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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-07-17 · Heft 29 (17.7.1891) · p. Seite 342

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 29 (17.7.1891)
Date
1891-07-17
Page
Seite 342 (sequence 6)
Language
German
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Gefäßkryptogamen, die Farne und Bärlappe, vorzustellen. Hieran schließen sich diejenigen Pflanzen, deren Samen einfach und nackt ist, die 0)'nnio8perma6. Höher als diese stehen die Gewächse mit eingeschlossenem, bedeckten Samen, die Angiospermae, von diesen sind wieder die mit einem Keimlappen, Monocotyledonae, niedriger organisirt, als die mit zwei Keimlappen versehenen Dicotyledonae. „Das Samen erzeugende Kraut" und die „Fruchtbäume" gehören zmneist zur letzteren Abtheilung, stellen jedoch auch zu den Monocotyledonen und Gymnospermen ein bedeutendes Kontingent. Von den zu den letztgenannten gehörenden Nadelhölzern kennt die Bibel die Ceder. Es spielt das Cedernholz namentlich später beim Baue des salomonischen Tempels und Palastes die Hauptrolle. Bekanntlich ist der Libanon die Heimath dieses Baumes, wo sie bis auf einige kleine Bestände von einigen hundert uralten Exemplaren, die zum großen Theile dem Hause Rothschild angehören sollen, ausgerottet ist; jedoch ist der Anbau derselben hie und da mit vorläufig allerdings noch nicht bedeutendem Erfolge versucht worden. Unter den ehrwürdigen grünen Riesen der Nadelwälder nimmt die Ceder einen hervorragenden Platz ein, ihr majestätisches Aussehen und ihre Schönheit drückt der Prophet Ezechiel folgendermaßen aus: „Siehe der Assyrier war eine Ceder vom Libanon mit schönen Zweigen und von hoher Gestalt und seine Krone war unter den dicken Zweigen. Seine Zweige vermehrten sich und seine Aeste wurden lang, die Fichtenbäume waren nicht wie seine Zweige, noch die Kastanienbäume wie seine Aeste und kein anderer Baum im Garten Gottes kam seiner Schönheit gleich." Die Aloe wäre hier ebenfalls noch zu erwähnen, sie soll im Paradiese geblüht haben, was wohl darauf zurückzuführen ist, daß daselbst andere Zeitmaße geherrscht haben. Schön drückt dies Grillparzer in folgenden Versen aus: „Aloe, Aloe Blühest so schön, Aber nur einmal In Menscheiigedenken. Aloe! Wir leben nur eines, Ein einziges Menschengedenken. Wenn die erste Blüthe vorüber, Aloe, Aloe! Wo Zeit für die zweite?" Siebzig Palmbäume werden an den Wasserquellen in Elim erwähnt. Die Palme ist das Symbol der Majestät und Schönheit. Von dem Gerechten heißt es, daß er wachsen und blühen werde, wie der Palmbaum. Da die genannten Bäume die meisten Harze liefern, seien letztere hier angeschlossen. Wo nämlich von Weihrauch und Balsam die Rede ist, läßt sich dies namentlich auf Terpentin und Mastix zurückführen. Letzteres wurde auch als Kosmetikum für Zähne verwendet. Dem Talmud nach mußte man unter die balsamisch duftenden Harze auch andere mengen, welche die Gegenwirkung haben, so z. B. das Harz von Asa foetida, dem Stinkasant, um anzudeuten, daß es neben den Frommen auch Sünder gebe. Von den Monokotyledonen sind zunächst die Getreidearten zu nennen, sie werden unter dem allgemeinen Namen „Dagan" angeführt. Es soll den Israeliten schon bekannt gewesen sein, aus Gerste ein berauschendes Getränk zu bereiten, diese primitive Art des Bierbrauens soll aus Medien stammen. Hierher gehört auch die Lilie, Scliuschan, von schesch 6, weil sie 6 Blumenkronblätter hat. Gegenwärtig bezeichnen die Araber in Palästina mit demselben Worte verschiedene bunte Blumen, die der Lilie ähnlich sind, nämlich außer den weißen Lilien und den rothen Feuerlilien die Tulpen, Anemonen, Ranunkeln, mehrere Jrisarten, wie die Schwertlilien. Auch die Narzisse ist hierzu nennen, hebräisch heißt sie Chab hazzebeth. „Ich bin eine Narzisse von Saron und eine Lilie im Thal", spricht die Braut im Hohenlied (2. 