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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-04-24 · Heft 17 (24.4.1891) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 17 (24.4.1891)
Date
1891-04-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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erstattet worden. Nachzutragen wäre nur noch, daß über Dr. Mayb aums Antrag, eine deutsche Pessachhagad ah herauszugeben, der Centralausschuß beschlossen hat, in der Voraussetzung, daß der nächste Verbandstag den Antrag annehmen werde, auch religiöse Fragen zum Gegenstände der Verbandsverhandlungen zu machen, eine Kommission mit der Abfassung einer Bearbeitung der Hagadah in deutscher Sprache zu betrauen, jedoch müsse bei der Veröffent^ lichung auch dann die hebräische Hagadah vorangestellt werden! -¥ Bei den Wahlen wurde Dr. Ungerleider zum Vorsitzenden des Central au sschusfes gewählt. Ungerleider, Bamberger, Maybaum bilden den geschästsführenden Vorstand. Der Centralausschuß wählte sodann noch vorbehaltlich der Ratifikation des Verbandstages Rippner und Vogelstein in den Vorstand. In diesem Jahre soll am 3. und 4. August ein Verbandstag stattfinden. Das Verzeichniß der Mitglieder seit Gründung des Verbandes weist 102 Namen der verschiedensten' religiösen Schattirung auf; sieben der Mitglieder sind inzwischen verstorben. Den Berichten der Kommissionen entnehmen wir zunächst, daß am 31. Dezember 1890 eine eigene Pensionskasse für die Verband? - Mitglieder thatsächlich ins Leben getreten ist. Die Kommission für Schulenguete will nächstens mit den Vorarbeiten beginnen. Soviel wir wissen, sind solche Vorarbeiten bis zu einem gewissen Grade vom deutschisraelitischen Gemeindebunde schon vorgenommen worden. Könnte man diese nicht benutzen? Möge der Verband — das wünschen wir in seinem Interesse, wie im Interesse des deutschen Judenthums nicht in. dem Fehler vieler unserer jüdischen Vereine verfallen, daß er das auf seinem Arbeitsgebiete schon von anderer Seite Geleistete übersieht. Wir gedenken aus diesen Nothstand in einem besonderen Aufsätze gelegentlich, zurückzukommen. Dem Verbände aber und seinem rührigen Centralausschusse wünschen wir kräftige Förderung und segensreichen Erfolg! O Berttrr, 17. April. Von dem „Centralverein zur Vorbereitung jüdischer Gemeindewahlen" geht uns die nachfolgende „Berichtigung" zu: „Unser Referent hat in unserer General-Versammlung vom 7. d. M. nicht gesagt: „die Majorität (der Repräsentanten - Versammlung)- kämpft mit den Waffen der Verleumdung," sondern „Unser Sieg bei den letzten Wahlen zur Repräsentanten - Versammlung ist um so höher anzuschlagen, als uns die Gegner mit den Waffen der Verleumdung bekämpften, indem sie uns als Schwarze und.Orthodoxe hin-' stellten." Auch die anderen von Ihrem Berichterstatter zitirten Aussprüche4 unseres Referenten lassen dadurch, daß sie aus dem Zusammenhänge herausgerissen und in positiver Form hingestellt worden, während sie nur in hypothetischer gefallen sind, eine nicht beabsichtigte Deutung zu." Wir können diese Zuschrift zwar nicht als „Berichtigung" gelten lassen, wollen ihr aber als dem Versuch einer „Beschwichtigung" gern Verbreitung gewähren. Einer Berichtigung gegenüber möchten wir unser Referat in allen seinen Theilen aufrecht erhalten. Wenn dien Worte des Referenten in unserer Wiedergabe eine „nicht beabsichtigte Deutung zulassen", so freut es uns zwar, daß der Referent andere Absichten verfolgte, Thatsache bleibt aber, daß aus den unparteiischen Zuhörer die Worte jene nicht beabsichtigte Wirkung ausgeübt haben., Wir stehen dem Centralverein und seinen Tendenzen durchaus' sympathisch gegenüber. Bedarf es hierfür noch eines Zeugnisses.; so wollen wir darauf Hinweisen, daß der Chefredakteur unserer Zeitung - selbst Mitglied des Vereins ist und erst jüngst einen Vortrag in demselben gehalten hat. Auch die Redaktion des „Gemeindeboten" hat den Zuschriften aus den Reihen des Vereins stets gern Raum gegeben und unterstützt nach besten Kräften seine Bestrebungen. Um so ent- - schiedener müssen wir uns aber — gerade im Interesse des guten Zweckes — gegen jede Ueberschreitung wenden. Keiner wird mehr als^ wir erfreut sein, wenn der Centralverein uns — und zahlreichen Gleichgesinnten — die Gelegenheit zu gemeinsamer Arbeit geben wird. <D Berlin, 19. April. Die deutschen Logen des Bne-Berith- Ordens wenden dem geistigen Leben des Judenthums immer mehr ihre Aufmerksamkeit und Thätigkeit zu. Dieses wackere Streben verdient die wärmste Anerkennung. So hat die „Berthold Auerbach-Loge^ in 1 Berlin aus ihrem Fonds einen Beitrag festgesetzt zur event. Begründung eines „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" in Berlin. Ferner hat die „Leopold Zunz-Loge" unter dem Eindruck des Vortrages von - Herrn Dr. G. Karpeles den einstimmigen Beschluß gefaßt, zum IM. Geburtstage (1894) von Zunz einen Preis auf die beste populäre Biographie des gelehrten Forschers auszuschreiben, und ein Mitglied der ‘ Loge hat sofort einest stämhafien Beitrag für diesen Zweck gezeichnet. In dieser Loge hielt am 2. d. M. Herr Seminardirektor Dr. Th. Kroner aus Hannover einen Vortrag über „den Antheil der Luden an der Arbeit der Völker", während am selben Abend Herr Dr. G. Karpeles in der „Frankfurt-Loge" zu Frankfurt a. M. einen Vortrag über „Die Juden in Afrika" hielt. Der A. O. B. B. zählt jetzt 29 Logen in Deutschland, und zwar in Berlin (3), in Halle, Kattowitz, Beuthen O.