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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-14 · Heft 33 (14.8.1891) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 33 (14.8.1891)
Date
1891-08-14
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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389 ' dem Oberjägxxmeister des Kaisers von Rußland, Fürst Paul Demidow, erkauft, 1836 aber in Paris für 625,000 Francs wieder verkauft. Er hat die Gestalt einer Birne, wiegt 53'/- Karat und ist vom reinsten Wasser. Trotz der hervorragenden und besonders auszeichnenden Eigenschaften, die dem König der Steine diesen Namen verliehen, nümlich der größten Härte — nur das krystallisirte Bor (die sogenannten Bordiamanten) kommt ihm an Härte gleich — des größten Lichtbrechungsvermögens, des größten Glanzes, des stärksten Farbenspiels, der Unlöslichkeit in allen Säuren (selbst Königswasser), trotz all dieser ihm allein zukommenden Eigenthümlichkeiten, hat man seit jeher, durch den enormen Werth desselben bestochen, versucht, ihn zu imitiren. Hat ja doch erst im verflossenen Winter der Kauf von Edelsteinen, die für Diamanten ausgegeben wurden, einem Pariser Hause mehrere Millionen Francs Schaden zugefügt und zu Erörterungen Anlaß gegeben, welche die Runde durch alle Zeitungen Europas machten. Es wurden daselbst Kapdiamanten von grünlichgelber Farbe in farblose Diamanten von scheinbar reinstem Waffer verwandelt, wobei die Farbe durch Präparation mit einer sehr dünnen, röthlichen Anilinschicht neutralisirt wurde. Es würde hier zu weit führen, über die überaus interessanten optischen Eigenschaften, welche in den meisten Fällen das sicherste Kennzeichen der Dianianten sind, sowie über die merkwürdige Werthberechnung desselben, wie über die nicht minder interessante Gestaltung der Schliffe, welche ebenfalls dem Geschmacke unterworfen sind, sich näher auszusprechen. Ich will nur noch über die künstliche Darstellung des Diamanten einiges bemerken. Wie ich schon hervorgehoben, ist er nichts anderes als reiner Kohlenstoff, also . dasselbe wie der reine Graphit und die reine Steinkohle. Es lag nach dieser Erkenntniß die Möglichkeit nahe, ihn dadurch künstlich darzustellen, daß man den reinen Kohlenstoff als Krystall ausscheiden läßt. Thatsächlich ist es Despretz in Paris vor beiläufig dreißig Jahren gelungen, durch langsame Verflüchtigung von Zuckerkohle mittels eines elektrischen Stroms an den Platindrähten oktaedrische Krystalle von diamantähnlicher Beschaffenheit zu erhalten; dieselben waren aber so klein, daß sie nur mit dem Mikroskop wahrgenommen werden konnten, und außerdem nahm ihre Darstellung mehr als einen Monat Zeit in Anspruch. Noch näher diesem modernen „Stein der Weisen" kam vor etwa zehn Jahren Ballantyne Hannay in Glasgow. Auch die Beschreibung seiner Versuche geht über den Rahmen dieses Aufsatzes hinaus. Daß unsere Epigonen bei den ungeheuren Fortschritten auf dem Gebiete der Chemie und Physik die künstliche Erzeugung von Diamanten erleben werden, ist für mich zweifellos. Zu den Elementen gehören ferner die Metalle. Auf die uralte Kenntniß derselben deutet schon der Name Tubalkains auf den ersten Blättern der Bibel hin; der nordische Zwerg Twalkin und der Gott Vulcan sind nicht minderwerthige Zeugen für das Alter dieser Kenntniß. Wir kennen heute nicht einmal eine andere Gruppirung der Metalle, als sie schon die Bibel macht, nämlich die Unterscheidung in edle und unedle Metalle. Von den letzteren kannten die alten Hebräer Kupfer, Eisen, Blei, Zinn und Antimon mit Sicherheit. Das Kupfer (Xeebosedetd) ist bezüglich seiner Anwendung wohl das älteste Metall, schon Lucretius sagt von ihm: „Posterius ferri vis est, aerisque reperta, Et prior aeris erat, quam ferri cognitus usus.