1), und der Bräutigam antwortet: „Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern". Es kommen hier zwei Arten von Narzissen in Betracht, die weiße Narzisse, deren Nebenkrone goldgelb ist und die einen starken Duft verbreitet, und die weißgelbe mit hochgelber Nebenkrone, sie hat einen süßlichen Geruch und heißt auch Tazette. In der Ebene von Saron findet man beide noch jetzt sehr häufig. Diese herrlichen Blüthen mit ihren Zauberdüften vermögen die Beschauer wohl im Geiste in den prangenden Garten Eden zu versetzen! Die Dikotyledonen wollen wir mit den im Gegensätze zu den Nadelhölzern stehenden Laub- (Wald-) Bäumen beginnen, unter ihnen wird die Akazie als Bauholz für die Stiftshütte angeführt, der Opfer- und Räucheraltar, der Tisch u. s. w. mußte aus diesem Holze sein. Der Saft des Akazienbaumes wurde in der Medizin als ein Blutflüfle stillendes Heilmittel gebraucht. Die Akazie zeichnet sich durch die Härte ihres Holzes aus und bezeichnet unter diesen das Symbol des Lebens, im Gegensätze zu den weichen Holzarten, die den Tod und Verfall versinnlichen, ferner ist sie das Sinnbild der Heiligkeit, daher ihre Verwendung beim Baue der Stiftshütte. Auch die Weide kommt in der Bibel vor, sie ist im Talmud das Sinnbild griesgrämigen Alters (vgl. Duschak, Zur Botanik des Talmud. Pest 1870, pag. 65). Im Talmud heißt es: „Gott wollte, daß Israel wie die braunen Pflanzen an wasserreichen Ufern ihm erscheine, dieses ist die Bachweide — und Israel wandelt sich selbst zur Gebirgsweide um". Von den Obstbäumen ist bekanntlich der Apfelbaum das Sinnbild des Baumes der Erkenntniß. Seiner wird an einer Stelle Erwähnung gethan, welche für eine Betrachtung der Bibel von einseitig botanischem Standpunkte aus nicht minder große Bedeutung hat, wie vom allgemein kulturellen Gesichtspunkte. Das Strafgericht über Adam wird durch die Worte verkündet: „Dornen und Disteln soll er (der Erdboden) dir wachsen lassen und du sollst das Kraut des Feldes essen." Vom Granatapfel (kimon) spricht die Bibel, als die Israeliten in der Wüste Zin murrten und sich nach den Fleischtöpfen Aegyptens sehnten; in ihrer Klage schilderten sie die Unfruchtbarkeit der Wüste: „Da ist kein Platz zu säen für Feigen oder Weinstöcke oder Granatäpfel." An anderer Stelle wird das gelobte Land als ein „Land voll Weizen und Gerste, voll von Weinstöcken, Feigenbäumen und Granatäpfeln, als ein Land der Oliven und des Ho«gs" geschildert. Des Feigenbaumes wird auch schon bei dem Sündenfall gedacht, es heißt: „Sie flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schürzen." Von da an wird die Feige als Sinnbild der Wollust bezeichnet. Busson nennt sie geradezu: „l’arbre indecent". Im Talmud (Synhedr. 107) wird das vertraute Verhältniß Davids zu Bath-Seba durch die Worte gekennzeichnet: „David habe Feigen gegessen." Die Hilfeleistung der Insekten bei der Befruchtung der Feigen ist ein erst in neuerer Zeit genügend aufgeklärtes Wechselverhältniß . und mag darum hier einen Platz finden, ohne eigentlich streng zum Thema zu gehören. Es giebt bekanntlich zweierlei Formen des Feigenbaumes, die wilde, Caprisicus, und die zahme oder eßbare. Das Reifemachen der letzteren, die sogenannte Caprification, geschieht eben durch die Einwirkung der Insekten. Im Caprificus leben die Feigen- Jnsekten, die kaum 2 bis 3 Millimeter lang sind. Das Männchen ist ungeflügelt, verläßt die Feige niemals und hat in Anpassung an seine kleine, dunkle, klebrige Welt die Flügel eingebüßt; es bewegt sich äußerst schwerfällig zwischen den Blüthen, die im Innern der Feige sind, hin und her. Dann nagt es mit seinen sägeförmigen

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