Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1891)
- Date
- 1891-07-03
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 2L Berttu> 27. Juni. Die Gewinne, welche bei dem Feste in der - Philharmonie am 18. Juni übrig geblieben waren, vermehrt durch eine - Anzahl neuer werthvoller Gaben, sind vorgestern und gestern in der - Wohnung des Hofjuweliers Friedländer, Unter den Linden 20,1 wiederum Gegenstand der Bewunderung und Quelle einer Einnahme für die verfolgten russischen Glaubensbrüder gewesen. Abermals unterzogen die Sterne unserer Bühnen sich in der liebenswürdigsten Weise den Pflichten der Verkäuferinnen. Neben dem Auge und dem Herzen wurde diesmal auch dem — Magen Rechnung getragen, und an prächtigen Buffets zeigten sich unsere Künstlerinnen als äames 86ivant68. > Um den Besuchern aller Schattirungen Gelegenheit zum Leeren ihrer < Börsen zu geben, war am ersten Tage das Buffet von den Besitzern des Monopol-Hotels, am zweiten von dem Besitzer des titujph zubereitenden Hotel Cassel, Herrn Pe lies oh n, — von Beiden natürlich zllm Besten der guten Sache — geliefert worden, und christlicke wie jüdische Besucher waren darüber einig, daß sowohl an Eleganz unb Schmackhaftigkeit die jüdische Küche hinter der nichtjüdischen zum Mindesten nicht zurückstand. Die'Einnahmen betrugen gegen 2000 M. L2 Aus Oberschlestett, 22. Juni. Das „oberschlesischeHilfskomitee für die russischen Juden" hat am Sonntag in Kattowitz seine erste konstituirende Sitzung abgehalten. Demselben gehören definitiv an die Herren Amtsgerichtsrath Lewy, Rabbiner Dr. Kopfstein, Kaufmann Nothmann (Beuthen), Rabbiner Dr.Cohn, Kaufmann Wiener, Kaufmann Nothman (Kattowitz), Rabbiner Dr. Blumenthal, Fabrikbesitzer Schuck (Ratibor^, Rabbiner Dr. Münz, Rechtsanwalt Schiller (Gleiwitz), Apotheker Muhr (Oppeln), Rechtsanwalt Berger (Königshütte),; Kaufmann Nothmann (Myslowitz), Rechtsanwalt Kaiser (Zabrze), Kaufmann Bloch (Tarnowitz). Es werden Sichtungskomitees in Ratibor, Kattowitz, Laurahütte. Myslowitz, Lublinitz errichtet. Die Sammlungen, nehmen einen erfreulichen Fortgang. Freiherr Nathan ielvonRoth-. fchild in Wien überwies in seiner Eigenschaft als oberschlestscher; Grundherr, wie der „Oberschlesische Anzeiger" meldet, Herrn Rabbiner Dr. Blumenthal in Ratibor zehntausend Mark. Lp. Samter, 21. Juni. In vergangener Woche feierte das Abraham-Jäkel Mottek'sche Ehepaar hier das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Zu derselben waren einige Töchter und Enkel aus Amerika, sowie eine große Anzahl von Ortsimb sonstigen auswärtigen Angehörigen des greisen Jubelpaares herbeigekommen, um demselben persönlich ihre Glückwünsche darzubringen. Auch der Vorstand der hiesigen Gemeinde in Verbindung mit den Repräsentanten erschienen in. Begleitungdes Rabbiners Herrn Dr. Wreschner, um durch eine herzliche Ansprache desselben an das greise Brautpaar die Theilnahme der Gemeinde an deren Ehrentag kund zu thun. Von den anderen Konfessionen stellten sich ebenfalls zahlreiche Gratulanten ein. Beide Jubilare befinden sich in den Siebzigern und erfreuen sich einer felteneu Rüstigkeit. — Zu Gunsten der vertriebenen russischen Juden ist. in unserer Gemeinde eine Sammlung veranstaltet worden. Erwähnenswerth ist hierbei, daß der Landtagsabgeordnete, Herr Am tsrath Sasse, unweit Samter wohnhaft, an unseren Rabbiner zwanzig Mark zum Besten der Bedrängten aus völlig freiem Antriebe einsandte. SS Rheda. Die Nr. 25 dieser Zeitung bringt einen Aufsatz des Herrn Coblenz-Bielefeld „Die Simultanschule und die Konferenz israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens", den ich als Vorsitzender genannter Konferenz nicht mit Stillschweigen übergehen kann. Es ist mir unerfindlich, wie Herr C. sagen kann: „Die Konferenz in Münster hat sich mit überwiegender Majorität gegen die Simultanschule ausgesprochen." Bei Besprechung der Spier'fchen Thesen handelte es sich nicht darum, ob Simultan- oder Konfessionsschule, sondern lediglich darum, ob die jüdischen Elementarschulen zu erhalten oder in Religionsschulen umzuwandeln seien. Daß bei dieser Frage auch die der Simnltanschule gestreift wurde, war nicht zu vermeiden. Die Konferenz aber hat keineswegs im Prinzip sich gegen die Simultanschule ausgesprochen. Von einer Behauptung, die in Münster aufgestellt worden sein soll, als ginge mit Einführung der Simultanschule „ein Stück vom Judenthum verloren", habe ich nichts gehört. Ich habe als Vorsitzender der Konferenz besonders betont, daß die Simultanschule uns nicht beschäftige, worauf Herr Spier selbst die Erklärung abgegeben hat, daß er bei Aufstellung seiner These nicht die Simnltanschule im Auge gehabt habe. Auch daß die Konferenz itt Duisburg sich gegen die Simultanschule ausgesprochen, ist nicht richtig. Dort