauleute bedienten. Nach Ezechiel (XXVII, 12) erhielten die Tyrier aus Tharschisch (dem südlichen Spanien) Zinn, jedoch wird dieses Metall heute daselbst wenigstens nicht in erheblichen Mengen gefunden. Das Antimon (Puch) kommt wohl im Pentateuch nicht vor, jedoch wird im 2. Kön. (IX, 30) von Jsebel berichtet, daß sie ihre Augen in Stibium (Antimon) setzte. Im Orient gebrauchten nämlich die Frauen dieses Metall im gepulverten Zustande unter dem Namen „Kohol", um sich damit die Augen zu färben. Dieses Pulver macht dieselben größer lind glänzender; auch ans anderen Propheten (Jeremias und Ezechiel) geht diese Anwendung hervor. Heute verwenden bekanntlich Tragödinnen und Tragöden das Alkaloid der Tollkirsche, das Atropin, zu demselben Zwecke, vornehmlich wird die pupillencrweiternde Eigenschaft in der Augenheilkunde benutzt. Die Gottesgerichts- oder Calabarbohne (Physostigma venenosum) enthält denjenigen Stoff, der dem Atropin entgegengesetzt, also die Pupille verkleinernd, wirkt; es ist dies das gleichfalls in der Ophtalmologie angewendete Eserin. (Schluß folgt.)? Uelrer den Ursprung der Sage vom „Ewigen Juden". Von D. Mendl in Prag. Das Christenthum, das zu einer Zeit entstand, wo beinahe die ganze damals bekannte civilisirte Welt unter dem Joche eines tief demoralisirten Volkes, der Römer, schmachtete, wo alle noch so heldenmüthigen Anstrengungen zur Befreiung von diesem Joche fruchtlos schieilen, das Christenthum mag dadurch so rasch seine Verbreitung und so viele Anhänger gefunden haben, daß es ein ganz neues, den früheren Idealen ganz entgegengesetztes Ideal des Heiles, der Vollkommenheit, aufstellte, das des Leidens, der Selbstaufopferung, den Erlöser. Die früheren Religionen feierten überall und immer das thätige Streben, das Wirken, den Fortschritt für die Humanität; sie erhoben Menschen, die Großes geleistet, zu Halbgöttern und Göttern; von geduldiger Hingebung an das Leiden kommt in den alten Mythologien sehr selten etwas vor, und weder Laokoon noch Niobe fügen sich ergeben in ihr Geschick. Auch das Judenthum, das bestimmt war, die alten Götter zu entthronen, indem es die Machtvollkommenheit aller zusammen auf die Allmacht eines einzigen übertrug, findet nichts Großes und Erhabenes in der Entsagung von erlaubten Genüffen, in der Hingebung an das Leiden, — in der Passion. Alle Feiertage und Halbfeiertage im Judenthum gelten der Erinnerung an große Thaten, an Thaten, die Gott selbst oder die von ihm 'Gesandten vollführt, feiern also immer die Aktion. Wo es unter den Juden Märtyrer gab, und deren waren nicht wenige, da hat das Judenthum für sie nur Worte der Klage, der Trauer, und das Angedenken der Märtyrer gipfelt höchstens in einem Trauer¬ oder Fasttage, giebt aber niemals Gelegenheit zu einem Feste, an welchem wie im Christenthum das Leiden als ein Triumph der Idee über das irdische Bedürfniß zu leben und sich wohl zu befinden bejubelt würde. All die Männer, die im Judenthum als nachahmenswürdige Beispiele hingestellt werden, waren Männer der That; und wie der Patriarch Jakob mehr zu leiden als zu wirken hatte, so beklagt er dies gegenüber dem Pharao, ohne in diesem seinen Leiden etwas Verdienstliches oder Erhebendes erkennen31t wollen. Das Ideal des eifervollen Wirkens und Strebens finden wir aber nicht blos in den biblischen Geschichten, sondern auch später in den Volkssagen der Juden gefeiert, und der Sage wurde von dem alten Testament selbst in einer seiner Persönlichkeiten ein Objekt dargeboten, wie es sich die Phantasie des Volkes gar nicht besser und geeigneter wählen oder wünschen konnte; dieses Objekt war — der Prophet Elias. Während die Bibel oft bei minder wichtigen Persönlichkeiten deren Genealogie bis zu den Urvätern zurückgeführt, geleitet sie den Propheten Elias, der bestimmt war, der Regenerator seines unter Ahab und Jesabel tief gesunkenen Volkes zu werden, mit den schlichten Worten auf den Schauplatz seiner Thätigkeit: „Und es sprach Elias, der Tisbite, einer der Insassen Gileads rc." Die talmudische Sage aber kennt die Genealogie des Elias schon besser. Die talmudische Sage meint: „Elias ist Pineas"; sie identifizirt ihn so mit Pineas, dem Dritten in der Reihe der Hohenpriester, dem Enkel des ersten Hohenpriesters Ahron, demselben Pineas, der nach dem Wortlaut der Bibel „geeifert hat den Eifer Gottes", der während der Wüstenwanderung Israels (4. B. Mose 25, 11) und später bei dem vermeintlichen Abfall der dritthalb Stämme (Josua 22, 13) für die Einheit und Einigkeit seines Volkes die Waffe des Wortes wie die Waffe von Erz muthvoll und kräftig führte, und von dessen weiteren Schicksalen und Tode sonderbarer Weise nicht die geringste Erwähnung geschieht. Es ist eine sich häufig wiederholende Erscheinung im Leben der Völker, daß deren untere Klaffen an den Tod ihrer geliebtesten Männer durchaus nicht glauben mögen und ihren Lieblingen gewissermaßen auch die diesseitige Unsterblichkeit vindiziren; wir erinnern nur an die Volkssagen von Friedrich Barbarossa, Heinrich dem Finkler, Kaiser Josef II., der böhmischen Kämpen im Blanikberge rc. — Und das Volk glaubt, daß seine nicht gestorbenen Helden stets bereit sind, wenn cs noth thut, aus ihrer Abgeschiedenheit wieder mit alter Thatkraft und Macht auf den Schauplatz zu treten. In der Heroenzeit der Richter in Israel, wie Barak, Gideon, Jephtah, Simson u. s. w., in den Zeiten Samuels, Sauls, Davids und Salomos fehlte es dem israelitischen Volke nicht an Männern der That; da mochten, wie in der Sage vom Kyffhäuser-

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