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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-07-17 · Heft 29 (17.7.1891) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 29 (17.7.1891)
Date
1891-07-17
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Mädchens gesunden worden, die „nach der bei den Juden üblichem Methode des Schlachteus" getödtet worden sei. Ferner sei ein christlicher Fleischhauer ermordet worden, der diese „rituelle Mordthat" zuerst entdeckt habe. Endlich wurden fünf jüdische Schlächter und vier jüdische Kultusbeamte „als des Mordes verdächtig" verhaftet. So die „Kreuz-Zeitung",' die mit sichtlichem Behagen im Blute sich förmlich badet. Wir könnew natürlich nicht wissen, was an der Sache ist und ob sie überhaupt ist, werden aber in nächster Nummer bestimmt nähere Aufklärungen zw geben in der Lage sein. * Berlin, 13. Juli. Zu der Meldung, daß der kommaudirende General des zweiten Armeekorps in Stettin, General der Infanterie v. d. Burg, sein Abschiedsgesuch eingereicht hat, bemerkt die „Stratz-' burger Post": „DieNachricht wird überraschen, da General v. d. Burg höchstens sechzig Jahre alt und, wie wir Straßburger, die ihn als unseren Gouverneur noch in guter Erinnerung haben, ja aus eigenster- Anschauung wissen, eine ganz ungewöhnlich rüstige und frische Persönlichkeit ist. Für einen strammen Vierziger konnte er gelten, wenn er hier ausritt oder herumging. General v. d. Burg war aus der Artillerie hervorgegangen. Sein Vater, oder war es der Großvater? war jener bekannte und außergewöhnlich tüchtige preußische Artillerieoffizier Burg, der es als Jude in den Befreiungskriegen zum Offizier gebracht hatte und später im aktiven Heere weiter diente. Alle Anregungen guter Freunde, die ihm aus Opportunitätsrücksichten einen Glaubenswechsel anempfahlen, zurückweisend, blieb er Jude bis zu seinem Tode. In der Armee hatte er es, wenn wir nicht irren, bis zum Major oder Oberstlieutenant gebracht." Die „Straßburger Post" irrt sich. Der jüdische Major Burg war weder der Vater noch der Großvater des Generals v. d. Burg. Derselbe hat überhaupt keine Nachkommen hinterlassen. * Berlin, 12. Juli. Die Antisemitenpresse hat Blut geleckt unb pflegt die rituellen Morde lustig weiter. So läßt sich das „Volk" aus kanten schreiben, daß am 29. Juni (Peter- und Pauls-Tage) daselbst ein vierjähriges Knäblein mit abgeschnittenem Kopf und vollständig blutlos in einer Scheune mitten im Orte vorgesunden wurde. „In Xanten und zwei bis drei Stunden im Umkreis ist das Volk in Erregung, und man bezeichnet einen xantener Juden, der das Kind zu rituellen Zwecken abgeschlachtet haben soll, als der Mordthat dringend verdächtig. Die Straße, in der der Jude wohnt, mußte abgesperrt, und das Haus sowie der Jude polizeilicherseits geschützt werden. Wenn das Volk den Juden erwischt, wird er gelyncht." Es ist schon als ein Fortschritt zu verzeichnen, daß die „rituellen Morde" jetzt auch in der „Sauregurkenzeit" stattfinden. * Gr. Glogau, 14. Juli. Rabbiner Dr. Ripp ner, welcher seit etwa zwanzig Jahren in der hiesigen israelitischen Gemeinde amtirt, folgte am letzten Sonnabend einem Rufe des Synagogen-Vorstandes zu Breslau zur Abhaltung einer Probepredigt in der dortigen Hauptsynagoge. Infolge dessen traten sogleich am letzten Sonntag der Vorstand und die Repräsentanten der hiesigen Gemeinde zu einer Berathung zusammen, um Herrn Dr. Rippner seinem hiesigen Amte zu erhalten. Einstimmig wurde beschlossen, dem Herrn Dr. Rippner alsbald den einmütigen Wunsch der Gemeinde, sie nicht zu verlassen, zum Ausdruck zu bringen und diesem Wunsche durch angemessene Fürsorge der Gemeinde für die Zukunft der Familie Nachdruck zu verleihen. Dieser , Beschluß wurde alsbald Herrn Dr. Rippner durch eine Deputation i der Gemeinde-Vertretungen unter Führung des Vorstands-Vorsitzenden, Bankiers Landsberger, übermittelt. Dr. Rippner sprach seinen innigen Dank für diese deutliche Anerkennung seiner hiesigen Wirksamkeit aus. * Jnowrazlaw, 10. Juli. Wie leichtschwere Anschuldigungen > in Rußland gegen die Israeliten vorgebracht werden und diese gefährden, das beweist folgender Vorgang: Vor einem Jahre verheiratete sich eine jüdische Dame von Posen nach Wloclawek in Rußland mit einem Herrn R. Am ersten jüdischen Pfingsttage bediente sich die Ehefrau eines christlichen Knaben zum Feuermachen. Der Knabe erhielt, wie die „Pos. Ztg." mittheilt, von der Frau Kaffee und Kuchen. Zu Hause, angelangt, erzählte er noch den Seinen, wie gut er von der Familie; bewirthet worden sei, erkrankte aber bald darauf und starb unter gräßlichen Schmerzen. Da die Krankheitserscheinungen Vergiftung vermuten ließen, wurde die Sache der Polizei angezeigt und beide Eheleute wurden in Haft genommen. Bei der gerichtlichen Vernehmung bestanden sie jedoch, indem sie ihre Unschuld betheuerten, darauf, daß der Knabe sezirt werden