Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1891)
- Date
- 1891-06-05
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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“•“w"* *,t 2s ^rmrinörliotr» Gerlin, 5. Juni 1891. Wer tage zur „Allgemeinen Zeitung öes ZuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. '88 Berlin, 1. Juni. Die Organisation des russischen HilssWerts ist in der vorigen Woche in thatkräftiger Weise in Angriff genommen worden. Eine am 28. v. M. unter dem Vorsitz des Herrn Justizraths Makower abgehaltene Sitzung hervorragender Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde hat sich als „Deutsches Central-Komitee für die russischen Juden" konsiituirt und aus. seiner Mitte einen geschäftssührenden Ausschuß gewählt, welcher aus den Herren: Jnstizrath S. Meyer, Vorsitzender, Kommerzienrath L. M. Goldberger, stellvertretender Vorsitzen der, Dr. Karl Emil Franzos und Rechtsanwalt Bernhard Breslauer, Schriftführer, Generalkonsul Eugen Landau, Schatzmeister, Fabrikbesitzer Dr. Edmund Lachmann, stellvertretender Schatzmeister, sowie den Herren Dr. Heinrich Meyer Eohn und Bernhard Croner besteht. Das Komitee ist unverzüglich mit den bereits bestehenden und in Bildung begriffenen Lokalkomitees in Eharlottenburg, Memel, sowie in den Grenz- und Hafenorten in Verbindung getreten und hat an weiteren Orten die Errichtung neuer Lokalkomitees in Angriff genommen, so daß in kurzer Zeit eine einheitliche Organisation des Hilfswerks über das ganze Reich vorhanden sein wird. Pflicht aller Wohlgesinnten ist es nun, dafür zu sorgen, daß diese Organisation nicht durch eine wie gut auch immer gemeinte Sonderthätigkeit gestört werde. Wo Hilfsmittel irgend welcher Art nöthig sind, wird das Centralkomittee sie gern und schnell gewähren; daher muß die Hilfeleistung der Einzelnen, wie der lokalen Komitees sich in den Dienst der Centralleitung stellen und sich ihr rückhaltlos unterordnen. Wir bitten daher unsere Freunde dringend, fortan Geldspenden nur an den Schatzmeister des Centralkomitees, Herrn Generalkonsul Eugen Landau (Berlin W„ Wilhelmstraße 70b) einzuliefern und in allen Fällen, wo Rath und Hilfe gewünscht wird, sich an den Schriftführer, Herrn Dr. Karl Emil Franzos (Berlin W„ Kaiserin Augustastraße 71), zu wenden. 4- Berlin, 31. Mai. Das bisher in Charlottenburg bestehende Hilfskomitee für die russischen Juden hat sich durch Eintritt von Mitgliedern des Deutschen Centralkomitees zu einem „Berlin- Charlottenburger Lokalkomitee für die russischen Juden" erweitert. Das Komitee besteht aus den Herren Ferdinand Reichenheim, Georg Jsaac (Vorsitzende), Dr. Karl Emil Franzos, Dr. Albert Levy (Schriftführer), Generalkonsul Landau (Schatzmeister), sowie den Herren Dr. Raphael Löwenfeld, Arnold Budwig, Albert M. Rathenau, F. Berg, Dr. Behm, Dr. Hugo Preuß und Raczynsky. Ein Exekutiv-Komitee, ans sieben Personen bestehend, leitet die Hilfsarbeiten am Bahnhof und vereint hier seine Arbeiten mit denen eines Damenkomitees unter Vorsitz der Frau Reichenheim. Das Komitee ersucht uns, bekannt zu geben, daß Wäsche und Kleidungsstücke an die nachfolgenden Sammelstellen, die sich zur Weiterbeförderung bereit erklärt haben, zu schicken sind; in Berlin C.: Brasch u. Rothenstein, Heiligegeiststraße 25, I. Lion u. Co., Spandauer Brücke Nr. 1, R. Solitander Nachf., Schloßfreiheit Nr. 8. W.: M. Jablonsky, Schillstraße Nr. 3, II., Brasch u. Rothenstein, Friedrichstraße 78,1. 80.: Plato u. Co., Köpnickerstraße!07. 0.: Jacob u. Valentiner, Holzmarktstraße 65. Brasch u. Rothenstein, Lüneburgerstraße 22; in Charlottenburg: Georg Jsaac, Berlinerstraße 110. — Weitere Sammelstellen werden demnächst bekannt gegeben werden. Auch die Direktion der Neuen Berliner Omnibus- und. Packelfahrt-Aktiengesellschaft hat sich nach ergangener Aufforderung bereit erklärt, Packele für die nothleidenden russischen Juden in Charlottenburg franko aus den Wohnungen abzuholen und zu befördern. # Berlin, 1. Juni. Die Adresse, welche die Berliner jüdischen Gemeindebehörden dem Vorsitzenden der Repräsentanten-Versammlung, Herrn Justizrath Makower, bei Vollendung seiner 25jährigen Thätigkeit als Repräsentant gewidmet haben, lautet folgendermaßen: „Hochgeehrter Herr Justizrath! Die