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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-07-17 · Heft 29 (17.7.1891) · p. Seite 341

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 29 (17.7.1891)
Date
1891-07-17
Page
Seite 341 (sequence 5)
Language
German
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341 Gewonnene zu behaupten. Sie waren auch hierin den Rabbinen gegenüber im Vortheil, weil die erblichen Satzungen nicht niedergeschrieben werden durften, und im Munde der Gelehrten existirend, der großen Masse, die Wohl lesen konnte, nicht zugänglich und daher unbekannt waren. Die vollständige Redaktion der Evangelien, welche nach David Strauß (Das Leben Jesu B. I. S. 66) in diese Zeit fällt, mußte nythwendig den Minäern ein entschiedenes Uebergewicht verleihen. Die Evangelien der Judenchristen waren nach Kurtz (Kirchengeschichte B. I. S. 123) im palästinensisch-aramäischen Dialekte, welcher das Volksidiom war, abgefaßt, damit sie Allen gemeinverständlich werden und sich schnellen Eingang bei der Bevölkerung verschaffen konnten. Während der Rabbinismus im Niedergange sich befindet und der letzte Hoffnungsstrahl für seine Anhänger im Verschwinden ist, geht die Sonne des immer mehr erstarkenden Christenthums auf. Es verbreitet sich unaufhaltsam in alle Weltgegenden, und im Jahre 170 nach der Geburt seines Stifters besteigt es in Edessa in Mesopotamien einen Fürstenthron. Der König Abgar Bar Manu bekennt sich zur Religion des Kreuzes (das.). In dieser für das Judenthum höchst trüben und trostlosen Zeit rüstet sich der Rabbinismus gegen das um sich greifende Minäerthum. Es wird eine Reihe von abwehrenden Maßregeln ergriffen, und Verordnungen werden erlaffen, die als ein schützender Damm dienen sollen. „Wenn Jemand im 18. Gebet zwei Mal „Modim", wir danken, ruft," heißt es in der Mischna, „so soll man ihn zum Schweigen bringen." (Berachot 33.) Weil es den Anschein haben könnte, als wollte man nach Minäerart außer zum Schöpfer noch zu einem andern Wesen beten. Gegen die Behauptung der Minäer, daß keine messianische Welt zu erwarten, indem mit ihrem Meister die Messiaszeit gekommen sei, traf man die Verordnung, daß man das Gebet mit den Worten schließen soll: „Gelobt sei Gott in dieser Welt und in der künftigen Welt." (Das. 54.) Unter „künftiger Welt" ist aber nicht etwa das Reich der Geister, sondern das Reich des Messias zu verstehen. Man verordnete ferner, daß man bei Gruß und Segen den Namen Gottes erwähnen soll (dasi.), weil die Minäer wahrscheinlich einen andern Namen beim Segensgruße nannten. Es war bei den Christen, wie bei den Rabbinen Sitte, an öffentlichen Orten Vorträge zu veranstalten. Die Minäer machten von dieser Einrichtung häufigen Gebrauch, um dadurch viele Anhänger zu gewinnen. Man verbot daher rabbinischerseits das Vortragen an öffentlichen Plätzen, damit man christliche von jüdischen Lehrern unterscheiden könne. (Moed Katan 16.) Gegen Gesetzesauflehnung, gegen antirabbinische Schriftdeutung und gegen die Wahl der Bischöfe, die nicht für die Beschneidung waren, stellte man den Grundsatz aus: „Selbst der Versöhnungstag kann denjenigen keine Sühne bringen, die das Joch abschütteln, die Thora falsch deuten und das fleischliche Bundeszeichen aufheben." (Schebuot 13.) Endlich erklärte man unumwunden und feierlich durch eine Halacha: „Die Minäer seien nicht als Juden zu betrachten." (Chulin 13.) Um aber die Abwehrungsmaßregeln zu einem günstigen Erfolg zu führen, konnte man rabbinischerseits nichts Besseres thun, als die rabbinisch-religiösen Satzungen ebenfalls zu sammeln, fest zu gliedern, niederzuschreiben und sie dem überfluthenden Minäerthum entgegen zu stellen. Denn nur eine Litteratur kann der Macht einer Litteratur entgegentreten. Dieses geschah auch. Man veranstaltete eine schriftliche Sammlung der mündlichen