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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-07-17 · Heft 29 (17.7.1891) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 29 (17.7.1891)
Date
1891-07-17
Page
Seite 346 (sequence 10)
Language
German
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■ '346 — Instituten verliehen worden, wird sich nun, das hoffen und erflehen wir, die Gnade, der Glanz des Himmels gesellen, die Gnade Gottes, welche dienstfertigen, Pflicht- und zielbewußten, hingebungsvollen und arbeitsfreudigen Menschen, wie Ludwig Chronegk einer war, umstrahlet und krönet. Dazu wollen wir den Blick nach oben richten und beten! Nach dieser Rede sprach Herr Dr. Apolant aus Berlin, der Schwager Chronegks, einige warm empfundene Worte im Namen der trauernden Familie. Dann wurde der Sarg in die Gruft gesenkt. Ein wackerer Mensch, ein echter Künstler ist mit Ludwig Chronegk dahingegangen. Seine Freunde, unter die ich mich wohl zählen durfte, werden seiner nie vergessen; aber auch in der Geschichte der dramatischen Kunst wird sein Name treu bewahrt und kommenden Geschlechtern vererbt werden. 6. X. O FEUILLETON h»- Geirrt und gebüßt. Von Albert Katz. I. Malta Jsraelski, die Tochter eines von Fortuna besonders begünstigten Mannes, war ein Mädchen von seltener Schönheit und Anmuth. Schon als Kind machten ihre klugen, rabenschwarzen Augen auf Alle, die sie zu sehen bekamen, einen mächtigen, nachhaltigen Eindruck, und als sie erst zu einer blühenden Jungfrau herangereift war, bezauberte sie mit ihrem Liebreiz, ohne es selbst zu wissen und zu ahnen, Jung und Alt, Juden und Christen, und selbst die neidischen Mädchen und Frauen konnten nicht umhin, wenn auch schweren Herzens, einzugestehen: Malka bedeutet Königin, und Malka Jsraelski sei auch die Königin aller Schönen. Ihre Eltern, die aus einer kleinen Stadt in der Provinz Posen stammten, waren stolz auf ihre Malka oder Amalie, wie sie jetzt, nachdem sie nach Berlin übcrgesiedelt waren, sie zu nennen beliebten. — Namentlich war es Madame Jsraelski, die, um ihrem Hause einen gebildeten Nimbus zu verleihen, den Namen Malka, der an ihre jüdische Abstammung leicht erinnerte, sehr unpassend fand und ihn durch seinen Rivalen Amalie aus kr Welt zu schaffen suchte. Auch hielt sich Madame Jsraelski für eine äußerst gebildete, welterfahrene Dame und suchte daher ihrer modernen Weltanschauung sowohl in der Neugestaltung ihres Hauswesens als auch in der Erziehungsmethode ihrer einzigen Tochter immer mehr Geltung zu verschaffen. Ihr Gatte, obwohl aus einem sehr frommen Hause stammend, fügte sich widerstandslos in ihren Willen und ihre Anordnungen; ja er war zuweilen sogar stolz darauf, daß seine Frau von den neuen, zum größten Theil der besseren nichtjüdischen Gesellschaft angehörenden Freunden als eine gebildete, dem Zeitgeist Rechnung tragende Dame gefeiert wurde. Zwar pflegte er in stillen Nächten Betrachtungen anzustellen und darüber nachzudenken, ob seine Gattin, die nach und nach alles Jüdische aus dem Hause gebannt, auch wirklich klüger und gebildeter sei als seine und ihre Eltern, die mit felsenfester Treue an den Traditionen der Väter hielten; aber alle seine Betrachtungen und all sein Nachdenken lösten sich, sobald er in der Nähe seiner Gattin sich befand, wie ein Traumbild auf und zerstoben in Null und Nichts. Nur darüber vermochte er sich nicht zu trösten, daß seine Frau stets von dem feinen Benehmen der christlichen Herren zu sprechen und das Benehmen und Auftreten der jüdischen Herren zur Zielscheibe ihres