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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-05-01 · Heft 18 (1.5.1891) · p. Seite 214

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 18 (1.5.1891)
Date
1891-05-01
Page
Seite 214 (sequence 10)
Language
German
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214 daß er die Fische, die er im Stoße tauchend erbeutet, nicht verschlingen kann, sondern wieder ausspeisen muß. Auf dieser Thätigkeit — dem Herausholen der Fische aus dem Wasser — beruht die angegebene Deutung, denn „scholoeh“ heißt „holen", „senden". 13. Janschuf. Bezüglich dieses Namens weichen die Deutungen ziemlich von einander ab. Nach Bochart ist es „Bubo“, Schleiereule, und das ist wohl die richtige Deutung des Wortes, da Raschi an einer Stelle von diesem Thierc sagt, „es hat Backen wie der Mensch", und es an dieser Stelle mit „Chouette" übersetzt. 14. Tinschemeth; nach Raschi „Fledermaus", Bochart „Eule", Herxheimer „Wasserhuhn", Levysohn „Maulwurf". Diese Zusammenstellung zeigt, daß bezüglich der Deutung dieser Thierart eine noch größere Meinungsverschiedenheit herrscht als bei der vorhergehenden Spezies. Es mag wohl die Uebersetzung des Wortes mit Maulwurf viel für sich haben, es ist jedoch andererseits klar, daß dasielbe hier mir mit dem Namen eines Thieres zu identifiziren ist, das Flugvermögen besitzt. Ich glaube das Thier für Fledermaus nehnien zu dürfen, umsomehr, als dieselbe Thierart auch unter den acht auf der Erde auf vier Füßen kriechenden Thieren angeführt wird. Die etymologische Deutung des Wortes verträgt sich ganz gut mit dieser Erklärung, denn ich leite das Wort entweder von „Noschom“, „fliehen", „schweben", oder (in welchem Falle allerdings sehr viele gesellig lebende Arten ausgeschlossen wären) von „scbomoni" „verlaffen", „einsam" her. 15. Kooth wird übereinstimmend als Pelikan bezeichnet. Das Wort kommt von „Köoh“, „speien" und wird talmudisch dadurch erklärt, daß dieser Vogel in seinem Kropf und Unterschnabel bis dreißig Pfund Waffer verbergen kann, das er dann mit sonstigem Inhalt wieder ausspeit. Namentlich wird (Chulin 63) erzählt, daß er Muscheln verschlingt und dieselben wieder ausspeit, wenn sie in seinem Magen warm geworden sind, wo er sie dann leicht öffnen kann. Wenn diese Beobachtung richtig ist, so müßte man wohl für Magen „Schnabel" und statt warm „tobt" setzen, denn nur dann verliert der Schließmuskel seine zusammenziehende Kraft. 16. Rochom von dem gleichlautenden Worte, das „Liebe",. „Erbarmen" bedeutet, hergeleitet, wird als der Vogel bezeichnet, besten Erscheinen der Welt Liebe und Segen (Regen) bringt. Daruni und weil das Wort mit dem Arabischen gleichlautend ist, wird es allgemein als der ägyptische Erdgeier, Neophron percnopterus Sill). (— Percnopterus veterum) bezeichnet, der namentlich vor den Nilüberschwemmungen erscheint; er wurde von den alten Aegyptern wahrscheinlich deshalb heilig gehalten und findet sich oft auf ihren Denkmalen abgebildet. Vielleicht deutet das Wort auf die so überaus wichtige Thätigkeit des Vogels hin, der bekanntlich unter dem Aase stark aufräumt. 17. Obassida, nach der Sept. und Vulg. („hei-odio“) „Reiher", nach Bochart, den Rabbinern und dem Talmud „der Storch". Letztere Deutung ist die richtige. Das Wort kommt von „Chassid" „fromm", einerseits weil dieser Vogel „liebevoll seine Speise den Genoffen mittheilt" (Chulin 63 a), andererseits weil derselbe besondere Zärtlichkeit gegen die Jungen hegen' soll. Die Deutung dieses Namens als Reiher ist dadurch hervorgerufen worden, daß in den Psalmen (104. 