sollte. Dies geschah, und es stellte sich heraus, daß der Magen des verstorbenen Knaben mit unreifen Stachelbeeren überladen war, und die Aerzte stellten fest, daß der Tod nur durch den Genuß der unreifen Früchte herbeigeführt fei. Natürlich wurden beide Eheleute sofort in Freiheit gesetzt. Die Sache hätte jedoch einen tragischen Ausgang nehmen können, da sich schon das Gerücht verbreitete: „Die Juden haben einen Christenknaben vergiftet!" Die so rasch erwiesene Unschuld des Ehepaares beschwichtigte jedoch bald wieder die erhitzten Gemüther der Gemeinde. * Bielefeld, 3. Juli.. Herr A. Steinweg aus Rheda, welcher in Vertretung des Vorsitzenden Herrn Blumenfeld-Essen die diesjährige Konferenz israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens in Münster leitete, veröffentlicht in der „Allgem. Ztg. d. Judenth." einen Protest gegen die in meinem Aufsatz: „Die Simultauschule und der jüdische Lehrerstand" ausgestellte Behauptung, daß die Konferenz sich mit überwiegender Majorität gegen die Simulranschule ausgesprochen habe. Herr Steinweg sagt: Bei Besprechung der Spier'schen Thesen handelte es sich nicht darum, ob Simultan- oder Konfessionsschule, sondern lediglich darum, ob die jüdischen Elementarschulen zu erhalten oder in Religionsschulen umzuwandeln seien." Demgegenüber verweise ich auf den Wortlaut der Spier'schen These 5, welche die Schöpfung einer Centralstelle verlangt, „von der aus die Gemeinden angeregt werden, ihre konfessionellen Schulen zu erhalten, neue zu errichten und diese zu öffentlichen erheben zu taffen." Auch in These 1, 2 und 3 wird die Errichtung und Erhaltung „eigener jüdischer Schuten" verlangt, und zwar ohne jede Einschränkung. Ein Antrag des Herrn Ostwald-Witten, welcher dieses bedingungslose Eintreten für die konfessionelle Volksschule und die darin ausgesprochene unbedingte Verwerfung der Simultanschulen abschwächen wollte, wurde ebenso wie ein voll mir eingebrachter Antrag von der Konferenz abgelehnt. Wenn trotz dieses klaren Sachverhalts Herr Steinweg das Gegentheil behauptet, so ist mir das, um mit seinen eigenen Worten zu reden, „unerfindlich". Daß die Debatte sich fast ausschließlich um die Frage, ob Simultan- oder Konfessionsschule drehte, wird mir jeder Konferenztheilnehmer bestätigen ntüffen; übrigens ergiebt sich das aus dem Wortlaut der Thesen von selbst, da der Gegensatz zur konfessionellen Volksschule nicht die Religions-, sondern die Simultanschule ist. Schon im verflossenen Jahre wurden die Spier'schen Thesen auf der Konferenz in Bielefeld angenommen. Damals äußerten die Mitglieder der hiesigen Gemeindevertretung, die der Konferenz beiwohnten, also ben Gang der Verhandlungen genau verfolgt hatten, mir gegenüber ihr Erstaunen darüber, wie eine jüdische Konferenz in solcher Weise die Simultauschule bedingungslos verwerfen könne. Daß auch die Konferenz in Duisburg sich gegen die Simultanschule ausgesprochen hat, geht aus einem Bericht der Rh.-Westf. Zeitung über die Konferenz zu Düsseldorf aus dem Jahre 1888 hervor. In dem Bericht, der von Herrn Graf- Essen verfaßt ist, heißt es in einer Fußnote ausdrücklich: Schon die Konferenz in Duisburg sprach sich gegen die Simultanschule aus. Herr Steinweg sagt, die Simultanschule sei in Münster nur „gestreift" worden. Das entspricht nicht den Thatsachen. Die ganze Debatte drehte sich fast ausschließlich um diese Frage, und alle Gründe gegen die paritätischen Anstalten, die ich in meinem Aufsatze erwähnte, waren in Münster vorgebracht, worden und wurden von mir ähnlich wie in meinem Aufsatze widerlegt. Wie sehr alle Anwesenden den Eindruck gewonnen hatteil, daß es sich lediglich um die Simultanschule handelte, mag aus einer Aeußerung hervorgehen, die Herr A. Löwenstein in Münster, Mitglied der dortigen Gemeindevertretung und des Kuratoriums der Marks-Haindorf'schen Stiftung, mir gegenüber nach Schluß der ersten Konferenzsitzung machte. Er sprach mir seine Freude über mein Eintreten für die Simultauschule aus und bedauerte nur, daß ich „von keiner Seite unterstützt worden sei, sondern allein gegen Alle habe kämpfen müssen". Herr L. fuhr dann wörtlich fort: „Ich hätte nie gedacht, daß jüdische Lehrer so orthodoxreaktionär sein könnten." Felix Coblenz. K. Essen, 10. Juli. Am 21. April d. I. fand in Bochum die 10. General Versammlung des Central-Armen - Verbandes der Synagogen-Gemein den Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hörde, Mülheim Ruhr,. Steele, Unna, Witten und Ruhrort statt. Nach dem uns vorliegenden Geschäftsbericht pro 1890/91 erhielten 1088 Personen eine Unterstützung von 3715.70 Mk. oder die Person 3.43 Mk. gegen 997 Personen mit 3524.50 Mk. oder 3.53 Mk. die Person gegen das Vorjahr. Von diesen 1083 Personen waren 977 männlichen und 106 weiblichen Geschlechts. Aus der Rheinprovinz - --—1——--—.-.-- — ■ * .

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