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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-06-26 · Heft 26 (26.6.1891) · p. Seite 307

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 26 (26.6.1891)
Date
1891-06-26
Page
Seite 307 (sequence 7)
Language
German
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‘’tfgjsrrw ..v - 307 - war der Mp, 2118- Bezeichnet wurde mit diesem Namen jedenfalls ein fußhohes Strauchgewächs aus der Familie der Lippenblütler, das Steinboden liebt, sich in Mauerritzen und Felsspalten zeigt. Doch ist weder Art noch Gattung bisher bestimmt?) Aufstellung der altbiblischen Fabeln. Ri. 9, 7-15. Die Bäume gingen und wollten einen König über sich fatbeu. Sie sprachen zum Oelbamn: Sei König über un§! Es sprach zu ihnen der Oelbaum: Soll ich meine Fettigkeit lassen, mit welcher man Gott und Menschen ehrt, und soll gehn und über den Bäumen schweben? Und die Bäume sprachen zum Feigenbaum: Geh' du und sei König über uns! Es sprach zu ihnen der Feigenbaum: Soll ich nieine Süßigkeit lassen und meine herrliche Frucht und soll gehn und über den Bäumen schweben? Und die Bäume sprachen zum Weinstock: Geh du und sei König über uns! Es sprach zu ihnen der Weinstock: Soll ich meinen Most lassen, welcher Gott uub Menschen erfreut, und soll gehn und über den Bäumen schweben? Da sprachen alle Bäume zum Dornstrauch: Geh du und sei König über uns! Und der Dornstrauch sprach zu den Bäumen: Wenn ihr iit Wahrhaftigkeit mich zum Könige über euch salbet — dann kommt und berget euch in meinem Schatten! Wenn aber nicht (in Wahrhaftigkeit oder aufrichtig), dann breche ein Feuer aus vom Dornstrauch und verzehre die Cedern des Libanon! Vergl. Halm, Fab. Aesop. 8. „Herrschsüchtig ist grade der Untüchtige." In der Antwort des Dornstranchs V. 15 dürfte p8 281 Gegensatz ä/nöX2 DK sein, nicht zu") ION 1X2 Zu »12^ vergl. Jes. 7, 2. Die Vorstellung ist dieselbe wie dort. — Beachte, daß *]*?,“! in dieser Fabel an allen Stellen Hilfszeitwort ist. Ebenso 1X2 V. 15. Daß ein Baum seinen Platz verläßt, davon ist weder hier noch in 2. Könige 14, 9 die Rede. Dort schickt (n^W) bezeichnenderweise der Dornstrauch zur Ceder. 2. Kön. 14, 9. (2. Chron. 25, 18.) Der Dornstrauch, der auf dem Libanon war, schickte zur Ceder, die auf dem Libanon war, und ließ sagen: Gieb deine Tochter meinem Sohne zur Frau! Da drang einher das Thier des Feldes, das auf dem Libanon war, und zertrat den Dornstrauch. Wenn bie§3 4 5) keine Fabel, sondern ein bloßes Bild wäre, so hätten wir gegen den guten Aniazja einen wohlberechtigten Vorwurf zu erheben. Er, der Dichter und darum souveräne Beherrscher seines Bildes, hätte den Inhalt der Forderung des Dornstrauchs wohl auch etwas mehr zusammenstimmend mit der Forderung des Königs von Juda Herstellen können. Größere Mühe würde ihm dadurch nicht erwachsen sein. Rein — er erzählte eine Fabel, wie sie ihm erzählt worden war und ihreni wesentlichen Inhalt nach zur Sachlage paßte. Der wesentliche Inhalt aber ist, „daß zum Prunken große Mittel gehören und wer es ohne solche unternimmt, für den Schaden nicht zu sorgen braucht." Die folgenden Auseinandersetzungen erheben keineswegs den Anspruch darauf, als wissenschaftlich gesicherte Resultate zu gelten. Sie wollen nichts weitör sein als Vermuthungen. Der Verfasser stellt diese Vermuthungen zwar nicht willkürlich hin, sondern sie sind ihm durch eingehende Beobachtung und Untersuchung nahegelegt worden, etwas, was die auf den kommenden Seiten unternommene Begründung erhärten soll. Nichtsdestoweniger ist er sich wohl bewußt, daß es sich bei derartigen Annahmen wesentlich nur darum handeln kann, ob ihnen ein größeres oder geringeres Maß von Wahrscheinlichkeit innewohnt. ’) Siehe darüber Rlehm, Handwb. d. bibl. Altert. II. 1771 folg. st Vergl. demgegenüber Cassel, Gesch. d. jüd. Litterat. I, 223. 