Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1891)
- Date
- 1891-06-12
- Page
- Seite 281 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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281 werden. Andererseits arbeitet in jeder Zeile der mosaischen Urkunde der unsterbliche Gottesgeist an der Unsterblichkeit des Menschen und erhebt den Gedanken und den Glauben daran über allen Zweifel. Wie, sollte das Wesen, das Gott in seinem Ebenbilde geschaffen, das er mit seinem unsterblichen Geiste und Odem erfüllt hat, an der Unsterblichkeit nicht Theil haben? Dem der Vater im Himmel nichts vorenthalten hat, was ihn zum Eintritt in sein Heiligthum befähigt, , daß er die Geheimniffe seines Waltens belausche, — dem er in Güte und Erbarmen sich geoffenbart und zu stetem Geleit verbunden hat, soll nach kurzer Dauer diese Verbindung entzogen werden, um für ewige Dauer dem Nichts zu gleichen? Zu dieser Frage regt die mosaische Urkunde an vermöge der Stellung, Bedeutung und Würde, welche sie dem Menschen in der großen Wesensreihe des Geschaffenen anweist, — vermöge des Verhältnisses, in das sie ihn zu seinem Gotte stellt. Aber nicht allein die Unsterblichkeit an sich verbürgt sie dem Menschen, sondern auch die Art und Weise derselben läßt sie erkennen, indem, sie das Sein des Menschen auf dem dualistischen Prinzip von Geist und Körper aufbaut, die, wiewohl zu einem kunstreichen Gefüge geeint, dennoch verschiedene Voraussetzungen ihrer Dauer und ihres Bestandes haben. Die Unsterblichkeit haftet danach nicht an dem aus Erde gebildeten Körper, sondern an der aus Göttlichem gewobenen Seele und besteht in der Fortdauer der Seele nach ihrer Trennung vom Körper durch den Tod. Wenn die Seele von ihrer körperlichen Umhüllung befreit, in ungestillter Sehnsucht und schrankenloser Liebe mit Gott geeint ist und in unvermitteltem, rein geistigen Anschauen Gottes einer ewig gleichen Seligkeit sich erfreut, dann begeht sie die große Feier der Unsterblichkeit. (Fortsetzung folgt.) U Arnold Mendelssohn. Von I. Löwenberg. . Der jährige Todestag Ferdinand Laffalles ruft auch die Erinnerung an den Berliner Arzt Arnold Mendelssohn wach, der an dem Kassettendiebstahl für die Gräfin Hatzfeld theilnahnr, und als einziger von allen, die damit zu schaffen chatten, herbe Strafe erlitt, obwohl er noch am ehesten von Schuld frei war. Der Assessor Oppenheim, ein Freund von Lassalle und Mendelssohn, hatte im Gasthause in Düsseldorf einem Diener des Grafen Hatzfeld eine Kassette mit vermeintlich wichtigen Dokumenten entwendet. Aus Freundespflicht barg sie Mendelssohn in seinem Koffer. Von der Polizei als Hehler entdeckt und verfolgt, ließ er die Kassette im Stich und floh nach Paris. Durch diese Flucht wurde er aus der Gelehrten-Laufbahn gedrängt, auf der er sich, obwohl damals noch in den zwanziger Lebensjahren, schon einigen Ruhm erworben hatte, auf der abex noch viel größerer in sicherer Aussicht stand. Zum wenigsten sagt Rudolf Virchow, einer seiner wissenschaftlichen Freunde, von Mendelssohn, daß er in einem einzelnen Gebiet der wissenschaftlichen Heilkunde, der experimentellen Pathologie, „vielleicht berufen gewesen wäre, das Beste zu leisten". Mt Virchow, Ludwig Traube, Benno Reinhardt, Rühle u. A. gehörte Mendelssohn zu einer Gruppe junger Berliner Aerzte zu Anfang der vierziger Jahre, welche kühn, aber bewußt, und wie der Erfolg lehrte, auch vollauf dazu befähigt, darauf ausging, die wissenschaftliche Heilkunde auf eine neue erst zu schaffende Grundlage zu stellen. Die Aerztegruppe, welche der zukünftige Geschichtsschreiber der deutschen Heilkunde wohl als die „Berliner Schule" einheitlich wird benennen müssen, führte zuerst Ludwig Traube.; später ging die Vorherrschaft auf Virchow über. Ein geschätztes Mitglied der Gruppe war Arnold Mendelssohn. Arnold Mendelssohn war ein Enkelkind