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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-07-31 · Heft 31 (31.7.1891) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 31 (31.7.1891)
Date
1891-07-31
Page
Seite 371 (sequence 11)
Language
German
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WWMIWPMHW —— 371 —<ä- An Feiertagm, wo hohe Gäste kommen und große Spenden fliegen, da wächst natürlich auch die Bewegung. Und ich müß leider sagen, daß ich mich tief geschämt habe, als ein neben mir stehender katholischer Geistlicher mich lächelnd fragte, „um was für Summen es sich denn da handle." Mein armes Judenthum! Was haben die Krämerseelen aus dir gemacht! Und wann wird die Verheißung dir in Erfüllung gehen: „Und es soll kein Krämer mehr sein im Hause des Herren Zebaoth in Ewigkeit!?" Ich we>ß wohl, was die verehrten Krämerseelen zu ihrer Entschuldigung Vorbringen werden. Aber das rührt mich nicht im Geringsten und ist nicht entfernt im Stande, mein und aller Gebildeten Urtheil umzustoßen, daß dieses Treiben durch und durch unjüdisch und eine wahre Schande ist. Wenn es noch eines Beweises hierfür bedürfte, hier ist er: Mit mir zugleich war einer unserer angesehensten und besten Männer in der Synagoge, der Führer einer der größten europäischen Gemeinden, ein Mann, der eine sehr angesehene soziale Stellung hat und Jude mit Leib und Seele ist. Derselbe erklärte aber schon Tags zuvor einem der dortigen Funktionäre, er bäte, ihn nicht „aufrufen" zu lasten, da er dieses Treiben entschieden mißbillige! Es ist wahr, Karlsbad ist keine reiche Gemeinde und es kann auf diese freiwilligen Spender kaum verzichten. Aber wer zweifelt denn daran, daß diese ebenso reich fließen würden, wenn sie anstatt lallt auszurufen — am nächsten Tage fett gedruckt würden! Die Karlsbader sind doch sonst nicht so blöde, wenn es gilt, die Kurgäste anzugehen, und man muß sagen, daß hierin eine wahrhaft rührende interkonfessionelle Einmüthigkeit herrscht. Die böhmischen Wälder haben keinen Antisemitismus. Kaum ist man in der Karlsbader Kurliste als Jude erkannt — der Name thut hier Alles — so erhält man den Besuch eines sehr ernst dreinschauenden Mannes, der einem ein großes Buch vorlegt, in das man seinen Beitrag für die Baukosten der Synagoge einzuschreiben hat. Das ist nun nicht mehr als billig. Die Karlsbader > haben die Synagoge mit Rücksicht auf die Kurgäste gebaut, und so haben diese die Verpflichtung, zu den Kosten nach Kräften beizusteuern, eine Verpflichtung, der sich wohl kaum ein Kurgast je entzogen hat. Dafür ist die Synagoge natürlich im Sommer Gemeingut Aller. Es giebt kein Monopol der Plätze, und der Kurgast, der seinen Beitrag — gleichviel, in welcher Höhe — geleistet, hat das Recht, sich auf jeden Platz zu setzen. Das ist stillschweigendes Uebereinkommen. Gleichwohl geschieht auch hier sehr oft nicht das Richtige. Und ich könnte, wenn es der Mühe werth wäre, mit Beispielen aufwarten; aber es ist, wie gesagt, nicht der Mühe werth. Und in Karlsbad darf man sich ja bekanntlich nicht ärgern, weil das. schaden kann. So schließe ich denn meinen heutigen Badebrief mit dem Wunsche, daß seine Anregungen und Klagen auf fruchtbaren Boden fallen mögen. Sie sind wahrlich nicht aus der Gereiztheit hervorgegangen, die drei Becher Sprudel wohl Hervorbringen können, sondern aus wohlmeinender Gesinnung und dem aufrichtigen Wunsche, daß die prächtige Synagoge in Karlsbad immer mehr ihrer hohen religiösen Bestimmung entspreche.. Denn das ist hier, wo so viele leidende Gemüther Heilung und Trost suchen, mehr als überall ein dringendes Bedürfniß. Nirgends fühlt sich die gläubige Seele so zu ihrem Schöpfer hingezogen, wie hier, und nirgends ist das dankbare Herz so., innig zum Danke für Gottes unwandelbare Gnade geneigt, wie an diesen „Quellen des Heils". Und so rufen wir, wie einst die Väter in ihrem uralten Brunnenliede, auch heute tiefbewegten Herzens aus: „Steig auf, o Quell! O singet ihm zu!" ... U Fitterarrscher Bericht. Von David Cassel. D^fTfl flPVTÖ Midrasch Tehillim (Schocher Tob), Sammlung agadischer Abhandlungen über die 150 Psalmen, herallsgegeben nach einer Handschrift der Bibl. Parma mit Vergleichungen der Lesarten anderer sieben Handschriften . . . von Salomon Buber in Lemberg. Wilna, Romm, 1891. 