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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-14 · Heft 33 (14.8.1891) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 33 (14.8.1891)
Date
1891-08-14
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
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388 wahrhaft naher Beziehung mit den Gemeinden, waren zwei Pastoren armenischer Nationalität.') Sie waren die Einzigen, in denen Christus Worte dieselben Gefühle erzeugten, welche durch die in der Bergpredigt enthaltenen jüdischen Lehren in jüdischen Gemüthern hervorgerufen werden. Der armenischen Geistlichen Christenthum erweckte in mir das Echo jenes ideal vollkommenen Judenthums, dessen Zeuge ich einst gewesen. Obwohl somit der protestantische Dogmatismus etwas ganz Anderes ist, als was Christus lehrte, so ist doch meine Absicht keineswegs, demselben hohen Werth und große Bedeutung abzusprechen. Wie es sich damit vom Gesichtspunkt unserer Erörterungen aus verhält, werde ich in einem späteren Brief auseinandersetzen. London, den 18. Juli. Dein 6. 9 Das biblische Mineralreich. Von Dr. Ludwig Karpeles. Die Steine waren seit Menschengedenken die Sinnbilder der Unvergänglichkeit und Beständigkeit. Wenn der vielgeprüfte Führer des israelitischen Volkes dem harten Felsen auf Geheiß Gottes Wasser entlockt, so liegt in diesem Gegensätze zwischen dem Gestein und der Flüssigkeit, dem härtesten und beständigsten und dem weichsten und nachgiebigsten aller Dinge, von denen sich die alten Hebräer eine Vorstellung machen konnten, eben die Schwierigkeit ausgedrückt, „das Volk mit dem hartnäckigen Sinne" ganz befriedigen zu können. Als Symbole in diesem Sinne mögen ferner die 12 Steine gedeutet werden, die das Brustbild des Hohenpriesters schmückten. Ueber diese, ebenso wie über andere, in der heiligen Schrift erwähnte Mineralien ist schon viel geschrieben worden; wenn ich dieselben trotzdem heute wieder zum Gegenstände einer Besprechung mache, so geschieht dies, um jene Naturobjekte im Lichte der modernen Wissenschaft zu zeigen. Wenn man den Ungeheuern Fortschritt bedenkt, den die Gesteinskunde gemacht hat, indem sie sich die Lehren der Physik, besonders jene der Optik und nicht zum geringen Theil die des mathematischen Kalküls dienstbar gemacht hat, begreift man, daß das keine undankbare Aufgabe ist, da die Schriften über diesen Gegenstand noch in die Zeit zurückreichen, wo die Brechung des Lichtes, die chemische Zusammensetzung der Mineralien und die Krystallmessung zum großen Theil zu den unbekannten Dingen gehörte. Auch hier will ich wieder, wie bei der Besprechung der Fauna und Flora des Pentateuchs, an der Hand der Systematik die Mineralien, von denen im Buch der Bücher die Rede ist, Revue passiren lassen. Von Elementen, d. h. solchen Mineralien, die nur aus einem einzigen Grundstoffe bestehen und Nichtmetalle sind, nennt die Bibel zunächst den Schwefel (Goplirith). Ein Schwefelregen ergießt sich über die sündigen Städte Sodom und Gomorrha, der Schwefelhauch Jahves entzündet nach Jesaias den Scheiterhaufen, auf dem die Feinde Israels ihren Untergang finden. In den Psalmen wird der Lohn der Gottlosen in Form von „Feuer und Schwefel" erstattet. Wenn Jdumäa zugrunde geht, verwandeln sich seine Ströme in ') Diese seltsame Erscheinung — geborene Armenier als deutsch predigende Pastoren kolonistischer Banerngemeinden an der Wolga — erklärt sich folgendermaßen: Die russische Negierung gestattete eine Zeitlang die Existenz einer protestantisch-armenischen Mission in Russisch-Armenien. So wurden einige junge Armenier nach Basel in die Missionsschule geschickt. Als nun die Regierung anderen Sinnes wurde, wußte man nicht, was mit den inzwischen ordinirten armenischen Geistlichen anfangen. Deshalb wurden sie in den Wolga-Kolonien angestellt. Pech und sein Boden in Schwefel. Thatsächlich