Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1891)
- Date
- 1891-06-12
- Page
- Seite 288 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Wochenfest. Von Gustav Jacob so hn. Seid uns gegrüßt, ihr festlichen Tage, Die ihr im heiteren Frnhlingsgewand Unseren Geist wie mit Zauberschlage Führt in das wunderbegnadete Land, Wo sich in ernster, erhabener Stille Sinai's Fels in die Wolken erhebt, Israel bei der Erscheinungen Fülle Tief im erschütterten Herzen gebebt. Jünglinge, Frauen, Kinder und Greise Strömen heran in unendlicher Zahl, Kränzen den Berg im schimmernden Kreise, Alle geheiligt, wie Moseh befahl. Israel lauscht den göttlichen Lehren, Und es vernimmt, was der Ewige spricht; Israels Kinder geloben und schwören Treu' den Geboten der Liebe und Pflicht. Nun erst sind frei, die an Nilstromes Borden Lange der Knechtschaft waren vermählt, Da sie ein Reich von Priestern geworden, Da sie der Herr sich zum Volke erwählt. Nun erst sind frei, die nach Wochen und Tagen Zählten, sich sehnten mit Ungeduld, Bis sie auf Adlersflügeln getragen Zu sich empor der Ew'ge voll Huld. Und da gestillt des Herzens Begehren, treten sie freudig zum Opferaltar, Bringen voll Dankes goldene Aehren, Wolliger Heerden Erstlinge dar. Dankbar auch, da sie in Kanaan weilen, Denken sie ruhig erlittener Noth, Ernten des Feldes Segen und theilen Gern mit den Armen gewonnenes Brod. Herrliches Fest! nun kehrest du wieder Blnmengeschmückt bei Israel ein, Bringest uns Kränze, Früchte und Lieder, Grünen und Blühen und fröhlich Gedeih'n. Dank dir, o Fest, für die reifende Aehre, Die uns so schwellend entgegensprießt. Dank für die segenspendende Lehre, Die sich uns ewig lebendig ergießt. Freude soll thronen in unseren Herzen, Wenn uns Schabuoth, das holde, erscheint; Aber wie können wir lachen und scherzen. Wenn unser Bruder leidet und weint? Wie soll der froheste Sinn sich nicht trüben, Wo ist ein Auge, das thränenlos bleibt, Wenn von dem häuslichen Herde, dem lieben, Grausame Härte die Brüder vertreibt? Friedlich umgeben von reichlicher Habe, Sorglich behütet vor Leid und Gefahr, Reih'n unsre^Kinder zu festlicher Labe Sich un! den Tisch, des Hauses Altar. Traulicher VZohnung schützende Mauern Bergen in freundlich sicherer Hut Uns vor des Regens feindlichen Schauern Wie vor der Sonpebrennender Glut. Aber ins Ungewisse, ins Weite Ziehen die russischen Brüder hinaus, Elend und Sorge sind ihr Geleite, , Ach, und sie haben kein bleibendes. Haus. Ob sie vielleicht chine.Ruhestatt finden, Schweifen sie hin über Land und Meer, Ach, nur ein Plätzchen, ein Heim zu begründen, Ist dieser Aermsten einzig Begehr. i Lasset uns helfen, lasset uns spenden, | Was unsre Hand nur immer vermag, Rufet, ihr herbes Schicksal zu wenden, Rufet Erbarmen und Mitleid wach! Himmlischer Lohn, wenn von den beseelten Mienen zufriedenes Lächeln vergilt, Wenn in dem Auge der armen Gequälten Uns eine Throne des Dankes quillt. Also beglücket, mit frohem Erregen, Heiliger Pflichterfüllung bewußt, Geh'n wir dem lieblichen Feste entgegen, Hoffnung und Trost in befriedigter Brust; Denn auch der Menschheit bitterste Leiden Werden durch Menschenliebe versüßt — Seid uns willkommen, Tage der Freuden, Festliche Tage, seid uns gegrüßt! 9 Fitterarrsche Mittheilungen. Eine anerkennenswerthe Eigenthümlichkeit des berühmten. Meyerschen Konversations-Lexikons sind die voll der Verlagshandlung, dem Bibliographischeil Institut in Leipzig, jeder Auflage dieses Werkes angeschlossenen Jahr es-Supplemente. Vor uns liegt heute der kürzlich zur Ausgabe gelangte erste Halbband des im Erscheinen begriffenen ersten Jahres-Supplements 1890/91 zu der vor Jahresfrist beendeten vierten Auflage von Meyers Konversations-Lexikon. Eine genaue Prüfung desselben läßt erkennen, daß wir es hier wiederum mit einer Musterleistung lexikalischen Schaffens zu thun haben: Eine erstaunlich schnelle Erfassung 'und Wiedergabe aller bemerkenswerthen Ereignisse und Vorkommnisse auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens der Gegenwart neben einer meisterhaften und sichern Behandlung des vorhandenen Stoffes. Auf den gutgesichteten Inhalt dieses vorliegenden Halbbandes im Einzelnen einzugehen, verbietet uns leider der Raum, doch möchten wir um so angelegentlicher den großen Interessentenkreis auf denselben hiermit Hinweisen. — Nach dem Plane der Verlagshandlung soll das erste Jahres-Supplement zur vierten Auflage von Meyers Konversations-Lexikon in 16 Heften zu je 50 Pfennig oder 30 Kreuzer erscheinen und Anfang Juni vollständig vorliegen. Der Preis des gebundenen Bandes ist wie beim Hauptwerk 10 Mark, gleich 6 Gulden. $ ----- Das Juniheft der von Paul Lindau herausgegebenen, in der Schlesischen Buchdruckerei, Kunst- und Verlags-Anstalt vorm. S. Schottlaender in Breslau) erscheinenden Monatsschrift „Nord und Süd" wird mit einer sehr flott und originell geschriebeneil Soldaten-Novelle „Der kleine Löß" von G. v. Lieres ltnb Wilkau in Berlin eröffnet. Es folgt ein biographischer Artikel über den Breslauer Fürstbischof Doktor Kopp und seine politische Thätigkeit aus der Feder eines augenscheinlich sehr gut unterrichteten Anonymus. — Von dem interessanten Jugend- Tagebuch Lassalles, zu dem Paul Lindau die Vorrede geschrieben, erhalten wir den letzten Theil, in welchen! der jugendliche Ferdinand bereits vorahnend sein späteres Lebensprogramm entwickelt. — Eine von erquickendem, feinem Humor durchwehte Reise-Plauderei ist die unter dem Titel „Federzeichnungen aus Holstein I." geschilderte Dampferfahrt von L. Siegfried in Kiel. — Der bekannte Dichter Detlev Freiherr v. Liliencron steuert ein sehr stimmungsvolles Gedicht bei: „Der schwermuthsvolle König", und der Schwede Ola Hansson, der gleich fruchtbar in schwedischer wie in deutscher Sprache ist, veröffentlicht eine Novelle „Meervögel" von feinster psychologischer Zeichnung und wunderbarer Farbengebung. Es ist eine Meeres-Jdylle, aus der uns frische Seeluft entgegenweht. — Sehr reichhaltige bibliographische Besprechungen und Notizen bilden ben Schluß des Heftes, welches mit dem Porträt des Fürstbischofs Kopp geschmückt ist. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin Verantwortlich für dre Redaktion: Mar Bauckwitz in Berlin