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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-07-24 · Heft 30 (24.7.1891) · p. Seite 360

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 30 (24.7.1891)
Date
1891-07-24
Page
Seite 360 (sequence 12)
Language
German
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Ij HltzpWtzllMW WWWWNWWWWW 360 W die schönen Dämchen mit Hüten auf dem Kopf, so groß wie der halbe Damm. Ganz in Atlas gekleidet, elegant! Und Mäntel von Sammet lind Seide. Kleider tragen se, das; ’n Menschen Angst wird, mit Schleppen vier Ellen lang, 's ist, als ob's nischt kostet, denn se fegen de Straßen damit. Riechen kannst de se schon von Weitem, 's feinste Parfüm gebrauchen se! Ich sag' dir, Nelkenöl und Muskat ist nischt dagegen. Hin und wieder drehen se sich links, rechts, rechts, links, immer die Schleppe hinterher. Fegst de nischt, hast de nischt! Weißt de, was Isaak denn denkt? — Nu, er denkt: „Geh' nur Deinen Weg, schöne Madame, fegst De heute mit de Schleppe de Straße, iibcr's Jahr fegst Du se mit'n Besen, um ein Stückchen Brod zu verdienen." Bei mein Gesund, ich Hab' verschiedene gekannt, denen es so gegangen ist. Erst seh'n se Isaak nicht an, und später? — Nu, denn sieht Isaak sie nicht an, es müßte denn grade sein, um seinen Kopf über sie zu schütteln. So geht der Tag zu Ende. Zu verdienen giebt's nun auf den; Damm nichts mehr, denn gegen Abend lassen de Leute ihre Schuhe nicht mehr putzen. Abends geh' ich nach Haus. Gott sei Dank, gewöhnlich mit'n paar Gulden in der Tasche. Meine Frauleben wart' schon mit'n Essen auf nrich — d. h. wenn se noch vom vor'gen Tag ein paar Cents hatte, wofür se kochen konnte. Ich kann der versichern, daß ich Hunger mitbringe. Und das ist gut, denn wenn man Hunger hat, schmeckt Kohl mit Kartoffel ebenso gut, wie ein Beefsteak aus dem „Port von Clccf". Ich hab's zwar nie gekostet, aber nach dem, was de Menschen von machen, muß es 'ne Delikatesse sein. Wenn ich reich werde, will ich's mal probiren — jetzt mach' ich's vorläufig billiger. In meinem Keller wartet inzwischen ein ganzes Regiment Schuhe und Stiefel auf meine Bürste. Die sind von Leuten, die früh Morgens aufstehn müssen! — Denn setzen wir uns Alle zllsammen. Ich putz', meine Frau putzt, mein ältester Junge, der tagsüber mit Mandeln und Cocosnüßen hansiren geht, und der zweite, Simon, und Bramm putzen auch. Mohr schmiert de Schuhe ein und meine jüngste Tochter paßt auf den kleinen Sampie. So verdient Isaak Abends auch noch was. Alle helfen Bischen, Jeder thut seine Pflicht, und mein Frauleben nicht am wenigsten. Spaß hat' se zu thun! Und du sollst nur de Wüsche seh'n, die se auf Schabbes wäscht! Und Schabbes sind wir fein! Wenn meine Frau mir Freitag Abend inein Borhemdchen und einen reinen Kragen giebt — ’it Vergnügen, es anzuseh'n! Ja, ja! Schabbes ist Isaak „ein Herr". Mit 'n hohen Hut auf, schönen, braunen Rock mit 'n Sammetkragen, ein Halstuch und 'ne Tuchnadel. Und Hosen — du möchst dich wundern, wenn du se siehst. Und meine Stiefel — blitzen thun se wie'n Spiegel. Nu, das kannst de dir doch denken, selbst geputzt, mit Wichse aus de Stoofsteeg, zweimal eingerieben und ausgerieben mit der großen Bürste! Und mein' Frau? se kann sich neben mir sehen lassen! Du kannst getrost den Hut vor ihr abnehmen. Fein, sag ich dir! Ein Prachtstück von ein' Shawl mit gelben Palmen und 'ne Haube mit lila Band auf dem Kopf — ä la bonlieur. Wenn wir im Hondal- Park sind, dreh'n sich alle Menschen nach uns lim. —- Sind de Schuhe noch früh am Abend fertig