17) vom Vogel dieses Namens erzählt tvird, daß er auf Cypressen niste, ivobei diejenigen, die diesen Vogel für den Reiher halten, von der Thatsache ansgehen, daß der Storch auf den Dächern der Häuser niste; da letztere jedoch iin Orient meist sehr niedrig sind, so ist jene Angabe doch auf den Storch zu beziehen. Daher auch das Sprichwort: „Wenn die Frommen wandern, dann regnet es," von den Wortspiel Chassid und Chassida, da die Wanderungen der Störche nach dem Volksglauben auf Wetterwechsel deuten. 18. Anophoh. Nach Raschi „Heran", ist demgemäß durch Fischreiher zu übersetzen; sein Name kommt von „Oph“ „Zorn", ,,Wildheit". Im Talmud wird seiner als eines grausamen, wilden Vogels Erwähnung gethan. Der nahen Verwandtschaft zwischen ihm und dem Storch wird in der Bibel dadurch Rechnung getragen, daß beide Vögel neben einander stehen. 19. vucbipbat, nach Sept., Vulg. und den Arabern „Wiedehopf", nach Raschi und dem Talmud „Auerhahn". Diese beiden Erklärungen find dadurch veranlaßt, weit in dem Worte der Stamm des Wortes „hadooh“ — „doh“ ober „doch“ „Schmuck" liegt und diese beiden Vögel sowohl einen auffallenden Schmuck besitzen, als auch beide den später anzuführenden Merkmalen zufolge verboten sind. Da ich' in dem Worte „duchi“ „gewunden", „geschlungen" zu sehen glaube, so halte ich die Uebersetzung des Wortes durch Auerhahn für die richtigere. 20. Atalef wird übereinstimmend mit „Fledermaus" übersetzt. Levysohn entnehme ich, daß das Blut der Fledermaus im Talmud als Heilmittel gegen eine Augenkrankheit, wahrscheinlich den weißen Staar, angegeben wird, auf welche Verwendung auch Plinius aufmerksam macht. Es wird im Talmud (Beza 7 a) auch erwähnt, daß sie bei Nacht gebärt und sich auch zur Nachtzeit begattet. Daß dieses so ganz anders lautende Wort, wie dasjenige, welches ich unter Nr. 14 anführte, ebenfalls Fledermaus bedeuten soll, kann weder gegen diese noch gegen jene Deutung sprechen. Offenbar ist damit eine andere Art gemeint als dort, eine Annahme, die um so eher erlaubt ist, als auch spätere Autoren, wie Herodot, Strabo und Andere über zahllose Mengen großer Fledermausarten im Orient (Arabien, Mesopotamien rc.) berichten, und als ferner auch die mitunter recht auffallende Formverschiedenheit diesen Schluß erlaubt. (Schluß folgt.) d FEUILLETON Gott ist die Liebe. Novelle von O. Bach. (Fortsetzung.) Seit Josefs Abreise waren Monate vergangen; die Jahreszeit war schon vorgeschritten, die Tage nahmen ab, aber noch wölbte sich der Himmel in köstlicher Bläue über die noch im Sommerschmuck prangende Erde. In den engen, winkligen Straßen der kleinen Stadt war es drückend heiß; man sehnte sich, wenn sich der Tag zu Ende neigte, ins Freie, um sich an dem saftigen Grün der Wiesen, an den prachtvollen Linden zu erfreuen, welche eine Allee nach dem von der Stadt nicht allzu entfernt liegenden Walde bildeten, in dem sich mehrere Gastwirthschaften etablirt hatten und während der heißen Sommerzeit vielfach von den Bewohnern M.'s frequentirt wurden. Die Honoratioren verkehrten größtentheils in der „Waldschänke", um dort unter dem grünen Blätterdach, welches uralte Linden und Kastanienbäume bildeten, ihr Glas Bier zu trinken und dabei ein wenig zu debattiren und zu disputiren; während die weniger vornehmen Einwohner M.'s mehr die „goldene Krone" besuchten. Der Steuerrath Hochbaum mit seiner Familie gehörte zu den Ersteren; — Heimchen Lewy zu den Letzteren. Er wanderte fast allabendlich mit Kind und Kegel hinaus, wo er alsdann mit guten Freunden und Bekannten zusammentraf und sich auch manche Gelegenheit fand, für die Zukunft eines jungen Paares zu sorgen. Auch heute hatte sich der kleine Mann noch spät entschlossen, in die „goldene Krone" zu gehen. Er wollte dort mit einem jungen Bekannten aus dem nahe gelegenen Dorf Rothmühlen zusammentreffen. David Frank führte in dem volkreichen Dorfe einen Handel von gemischten Maaren; er war ein hübscher, stattlicher Mann, in Bromberg hatte er das Geschäft erlernt, dort auch seiner Militairpflicht genügt;

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