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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-05-15 · Heft 20 (15.5.1891) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 20 (15.5.1891)
Date
1891-05-15
Page
Seite 231 (sequence 3)
Language
German
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statten, diese glücklich gewählte, für die Wissenschaft wichtige Aufgabe nicht - nur festzuhalten, sondern auch Alles aufzubieten, was zu einer genügenden Lösung derselben beitragen kann? Am 17. November endlich drückte er seine Befriedigung darüber aus, daß die wichtige Preisaufgabe nochmals ausgeschrieben werden soll mit einem Termin bis zum 31. Dezember 1892, lehnte aber die Uebernahme des Preisrichteramtes ab. Ferdinand Gregorovius starb am 1. Mai, der zweite designirte Preisrichter Dr. Nehemias Brüll am 5. Februar, der Präses der Wiener Kultusgemeinde Arminio Cohn, 'der die Zuschriften an Gregorovius Unterzeichnete, am 21. April — und die Preisfrage, die zu meiner Satisfaktion die Billigung des großen Historikers gefunden hatte, harrt ihrer Lösung. Möge sie gelingen! U Aus dem Lunde des Propheten. Von Dr. Eduard Glaser. Das Jahrhundert, dessen letztes Jahrzehnt wir jetzt durchleben, wird in Zukunft voraussichtlich als das Jahrhundert der Technik, der Gigantenkriege, der Stanleyaden und des Schliemanismus gelten. Namen wie Edison, Napoleon, Moltke, Stanley, Emin und Schliemann bilden seine Signatur, und alle fünf Welttheile weisen die Furchen auf, welche von Männern der einen oder andern dieser Kategorien gegraben wurden. Nichts ist in Ruhe gelassen worden, am allerwenigsten aber die Landkarten der Welttheile, die Europas nicht minder als das Kartenbild des schwarzen Kontinents. Hier verschwindet die Farbe der Unschuld, und zahllose schwarze Schlangen, Flußbetten vorstellend, durchwinden das Blatt Afrikas, dem sich jetzt sogar schon die Schuljugend nur mit Angst und Grauen nähert, denn die unaussprechlichsten Namen müssen im vielgeplagten Gehirn untergebracht werden; im alten Europa wieder giebt es alle Augenblicke neue Staatenbildungen und Verschiebungen der festestgeglaubten Grenzen, alles mit dem einzigen dauernden Effekt, die Ueberbürdung der Schüler, über die so viel geklagt wird, stets mehr zu vergrößern. Ach, der armen Schuljugend wird es allezeit desto schlimmer ergehen, je mehr große Diplomaten, Feldherren, Kolonisatoren und Forschungsreisende erstehen. Diese insgesammt müßten zuerst unschädlich gemacht werden, wenn von einer wirklichen Erleichterung des Looses der Jugend die Rede sein soll. Auch Schliemann und alle Jene, welche in seiner Weise arbeiten, verdienen die Gunst der Schuljugend nicht; denn sie graben Altes, Längstvergeffenes oder Niegekanntes aus und stellen dieselben Ansprüche an das Gehirn der Kleinen wie die Diplomaten, Feldherren und Kolonisatoren. Ja sogar die Großen, oder richtiger die großen Kleinen werden von ihnen in ärgerliche Verwirrung gebracht. Ehrwürdige alte Systeme, deren schützendes Dach manchen Weisen schier bis ans Lebensende vor jedem Ungemach zu bewahren schien, stürzen ein, wie von Erdbeben erfaßt, und neue Formen bauen sich vor den entsetzten Augen der Betroffenen auf. Jung und Alt stimmt sonach seit jeher überein, Schimpf und Fluch gegen die verruchten Neuerer zu schleudern. So ist es den Egyptologen ergangen, als sie auf Grund der Hieroglyphentexte Ketzeranstchten entwickelten, die sich mit dem Ueberlieferten nicht vereinbaren ließen; genau das gleiche Schicksal betraf die Assyriologen, die eigentlich noch jetzt theilweise in diesem Banne schmachten, und nicht glimpflicher wird das Loos derer sein, welche dem alten Arabien ihr Augenmerk zuwenden und sich daran machen, seine dicht verschleierte Vergangenheit auszudecken. Nur das bei uns selbst Altgewordene erscheint ehrwürdig; wirklich Altes dagegen gilt als verdanimenswerthe Neuerung, die bis zum letzten Athemzug bekämpft werden muß. Gleichwohl muß