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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-06-12 · Heft 24 (12.6.1891) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 24 (12.6.1891)
Date
1891-06-12
Page
Seite 283 (sequence 7)
Language
German
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IWMWWWMM' - 283 -- b) Erläuternde Feststeilungen. 1. Die Parabel als prophetisches Darstellungsmittel. Die Parabel tritt uns als eines der Darstellungsmittel der Prophetie entgegen, jener eigenthümlichen religiösen Beredtsamkeit der Hebräer, die, grade was die Seite der Darstellung anlangt, über den Boden der Poesie im Ganzen nicht hinausschrejten wollte. Hier muß es nun überraschen, daß unter dem äußerst Wenigen, was von der ältesten Prophetie auf uns gekommen ist, zwei Parabeln, das Beispiel im zweiten Buch Camuelis und das im ersten Königsbuch, sich befinden. Dies läßt vermuthen, daß in den ältesten Zeiten der Prophetie die Parabel eine häufige Darstellungsform gewesen ist. Dagegen ist die Parabel an Bedeutung wie Verbreitung eine minder hervortretende Darstellungsform der Prophetie in ihrer Reife, soweit wir es erkennen. Daß Ezechiel die Parabel wieder stärker zur Anloendung bringt, dürfte aus der Vorliebe für ältere Motive zu erklären sein, welche diesen Propheten der jüngeren Zeit kennzeichnet. 2. Det Gedanke der althebräischen Parabel. Die althebräische Parabel ist eine Frucht des dein hebräischen Volksgeist eigenthümlichen Vergeltungsgedankens. Sind unsere Parabeln doch sümmtlich auf der Grundanschauung aufgebaut: Die Strafe ist eine nothwendige Folge des Vergehens! Auf Seiten wenigstens des Parabelgedankens ist das Vergehen innner mindestens mittelbar ein Vergehen gegen Gott, ist Gott innner der mindestens mittelbare Strafvollstrccker. Z. Die parabolische Darstellung. Was die Figuren des Parabelbildes betrifft, so unterscheiden wir: 1. Handlungssubjekt. Das ist diejenige Figur, welche das Vergehen begeht und die Strafe erleidet, diejenige Figur, welche hauptsächlich die Handlung vollzieht, die Hauptfigur der Parabel. Die übrigen Figuren, diejenigen, welche die Anlässe,^ Stützen, Gelegenheiten der Parabel- Handlung darbietcn, nennen wir 2. Handlungsmittel. So ist 2. Sam. 12 der Reiche das Handlungssubjekt; Handlungsmittel: der Arme, das Lamm, der Wandrer. Zunächst haben wir es mit der Frage zu thun, auf welche Weise in der althebräischen Parabel der in ihr vorwiegende Trieb der Veranschaulichung sein Dasein bekundet. Die Frage dürfte am bequemsten sich erledigen, wenn wir nunmehr durch allgemeinere Feststellungen und an Einzelbeispielen uns klar zu machen suchen, inwieweit den Kunstforderungen der 1. Entwickelung; 2. Zergliederung; 3. Verknüpfung; 4. Schilderung') in der althebräischen Parabel Rechnung getragen wird. Es sei schon jetzt bemerkt, daß die Grundzüge dieser vier Durchführungsweisen a) Bewegung und b) Hervorhelung sind. I. Die Veranschaulichung in der altbiblischen Parabel. Bevor wir den bewußten Untersuchungen uns hingeben, wollen wir noch erinnern, daß gerade in den drei ältesten Parabeln der Ursprung der hebräischen Parabel aus dem Vergcltungsgedanken auf Seiten des Bildes charakleristisch hervortritt. In den zwei ältesten Parabeln, 2. Sam. 12 und 1. Kön. 20, wird hervorhebende, das will hier besagen, die Aufsaffung erleichternde und anregende, Veranschaulichung dadurch erzielt, daß das Parabelbild als einfacher, scheinbar wirklicher (obwohl in Wirklichkeit erdachter) Rechtsfall sich darbietet. Jes. 5. ist wenigstens die äußere Form die eines Rechtsfalles. Bewegung kommt in die Situation, bewegende Veranschaulichung also wird erzielt, indem in den zwei ersterwähnten Parabeln dem zuständigen Richter der Fall unterbreitet wird, wie Jes. 5 der Besitzer des Weinbergs durch des Propheten Mund die Entscheidung der Zuhörer mit ausdrücklichen Worten anruft. (V. 3-5.) 1. Entwickelung. a) Allgemeinere Feststellungen. Jede unserer Parabeln zerfällt in drei Theile, von uns Stufen genannt. Denn die zweite Stufe stellt der ersten, die dritte der ersten nebst zweiten gegenüber eine Fortentwickelung dar. Wir benennen die einzelnen Stufen am bequemsten vom Standpunkt des Handlungssubjekts aus. Demgemäß unterscheiden wir: 1. Grundzustand, 2. Schuld, 3. Entgeltung. Die erste Stufe giebt die Exposition, Anfänge und Bedingungen. Diese erste Stufe hat paffiven Charakter. Den Höhepunkt der Handlung stellt die zweite Stufe dar. Die zweite Stufe hat ausgesprochen aktiven Charakter. Die Entwicklung der Schuld aus deni Grundzustand ist in den musterhaften Parabelbildern eine vom Standpunkt des Handlungssubjekts aus freiwillige. Die Anschauung ist die, daß die Schuld so gut hat erfolgen, wie nicht erfolgen können. . In der dritten Stufe haben wir die Katastrophe. Die dritte Stufe hat ausgesprochen passiven Charakter. Die Entwicklung der Entgeltung aus der Schuld heraus ist eine nothwendige. Nach der Seite der Diktion bietet sich in den meisten Parabeln die Entwicklung der beiden ersten Stufen als erzählende dar. 2. Sam. 12; 1. Kön. 20; Jes. 5; Jer. 13. 48; Ez. 16. 17. 19. 29. 31. 32. Dagegen ist die dritte Stufe gewöhnlichem die Zukunft gerückt. Es ist eine eigene Art der bewegenden Veranschaulichung, wenn auf diese Weise das Bild der hebräischen Parabel nicht als abgeschlossen, sondern als noch im Werden begriffen vorgeführt wird. Ez. 15 ist als Möglichkeitsfall dargestellt. ß) Einzelbeispiele. In Ez. 19, 1—9 ist die Löwennatur, ein Konstitutiv des Grundzustands, die Mutter der Schuld. V. 3b, 6 b, 7. Bei einem reichen Manu sind Gäste nichts Seltenes. Ein beiin Reichen einkehrender Wandrer wird derart 2. Sam. 12, 4b der Beweger vom Grundzustand nach der Schuld hin. Es ist darllin wenig angebracht, mit den Rabbinen') in einkörperndem Sinn den Wandrer auf die Leidenschaft zu deuten. Mit wie bewundernswerther psychologischer Feinheit wird in derselben Parabel Alles vom Propheten nach der Richtung bewegt, daß der König (V. 5, 6) nothwendig beide: a) das allgemeine und b) das rechtkräftige Urtheil hervorheben muß! 2. Könige 20 erwähnt der die Parabel erzählende Prophet seine augenfällige Verwundung nicht noch mit Worten dem Könige gegenüber, von deni er Bestrafung des Mannes, der ihn verwundet hat, zu heischen scheint. Der König ist dadurch gcnöthigt, selber die Ver- ') Werner Hahn 304. ) Succci 52 b; Gen. rabb. S. 22. 22.1.

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