8. Der eben so fleißige als gelehrte Herausgeber hat seine großen Verdienste um die hagadische Litteratur durch die vortreffliche Ausgabe des Midrasch Tehillim in dankeilswerther Weise vermehrt. Es ist bekannt, daß die früheren Editionen dieses Midrasch einen ebenso unvollständigen als inkorrekten Text darboten. Buber hat diesen Text llicht blos ergänzt und von unzähliger: Fehlern befreit, sondern durch Anführung der betreffenden Stellen aus Bibel und Talniud, sowie durch Hinweisung auf Parallelstellen in den hagadischen Schriften, endlich durch sachgemäße Erklärungell dem Verständniß lläher gebracht. In einer umfangreichen Einleitung verbreitet er sich über Beschaffenheit und Eigenthümlichkeit dieses Midrasch, -über die Quellen, die dem Verfasser (oder den Verfassern) zu Gebote standen, über die Citate aus demselben bei jüngeren Autoren und giebt ein alphabetisches Verzeichniß a) der im Midrasch Tehillim vorkommenden Autoritäten, b) der im Midrasch vorkommenden und an der betreffenden Stelle erklärten Fremdwörter. Von besonderem Interesse ist das in dieser Einleitung (S. 88) über die Familie Proveuyale Gesagte. Abraham b. David Provence (1550—1570 in Italien) hatte sein Exemplar des M. Tehillim mit zahlreichen aus sechs Handschriften gesammelten Bemerkungen versehen, lind dieses dem Herrn Rafael Kirchheim tu Frankfurt a. M. gehörende Exemplar war vom Besitzer mit anerkenuenswerther Bereitwilligkeit zur Benutzung überlassen worden, nachdem es schon früher voll Jellinek (Bet Ha-Midrasch V) benutzt worden war. So stellt sich diese treffliche Edition den schon erschienenen Arbeiten Bllbers, wie der (dem R. Kahana Zugeschriebenen) Pesikta (Lyck 1868), Lekach Tob (Wilna 1886), Tanchuma (Wilna 1885; worüber Bet-Talmud V, 6 ff. und Brüll Jahrbücher VIII, 121 zu vergleichen), Schibole Ha-Leket (Wilna 1887; vgl. Lbl. zur Israelitischer: Wochenschrift 1887 Nr. 12), einer Sammlung kleiner Midraschen zu Meg. Ester (Wilna 1887) u. s. w. würdig und noch hervorragend zur Seite. Es darf wohl hervorgehoben werden, daß Buber in Folge der ihm zu Gebote stehellden Mittel, feine Arbeiten nicht blos auf den geschäftlichen Weg verweist und denjenigen Gelehrten, die nicht mit Reichthümern gesegnet fiub, in liberaler Weise zngehen läßt. In den Dank, den der Herausgeber für Genesung aus schwerer Krankheit am Ende der gedachten Einleitung ausspricht, wird jeder Freund der jüdischen Litteratur von Herzen einstimmen. Die biblischen sieben.Jahre der Hungersnoth nach dem Wortlaut der altägyptischen Felseninschrift, von Heinrich Brugsch. Mit 32 autographirten Tafeln und 3 Holzschnitten. Leipzig, Hinrichs'sche Buchhandlung. 1891. Der berühmte Aegyptologe giebt bei Gelegenheit der Besprechung der detreffellden Felseninschrift Beiträge zur Kenntniß des alter: Aegyptens, die für Alle von hohem Interesse sind, die sich mit der in ein hohes Alter zurückgehenden Kultur dieses Landes beschäftigen. Die in jener Inschrift enthaltene Nachricht von den sieben Jahren der Hungersnoth wird dem langen hieroglyphischen Text die Theilnahme aller derjenigen sichern, denen das Bibelwort am Herzen liegt, und denen eine Denkmalsbestätigung der in der Schrift überlieferten sieben Hungerjahre unter dem Pharao Josephs nicht gleichgiltig sein kann. Pseudo-Aristoteles: Ueber die Seele. Eine psychologische Schrift des elften Jahrhunderts, und ihre Beziehungen zu Salomo ibn Gabirol. Von Dr. A. Löwenthal. Berlin, Mayer und Müller 1891, 8. Die unter diesem Namen erschienene Arbeit, deren Anfang unter dem Titel: Dominicus Gundisalvi und sein psychologisches Compendium" her philosophischer: Fakultät zu Königsberg i. Pr. als Dissertation eingesarrdt worden, ist als Fortsetzung des von demselben Autor herrührenden Aufsatzes.' „Fragmente, eines pseudoaristotelifchen Werkes über die Seele

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