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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-07-31 · Heft 31 (31.7.1891) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 31 (31.7.1891)
Date
1891-07-31
Page
Seite 367 (sequence 7)
Language
German
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Der Fünfzahl fehlt die biblische Bedeutung. Der Aegypter verband damit den fünfstrahlig leuchtenden Stern am Himmelszelt, den Namen der in der Nachtregion liegenden Welt der Tiefe oder das Reich der Todten, der aus fünf Stücken (Schwelle, Oberbalken, zwei Pfosten und dem Thürflügel) bestehenden Thür. Aus der Bibel geht die besondere HeiWeit der Siebenzahl hervor. Von den Wochentagen an bis zu den siebenmal wiederholten Worten und Handlungen hin, welchen eine besondere Feierlichkeit inne wohnte, trägt die Siebenzahl das gerade Gegentheil von dem in sich, was wir als böse Sieben zu bezeichnen pflegen. Selbst theologische Ausleger der Schrift haben keinen Anstand genommen, die Siebenzahl auf babylonische Einflüsse zurückzusühren. In Babylon ivar die Grundlage dazu in der Zahl der sieben Planetengötter gegeben, welche die Wochentage beherrschten. Als hervorragende Beispiele in der Schrift seien die sieben Augen Gottes, die siebenköpfige Schlange, der siebenarmige Leuchter noch aufgeführt. In den ägyptischen Ueberlieferupgen nimmt dieselbe Siebenzahl durchaus keine beschränktere Stellung ein. Eine Göttin, dieselbe, welche ein griechischer Schriftsteller als die ägyptische Muse bezeichnet hat, ist mit den „sieben Lauten" (den sieben Vokalen?) in Verbindung gesetzt, am menschlichen Kopfe werden die „sieben Oeffnungen" desselben hervorgehoben, sieben heilige Kühe finden sich häufig genannt mit ihrem Stiere an der Spitze, und die sieben heiligen Baumeister im Dienste der höchsten Weisheit gründeten und bauten die Welt. Die Heiligkeit der Siebenzahl beruhte nach den altägyptischen Vorstellungen durchaus nicht auf der Planetenzahl, wie bei den Babyloniern, sondern auf der Zahl der Mondtage, unter welchen der des Neumondes (am ersten Tage), des ersten Viertels (am 7.), des Vollmondes (am 14.) und des verschwindenden Mondes (am 28.) als die bedeutsamsten angesehen wurden. In diesen Zahlen glaubte man selbst Beziehungen auf Osiris und die Höhen des Nieles an den verschiedenen Orten Aegyptens zu entdecken. Die Zerstückelung des Osirisleibes in 14 Theile bezog man auf die 2 x 7 —14 Tage der Abnahme des Lichtes vom Vollmonde dis zum Neumonde hin. Die größte Nilhöhe bei Elephantine betrug 4 X 7 28 Ellen, so viel als jeder monatliche Umlauf, die mittlere, bei Memphis, 14 Ellen, entsprechend dein Vollmonde, und die geringste Höhe bei Mendes und Xots 6 (l. 7) Ellen, dem Halbmonde vergleichbar. Das bezeugt ausdrücklich ein griechischer Schriftsteller, und die Denkmäler stehen damit nicht im Widerspruch. Die ebräische Woche von sieben Tagen würde hiernach nicht babylonischen Einflüssen, sonden den 4 X 7 28 Tagen des Mondlaufes innerhalb eines Mondmonates ihren Ursprung verdanken. Die Verdoppelung von vier oder die Achtzahl erfreute sich bei den Aegyptern einer-ganz besonderen Heiligkeit, wenn auch nur zunächst auf einem eng begrenzten Gebiete in Mittelägypten, im Nomos von Hermopolis. Vier männliche Urgötter und ihre entsprechenden vier weiblichen Formen wurden als die Uranfänge der noch im Chaos in träger Starrheit ruhenden Welt angesehen. Die göttliche Weisheit, unter dem Bilde des Gottes Thot aufgefaßt, gab ihnen Bewegung und Leben. Ihnen zu Ehren hieß ihre irdische Kultusstätte die „Stadt der Acht" oder Ha-chmun, der heilige Name für Hermopolis, dessen Bedeutung allen Forschern wohl bekannt ist. Eine, gleiche Heiligkeit, vielleicht noch eine höhere, wurde der Neunzahl beigelegt, deren Inhalt die neun Glieder des kosmischen Leibes oder der Welt umfaßte, in dessen Mitte die göttliche Weltseele ihren Thron aufgeschlagen hatte. Eine Mehrheit der Mehrheit, als drei aufgefaßt, bildet 3 X 3 --- 9 oder die höchste Einheit in der in sich abgeschlossenen Vielheit. In einem gewissen Zusammenhang mit dieser Neunzahl stehen die neun-großen Völkergruppen, von welchen man sich die Erde bevölkert dachte und die man sich als „Knechte unter den Fußsohlen Pharaos" vorstellte. Trotz ihrer Bedeutung für das dekadische Zahlensystem blieb der Zehnzahl jede symbolische Auslegung fern, wenigstens ist mir außer der zehntägigen Woche kein überzeugendes Beispiel bekannt, ebenso wenig als für 100 und 1000. Erst mit der Zwölfzahl und ihrer vielfachen 24 und 36 tritt eine neue Symbolik ein, die sich an die Zeiteintheilung auf Grund eines Sonnenjahres knüpft, neben , welchem das Mondjahr zur Ausgleichung gewisser auf Monderscheinungen berechneter Feste einherlief. Das Sonnenjahr bestand aus 12 Monaten zu je 30 Tagen, der Tag und die Nacht aus je 12, also zusammen aus 24 Stunden, der Himmelskreis, welchen die Sonne in ihrem Jahreslaufe durchwanderte, war in 36 Theile, die sogenannten Dekane, getheilt. 12 Monatsgötter, 24 Stundengötter, 36 Dekangötter beherrschten die Sonnenzeit und den Sonnenraum. Bei seinen Anschlägen gegen Osiris hatte Typhon 72 Mitverschworene für sich gewonnen. Man kann sich vorstellen, daß man aus diesen Zahlen Kapital schlug und zu manchen symbolischen Auslegungen derselben seine Zuflucht nahm. In der Bibel tritt dieselbe Zwölfzahl und ihre Vielfachen bei manchen Einrichtungen und Vorstellungen in den Vordergrund. Die 12 Stämme Israels, die 24 Priester- und Sängerklaffen, die 24 Aeltesten vor Gottes Throne, die 48 Levitenstädte, die 72 Aeltesten des Volkes und die Wiederkehr derselben 12 bei den Opfern und Kultusgegenständen weisen auf eine ursprüngliche symbolische Bedeutung dieser Zahlen hin. Eine der inerkwürdigsten Zahlen in der Schrift ist 40, denn sie drückt besonders in Bezug auf Zeitbestimmungen nichts weiter als eine unbestimmte Vielheit aus, die sich gerade in demselben Sinne bis auf den heutigen Tag in der persischen Schrift- und Umgangssprache erhalten hat. Vierzig Jahre oder ein Bau mit 40 Säulen heißt im Lande Iran nichts Anderes als „viele Jahre" oder ein „Bau mit vielen Säulen". Es scheint eine semitische Erbschaft zu sein, für welche sich im Altägyptischen auch nicht die leiseste Spur Nachweisen läßt. Die Synibolik der Zahl hat erst bei den Aegyptern der Spützeit in der schriftlichen Ueberlieferung eine Ausdehnung erfahren, die rein äußerlichen Ursprunges zu sein scheint, da sie lediglich ihre Darstellung durch ein angemessenes Bild und das Wortspiel berührte. Man liebte es z. B., die Einzahl durch die Sonnenscheibe oder das Bild des Sonnengottes, die Zweizahl durch ein Kuhhörnerpaar, die Drei durch einen ehernen Wurfspeer, durch ein Göttertrias (Vater, Mutter, Sohn) oder durch drei nebeneinander stehende Vögel, vier durch das Bild einer quadratisch angelegten Halle, fünf durch einen Stern, sieben durch einen menschlichen Kopf (wegen der sieben Oeffnungen an demselben), acht durch einen Ibis, den Vogel des ägyptischen Hermes, neun durch das Bild des Neumondes oder einer Sichel, zehn durch einen Sperber, zwanzig durch zwei Sperber oder eine Doppelhaarlocke, dreißig durch drei Haarlocken rc. zu bezeichnen, ohne daß wir der Schwierigkeit begegneten, darin etwas Anderes als rein äußerliche Gründe zu erkennen. Die eigentliche Symbolik der Zahl hat damit nichts zu schaffen. Ebenso wenig empfindet man Bedenken, in der gelegentlichen Erklärung der Zahlen von Baumaßen in den Tempeln Anderes als bloße müßige Wortspiele zu entdecken und damit die Symbolik wie mit einem Federstriche zu beseitigen. Ich will es dafür an Beispielen nicht fehlen lassen. Eine lange Bauschrift an einer Tempelwand von Edfu erklärt die Längenausdehnung des Heiligen im Betrage von 113 Ellen durch die Worte: „Warum? weil ein Kind mitten durch sein Heiligthum gegangen ist." Die gesperrten Worte enthalten nämlich dieselben Buchstaben,

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