Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1891)
- Date
- 1891-05-08
- Page
- Seite 226 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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. . - L,i,l, IH j H«4 -- 226 —- Stcidt „Mechnsa" sehr häufig gefunden wird. 4. Anokob, Vulg. „mzgale“, nach Raschi und den meisten anderen Kommekltatoren „Igel", nach einigen von „A ok" „seufzen" für Lacerta Gecko Haß? genommen, weil dieselbe oft einen seufzerähnlichen Laut hören läßt.' Es ist jedoch unzweifelhaft Raschi's Deutung als Igel richtig, da er' das Wort mit „Herrisson“ (span. Erizo) übersetzt und erzählt, daß' seine Haut mit Stacheln bedeckt ist. Die Jgelhaut band man bei den alten Hebräern den Kühen um die Euter, um die Kälber am Saugen zu hindern, oder auch um Schlangen, bei denen der Talmud' von einer großen Vorliebe für Milch zn erzählen weiß, durch das Gerassel der Stacheln zu verscheuchen. 5. Koach, „Lacerta stellio“, dürfte wohl mit Chamäleon zu übersetzen sein. Die Alten meinten, daß das Chamäleon von der Luft lebe; so schreibt Plinius: „Nec cil)o, nec potu, nec alio quam aöris alimento alitur“ (Hist, nat. 8, 83). 6. Letooli. Raschi übersetzt das Wort durch „Lezard“, Lacerta, Eidechse. Es ist aber gewiß keine einzelne Art, sondern eine ganze Eidechsenfamilie damit gemeint. Von dem Schwänze sagt der Talmud, daß, auch wenn er abgehauen, Leben in ihm zurückgeblieben ist. 7. ChomeL Vulg. „lacerta“, Raschi „Schnecke". Da die hier aufgeführten acht Thiere nach dem Talmud (Chulin 128 b) sämmtlich zu den Wirbelthieren gehören, „aus Fleisch, Sehnen lind Knochen" bestehen müssen, da mir ferner das Kriechen auf vier Füßen ein aus dem Urtexte hervorgehendes Kriterium zu sein scheint,, so ist es wohl gerechtfertigt, die Uebersetzung dieses Wortes „Schnecke", der die meisten Erklärer gefolgt sind, zurückzuweisen. Da „Chomet“ auch „Sand" bedeutet, so kann man diese Thierart, mehr der Sept. und Vulg. entsprechend, für den Skink Lacerta Leinens veterum (— Scincus officinalis Laur.) halten, da sich diese Eidechse, wenn sie verfolgt wird, mit Kraft und Gewandtheit in den Sand vergräbt, was schon den Alten bekannt war. Diese Deutung ist um so zulässiger, als diese Art im ganzen Orient verbreitet ist und in alter Zeit fast allen Theilen dieses Thieres wunderkräftige Wirkungen zugeschrieben wurden, lind auch mit dem gedörrten oder zu Pulver gebrannten Leichnam desselben ein schwungvoller Handel betrieben lvurde. 8. Tinsehometh (— Tinschemess) habe ich schon früher mit „Fledermaus" übersetzt, das Wort wird von den Meisten hier als „Maulwurf" gedeutet und die Synonymie dann durch die enge Verwandtschaft beider Thierarten zu begründen gesucht. Ich sehe jedoch keine Veranlassung zu einer solch' problematischen Deutung. Und ist der Umstand, daß die Fledermaus hier dreimal angeführt wird, bei der Knappheit, welcher sich der Urtext befleißt, auffallend, so braucht blos in Erinnerung gebracht zu werden, daß nachweislich mehrere Arten von den Orientalen gegessen wurden, und diese Thierfamilie, wie schon oben erwähnt, daselbst sehr stark vertreten war. U „Non ölet“. Von Dr. Marcus Landau. Herr Richard Andree hat in seinen Ethnographischen Parallelen llnd Vergleichen (Neue Folge, Leipzig 1889) auch dem „Völkergeruch" ein Kapitel gewidmet, zu dem ich hier einige Nachträge und Berichtigungen geben möchte. Der bekannte Ethnologe sagt gleich im Eingang seiner betreffeirden Abhandlung, daß die verschiedenen Raffen verschieden riechen, und daß der eigenthümliche seinen ganz besonderen Charakter zeigende Hauptgeruch der Völker sich unter keinen Umständen verliert, ja daß selbst die größte Reinlichkeit, das sorgfältigste Waschen ihn nicht zu entfernen