Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1891)
- Date
- 1891-06-26
- Page
- Seite 308 (sequence 8)
- Language
- German
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willen ‘TUPK, das Beiwort zu ns, dem letztem voraufgeht-) Denn .diesem Anfangswort der Fabel entspricht als Schlußwort derselben sein Gegensatz pp. Für dieses Wort nämlich, soweit es in der jedenfalls alten Fabel uns entgegentritt, nehmen wir Herkunft von W. pp, arab. gadana V (gidän schwankes Rohr) in Anspruch. Biegsam sein, schwanken, ist die Grundbedeutung dieser Wurzel-). pP als Substantiv steht zu 'LP in der Beziehung eines Attribukgenetivs. Ist uns jetzt doch mit einem Male klar, was dem gewistermaßen blos aufgeklebten Handlungsmittel der Paradiesesbäume Eingang in die Parabel verschafft hat! Mit Ausnahme der pp-'LP erschien dem Propheten als Grundlage für seine Darstellung die alte Fabel vorzüglich brauchbar. Denn nicht alle Nebenbuhlerreiche Aegyptens waren „schwanke Bäume", vor allein Babylonien nicht. Vergl. V. 11a. Diesem Mangel nun war leicht abgeholfen mit der Umbiegung dex ohnehin archaistischen Bedeutung, welche pp in der Fabel trug, in die zu den Zeiten des Propheten vielleicht allgemein geläufige Bedeutung: Paradies. Der Parabel aber war ein Licht mehr damit aufgesetzt. 711LPNO dürfte die Holzäste, das von KP. 17 her bekannte PlTIKE die grünen Zweige mit den Blättern bedeuten. Statt der erux iri^ED (b'schall'cho) lesen pir also in^tPD (b'schil’cho) in ihrer (der Ceder) Berieselung, von n^>lP (sebölaeb) nicht blos für die Fabel, sondern auch für die Parabel. Zu dem jedenfalls alterthümlichen Worte, das auch insofern seine Hineingehörigkeit in die Fabel erhärtet, vergl. Reh. 3, 15, ferner (Schiloach) und den talmudischen Ausdruck fl'2 der ein künstlich berieseltes Feld bezeichnet/') Scheint doch wegen eben jener Alterthümlichkeit das Wort nicht inehr verstanden und im Hinblick auf den Schluß des vorangehenden Verses in 1N^lP2 (b°scliallecho) verschlimmbessert worden zu sein! Hiernach ist die Handlung der Fabel in der Parabel getreuer als bei Kp. 17 beibehalten, von der für den wesentlichen Gedankengang minder wichtigen Bedeutungsänderung von pp, der zwar mehr lyrisch-elegischen, aber bei Weitem weniger naturgemäßen Motivirung der Wasterabdämmung in der Parabel und einigen für die letztere erforderten Erweiterungen lind Ausschmückllngen abgesehn. Der Wortlaut der Fabel dagegen ist, ganz wie dort, auch hier beibehalten. Es ist bezeichnend nicht blos für diese, sondern wohl auch für viele andre derartige Benutzungen im Alterthum, daß der Wortlaut, untrüglichen Zeichen nach, getreu beibehalten wird, unbeschadet besten, daß ihm mehrfach andre Bedeutungen unterlegt, dem Gedanken mehrfach andre Wendungeil gegeben werden. Und diese Peinlichkeit in der Beibehaltung des Wortlauts ist erklärlich in Zeiten und unter Verhältnissen, da Schreiben und Reden als hohe Künste galten und man deingemäß jedem Wort und jeder Ausdrucksweise grade auch von Seiten der äußern Gestalt eine ganz andre Bedeutsamkeit als in unsrer vielschreibenden Zeit zuerkannte. — Auch daß die Parabel KP. 15 über eine alte Baumfabel weggebaut ist, hat einige Wahrscheinlichkeit für sich. Allerdings wäreir hier nur Reste noch zu erkennen. Aus diesen aber dürfte sich im Ganzen der Inhalt der Fabel vermuthen lasten: Ein Weinstock ist unter die Bäume des Waldes gekommen. Füller kommen, zum Bau (nptfbob V. 3) und sonstiger Verwendung Bäume zu schlagen. Der Weinstock mit seinem Schlingwuchs hindert ■) Vergl. darüber Ewald 293b. Ges. 112, 1, Anm. 1. ") Siehe darüber Ges. Hdwb. 3) Bab, bathr. 