fünfundzwanzig Jahre Ihrer Wirksamkeit im Ehrenamt zu Gunsten unserer Gemeinde machen es uns zur erfreulichen Pflicht, den Gefühlen der Dankbarkeit und der Anerkennung Ausdruck zu geben, von denen wir Alle beseelt sind. Mit der für die. ganze deutsche Judenheil bedeutsamen Geschichte unserer fort und fort wachsenden Gemeinde in dem jüngsten schöpfungsfrohen Vierteljahrhundert ist Ihr Name segensreich verflochten, sei es wegen der Fortbildung und Veredlung unserer Kultusformen, sei es wegen der zahlreichen humanitären Einrichtungen, welche der alten jüdischen Liebe zur Wohlthätigkeit und den neuen sittlichen Trieben der Gesammtheit zu entsprechen suchen. Früh nach Ihrem Eintritt in das Reprüsentantenkollegium an die Spitze desselben gestellt, haben Sie durch stetig steigende, immer mehr geklärte Ordnung der Geschäfte die Verwaltung fortschreitend verbessert und befestigt. Jederzeit waren Sie bestrebt, ein gedeihliches Zusammenwirken mit dem Vorstande unserer Gemeinde zu fördern. Streng in der Handhabung der Formen, besonnen und billig, nach innen und außen schädliche Friktionen zu vermeiden oder zu sänftigen bereit und geneigt, nicht blos mit praktischer Klugheit, sondern aus idealer Gerechtigkeit, das bei den verschiedenen Richtungen in der Gemeinde und ihren Vertretern Mögliche zu erstreben, ist es Ihnen gelungen, die Verhandlungen als Streit der Ideen und der Thatsachen zu behandeln, unbeeinflußt von persönlichen Neigungen. Darum haben Sie auch in der Führung der Debatten jene Unparteilichkeit behauptet, welche die Abstimmung nicht als der Wahrheit letzten Schluß, sondern nur als die notwendige Entscheidung erkennen läßt lind der Mehrheit zum Siege, aber auch der Minderheit zu des Gewissens Befriedigung verhilft. Den Ausdruck unseres Dankes für so ausgezeichnete Dienste lassen Sie uns in den Wunsch kleiden, daß es Ihnen, der Gemeinde zum Heil und Ihnen zur Ehre, noch lange vergönnt sein möge, in so edler Wirksamkeit für unsere Religionsgenossenschaft rüstig auszudauern. Das walte Gott! Berlin, im Mai 1891. Der Vorstand und die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde. * Berlin, 29. Mai. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses fragte bei der dritten Lesung des Justizetats Abgeordneter Nickert an, was die bei der zweiten Lesung vom Minister verheißene Nachforschung darüber ergeben habe, ob der Oberlandesgerichts-Präsident von Breslauseinen Erlaß, betreffend möglichste Ausschließung der Inden vom Geschworenen-Amte, in Folge der ihm vom Minister kundgegebenen Mißbilligung nun auch wirklich zurückgezogen habe oder nicht. Geheim - Rath Lucas beantwortete die Anfrage dahin, daß der Oberlandesgerichts- Präsident von Breslau seinen Erlaß sofort zurückgezogen habe, nachdem ihm die Mißbilligung seines Chefs, des Ministers, 31t verstehen gegeben sei. X Berlin, 1. Juni. Die Aeußerung eines Antisemitenführers aus dem Kongresse, der jüngst in Magdeburg tagte, verdient weiteren Kreisen bekannt zu werden. Herr Dr. Erwin Bauer aus Jena that in einem Satze folgende zwei Geständnisse über seine Partei: „Wir haben seit dem Rücktritt des Fürsten Bismarck das politische Uebergewicht in Deutschland verloren und wollen es durch wirthschaftliche Zugeständnisse wiedergewinnen." Daß der Redner dieses Prinzip selbst ein falsches nennt, kann die Thalsache nicht ungeschehen machen, daß nach dem eigenen Geständnisse der Herren 1. der Antisemitismus sich im Niedergang befindet, 2. die Partei durch politische Heuchelei wieder an Boden zu gewinnen sucht. GD Nen-Weitzensee, 31. Mai. Die Einweihungsfeier der Taubstummenanstalt des Vereins „Jedide ilmim“ vereinigte heute Mittag ein erlesenes Publikum in der Aula des schmucken Gebäudes. Nach einem von Herrn Inspektor Lichten stein gesvielten Präludium hielt Herr Rabbiner Dr. Maybaum die Weihrede. Anknüpfend an das Psalmwort: „Von dem Ewigen ist dies geschehen, das so wunderbar in unfern Augen", feierte er dieses Werk der Menschenliebe, das sich würdig den übrigen humanen Institutionen der Gemeinde der Humanität anreiht. Mit einem Gebet für das Kaiserhaus, für die Anstalt und deren Leiter schloß der gefeierte Redner. Nach ihm bestieg der Begründer und Direktor des Instituts, Herr Reich, die Tribüne. Ohne jeglichen