die kleine Schaar Stand halten, bis sie ihr Ziel errungen hat. Handelt es sich doch um Arabien, jenes interessante Land des Propheten, das unserem Kulturreiche so nahe liegt und doch so fern und geheimnißvoll geblieben ist, als gehörte es nicht zu Asien, sondern zum Planeten Jupiter. Aus diesem Lande habe ich im Verlaufe dreier dahin unternommener Reisen neben mehr als tausend Kopien und Abklatschen von alten Inschriften circa 75 beschriebene Originaldokumente 'mitgebracht, von welch letzteren seiner Zeit einige den königlichen Museen in Berlin, einige dem Pariser Louvre und einige Dutzend dem British Museum in London abgetreten wurden, während sämmtliche Steine meiner dritten Reise noch ihrer Aufstellung in einem öffentlichen Institut harren.') Nicht nur Bücher und Menschen, auch Steine haben ihr Schicksal. Sie haben ihre Jugend, sie werden alt, man versteht sie endlich nicht mehr, sie werden begraben und feiern nach Tausenden von Jahren ihre Auferstehung. Wie letztere vor sich geht, d. h. wie Steine entdeckt werden, darüber will ich ein andermal berichten. Daß es aber wahr ist, daß selbst die Steine reden, ja daß sie noch nach Jahrtausenden eine sehr beredte Sprache reden, das will ich heute darlegen. So lange man keine alten Denkmäler aus Arabien hatte, und noch während der ganzen Zeit der Entzifferungsversuche, die fast bis in unsere Tage hineinreichen, kannte man von der Vergangenheit des Prophetenlandes nichts Anderes als die wenigen und äußerst dürftigen Nachrichten bei griechischen und römischen Schriftstellern. Diese Nachrichten haben sich in ihrer Dürftigkeit und Sagenhaftigkeit niemals befriedigend deuten lassen und haben allerlei Kombinationen Thür und Thor geöffnet. Aus ihnen konnte man niemals herauslesen oder auch nur ahnen, daß auch Arabiens Geschichte, ähnlich wie die Geschichte des Pharaonenlandes oder die Mesopotamiens, in die frühesten Jahrtausende zurückreiche. Alle anderen Nachrichten über Arabien waren lediglich Traditio», fast ausnahmslos von den Arabern selber überliefert. Wer aber -weiß, wie sich mündliche Traditionen im Laufe der Jahrhunderte gestalten und ändern, dem wird es von vornherein klar sein, daß er es da eigentlich nur mit sagenhaft entstellten Nachrichten, nicht mit Geschichte zu thun haben kann. In der That hat sich die arabische Tradition über die vorislamische Zeit des Landes als völlig werthlos erwiesen. Die alten Inschriften entnommenen oder auch rein willkürlichen Namen von Königen wurden in phantastischer Weise aneinandergereiht und nicht nur mit Salomon dem Weisen in Verbindung gebracht, sondern auch bis in die noachitischen und adamitischen Zeiten zurückdatirt. Daraus ließ sich für die Geschichtswissenschaft also nichts oder so viel wie nichts gewinnen. ') Als unser verehrter Mitarbeiter jene Zeilen schrieb, hatte er noch nicht die Gewißheit, daß sein sehnlicher Wunsch schon in so kurzer Zeit in Erfüllung gehen werde. Dies ist in den letzten Tagen geschehen! Herr Rudolf Masse hat die große Samnilung sabäischer Denkmäler Glasers für einen hohen Preis erworben und sie dem königlichen Museum zum Geschenk gemacht. Wir können natürlich hier nicht des Weitern über dieses große Geschenk sprechen, sondern begnügen uns damit, die Worte eines hervorragenden Sachkenners zu citiren. G e o rg Ebers schreibt am 2. d. M. an den Redakteur d. Bl.: „Was Herr Moste jetzt an Dr. E. Glaser und für die Wissenschaft thut, ist großartig und außerordentlich dankenswerth. Leider, leider möchte in keinem anderen Kulturland ein so eminenter Forscher, ein so erfolgreicher und selbstloser Reisender so schnöde im Stich gelassen werden können, wie in Deutschland. Herr M. hat den deutschen Nanien von einem Makel befreit und wird dem heimischen Museuui eine köstliche Bereicherung znführen können." Genau in demselben Sinne sprachen sich Theodor Nöldeke, Fritz Hommel nud A. Ermau ans. D. Red.

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