3) Wie Merx, Schenkel, Bibellex, Art. Fabel behauptet, der, um den Hebräern die Fabel abzusprechen, auch Ri. 9, 7—15 nicht als solche gelten lassen will. Die folgenden zwei Beispiele werden ins Licht setzen, in wie nahem Verwandtschaftsverhältniß gerade bei den alten Hebräern Fabel und Parabel zu einander stehen. 1. Ez. 17. rnas-nx np’i (B. 3) pr^n-bx X2 (B.3) Shjh -Mn jm-rrrch rum (B. 4) po px -bx inx'2’i :(B. 3) nxn nnxs r6»m vN2 wm i 2nm :(B. 5) mi v’v -bv :(V. 6) „Der große Adler kam zum Libanon und entführte den Wipsel der Ceder. Er brachte ihn nach dem Lande Kanaan und setzte ihn hin ans ein Saatfeld an vielem Wasser. Da wurde daraus ein Weinstock: der brachte Aeste hervor und trieb Ranken." st Daß in solchen Fabeln Empfindlichkeit über Wunder nicht am Platz ist, darüber vergl. Lessing, Abhandlungen über die Fabel.") Lessing bemerkt3) ausdrücklich, daß der Fabulist die Natur der Thiere und anderer niedrigeren Geschöpfe erhöhen, der Menschennatur nähern darf, soviel ihm beliebt, mit der einzigen Bedingung, daß aus Allem, was er sie denken, reden, handeln läßt, der Charakter Hervorscheine, um dessen willen er sie seiner Absicht bequem fand. Dieser Bedingung aber leistet unsere Fabel Genüge. Sie will die einfache sittliche Erfahrungslehre darlegen, daß ein Mensch den Verhältnissen, in welche er hineingesetzt ist, entsprechend artet. Im Hinblick auf diese Lehre wird die konkrete Natur des Cedernwipfels erhöht gedacht. _ Sie wird der ethischen Wandlungsfähigkeit des Menschen angenähert. Es wird von dem Cederwipfel das Wunderbare erzählt, daß er, nachdem nran ihn von seiner Bergeshöhe in eine fette Niederung verschleppt hatte, wo zwar nicht die Ceder, wohl aber der Weinstock gut fortkommt, sich in einen solchen verwandelt habe. Diese Fabel, wie die hiernächst aufzuführende, sind beide vvn Ezechiel zu Parabeln ausgestaltet worden. Zunächst sehen wir, daß, was den Wortlaut der Fabel anlangt, er in der Parabel beibehalten ist. Dagegen mußte die Handlung der Fabel ans Rücksicht auf den Zweck der Parabel durch Einschub gewisser Dinge eine etwas andere Entwicklung bekommen. 2. Ez. 31. :(B. 3) Ili-1OS nrm n’ro» p2 (B. 3) p2*?2 nx -ntrx mSttn L2'22 a’ö» vmxa rtcnxm rnar-ic nranni 1NN12’1 (B. 9) pr-,2r,-b2 irtXJp’l :(B. 5) (b'schirdio.) pxn-,p12X-i?22 rnxns >-2222311 :(23. 12.) NO'O’I (23.12) O'2l -’S» -22 (23. 16) löPiri (23. 15) O’21 D’tt 1X^2’1 (23. 12) :(23. 16) pj? „Strack eine Ceder auf dem Libanon — zwischen die Wolken ragte ihr Wipfel. Und wurden viel ihrer Aeste, lang ihre Zweige vom vielen Wasser, das sie berieselte. llitb es beneideten sie all' die schwanken Bäumlein. Barbaren hieben sie ab und streckten sie nieder, daß zerschmettert ihre Zweige fielen in alle Wasserrinnen am Boden. Da war abgedämmt das viele Wasser und es grämten sich all' die schwanken Bäumlein." „Leicht zieht ein Großer, wenn er stürzt, seine Neider mit ins Verderben." geht zurück auf W; ^8. Diese Wurzel hat die Grundbedeutung: grade sein. Von Seiten der Wortgestalt entspricht ^w8 den Wörtern pjn, DinV) Demgemäß heißt "11D8 aufrecht, strack. In der befremdlichen Wortstellung N8 *11108 dürfte ein Allsruf des Staunens zu erblicken sein?) Dem ist nicht im Wege, daß zugleich um des Nachdrucks *) Vergl. Aesop. Fab. 48, 6ck. Schneider, Lips. 1810. 2) Ausg. v. Reclam V. 127 folg. Die einschlägigen Stellen finb S. 155 und 162 zu finden. 3) S. 162. 4) Vergl. Ges. 24. Ausl. § 84b. VI, 12. 5) Vergl. Ewald 392a.

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