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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-07-17 · Heft 29 (17.7.1891) · p. Seite 344

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 29 (17.7.1891)
Date
1891-07-17
Page
Seite 344 (sequence 8)
Language
German
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344 12 ehernen Rindern ruhenden ehernen Meeres die Gestalt einer aufgeschlossenen Rose mit mächtigem Lilienkelch. Die Kleidung des Hohenpriesters wies ebenfalls Blumenschmuck auf, so glich die dünne Goldplatte an der Kopfbedeckung desselben, welche die erhabenen Worte trug: „Heilig, dem Ewigen", einer goldenen Blume. Vom Weinstock, der Rebe (Jajin), ist schon auf den ersten Blättern der heiligen Schrift die Rede. Noah bezahlte bekanntlich seine Entdeckung der berauschenden Wirkung der Reben sehr theuer. Von Malki Zedek, dem König von Salem, heißt es, er trug Brod lind Wein, denn er war ein Priester des höchsten Gottes.' Riesentrauben brachten die Kundschafter aus Kanaan. Daß der Weinbau sehr stark betrieben wurde, geht aus dem Gesetz hervor: „Wenn du in den Weinberg deines Nächsten kommst, so magst du Trauben essen nach deiner Lust, bis du satt bist, aber in dein Gefäß sollst du keine thun." Im Talmud (Chulin 92) wird der Wein mit der ganzen Nation verglichen. Die Weinreben, das sind Bürger, welche durch Handel und Wandel den Staat erhalten und daher den produzirenden Theil bilden; die Weintrauben, das sind die Gelehrten, welche zum Theil produziren, zum Theil verzehren und ihre Nahrung von jenen ziehen; die Blätter, das sind die Arbeiter, welche die Arbeit Aller besorgen und besonders der Gelehrten, denen sie, wie der Frucht die Blätter, zum Schutze dienen; die unreifen Trauben endlich, das sind die Müßiggänger, die zu gar nichts taugen; es ist daher billig, daß die Trauben, die Gelehrten, für das Wohl der arbeitenden Klasse beten. Vom Flachs (Linum) waren zwei Arten bekannt, was daraus hervorgeht, daß das Gewand des Hohenpriesters am Morgen des Versöhnungstagcs, wie im Leviticus K. 16 geschildert wird, als „Lack" bezeichnet wird. Dasselbe war offenbar von dem gewöhnlichen Linnenkleide verschieden, die Verschiedenheit geht aus den citirten Vorschriften deutlich hervor. Nach Joma (34) soll das pelusische Leinwand gewesen sein. Da der gewöhnliche Flachs, linum usitatissimum, in Aegypten gebaut wurde, kann man ihn anstandlos für die eine oder andere dieser beiden Leinwandarten halten. Man sieht sich im Geiste in einen ganzen Gemüsegarten versetzt, wenn man der Klage nachgeht, in welche die Israeliten in der Wüste gegen Mosis ausbrachen, als ihnen das Manna nicht mehr mundete (4. B. M., K. 11): „Wir gedenken der Fische, die wir in Aegypten umsonst aßen, und der Kürbis, Lischnirn (von kasche), Pfeben- Melonen, Abatichim (von abatiach), Lauch, Chazar (von Zur), Zwiebeln, Bezolim (von bazel) und Knoblauch, Schumim (von Schum)." Daß Kürbisse kultivirt wurden, geht auch aus Jesaias Klage hervor: „Was aber noch übrig ist von der Tochter Zion, ist wie ein Häuslein im Weinberge, wie eine Nachthütte in den Kürbisgärten, wie eine verheerte Stadt." Vom Kohl (Brassica) heißt es im Talmud (Pesachim 114): „Wer Kohl ißt, kann auf öffentlicher Straße schlafen", was dem Ausspruche Epikur's: „Mai: kann bei einem Stück Weizenbrod mit den Göttern an Glückseligkeit wetteifern", analog ist. Aehnlich spricht sich an demselben Orte der Talmud über die Zwiebel aus: „Iß immerhin nur Zwiebel, I Doch Lüsternheit zeugt Uebel Du bleibst ein freier Mann,! Und waltet als Tyrann." Die Schaufäden mußten bekanntlich mit „Techelet“ gefärbt werden. Duschak weist nach, daß damit Indigo gemeint sei. Die Indigopflanze, InckiAvkcra tinctoria L., gehört zu den Schmetterlingsblüthlern (Papilionaceae), sie stammt aus Ostindien, aus ihr wird auf