“ Die Waffen und Geräthe der Patriarchen bestanden sicher aus Kupfer; es ist sogar historisch erwiesen, daß in Wadi Megara auf der Sinaihalbinsel unter Cheops Chufu der vierten ägyptischen Dynastie, also 3000 Jahre v. Chr., ein großes Kupferbergwerk bestand. Das Kupfer ward darum früher erkannt als das Eisen, weil es sich im gediegenen Zustande , d. h. als solches findet, was beim Eisen, das nur in Verbindungen, die man „Erze" nennt, vorkoinmt, nicht der Fall ist. Man konnte deswegen das Eisen erst erkennen, nachdem man seine Abscheidung aus den Erzen bewerkstelligen konnte. Heute kommt bekanntlich das meiste gediegene Kupfer aus Nordamerika, wo man Maffen bis zu 20,000 Centner Schwere gefunden hat. Daß die alten Hebräer die verschiedensten Dinge aus Kupfer herzustellen verstanden, geht aus dem 2. B. Moses (38, 8) hervor, wonach die Fraum kupferne Spiegel als Beiträge zu dem Badegefäß in der Stiftshütte darbrachten. Auch Legirungen dieses Metalls waren schon bekannt. Chasehmol in Ezechiel (VIII, 2) dürfte eine solche aus Kupfer und Gold sein. Der genannte Prophet vergleicht mit dieser Metallmischung den blendenden Lichtglanz, in welchem er die himmlische Erscheinung erblickte. Von den Kommentatoren wird es als Aurichalcum und als Electrum beschrieben. Daraus hergestellte Gefäße sollen sich unter den Schätzen des Darins befunden haben. In chemischer Beziehung ist die bemerkenswertheste Eigenthümlichkeit des Kupfers diese, daß es das einzige echte Metall ist, welches eine Verbindung mit Wasserstoff eingeht; dadurch schließt es sich dem Antimon an, welches letztere mit Arsen und Wismut zusammen eine Uebergangsgruppe zu den echten Metallen und den nichtmetallischen Elementen bildet. Des Eisens (Barsei) wird im Pentateuch häufig Erwähnung gethan; so sagt Moses (5. B. VIII, 9), die Steine des Landes Judäa seien Eisen. Das Bett Ogs, des Königs von Basan, war aus Eisen (3. B. XI), ebenso die Werkzeuge zum Behauen der Steine (5. B. XXVII, 5). Auf die Herstellung des Eisens aus den Erzen, das Ausschmelzen in den Hochöfen, bezieht sich ein Bibelwort, wonach die harte Sklaverei, welche die Israeliten in Aegypten erduldeten, mit der Glut eines Ofens verglichen wird, in dem Eisen geschmolzen wird. Wie schon erwähnt, kommt dieses Metall — mit alleiniger Ausnahme des tellurischen Meteoreisens — in der Natur nicht als solches vor. Zu denjenigen Eisenerzen, aus welchen damals das Eisen gewonnen wurde, gehörten zweifellos Magneteisen-, Rotheisen- und Brauneisenerz mit ihren Abarten, vielleicht auch noch der Siderit. Die magnetische Wirkung des Eisens war wahrscheinlich schon den Alten bekannt, weil sich an dieselbe ein Mythus knüpft. Nach Plinius (bist, irat.) hat bekanntlich der Magnet seinen Namen von einem Hirten erhalten, welcher ihn auf dem Berge Jda entdeckte, weil die Nägel seiner Schuhe und die eiserne Spitze seines Stabes daran hängen blieb. Eines magnetischen Eisens, das allerdings an einem Holze befestigt gewesen sein kann, wird sich der Prophet Elisa (Kön. II, 6) bedient haben, als einem seiner Schüler eine erborgte Axt ins Waffer fiel und dieser, über den Verlust untröstlich, sich an den Propheten um Abhilfe wandte. Das Eisen des Nordens in Jeremias (XV, 12) soll Stahl sein, später wird es unter dem Namen Paldoh (Nah. II, 4) angeführt, wo von stählernen Sicheln der Streitwagen die Rede ist. Der Name „Eisen des Nordens" für Stahl soll von den in der Nähe des schwarzen Meeres, also im Norden von Judäa wohnenden Chalybern Herkommen, deshalb heißt er griechisch „Chalybs". Das Blei (Ophereth) kommt zuerst im 2. B. M. (XV, 10) im Dankeslied vor, wo es von Pharaos Rossen und Wagen heißt, sie sanken unter wie Blei in den mächtigen Gewäffern. An Stelle ddr heutigen Amalgamirung mit Quecksilber mußte man damals in Ermangelung des letzteren Blei zum Ausschmelzen des Silbers aus seinen Erzen anwenden. Auf diesen metallischen Prozeß bezieht sich das Wort des Propheten Jeremias (VI, 29): „Von ihrem Feuer ist das Blei verzehrt, das Schmelzen ist umsonst, denn 4>as Böse wird nicht geschieden." Ezechiel (XXII, 18) führt weiter aus: „Das Haus Israel ist mir zur Schlacke geworden; alle sind Kupfer, Zinn,

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