vermag. (S. 213). Zur Bekräftigung und Illustration dieses Satzes führt er dann die Berichte von Reisenden und Anthropologen an. Es ergiebt sich daraus, daß die verschiedenen Völker für die Gerüche der andern mehr oder minder empfindlich sind, daß aber meistens der allophyle Geruch einen unangenehmen Eindruck macht, mit andern Worten, daß ein Volk von einem andern, besonders wenn es demselben feindlich ist, gern sagt, es stinke. Der berühmte Satyriker Swift, der ein sehr feiner und scharfer Beobachter der geistigen und körperlichen Eigenschaften, besonders der unangenehmen und schlechten der Menschen war, erzählt in seinen „Reisen Gullivers" (Reise nach Brobdingnag Kap. 5), er habe den unangenehmen Hautgeruch der riesigen Hofdamen nicht aushalten können. „Ich sage dies nicht," führt Lemuel Gulliver fort, „um diese Damen herabzusetzen, aber ich meine, daß mein Geruchsinn meiner Kleinheit entsprechend viel schärfer war, und daß diese vornehmen Persönlichkeiten für ihre Liebhaber oder für einander nicht unangenehmer rochen, als Personen deffelbcn Ranges bei uns in England. Uebrigens war ihr natürlicher Geruch noch erträglicher als die Parfüms, die sie gebrauchten, welche mir Ohnmächten verursachten." Er berichtet dann weiter, daß während seines Aufenthalts in Lilliput die Däumlinge, welche dieses Land bewohnten, sich über seinen Geruch beklagten, „obwohl ich nicht ärger rieche als andere Männer, aber ich denke mir, daß ihre Geruchswerkzeuge im Verhältniß zu den meinigen um so viel empfindlicher waren, als meine zu denen der Riesinnen." Wir sehen also, wie Swift zwischen Raffengeruch und zufälligem Geruch zu unterscheiden weiß, eine Unterscheidung, die auch von Andree gemacht tvird, wenn er erzählt, „daß auf Java dem Gesinde verboten ist, die unreifen Samen der Parkia speciosa zu essen, da sie infolge dieses Genusses knoblauchartig duften;" ebenso riechen die Kamtschadalen nach Fischen und „lauchduftig" sind auch Italiener und Provenyalen" bemerkt Andree ganz kurz. Er hätte auch hinzufügen können „die Griechen", denn vor Kurzem hat sich noch ein deutscher Berichterstatter über den „penetranten Knoblauchgeruch" auf einem Hofballe in Athen beklagt.') Etwas ausführlicher behandelt Andree den Knoblauchgeruch der Juden, den er selbst an der Börse gefühlt haben will. Ja, er meint sogar, es sei „nicht unwahrscheinlich", daß die Sage von „dem toetor judaicus, wegen dessen die Juden von allen Nationen alter (?) und neuer Zeit verhöhnt und zurückgestoßen wurden, von dem unter ihnen verbreiteten Genuffe dieses streng riechenden Gewürzes zu qllererst herrührte. Ein komischer Zug, den Ammianus Marcellinus aus dem Leben des Marcus Aurelius erzählt, beweist, daß schon damals die Juden in dem erwähnten bösen Rufe standen, Als dieser Kaiser, der Sieger über Markomannen und Quaden, auf einer Reise nach Aegypten durch Palästina kam, da wurde ihm Gestank und Lärm der Juden so lästig, daß er schmerzlich ausgerufen haben soll: O Markomannen, o Quaden und Sarmaten, habe ich doch noch schlimmere Leute als ihr gefunden." Auch Renan hat sich diese wohlriechende Stelle nicht entgehen lassen.") Er weiß sogar, daß im ganzen Lande Palästina ein „Gestank des Elends" (odeur fetide de misere)* * 3) herrschte und läßt den Kaiser sagen: „O Marcomanes .... j’ai trouve enfin des gens plus dtztes que vous.“ Keiner, der über jene Zeit geschrieben hat, hat sich dieses anscheinend so judenfeindliche Citat entgehen lasten, aber Keiner hat sich die Mühe genommen, es aufmerksam zu lesen, und Mancher wird den ') Allgemeine Zeitung, München, 8. November 1889. Zweites Morgenblatt. 9 Marc Auröle ch. XVII, S. 287. 3) Also kein Knoblauchgeruch, wie auf dem griechischen Hofballe.