findet sich heute noch an den Küsten des rothen Meeres, in Aegypten u. s. w. gediegener Schwefel, der vulkanischen Ursprungs ist. Wenn von Schwefeldämpfen die Rede ist, so ist damit meist die Entwicklung der schwefligen Säure oder des Schwefeldioxydes gemeint, denn in dieser Form entweicht der meiste Schwefel den furchtbaren Feuerherden der Erde, den Kratern der Vulkane. Bedenkt man, daß der Schwefel ein Hauptbestandtheil des Schießpulvers ist, so hat sich seine Symbolik eigentlich erst in nachbiblischer Zeit in so furchtbarer Weise gerechtfertigt erwiesen. Weniger schrecklich als der Schwefelpfuhl der Hölle, der den Gottlosen erwartet, von dem die Thätigkeit der Vulkane uns ja noch in oft bejammernswerther Weise eine Vorstellung giebt, ist dasjenige, was man heute unter Schwefelregen begreift. Diejenigen Pflanzen nämlich, deren Pollenstaub nur durch den Wind allf die geeignete Stätte — die Narbe oder den Griffel — einer andern Pflanze derselben Art gebracht werden kann, die meisten sogenannten „Kätzchenblüthigen", Weiden, Pappeln, Eichen, Buchen rc., müssen den Pollenstaub in großen Maffen erzeugen, wenn er seiner Bestimmung zugeführt werden soll. Da derselbe, im Winde verstreut, einen feinen gelben Staub darstellt, so hat ihn der Volksmund „Schwefelregen" genannt. Es ist heute nicht mehr das Haupt des Gottlosen, auf das er herniederfällt, sondern weit eher desjenigen, der unter diesen Bäumen im Frühling süßen Träumen nachhängt, ganz abgesehen von seinen sonstigen Charaktereigenschaften. Zu den nichtmetallischen Elementen gehört ferner der Diamant, weil er bekanntlich reiner Kohlenstoff ist. In der Bibel heißt er Sebamir. Viele Kommentatoren übersetzen dieses Wort nicht mit Diamant und begründen ihre Ansicht damit, daß der Schamir unter den 12 Edelsteinen der Urim und Tumim nicht angeführt wird, ferner damit, daß man damals den Diamant noch nicht bearbeiten konnte. Gegen das erste Argument läßt sich anführen, daß der Diamant die andern Edelsteine in allen Vorzügen derselben in solchem Grade übertrifft, daß durch die Bezeichnung einer der 12 Stämme als Diamant dieser Stamm in ganz besonderer Weise vor den übrigen ausgezeichnet worden wäre. Was den zweiten Grund betrifft, so ist das Schleifen des Diamanten allerdings von Louis von Berguem aus Brügge im Jahre 1456 erfunden worden, allein das Faffen derselben war nachweisbar schon den Alten bekannt. Wenn der Prophet Jeremias (17, 1.) klagt: Judas Sünde sei in seinen Herzenstafeln mit einem eisernen Griffel und mit einer Schamir- Spitze eingegraben, so kommt dies der Deutung als Diamant zugute, weil derselbe ja der härteste Körper ist. Bekanntlich haben die großen Exemplare des Königs der Steine ihre Geschichte, die wechselvollste ist wohl die des „Sancy". Sein Heimathland ist Indien, wo er das Auge eines einäugigen Götzen bildete. In Europa war sein erster Besitzer Karl der Kühne von Burgund. Dieser trug ihn in der Schlacht bei Nancy, wo er fiel. Ein schweizerischer Soldat fand den Diamanten und verkaufte ihn für einen Gulden an einen Geistlichen. Im Jahre 1489 kam er an Anton, König von Portugal, der ihn aus Geldnoth für 100,000 Francs an einen Franzosen verkaufte, durch den er an Sancy kam, von welchem er den Namen erhalten hat. Als Sancy als Gesandter nach Solothurn ging, befahl König Heinrich III., ihm als Pfand jenen Diamanten zu schicken. Der Diener, welcher ihn überbringen sollte, wurde aber unterwegs angehalten und ermordet, nachdem er den Diamanten verschluckt hatte. Sancy ließ den Leichnam öffnen und fand den Edelstein im Magen. Jakob II. von England besaß im Jahre 1688 diesen Diamanten, als er nach Frankreich kam. Später war er im Besitze Ludwigs XIV. und Ludwigs XV., der ihn bei seiner Krönung trug. Im Jahre 1835 wurde er für eine halbe Mllion Rubel von

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