geputzt, bring' ich und de Kinder se zu den Kunden. Jst's nicht zu spät, lauf' ich noch ein Endchen spazieren mit den Kindern, oder wir sehen uns in de Kalverstraße de Läden an. Das ist ein großes Vergnügen, kost' nischt und man bleibt gesund dabei. Wird's dann so zehn Uhr, dann schließt Isaak sein' Keller, setzt seine Schlafmützc auf, umarmt Frau und Kinder nochmals und sagt, wenn er's Licht ausblüst: „Gott sei Dank, wieder ein Tag, wo ich mein Brod verdient Hab! Nu, gute Nacht, schlaft Alle wohl!" * „Echter Iudenbmrm." (Cercis saliquastmm.) Wer gab den deutschen Namen.dir, Vom Süden herverpflanzter Baum? Ein Wunderbild stehst du vor mir, In dem blutrothen Blüthenflaum. Hat er vielleicht ans rothe Meer. Gedacht, daß er dich so genannt? Daß Gott beiii Volke, vor ihm her Die Feuerwolke' hat gesandt? Hat er des rothen Dlut's gedacht, Das frevelnd deutsches Volk vergoß, Das Juden, in der Zeiten Nacht, Schlug mit fanatischem Geschoß? Ans seiner schwarzen Ninde anillt Dem Judenbaum das Blüthenblut. Kein grünes Blatt umweht und stillt Die duftumfloss'ne Purpurgluth. Wer hätt's dem Baume zugetraut, Der erst vertrocknet schien und kahl, Daß solches Mark noch in ihm braut. Nur harrend auf des Frühlings Strahl. Des echten Judenstamms Symbol, Bist du, dürr scheint er und verknorrt, Kein kühlend Blatt umweht ihn wohl, Doch treibt er Blüthen fort und fort. Ludwig August Frankl. O Fitterarische Mittheilungen. --- Zeitschrift für deutsche Sprache. Herausgegeben von Prof. Dr. Daniel Sanders in Altstretitz. V. Bd. Paderborn, 1891. Ferd. Schöningh. Die Ankündigung des Forterscheinens der allen Deutschen höchst werthvollen Zeitschrift, die in ihrem fünften Jahrgang soeben in einen neuen Verlag übergegangen, ist für alle Schulmänner, ebenso für Laien, eine Botschaft, die wir freudig begrüßen. Der geringe Preis von drei Mark vierteljährlich wird zu deren weitesten Verbreitung viel beitragen. Der Zweck dieser Zeitschrift ist, die fortschrittliche Gestaltung der deutschen Sprache, sowie den lebensvollen Fluß ihrer Fortbildung zu beleuchten; überall wird auf die Ausscheidung fremdsprachlicher Ausdrücke gedrungen und an deren Stelle werden sinnähnliche deutsche Wörter zum Gebrauch angegeben; auch schwer verständliche Stellen in ben deutschen Klassikern u. a. m. finden da ihre Erklärung unb Behandlung. Der verdienstvolle Herausgeber ist dem deutschen Volke durch sein großes „ Deutsches Wörterb uch" rühmlichst bekannt; einer weitern Anpreisung seiner klassischen Befähigung hierzu bedarf es nicht. Dem Prospekte ist eine Inhaltsangabe der vier vis jetzt erschienene;: Jahrgänge dieser Zeitschrift für die deutsche Sprache beigegeben, von deren Neichhaltigkeit wir wahrhaft überrascht sind. Am meisten interessirte uns die Behandlung von „Wilhelm Humboldts Briefen an eine Freundin 1883" im Jahrgange 1890 Heft 8 und 9. So möge denn diese Zeitschrift für deutsche Sprache ihre wohlverdiente weiteste Verbreitung finden. Dr. J. H. $ Der Kammerrath August v. Breitenbauch, ein Freund Lessings und Mendelssohns, dessen Gattin Johanna Henriette von Thüna, die „unvergessene Phyllis", gleich ihm Verse machte, lebte in Bucha an der Unstrut im Altenburgischen, wo er in hohem Alter im Jahre 1817 starb. Sein Wohnsitz wurde schon im Jahre 1763 von einem Halberstädter Verehrer, Friedmann Isaak Löw, in lateinischen Hexametern als Musenheim gepriesen. Dieser Fr. Isaak Löw war Jude. Weiß Jemand etwas Näheres über ihn? Dr. Kg. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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