verschiedene Weise — immer aber durch eine Art Währung — der blaue Farbstoff gewonnen. Seine Darstellungsweise war nur wenig bekannt, weshalb er im Talmud auch als „ein Produkt des Meeres" besprochen wird. Ebenso ungenau gekannt war die bei uns einheimische Färbepflanze der Waid, Isaiis tinctoria» mit welchem sich die alten Germanen die Gesichter färbten, um den Römern unter Cäsar mit „horridum aspectum“ zu erscheinen. Ich erwähne dieses Gewächs hier nur, weil im Talmud das Verbot ausgesprochen ist, die Schaufäden mit Waid zu färben. Tha'tsächlich ist auch der Farbstoff dieser Pflanze weniger haltbar als der 'Indigo. Von den Hülsenfrüchten wird das Linsen-Gericht, welches Esau so theuer zu stehen kam, zuerst erwähnt. Von hier datirt es, daß die Linse das Sinnbild des Materiellen ist. Sehr häufig treffen wir in der Bibel das Schemen Sajit an. Sajit ist die Olive, die Frucht des Oelbaumes, Olea europaea L.» dessen Heimath Asien ist und der auch in den Mittelmeerländern kultivirt wird. Zur Beleuchtung im Heiligthum wird das Olivenöl anbefohlen. Die Pressung der Olive liefert je nach der Reife derselben und je nach dem Grade der Pressung ein verschiedenes Produkt. Zu dem genannten Zwecke, wie zur Salbung, war nur die Anwendung des zuerst schon bei geringem Druck ausfließenden Oeles erlaubt, es ist dies nämlich die reinste Sorte des Olivenöles, das sogenannte Jungfernöl. Zu den in der heiligen Schrift am häufigsten genannten Pflanzen gehört unzweifelhaft der Psop, Hissopus, Psob. Es dürfte wohl kaum die bei uns wachsende Art Il^ssopus officinalis damit gemeint fein. Der Botaniker weiß jedoch, welche bedeutende Ilebereinstimmung alle Labiaten oder lippenblüthigen Pflanzen, wohin der Mop gehört, zeigen, sowohl was den vierkantigen Stengel, die gegenständige, dekussirte Stellung der Blätter, den kleinen, unregelmäßigen, fünfzähligen Kelch, die eben lippenförmige Blumenkrone, die zweimächtigen Staubgefäße, den viertheiligen Fruchtknoten und schließlich den Gehalt an aromatischen Substanzen betrifft. Bei dieser großen Uebereinstimmung der ganzen in Rede stehenden Pflanzenfamilie ist es ohne große Bedeutung, ob unter dem biblischen Mop wirklich ein H^ssvpus oder eine Majoran-Art (Origanum) oder eine andere Labiate gemeint ist. Möglicherweise ist es auch Lobelia, weil im Talmud die urintreibende und schleimlösende Wirkung angeführt ist. Auch zur Abtreibung des Spulwurms bei Kindern soll er angewendet worden sein. Daß auch Pflanzenmißbildungen bekannt waren, geht daraus hervor, daß in der Bibel häufig von Lederschläuchen die Rede ist, und es erscheint mehrfach glaubwürdig dargethan, daß man damals schon Eichengallen und auch Eichenrinde als Gerbemittel für die thierische Haut verwendete. Uebersieht man die Flora desjenigen Gebiets, auf welchem sich die Urgeschichte des israelitischen Volkes abgespielt hat, so kann man leicht die Uebereinstimmung herausfinden, die zwischen den verschiedenen hier besprochenen Pflanzenformen und Gebilden und den mannigfaltigen Wechselfällen in dem Geschick des Volkes obwaltet. Die dürre Wüste, die nur Disteln und Dornen wachsen ließ, war der Schauplatz der Sünden und der Läuterung. Die herrlichen Rosenhaine, die üppigen Oliven- und Palmenbestände bezeichneten dagegen die Zeit des Glückes, der überstandenen Gefahren. Bei ihrem Anblick mußte man an das Paradies erinnert werden und an die goldne Zeit, da die Engel noch zur Erde schwebten, da mußte man die Worte des Dichters lebendig nachfühlen, wenn er sagt: „Des Paradieses Pforten sind Nun aufgethan im Morgenwind, Und auf die Erde strömt vom Osten Der Duft, den sonst die Sel'gen kosten. Die Lauben Edens werden leer, Zur Erd' hernieder zog ihr Heer, Wo nun die Engel schöner wohnen In Rosenzelt und Lilienkronen."

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