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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-05-01 · Heft 18 (1.5.1891) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 18 (1.5.1891)
Date
1891-05-01
Page
Seite 213 (sequence 9)
Language
German
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213 Die Thierrvelt im Pentateuch. Bon Dr. Ludwig Karpeles. Wenn man unter den Werten Umschau hält, die sich auf die ersten Andeutungen über die Thierkunde der Alten beziehen, so muß man unbedingt die Bemerkung machen, daß eine sehr ergiebige und zugleich vielleicht die älteste Kundgebung in dieser Hinsicht — die fünf Bücher Moses — gegen andere, als die Werke der Griechen und Römer, sehr vernachlässigt wurde. Bei dem Umstande, daß diese mit Recht beanspruchen können, für das älteste der heiligen Bücher gehalten zu werden, und daß sie durch ihre Reichhaltigkeit in dieser Richtung jenen bei Weitem überlegen sind, ist diese Thatsache merkwürdig und mag wohl nur dadurch begründet sein, daß der Urtext ziemlich schwierig zugänglich ist. Die folgenden Zeilen wollen weniger eine erschöpfende Darstellung dieses Gegenstandes sein, als vielmehr blos den Weg zu den oft ziemlich schwierigen Deutungen selbst bahnen und die Aufmerksamkeit auf ein Gebiet lenken, das für die Geschichte der Zoologie von unschätzbarem Werthe sein muß. Sie beziehen sich zunächst ausschließlich auf die gelegentlich der Speisegesetze im 11. Kapitel des III. Buches Moses aufgeführten Thierarten, an deren Betrachtung ich nach der Reihenfolge gehe, wie sie daselbst angeführt sind. Bekanntlich erlaubte der älteste Gesetzgeber den Israeliten nur den Genuß jener Säugethiere, die „gespaltene Klauen" haben und „wiederkäuend" sind. Darnach würde man glauben, in diesen die Artiodactyla ruminantia der heutigen Zoologen, respektive die Pecora L., Bisulca Blum, Zygodactyla Wag rc. zu erkennen. Allein es zeigt sich bald, daß nicht alle der letzteren darunter gemeint sind, denn der Urtext fügt jener Bestimmung vier Thiere an, deren Genuß verboten wird. Zunächst eines unter dem Namen Gomol, das unzweifelhaft Kameel heißt, mit der Begründung: „weil es wiederkäut, aber keine gespaltenen Klauen hat". Daraus geht hervor, daß schon damals auf die Art des Auftretens beim Kameele auf die Sohle geachtet wurde, was nicht merkwürdig ist, da dieses Thier bei den alten Hebräern in der Wüste eine sehr große Rolle spielte. Diese Annahme zeigt andererseits, daß Moses nur jene Bisulea unter den mit gespaltenen Klauen versehenen aufnimmt, deren Zehen (respektive Klauen) nicht nur oben, sondern auch unten durchgehends getrennt sind. Da das Kameel ein für diese Orientalen hochwichtiges Thier >oar, so wird seiner in jenen uralten Schriften sehr oft Erwähnung gethan. In einem Theile des Talmud (Baba mezia 38 b) ist von einer Krankheit des Kameeles die Rede, bei welcher sein Höcker eitert; als Remedium dafür wird daselbst Honig angegeben. Dem Kameele zunächst (Vers 5) wird ein Thier unter dem Namen Sebopbon angeführt, bezüglich dessen mehrere Deutungen vorliegen. Die der Rabbinen und Luthers als „Kaninchen" muß zurückgewiesen werden, weil es im Urtexte in wörtlicher Uebersetzung heißt: „denn es wiederkäut, aber die Klaue ist ihm nicht gespalten". Der angeführte hebräische Name steht nach dieser Deutung zu Spanien — Hispania — in einer Beziehung, so daß entweder das Land von der daselbst damals sehr gemeinen Thierart, oder umgekehrt diese ihre Bezeichnung von dein Lande herleiten soll; höchst wahrscheinlich war dieselbe aber damals im Oriente noch nicht bekannt, Bochart hält es für einen Springhasen, Bipus jacuhis; da diese Art aber nur im Lehm und im Sandboden nistet und von dem Schophon ausgesagt wird, daß es sich in Felsen aufhält, so halte ich es mit einigen neuern Kommentatoren für Hyrax syriacus Schreb. Dieselbe Art wird von Saadias „Wabr", von den Syriern „Daman", von den Aethiopiern „Aschkoko" genannt. Sie ist in: Libanon, in den Gebirgen und Felsen von Syrien, Palästina, Arabien, Abessinien rc. sehr häufig. Diese Deutung erhält durch die Thatsache die größte Wahrscheinlichkeit, daß diese Art ein schmackhaftes Fleisch haben soll und daher von den Arabern gegessen wird, was die ausdrückliche Erwähnung dieser Spezies im Pentateuch sehr erklärlich macht. Arneveth heißt eine weitere, verbotene Thierart, die übereinstimmend als Hase gedeutet und aus demselben Grunde wie die beiden ersten als „unrein" (respektive verboten) bezeichnet wird. Die Angabe vom Wiederkäuen des Hasen ist wohl auf die Art seiner Kaubewegungen, die er mit den Buminaicküs gemein hat, zurückzuführen. Von den Völkern des Alterthums genossen die Araber, Griechen und Römer den Hasen, obwohl unter Anderen auch Galen dem Genüsse desselben dickes, melancholisches Blut zuschreibt; es wird ferner er- . wähnt, daß Hasenfleisch ein Mittel gegen Epilepsie, Podagra, Krebs u. s. w. sei. Das nächste der verbotenen Thiere, Glmsir, ist das Schwein, „denn die Klaue ist getheilt, ja sogar ganz durchspalten, aber es ist nicht wiederkäuend". Es wird im Talmud angegeben, daß seine Eingeweide am meisten denen der Menschen gleichen, weshalb bei Schweineseuchen Gebet und Fasten verordnet wurden. Aristoteles giebt in seiner Thiergeschichte (1, 14) an, daß die Milz des Schweines der der Menschen sehr ähnlich sei. Auch die Aegypter, die Araber, sowie noch jetzt alle Mohammedaner verabscheuen das Schwein, obwohl es bei den alten Aegyptern ein Opferthier war und die Kretenser es sogar für heilig hielten. Es handelte sich bei diesem Verbot natürlich vor Allem um das asiatische Wildschwein, dessen Genuß gefährlich war und noch ist. Aber es bleibt merkwürdig und der näheren Untersuchung werth, welche bedeutsame Rolle das Schwein auch noch in der talmudischen Haggada spielt. Hieran reihen sich die Bestimmungen über die „Wasserthiere" an, von denen allgemein nur jene als erlaubt bezeichnet werden, die Flossen und Schuppen haben. Bezüglich der Vögel wird iw Urtexte selbst keine generelle Bestimmung der erlaubten und verbotenen angegeben, sondern letztere, zwanzig an Zahl, werden namentlich angeführt. 1. Kescher ist unzweifelhaft mit Adler zu übersetzen. 2. Peress wird von Bochart als Aqüila (seu falco) ossifraga, Beinbrecher (Haliaetus albicilla Briß.) gedeutet. 3. Osnijah ist der Flußadler, Pandion haliaetus Cuv. 4. Dooh; Raschi, der bedeutendste Kommentator des Pentateuch, übersetzt das Wort durch „vullure“, und man kann es mit vollem Rechte für Geier gelten lassen. 5. Ajoh, nach einigen Kommentatoren Falke oder Habicht, bedeutet nach Levysohn dasselbe wie das vorhergehende Wort, nämlich irgend eine Geierart. Der Talmud giebt an, daß im Orient „hundert unreine (verbotene) Vögelarten vorhanden sind, die zum Geiergeschlechte gehören". 6. Orew bedeutet Rabe, Krähe. 7. Batb ha-Jona heißt wörtlich eigentlich: „Tochter der Wüste" lind wird übereinstimmend als Strauß gedeutet. Sein Charakter wird im Talmud — wie auch schon der biblische Name vermuthen läßt — elegischer geschildert, als er es verdient, es heißt von ihm (Chulin 64 b), daß er bei seinen Jungen weile und über ihren Verlust trauere. 8. Tachmoth ist mit Eule zu übersetzen. 9. Schochaf wird von Luther wohl irrthümlich mit „Kukuk" übersetzt. Da das Wort „abgezehrt", „mager" bedeutet, so ist es am richtigsten durch Seemöve, Barns inarinus L., zu übersetzen. 10. \e/. Mit diesem Wort ist wohl die ganze Familie der Sperber, Habichte und Falken gemeint. 11. Laus. Die Deutung Raschis als „Hibou“ oder Horneule scheint mir die annehmbarste. 12. Scholoch, ist die Scharbe, Haliaeus Jll., Graciiliis Gray, in China „Louwa" genannt und daselbst in der Weise zum Fischfänge benützt, daß dem Vogel ein eng anschließender Ring vor dem Kropfe um den Hals gelegt wird, so

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