Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1891)
- Date
- 1891-06-12
- Page
- Seite 282 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 2tz2 wohl von seinem Vater ererbtes mechanisches Geschick aus, die Versuche so geschickt als möglich und ganz einfach anzuordnen. Virchow erzählte von ihm, daß darin ihm von den Arbeitsgenossen keiner gleichkam. Trotzdem nahm die Arbeitsgemeinschaft von Traube und Mendelssohn ein vorzeitiges Ende. Ein Jeder brachte die Versuche, (es handelte sich um grundlegende Versuche über die Folgen der Durchschneidung des Vagusnerven) selbstständig zu Ende. Mendelssohn trat zuerst mit einem Berichte an die Oeffentlichkeit. Man hatte beobachtet, daß Thiere, denen man den Nervus vagus durchschneidet, an Entzündung der Lunge erkranken. Man wollte diese Entzündung lediglich als eine Folge der Nervenlähmung ansehen. Im Gegensätze dazu wies Mendelssohn nach, daß die Vagusdurchschneidung jedes Mal ein Kehlkopfleiden bedinge, und daß dieses Kehlkopfleiden erst die Lungenentzündung bedinge, und zwar gab er der Verengerung der Stimmritze und dem behinderten Luftzutritte schuld. Wie Traube aber nachwies, irrte Mendelssohn in dieser letzten Folgerung wesentlich. Gleichwohl hat Mendelssohns Studie „über die Lungenhyperämie", die ein Citat aus Hegel als Motto trägt, geschichtlich medizinische Bedeutung als eine der ersten Forschungen zur experimentellen Pathologie. Sie blieb aber außer der Doktorschrift Mendelsohns einzige Veröffentlichung. Sein wissenschaftlicher Sinn erlahmte in Lassalle's Bannkreise. Uebrigens war es Mendelssohn, der Lassalle der Gräfin Hatzfeld zuführte. Mendelssohn starb in jungen Jahren in Paris, wohin er nach dem Jahre 1848 übergesiedelt war. U .Parabel und Fabel bei den alten Hebräern. Von Dr. Elias Kalischer. (Fortsetzung.) 10. Ez. 17, 1—10. I. 3—6. Von einer Zeder auf dem Libanon hat der große Adler den Wipfel und die höchsten Zweige gekuppt. In eine Krämerstadl hat er die Triebe verpflanzt: (Wegführung des Königs (Jojachin) und der Prinzen nach Babylon durch Nebukadnezar. V. 12.) Etwas Samen, dem (Zeder-)Landesboden entnommen, hat derselbe Adler in ein Saatfeld an reichlichem Wasser eingesenkt, daß daraus ein weidenartiges Gewächs werde. In der That aber erwächst daraus ein Weinstock. Wohl ist der, gegen die Zeder gehalten, niedrig. (Vergl. V. 14.) Doch kann er auf seinem guten Boden immerhin ein gedeihliches Dasein führen. Zum Adler, zum König von Babel hin soll er ranken. (Vergl. V. 14): (Einsetzung des Jedekianischen Vasallen- Königthums.) II. 7—8. Was aber thut der Weinstock? Er streckt seine Ranken einem andern Adler zu, daß der ihn tränke: (Zedekia erbittet von dem an Macht Nebukadnezar nicht gleichkommenden König von Aegypten Beistand mit Roß und Mannen.) (15.) III. 9. 10. Der zweite Adler, nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, der erste/) wird den Weinstock zerreißen, zerfressen und entwurzeln, daß er vertrocknen muß: (Pharao wird die Herrschaft Zedekias untergraben) (V. 17). Sollte das auch nicht geschehen, dann wird der Weinstock, vom Ostwind berührt, vertrocknen: (Nebukadnezar wird den Zedekia hinrichten lassen) (V. 15.) ') Denn 1. ergiebt, den ersten Adler angenommen, 'Ul V. 10. eine unerträgliche Tautologie (s. Smend. z. St.), 2) IHD 31D1D1' V. 9, entspricht den Worten 2*1 b)*l) V. 17. Wir übersetzen demnach, vor fllKlSöb in Gedanken ergänzend: Nicht mit großer Streitkraft und vielem Volke (wird er ihm beistehen — vergl. uhk V. 17 — sondern) er wird ihn aus seinen Wurzeln herausheben. ‘ 11. Ez. 31. Wir haben hier eine Doppelparabel. Zwei Parabeln sind in einander verflochten. Die erste ist der zweiten übergeordnet. A. I. 3—9. Strack steht auf dem Libanon eine Zeder, schön von Zweigen, waldgleich Schattenfülle spendend — bis in die Wolken ragt ihr Wipfel: (Verbildlicht