Spottes zu machen pflegte. Das erfüllte sein Herz mit bitterer Pein und unsäglichen Qualen und Schmerzen. Ja, er fühlte sich grenzenlos unglücklich, daß sein zivilisirtes Hannchen selbst an Herrn Salomon Rosenfeld, der zu den gebildetsten und reichsten jungen Leuten der Berliner Judenheit gehörte, was auszusetzen hatte. Wie glücklich wäre er gewesen, wenn er, der Emporkömmling, mit der allgemein geachteten Patrizierfamilie Rosenfeld in verwandtschaftliche Beziehungen hätte treten können! Wie gern hätte er dem edlen Salomon seine Tochter Amalie zur Gattin gegeben! Allein seine Frau! seine Frau! Sie wurde nervös, sobald sie den jüdisch klingenden Namen „Salomon" hörte — —. Sie hielt das Judenthum für ein Unglück und die Juden, die, wie sie oft von ihren neuen Freunden gehört und in Romanen gelesen hatte, nur nach Geld Haschen und ihren Geschäften leben, für den Abschaum der menschlichen Gesellschaft, die für die wahre Liebe keinen Sinn und für die Würde des Weibes kein Berständniß haben. Wohl versuchte Herr Jsraelski hin und wieder die Ansichten seiner Gattin zu widerlegen, wohl rief er ihr das Angedenken seiner und ihrer Eltern in Erinnerung zurück und beschwor sie bei der Liebe zu den Hingeschiedenen, ihr Urtheil über das Judenthum und die Juden zu mildern; allein das war auch Alles, was er gegen seine gebildete Frau ins Feld zu führen vermochte: es fehlten ihm die Kenntnisse des Judenthums, wie auch die innere Ueberzeugung von dessen ewigen, unerschütterlichen Wahrheiten, um mit Erfolg auf die Denkungsweise seiner Gattin einwirken, um ihr eine andere, bessere Gesinnung beibringen zu können. Und so kam es, daß Herr Rosenfeld bei seiner Werbung um die Hand der schönen Amalie, die von der Mutter sehr beeinflußt worden war, einen ablehnenden Bescheid erhielt, und daß kurze Zeit darauf in den Berliner Tageszeitungen folgende Anzeige zu lesen war: Amalie Jsraelski, Emil Liebknecht, Reserve-Lieutenant, Verlobte. Berlin, Weihnachten 1879. Frau Jsraelski hatte nun ihr Ziel erreicht, aus dem Hause alles Jüdische verbannt, mit den Traditionen der Väter gebrochen, sie erfreute sie sich nun auch eines waschechten Christen als Schwiegersohn, um den sie sich von allen ihren Bekannten und Freundinnen beneidet wähnte, und hätte sie keine — lange Nase gehabt, sie wäre die glücklichste aller Frauen gewesen. II. Zwei Jahre waren seit der Vermählung des Fräulein Jsraelski mit Herrn Emil Liebknecht verstrichen. Zwei Jahre nur! lind doch ist im Laufe dieser kurzen Zeit so manche Thräne geweint, so manche Hoffnung zerstört, so manche Illusion vernichtet und so nianches Herz gebrochen worden. Die Feinde Israels, die nicht ruhen und nicht rasten, ohne die Pfeile ihres Haffes in die Herzen der von ihnen vielleicht wegen ihrer angeborenen Begabung, Intelligenz und ihres soliden Lebenswandels beneideten Juden zu schleudern, riefen den alten Judenhaß in der Gestalt einer neuen Bewegung ins Leben, zündeten in Deutschlands Gauen eine Fackel der Zwietracht an, entfremdeten Kinder den Eltern und verwandelten Freunde in Feinde. Auch das Herz des Herrn Emil Liebknecht, der die nicht unbedeutende Mitgift seiner Gattin während dieses kurzen Zeitraums vortrefflich im Klub, auf der Rennbahn und in Gesellschaft liederlicher Weiber durchzubringen verstanden hatte, war nicht von dieser Bewegung unberührt geblieben. Die Leidenschaft floh, und mit dem Verpraffen des Geldes auch die seinem Weibe geheuchelte Liebe und Treue. Selbst die von Madame Jsraelski ihm im Geheimen zu-

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