handelte es sich' ebenfalls nur um die Frage, ob Elementar- oder Religionsschule. Ich habe die feste Ueberzeugung, daß kein jüdischer Lehrer im Prinzip ein> Gegner der Simultanschule ist und nicht sein kann, und sollte einmal wieder höheren Ortes die Einführung der Simultanschule in Erwägung gezogen werden, dann werden sicherlich die jüdischen Lehrer sowohl als die Gemeinden die Letzten sein, die sich dagegen sträuben. A. Steinweg. Mk Wittttch, 25. Juni. Zur Jahresversammlung des südwestdeutschen Verbandes isra elitifcher Lehrer am 17. und 18. Mai im „Pfälzer Hof" zu Trier waren fast sämmtliche Mitglieder des Verbandes erschienen. Der Vorsitzende Herr Eppstein-Hoppstädten begrüßte die Mitglieder sowohl, als auch die erfchieuenen Herren Rabbiner ans Trier und Birkenfeld und die anwesenden Vorstandsmitglieder der Synagogen-Gemeinde Trier. Herr Sender-Tholey begrüßte die Versammelten Namens des Deutsch-Israelitischen Gemeinde- Bundes und schloß mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Herr Bärmann-Trier bewillkommnete die Versammlung Namens der Gemeinde Trier. Den Schluß der Begrüßungen bildete die Rede des Oberrabbiners Herrn Dr. Baßfreund- Trier, der seiner Freude Ausdruck gab, schon so schnell nach seinem Amtsantritt dahier einer Lehrerkonferenz beiwohnen zu können. Nach dem Berichte des Kassirers, dem Decharge ertheilt ward, erfolgte die Vorstandswahl, die eine einstimmige Wiederwahl des bisherigen Vorstandes ergab. Hierauf erhielt der zweite Vorsitzende, HerrNußbaum- Trier das Wort zu seinem Referate: „Kann der systematische Religionsunterricht mit dem biblischen Geschichtsunterricht verbunden werden? Die sich anschließende Debatte endete mit Annahme folgender Leitsätze: 1. In der Schule erhält das Kind die ersten religiösen Begriffe aus dem biblischen Geschichtsunterricht. 2. Der biblische Geschichtsunterricht muß nach dem Herbart-Ziller'schen Prinzip so vertieft werden, daß der Zögling die religiösen Wahrheiten erst innerlich erlebt und dann erlernt. Nur dadurch wird der Glaubenssatz der Ausdruck eigener Ueberzeugung. 3. Erst auf der Oberstufe werden die gesammelten religiösen Begriffe und Wahrheiten zum System verdichtet, es tritt der systematische Religionsunterricht ein. Nach dieser geistigen Anstrengung folgte eine Erholung durch ein gemeinsames Mahl. Herr Sender-Tholey lenkte während einer Pause die Aufmerksamkeit der Theilnehmer auf die segensreich wirkende „Achava". Um 8*/a Uhr wurden am nächsten Tage die Verhandlungen wieder begonnen und zunächst bestimmt, daß die nächstjährige Konferenz am 5. und 6. Juni in St. Johann-Saarbrücken stattfinde mit folgender Tagesordnung: l. Auf welche Weise läßt sich das Ceremonial-Gesetz für das sittliche Empfinden des Kindes verwerthen? Referent: Dr. Levy- Birkenfeld. 2. Stoff und Methode des nachbiblischen Geschichtsunterrichts. Ref. Ransenberg Neuwied. 3. Wie kann sich der jüdische Religionslehrer in und außer der Schule an der Bekämpfung des Antisemitismus betheiligen? Ref.: Salomon-Trier. Zu Punkt 3 der Tagesordnung erhielt Herr Lehrer und Oberkantor Wolfs- Luxemburg das Wort zu seinem Referate: „Heranziehung der Jugend zum Gottesdienst". Nachdem den Herren Referenten für ihre vortrefflichen Ausführungen der Dank der Versammlung gezollt war, ward nach der Debatte folgende These einstimmig angenommen: „Die Jugend beiderlei Geschlechts als künftige Trägerin der Gemeinde ist so früh als möglich in das Verständniß des öffentlichen Gottesdienstes einzuführen und soll zur eigenen Betheiligung an demselben angehalten und gewöhnt werden." Zum 4. Punkt der Tagesordnung gab Herr Sender-Tholey einen interessanten Rückblick über die Entstehung des Verbandes und über den großen Erfolg der an den Kultusminister gerichteten Petition, fünf Gemeinden des Regierungsbezirks seien infolge dessen seit Jahresfrist Korporationsrechte verliehen, vier Privatschulen zu öffentlichen erhoben und in andern Gemeinden das Streben nach Erlangung von solchen angeregt worden. Es folgten nun „freie Besprechungen", in benen interessante Fragen über Gemeinde und Schule erörtert wurden. Um 12 Uhr erfolgte der Schluß der Verhandlungen. Oesterreich - Ungarn. w. Wien, 24. Juni. Der Kaiser war jüngst in Fünfkirchen in Ungarn und hat daselbst unter andern auch eine Deputation der israelitischen Gemeinde empfangen? Wie sonst und immer äußerte sich der Kaiser auch dieses Mal sehr huldvoll. „Meine Macht und die vaterländischen Gesetze sichern Ihnen," sprach er, „wie jeder Konfession in dieser Monarchie, Ihre staatsbürgerlichen Rechte, und Ich zjveifle nicht daran, daß Sie unter diesem zweifachen Schutze auch fernerhin im friedlichen Zusammenleben in Treue und Patriotismus mit allen Bewohnern des Landes wetteifern werden." Es ist äußer Zweifel, daß