wird das Pharaonische Königthum) (2). Wird doch die Zeder in ihrer gewaltigen Höhe von Wasserströmen genährt, die um ihre Pflanzstätte sich-cherumwinden! (Gemeint ist vorzüglich der Nil.)') Kanäle gehen von der Pflanzstätte der Zeder zu allen Bäumen des Feldes: (Aegypten ist in der Lage, von seiner Gütersülle den übrigen Neichen zu spenden.) In den Aesten der Zeder nisten allerlei Vögel des Himmels, unter ihren Zweigen gebären allerlei Thiere des Feldes. (Zwei Bilder, deren Deutung sofort folgt: In ihrem Schatten wohnen allerlei mächtige Völker (die unter ägyptischer Botmäßigkeit stehen). Unter solchen Umständen beneideten die Zeder sogar die allerhand prächtigen Edenbäume im Garten Gottes (die übrigen Reiche), von denen die höchsten und schönsten selbst sich mit ihr nicht vergleichen können. II. 10. Die Zeder ward im Herzen stolz ob ihrer Höhe. III. 11—13. Zur Strafe für den Hochmuth giebt Gott sie in die Hand des Starken der Völker (11), (mit welchem der König von Babel gemeint ist). Seine barbarischen Unterthanen (die feindlichen-Kriegsheere) hauen sie nieder. Zerschmettert verbreiten ihre Aeste und Zweige sich umher über die Berge und Thäler und in die Wasserrinnen am Boden. Durch den Sturz des Baumes sind die Vögel des Himmels ihrer Nester beraubt und müssen sich auf dem Stumpfe niederlassen. Die Thiere des Feldes, ebenfalls ihrer Wohnungen beraubt, sind durch den Sturz des- Baumes fortgescheucht worden und unter seinen zerbrochenen Zweigen zu finden. B. 1. 8. Die Bäume im Garten Gottes — mögen sie immerhin den Vergleich mit der Riesenzeder nicht bestehen — prächtige Bäume sind sie dennoch. II. 9b. 14s. Und wie gern möchten diese Neider des gewaltigen Baumes ihm es gleichthun! III. 14. 15. Das soll nach dem göttlichen Willen nicht geschehen. An dem Tage, an welchem die gewaltige Zeder in die Gruft sinkt, bedeckt Gott die Tiefe gewissermaßen mit einer Trauerhülle, derart, daß sie kein wachsthumförderndes Wasser mehr spendet. So müssen die herrlichen Edenbäume, die Laubhölzer des Libanon, allesammt verschmachten: (Aegypten zieht in seinen Sturz die übrigen Reiche.) Zu diesen Beispielen fügen wir zwei kleinere parabelförmige Stücke hinzu, die in umfassendere Darstellungen eingegliedert sind. 12. Jer. 48, 11. 12. I. 11a. Moab wird als Wein, in Behältern befindlich, dargestellt. Lagert doch seit Menschengedenken dieser Wein unbewegt auf seinen Hefen! Oder ist er jemals umgeleert worden? (Ist Moab durch ein hartes Geschick, etwa Verbannung, je ans seinem Frieden gerissen worden?) (Vergl. Seph. 1, 12). ' II. 11d. Diese Ruhe, die von keinerlei Störung beeinträchtigt worden, hat bewirkt, daß schlechter Geschmack und Geruch, die von vornherein dem Weine angehaftet hatten, sich unverändert erhielten: (Moab hat die ihm angeborne Verderbtheit nicht überwunden.) (Vergl. Gen. 19, 30-38.) III. 12. In kommmenden Tagen, so droht Gott, will er Küfer schicken: die sollen jene Weinbehälter leeren und zerschmettern. 13. Ez. 32, 2—4: Variation der Parabel 29, 3—5. I. 2a. Im Meere liegt ein gewaltiges Wasserungethüm: (das mächtige ägyptische Königthum unter den Reichen ringsum). II. 2d. Das Ungeheuer trübt die Wassermassen uitb wühlt sie auf: (Alle Länder ringsum verseht Pharao in Schrecken und Kriegsangst). III. 3—4. Gott will durch eine Versammlung von vielen Völkern sein Netz ausfpannen lassen, darin das Ungeheuer eingefangen wird. (V. 3). Auf freies Feld läßt er es Hinschleudern. (V. 4a.) Hier sollen Vögel und Thiere darauf lagern und daran sich sättigen. (V. 4b.): (Gott wird Pharao durch Nebukadnezar bezwingen lassen (11. 12). Der Erstere wird sammt seinen Unterthanen aus seinem Lebenselement Aegypten herausgerissen. Die Völker versetzen dann dem Aegypterkönig den Gnadenstoß.) 0 Nur ist es hier, wie im Weitern, unstatthaft, Druck auf die Worte auszuüben.