68a, 99b. Moed Katan 2a. sie. Wozu ist der hier wohl nütze? fragen sie unwillig und werfen ihn ins Feuer. Reste der Fabel könnten sein: 1- "iPT! 'LP2 Ntllj'N “ItPK 2. Der dritte Vers. „In der ungünstigen Umgebung kann auch ein Tüchtiger seine Tüchtigkeit nicht zur Geltung bringen und geht unter." Der Edelstein, er klingelt nicht. Er glänzt nicht, in Blei gefaßt. Hitopadesa ins Deutsche übersetzt von Dursch, Tübingen 1853. TIe<pvxamv ov n&vxsg sig ajtavz l'aoi. Babrii fabnlae ed Gitlbauer fab. 130. 9 Girr Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887.') Von Gustav Eichengrün. Am folgenden Morgen trieb mich die helle Frühlingssonne frühzeitig aus dem Bette. Ich fand Herrn Edwin schon arbeitend an seinem Pulte sitzen. „So zeitig am Platze?" fragte er mich. ,Die Lenzesluft lockt mich ins Freie/ antwortete ich. „Darf ich Sie begleiten? Auch ich liebe es, in der herrlichen Maienzeit in der neuerstandenen Natur umherzuwandeln." — Hinaus ins Freie ging's. Bald waren wir außerhalb Berlins. Noch hier und da ein neuerbautes oder halbfertiges Haus, dann betraten wir einen parkartigen Garten von unendlicher Größe. Lenzesduft und Vogelfang! Nach einer Stunde traten wir den Rückweg an. „Wir wollen den längern Weg zu meiner Wohnung nehnien," bemerkte Herr Edwin, als wir vor der Stadt waren. Ich erklärte mich einverstanden. Inmitten der Stadt begegneten uns viele Männer und Frauen in festtäglicher Kleidung. ,Jst heute ein nationaler Feiertag?' fragte ich auf die Menge deutend. „Nein," antwortete Herr Edwin, „das Pfingstfest unserer israelitischen Mitbürger ist heute." ,Giebt's noch viele Inden hier in Berlin?' fragte ich rasch. „Ja," war die Antwort, „imb sie halten fest an ihrem väterlichen Glauben." ,Sie sind auch wohl in Ihrem, dem modernen Zeitalter, schlechte Bürger und Patrioten?' „In der That eine seltsame Frage!" bemerkte Herr Edwin nicht ohne Bitterkeit. „Wir fertigen unsere Statistiken zwar nicht mehr mit Rücksicht auf die Konfession an, allein man hat sich der Beobachtung nicht verschließen können, daß die Israeliten nach jeder Richtung hin treu und eifrig sind." ,Und welchem Berufe widmen sie sich jetzt?' fiel ich neugierig ein. „Jedem," klang, es rasch von den Lippen meines Begleiters. ,Das ist freilich seltsam,' erwiederte ich verwundert. ,Jn unserm Zeitalter waren sie zumeist Handelsleute, denn der Gewinn lockte sie. Ob sie in redlicher oder unredlicher Weife ihren Vortheil hatten, war ihnen gleichgiltig. Die wirkliche Arbeit haßten sie. Sie waren die Blutsauger des Volkes, Schmarotzer. Der Mammon war ihr Gott, ihr Vaterland.' Eine kleine Pause entstand. — „Wenn ich Ihre Worte ohne sofortige Antwort gelaffen habe, ist's nicht deshalb, daß ich sie billige oder es meiner andern Ansicht an Begründung fehlt. Ihre Behauptung beruht zunächst auf einseitiger vorurtheilsvoller Anschauung,, wir, die wir ein Jahrhundert und länger >) Anmerkung der Redaktion: Wir bringen unfern geschätzten Lesern ein Kapitel aus der Lebensgeschichte eines Mannes, "der 1887 eingeschlummert und vor einigen Wochen, am 12. Mai 2000, neugestärkt durch den kräftigen, langen Schlaf, gesund und munter aufgewacht ist. Sein oben betiteltes Werk ist im Verlage von Stöcker & Böckel erschienen. Berlin und Marburg 2000.