Ueberlieferung, versah sie mit der Giltigkeit und Verbindlichkeit des mosaischen Gesetzes und führte sie unter dem Namen Mischna, „Die Lehrende", als Norm des religiösen Lebens in alle rabbanitische Gemeinden ein. Daß die Niederschrift der mündlichen Ueberlieferung als ein Bollwerk gegen das überhandnehmende Christenthum, welches das Judenthum zu vernichten drohte, aufgeführt wurde, geht am deutlichsten aus der im Talmud selbst angeführten Motivirung hervor. Sie stellt die Niederschrift als eine außerordentliche Kraftanstrengung dar, welche von der eisernen Nothwendigkeit der Zeitumstände geboten war, um das Judenthum vor völligem Untergang zu retten. Diese Nothwendigkeit findet in dem Psalmwort ihren Ausdruck: „Zeit ist jetzt zu thun für Gott, denn sie zerstören deine Gesetze". Ja, die höchste Zeit war es, denn der Rabbinismus war in größter Gefahr, deshalb entschloß man sich, das alte Verbot der Niederschrift unbeachtet zu laffen, damit nicht die ganze Lehre verloren gehe in Israel, damit nicht das rabbinische Judenthum untergehe. Die Niederschrift der mündlichen Ueberlieferung ist daher eine glänzende Rettungsthat für das ganze Judenthum, sie ist ein strahlendes Licht für alle Zeit geworden; durch dieselbe wurde das jüdische Volk der Lehre wieder nahe gebracht; die geschriebenen Bücher gingen von Hand zu Hand, von Haus zu Haus und verbreiteten Licht und Wahrheit in die weitesten Kreise. Durch sie wurde der im Herzen des jüdischen Volkes nur noch leise glimmende Funke des alten Glaubens geweckt und zur lodernden Flamme der Gottesliebe entfacht. U Vre Flora der Bibel. Von Dr. Ludwig Karpeles. „Prsang mit den breiten Blättern, Chinarose, blutig roth, Winden, die um Palmen klettern, Cactus, der mit Pfeilen droht; Könnt ihr euch um wich vereinen, Dann bin ich in Indiens Hainen." Dem größten, österreichischen Dichter, desien Ruhm erst vor wenigen Wochen von der ganzen civilisirten Welt gefeiert wurde, genügte es, sich in Gedanken mit den Blumen der Tropen zu umgeben, um die Wunder Indiens im Geiste an sich vorüberziehen zu . laffen. In den folgenden Zeilen will ich versuchen, von den Kindern der Auen zu sprechen, welche den Boden zierten, auf dem unsere Stammväter und Urahnen gewandelt. Vielleicht läßt uns der Blüthen süßer Hauch, dem Dichter gleich, mit geistigem Auge ein Stück geweihten, heiligen Bodens schauen! Leider schwindet beim Beginn meiner Ausführungen ein großer Theil der schönen Illusionen. Denn nicht wie der Dichter der Schönheit und dem Gefälligen, nicht wie die Natur der bunten, durch die Wirklichkeit gegebenen Fülle folgend, kann derjenige Vorgehen, der ihr erklärend und grübelnd nachfolgt, da muß man, der Beschränkung des menschlichen Geistes Rechnung tragend, wohl „ein System bereiten". Dasjenige, an welches ich mich bei meinem Thema halten will, ist das „natürliche System" der Pflanzen. Welche Bezeichnung fteilich an und für sich schon einen Widerspruch enthält, denn „Natürlichkeit" und „System" sind einander ausschließende Begriffe. Von der einfachen Zelle — der Pilzspore — zieht sich eine mannigfach verschlungene Kette bis hinauf zu denjenigen Gewächsen, deren Bestandtheile selbst schon Organe mit mannigfaltig zusammengesetzten Gefäßen bilden, in denen man die Zellen gar nicht mehr als solche erkennen kann. Diesem natürlichen Wege, vom Einfachen zum Zusammengesetzten, folgt auch die Schöpfungsgeschichte. „Am dritten Tage," heißt es, „schuf Gott das Festland, aus diesem ließ er hervorgehen: das Grün der Gräser, das Samen erzeugende Kraut und die, eine Frucht, in welcher ihr eigenartiger Same ist, hervorbringenden Fruchtbäume." Unter dem Grün der Gräser haben wir uns alle niedern Lagerpflanzen (Thallophyten) die Algen, Pilze, Flechten und Moose, sowie die schon höher stehenden sogenannten

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