-S., Stettin, Gleiwitz, Bresläu, Kreuzburg, Dresden, Magdeburg, Posen, Ostrowo, Hannover, Bielefeld, Ratibor, Hamburg, Halberstadt, Frankfurt a. M., Görlitz, Köln, Straßburg, Kassel, Mainz, Dessau, Stargard, Wiesbaden. Möge der Orden sich immer weiter ausbreiten und segensreich zum Heil des Judenthums und der Humanität wirken! * Berttn, 17. April. Einen stürmischen Verlauf, nahm wieder eine vom „Antisemitischen Volksverein" am Mittwoch Abend nach dem Mnndt'schen Lokal. Köpnickerstr. IM, einberufene Volksversammlung, in welcher Herr Wilhelm Pickenbach, der antisemitische Reichstagsabgeordnete über „Judenthum und Sozialdemokratie" eine Rede hielt. Um die Sozialdemokraten von dieser Versammlung möglichst fern zu halten, wurde ein Eintrittsgeld von 20 Pf. „zur Deckung der Unkosten" erhoben. Gleichwohl hatte sich eine größere Zahl Sozialdemokraten, unter Leitung des Buchdruckers W. Werner, gegen Erlegung dieser Versammlungssteuer Zutritt zu dieser Volksversammlung verschafft und begannen alsbald, Herrn Pickenbach zu „opponiren". Es geschah dies zumeist durch fortgesetzte Zwischenrufe, wie „Unsinn!" „Quatsch!" u. s. w. Diese Art der Opposition wirkte mit der Zeit so epidemisch, daß sich im Verein mit Herrn Werner und seinen „Genossen" auch die eigenen „Genossen" des Herrn Pickenbach daran betheiligten. Dazwischen ertönte auch einige Male der beliebte Ruf: „Raus!" Nach längerem Lärm endete die Versammlung um Mitternacht. W Memel, 5. April. In diesen Tagen fanden an der hiesigen israelitischen Elementar- und der Religions-Schule öffentliche Prüfungen statt, welche außer von dem Schulvorsteher, Herrn Rabbiner Dr. Rülf, von dem Lehrer Herrn Bernstein und der Lehrerin Frau Müller zur vollkommenen Befriedigung der Zuhörerschaft abgehalten wurden. Dieselben legten, wie allgemein anerkannt wurde, beredtes Zeugniß dafür ab, was selbst unter den widrigen Verhältnissen, in denen sich die größtentheils aus Waisenkindern bestehenden Schüler und Schülerinnen der erstgenannten Anstalt befinden, durch Ordnung, Fleiß und reges Streben erreicht werden könne. Das hohe Maß der an den Tag gelegten Kenntnisse ist eben so sehr den Bemühungen der Zöglinge selbst als der Umsicht und Geduld des seit einem Jahre an den Schulen wirkenden Herrn Bernstein zu danken, dem es gelungen ist, die Elementarschule zu — wir müssen den Ausdruck gebrauchen — zu zivilisiren. B. Frankfurt a. Main, 16. April. Die von Herrn Rabbiner Dr. HoroWitz geleitete Religionsschute der israelitischen Gemeinde wird durch den Jahresbericht, der soeben herausgegeben worden ist, dem Interesse des Publikums aufs Neue in erfreulicher Weise in Erinnerung gebracht. Der Schule ist, wie schon früher gemeldet, im Laufe dieses Jahres die juristische Persönlichkeit allerhöchst ertheilt worden. Dem Statut zufolge besteht der Vorstand aus folgenden Herren: Rabbiner Dr. M. Hörowitz, Vorsitzender, Dr. H. Heinemann, Stellvertreter des Vorsitzenden, Alfred Geiger, Schriftführer und Kafsirer, Aaron Meyer, dessen Stellvertreter, Jakob Salomon Posen, Oekonom, L. Mainz, Rudolph Strauß, Emanuel Merzbach. Beisitzer. Die Anzahl der in der Anstalt unterrichteten Schüler stieg im Laufe des Jahres auf 248, den im städtischen Gymnasium von dem Direktor und den Lehrern der Anstalt ertheilten Unterricht genossen 43 Schüler, södaß die Zahl der Zöglinge sich im Ganzen auf 291 belief. Die mit der Religionsschule verbundene Vorbereitungsschule für den Rabbinerberus hat ebenfalls eine Zunahme und den Fortschritt zu verzeichnen, daß drei ihrer süddeutschen Hörer bereits das Abiturienten-Examen am Gymnasium bestanden und nun schließlich den rabbinifchen Studien der Anstalt sich widmen. Als pädagogisch interessant ist der anscheinend gelungene Versuch des Direktors hervorzuheben, die Ferien der Religionsschule möglichst von denen der öffentlichen Schulen zu trennen, Die hierdurch herbeigeführte Entlastung der Schüler ist in der That geeignet, beiden Theilen zu Gute zu kommen. * Darmstadt, 19. April. Am vergangenen Mittwoch hat der Schriftführer des Vereins zur Abwchr des Antisemitismus, Pastor eurer. Lic. Gra ebner, hier einen öffentlichen Vortrag über den Antisemitismus gehalten, der einen wahrhaft glänzenden Erfolg hatte. Die Antisemiten bildeten ein volles Drittel der etwa 7M bis 8M Personen zählenden

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