des Philosophen Moses Mendelssohn. Sein Vater Nathan Mendelssohn war des Philosophen jüngster Sohn. Nathan Mendelssohn hat sich als Mechaniker Ruhm erworben. Besonders erwähnt wird eine Kreistheilmaschine, die erste in Berlin, welche er 1810 baute, ferner baute er Luftpumpen mit Glasstiefeln, ein Passage-Instrument für die Berliner Sternwarte u. a. m. Zeitweilig machte er mit dem Mechaniker Dr. Pistor gemeinsame Sache. Er muß aber in Geschäftsdingen nicht viel Glück gehabt haben. Denn 1828 nahm er das bescheidene Amt eines Steuereinnehmers in Glatz an (er war während der Befreiungskriege Landwehrofsizier gewesen); 1835 kam er als Stempelrevisor nach Berlin. Hier bethätigte er sich vielfach als polytechnischer Schriftsteller und half 1839 die polytechnische Gesellschaft begründen. Er starb 1852. Arnold Mendelssohn (mit Unrecht thut das „Biographische Lexikon berühmter Aerzte" seiner überhaupt nicht Erwähnung) würde 1817 zu Niffa in Schlesien geboren. Seine Schulbildung erhielt er Anfangs in den Schulen zu Glatz und Liegnitz, 1835 kam er auf das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Berlin, wo er 1837 unter Prof. Spilleke das Reifezeugniß erwarb. Seine akademischen Studien welche der Heilkunde galten, machte er von 1837 bis 1841 in Berlin, nur ein Halbjahr verbrachte er in Bonn. Unter seinen Lehrern waren Karl Weber, Dove, Treviranus, Johannes Müller, Schönlein, Schlemm, Jakob Henle. Im November 1841 erwarb er mit einer Abhandlung „über den Erbgrind" den Doktortitel. Einer der Opponenten bei der Promotionsfeier war der Philosophie-Student Leopold Kronecker, der jetzige Ordinarius der Mathematik an der Berliner Universität. Mendelssohns Doktorschrift hat sowohl wissenschaftliche Bedeutung als geschichtliches Interesse. 1839 hatte Johann Lukas Schönlein, zuerst Professor in Zürich, später in Berlin, die Entdeckung gemacht, daß der Erbgrind, eine Hautkrankheit, durch einen Schimmelpilz, des später auf R. Remaks Vorschlag so benannten Arhorcon Schoenleinii, hervorgerufen wird. Das Bedeutsame dieser Entdeckung war, daß zum ersten Mal ein Kleinlebewesen aufgewiesen wurde, das unzweifelhaft an einer menschlichen Krankheit schuld war; von Thierkrankheiten hatten es zuvor schon Ehrenberg, Joh. Müller, Henle und Stilling dargethan. Schönleins Beobachtung baute Mendelssohn durch mikroskopische Untersuchungen und klinische Beobachtungen weiter aus. Er weist nach, daß der Erbgrind übertragbar ist; kommt aber andererseits zu dem ganz falschen Schluffe, daß der Erreger des Erbgrindes durch Urzeugung entstände. Er versichert sogar die Annahme einer Urzeugung noch in einer besonderen These. In einer andern hingegen nennt er jede teleologische Deutung von Naturvorgängen durchaus unzulänglich. Nach seiner Promotion schloß sich Mendelssohn ganz besonders an Ludwig Traube an. Er war einer der ersten von dessen Schülern in den Perkuffionskursen, welche Traube an den Patienten eines befreundeten Armenarztes in $ der Rosenthaler Vorstadt abhielt, bis das Armendirektorium durch ein besonderes Verbot derlei Kurse unmöglich machte. Später that er sich mit Traube zu Thierversuchen zusammen, welche darauf abzielten, krankhafte Erscheinungen an Thieren absichtlich hervorzurufen, um ihre Eigenheit zum Besten des erkrankten Menschen genauer, als es sonst angeht, zu studiren. Solche Thierexperimente wurden zuerst von dem französischen Forscher Magendie geübt; für die deutsche Heilkunde waren sie eine vollkommene Neuheit. Die Versuche wurden zuerst in Traube's Wohnung, später in der Thierarzneischule betrieben. Rühle (zuletzt Professor in Bonn) war Traubes und Mendelssohns Gehilfe. Diese Versuche waren der erste Anfang einer experimentell-pathologischen Forschung auf deutschem Boden, einer Forschung, für welche jetzt eigene Anstalten errichtet werden. Mendelssohn zeichnete sich durch