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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-06-12 · Heft 24 (12.6.1891) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 24 (12.6.1891)
Date
1891-06-12
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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55. Jahrgang, ttr. 24. ^XX 0 tX+ Äetß“' 12* *nni 1891 WeiLcrge zur „Akkgemsrnen Zeitung des ZuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. tt Berlin, 9. Juni. Auf Einladung des geschäftsführenden Ausschusses des deutschen Centralkomitees für die russischen Juden tagte heute hier eine Versammlung von Vertrauensmännern aus den wichtigsten Städten des Auslands und Deutschlands, um über die Hauptfragen, welche Lei der Auswanderung der Juden aus Rußland zu lösen sind, einig zu werden. Das Präsidium bestand aus den Herren Justizrath Mako wer, Berlin, E. Adler, London, Michael Erlanger, Paris, Dr. Stern, Wien; als Generalreferent fungirte Kommerzienrath Goldberger, Berlin, als Schriftführer die Herren Karl Emil Franzos, Berlin, Rechtsanwalt Breslauer, Berlin, und Dr. Goldziher, Budapest. Die Versammlung beschloß, nur solche Personen, ' welche zur Auswanderung gedrängt und hilfsbedürftig sind, zu unterstützen, und stellte dann He Grundzüge fest, nach welchen das humanitäre Werk durchzuführen sein wird. # Berlin, 10. Juni. Ueber die gestrige Delegirten-Versammlung wird uns von anderer Seite noch Folgendes geschrieben: Es war erfreulich, den Eifer und das Zielbewußtsein zu sehen, mit welchem die aus etwa dreißig Herren bestehende Versammlung unter Makowers geschickter Leitung die schwierigen Probleme der russischen Judenfrage behandelte. Bis 572 Ahr Nachmittags wurde — mit einer einzigen größern Pause — unausgesetzt debattirt. Ohne den Schleier des Geheimnisses, der nothwendig über den Einzelheiten der Berathung liegen bleiben muß, auch nur im Geringsten lüften zu wollen, möchten wir doch sagen, daß wir trotz vieler schönen Resultate den Eindruck hatten, als habe der Erfolg den Erwartungen der Einberufer noch nicht ganz entsprochen. Sollte dies wirklich der Fall sein, so ist die Schuld . nicht den ausländischen Herren beizumessen, die auf die Vorschläge des Berliner Komitees gern eingingen, sondern einigen Deputirten deutscher Städte, welche den oft gerügten Fehler der Deutschen, die Zersplitterung der Einheit vorzuziehen, auch in der vorliegenden Frage zur Geltung zu bringen suchten. In letzter Linie muß sich allerdings auch das einladende Komitee einige Schuld beimessen, denn die Zusammensetzung der Versammlung ist sein Werk gewesen, und die Prinzipien dieser Zusammensetzung dürften — sowohl was die Geladenen, als was die Nichtgeladenen betrifft — Manchem unklar geblieben sein. Den Berathnngen folgte Abends ein Festmahl, mit welchem Herr Generalkonsul Landau die Delegirten bewirthete. Ueber die Vorzüglichkeit der Speisen und Getränke hierbei herrschte volle Einigkeit — selbst unter den Vertretern der deutschen Städte. X Berlin, L.Juni. Das „Deutsche Centralkomitee für die russischen Juden" hat nunmehr ein ständiges Bureau errichtet, und wir bitten daher in Berichtigung unserer Notiz aus der vorigen Nummer, in allen Fälle n, wo Rath und Hilfe gewünscht wird, die Meldungen an das Bureau des deutschen Centralkomitees für die russischen Juden, Berlin^., Heili gegeiststraße 40 gelangen zu lassen. * Berlin, 7. Juni. Die Theilnahme des Berliner Publikums für die unglücklichen russischen Juden tritt von Tag zu Tag deutlicher hervor. Direktor Barnah veranstaltet am nächsten Sonnabend zum Besten der russischen Flüchtlinge eine Aufführung von „Ariel Acosta", in welcher er die Titelrolle darstellen wird. Das große Fest, welches zum Besten der Flüchtlinge in der Philharmonie stattfinden wird, ist definitiv auf den 18. Juni angesetzt, da der ursprünglich in Aussicht genommene Termin, der 15. Juni, der Todestag des hochseligen Kaiser Friedrichs ist. Das Fest, welches zum Theil als Sommerfest im Garten resp. in den oberen Sälen der Philharmonie arrangirt wird, enthält als besonderen Theil das Konzert mit auserlesenem Programm, in welchem Frau Mareella Sembrich, Frau Teresina Geßner, die Herren Hofopernsänger Nicolaus Rothmühl und Hof-Cellist Heinrich Grünfeld u. f. w. Mitwirken. Einlaßkarten werden bei Herrn Herrmann Abraham, Alte Jakobstraße 57/59, und außerdem täglich zwischen 12 und 2 Uhr abwechselnd in der Kunsthandlung von Guttmann, „Unter den Linden", zum Preise von 5 resp. 3 Mark (der Wohlthätigkeit sind keine Schranken gesetzt) verausgabt. Die Beiheiligung ist erfreulicherweise bereits eine außerordentlich rege. 22 Berlin, 8. Juni. Zu Gunsten der russischen Flüchtlinge findet auf Anregung des Verbandes ehemaliger Schüler und Schülerinnen der Religionsfchule Adaß Jisroel am 21. Juni cr. eine Matinee im Konzerthause statt. Zu derselben haben bisher nachfolgende Künstler und Künstlerinnen ihre Mitwirkung in Aussicht gestellt: Helene Odilon, Rosa Olitzki, Fräulein Conrad, die Herren Maximilian Ludwig, Rudolf Oberhäuser, Friedrich Mitterwurzer, Richard Alexander, Franz Gnthery, Direktor L. Mendelssohn, Violinvirtuose Jean Hanff und Männerquartett „Harmonie". * Berlin, 6. Juni. In diesen Tagen hat der Personenverkehr nach Rußland durch Verschärfung der Paßmaßregeln eine neuerliche Erschwerung erfahren. Auf dem hiesigen russischen Generalkonsulat ist der Befehl eingetroffen, Pässe für Personen mosaischen Glaubens überhaupt nicht zu vistren, daß in Folge dessen das Konsulat in Fällen, welche „zweifelhaft" erscheinen, und „zweifelhaft" sind alle Fälle, in denen die Namen auch nur entfernt einen „jüdischen Anklang" haben, die Beibringung eines Taufzeugniffes verlange, ehe das Visum ertheilt werde, daß es aber selbst für die Besitzer visirter Pässe „rathsam" sei, auf einer Reise nach Rußland das- Taufzeugniß mitzunehmen. Es kommt nämlich vor. daß auch Personen mit einem regelrechten deutschen oder russischen Paß, der ihren christlichen Glauben bestätigt, trotz des Visums an der Grenze abgewiesen werden. In diesen Tagen sind Reisenden aus der neuen Verordnung bereits peinliche Schwierigkeiten erwachsen. Die Beschaffung des Taufzeugnisses macht in den meisten Fällen keine nennenswerthen Kosten, erfordert aber unter Umständen ziemlich viel Zeit und vereitelt daher nicht selten den Zweck wichtiger Reisen. 8 Berlin, 8. Juni. Die vor Jahren bereits begonnenen Versuche, die Akustik in der neuen Synagoge günstiger zu gestalten, sind neuerdings wieder ausgenommen worden. In voriger Woche wurden derartige Proben durch Ausstelluug einer provisorischen neuen Kanzel mit Rückwand und Schalldach unternommen. Die Resultate, welche am Freitag Abend und Sonnabend Vormittag erzielt wurden, lassen aus verschiedenen Gründen ein endgültiges Urtheil noch nicht zu. Daß Rückwand und Schalldach den Predigern für Stimmklang und Stimmstärke wesentliche Vortheile bieten, scheint außer Zweifel zu stehen; wenn trotzdem bei der großen Schwierigkeit der zu lösenden Aufgabe der Erfolg noch zu wünschen übrig ließ, so mag dies nuferes Erachtens in erster Reihe daran liegen, daß der Platz für die Probekanzel an der rechten Seite des Emporiums ungünstig gewählt war. Vielleicht dürfte eine transportable Rückwand nebst Schalldach an der jetzigen Kanzel bessere Wirkungen erzielen. Berlin, 9. Juni. Wir erhalten die folgende Warnung zur Publikation: Vereheliche Redaktion! Der Vorstand des „Jsr. Bruder-Vereins zu Constantinopel sieht sich gedrungen, einen Warnungsruf durch die Zeitungen ergehen zu lassen, um unsere armen Glaubensgenossen, die von hier aus weiter fortgeschafft zu werden glauben, vor Enttäuschung zu bewahren. Die Herzlosigkeit, mit der jetzt die Judenverfolgungen in Rußland betrieben werden, spottet — wie wir täglich von Betroffenen vernehmen — jeder Beschreibung. Auch der Jude, welcher dort dem mittleren Stande angehörte, wird durch diese Maßregel buchstäblich zum Bettler gemacht, und wenn er sich schon bis zu irgend eine Hafenstadt durchschlagen kann, dann langt er da vollends mittellos an. Constantinopel ist bekanntlich die Haltestelle für diese Unglücklichen, deren Ziel Palästina ist, und während in früheren Jahren bei der Emigration unsere Gemeinde vom Auslande unterstützt wurde, um den Auswanderern zum Weiterkommen zu verhelfen, fehlt jetzt selbst jede Anregung hierzu. Daß es mit unserem Gemeinde- und Vereinswesen pekuniär sehr schlimm

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